Die Philister (Filistinliler) waren Gemeinschaften in der südlichen Levante (Levant). Ihre Kultur wird um 1200 v. Chr. archäologisch sichtbar und zeigt Verbindungen zur Ägäis (Ege). Archäologische Funde und alte DNA aus Aschkelon (Aşkelon) sprechen für eine Zuwanderung in die Region. Sie bestimmen aber weder eine genaue ursprüngliche Heimat noch die Abstammung der Bevölkerung jeder einzelnen Philisterstadt.
Die Spuren führen dich von bemalter Keramik zu Säuglingen, die unter Häusern bestattet wurden. Diese Funde beantworten unterschiedliche Teile der Herkunftsfrage. Gegenstände zeigen kulturelle Verbindungen. DNA liefert dagegen Hinweise darauf, dass Menschen zuwanderten. Nahrungsreste, Gräber und Pflanzen aus Tempeln zeigen wiederum, wie vielfältig das Leben innerhalb der philistäischen Gemeinschaften sein konnte.
Wo lagen die Städte der Philister und wann erlebten sie ihre Blütezeit?
Die fünf wichtigsten Philisterstädte waren Gaza (Gazze), Aschkelon, Aschdod (Aşdod), Gat (Gat) und Ekron (Ekron). Sie lagen in der Küstenebene am Mittelmeer (Akdeniz) in der südlichen Levante und im angrenzenden Binnenland. Archäologische und geografische Befunde setzen Gat mit Tell es-Safi gleich. Die Ausgrabungsstätte von Ekron heißt Tel Miqne.
Die archäologische Hauptphase der philistäischen Kultur reicht ungefähr von 1200 bis 604 v. Chr. In Aschkelon datieren die Ausgräber den Beginn der philistäischen Besiedlung auf etwa 1170 v. Chr. Die Siedlung entstand über einer kanaanitischen Stadt, die zuvor unter ägyptischer Herrschaft gestanden hatte. Diese Abfolge zeigt, dass die Neuankömmlinge auf eine bereits bestehende Stadtlandschaft trafen.
Aschkelon betrieb im 12. und 11. Jahrhundert v. Chr. weiterhin internationalen Seehandel. Die philistäische Siedlung gehörte somit zu einer Küstenwelt mit fortbestehenden Verbindungen über das Meer. Im Jahr 604 v. Chr. zerstörte Nebukadnezar II. (II. Nebukadnezar) Aschkelon. Damit endete die philistäische Besiedlung der Stadt in der Eisenzeit.
Die Leon Levy Expedition grub zwischen 1985 und 2016 in Aschkelon. Ihr Bericht zur Eisenzeit I untersucht Hinweise auf neue Gemeinschaften aus dem Westen. Er berücksichtigt Keramik, Architektur, Ernährung, Herstellungstechniken, Verzierungen und Schrifttraditionen. Wenn du verstehen möchtest, worauf die Annahme einer Zuwanderung beruht, ist diese Bandbreite wichtig. Die Deutung stützt sich auf mehr als einen einzelnen Keramikstil.
Welche Belege verbinden die Philister mit den Seevölkern und der Ägäis?
Die Inschriften von Medinet Habu nennen die Peleset als Teil des Bündnisses der Seevölker. Ramses III. (III. Ramses) berichtete, dieses Bündnis in seinem achten Regierungsjahr besiegt zu haben. Die Texte gehören zur Diskussion über die Herkunft der Philister. Sie klären jedoch nicht, wie die Besiedlung der kanaanitischen Küste ablief.
Eine Theorie besagt, dass Ägypten (Mısır) die Peleset dort ansiedelte. Eine andere geht von einer unabhängigen Ansiedlung aus. Wo die im Papyrus Harris erwähnten Festungen lagen, bleibt unklar. Diese Unsicherheit begrenzt die Möglichkeit, aus den ägyptischen Berichten eine genaue Siedlungskarte abzuleiten.
Keramik liefert einen eigenen Hinweis auf Verbindungen zur Ägäis. Frühe philistäische Fundkomplexe enthalten lokal hergestellte Varianten späthelladischer Gefäße der Stufe IIIC. Darauf folgte zweifarbige Keramik mit roten und schwarzen Verzierungen auf einem weißen Überzug. Die Herstellung vor Ort ist ein konkreter Bestandteil der Belege: Verbindungen zur Ägäis zeigten sich an Gegenständen, die in der südlichen Levante gefertigt wurden.
Gloria London, Shlomo Bunimovitz und weitere Forschende haben die Annahme hinterfragt, dass Gefäße im ägäischen Stil zwangsläufig eine Zuwanderung belegen. Auch Handel, die Weitergabe von Herstellungstechniken und lokale Produktion konnten Keramiktraditionen verbreiten. Die Verzierung eines Topfes kann deshalb eine kulturelle Verbindung anzeigen, ohne den Geburtsort seines Herstellers zu verraten.
Amos 9,7 verbindet die Herkunft der Philister mit Kaftor (Kaftor). Die Forschungsmitteilung der Max-Planck-Gesellschaft beschreibt dies als spätere Herkunftserinnerung, die mit Kreta (Girit) verbunden wurde. Diese Überlieferung gehört neben die archäologische Diskussion. Die DNA-Ergebnisse aus Aschkelon weisen Kreta jedoch nicht als genaue Heimat der Zugewanderten nach.
Was ergab die Studie zur alten DNA aus Aschkelon und wo liegen die Grenzen ihrer Stichprobe?
Die am 3. Juli 2019 in Science Advances veröffentlichte Studie aus Aschkelon untersuchte 108 Skelettelemente. Nur von 10 Individuen ließ sich ausreichend menschliche DNA gewinnen. Die Stichprobe umfasste drei Individuen aus der Bronzezeit, vier Säuglinge aus der frühen Eisenzeit und drei Individuen aus der späteren Eisenzeit. Diese Zahlen bestimmen den Umfang der Studie.
In allen drei zeitlichen Gruppen war der größte Teil der Abstammung mit dem lokalen levantinischen Genpool verwandt. Die Individuen aus der frühen Eisenzeit besaßen zusätzlich eine mit europäischen Populationen verwandte Abstammungskomponente. In den vorausgehenden bronzezeitlichen Proben wurde sie nicht nachgewiesen. Diese zusätzliche Komponente stützte die Annahme einer Zuwanderung nach Aschkelon am Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit.
Eine Herkunft aus Südeuropa wurde als plausible Erklärung vorgestellt. Die Forschenden betonten jedoch, dass weitere alte DNA-Proben nötig seien, um die genaue Herkunftspopulation der Zugewanderten zu bestimmen. Du kannst das Ergebnis also als Beleg für zugewanderte Menschen lesen. Ihr genauer Ausgangsort bleibt dabei offen.
In den höchstens etwa zwei Jahrhunderte jüngeren Proben aus Aschkelon ließ sich das zusätzliche, mit europäischen Populationen verwandte Signal nicht mehr unterscheiden. Die Forschenden erklärten dies durch Vermischung mit lokalen levantinischen Gemeinschaften. Das Ergebnis beschreibt eine Veränderung der Abstammungsanteile innerhalb der untersuchten Bevölkerung. Es beschreibt keine dauerhafte genetische Grenze der philistäischen Identität.
Die Grenzen der Stichprobe sind erheblich. Zehn Individuen aus einer Stadt können die Bevölkerungszusammensetzung aller fünf Philisterstädte nicht direkt abbilden. Ebenso wenig lässt sich daraus der Gesamtanteil der Zugewanderten in den philistäischen Gemeinschaften bestimmen. Selbst innerhalb der Studie waren die vier früheisenzeitlichen Individuen ausschließlich Säuglinge. Eine breite Auswahl verschiedener Altersgruppen lag damit nicht vor.
Was verraten Keramik, Nahrungsreste und Bestattungen über den Alltag?
Keramik verbindet die Herkunftsdebatte mit Haushaltsgegenständen. Lokal hergestellte Gefäße im ägäischen Stil und spätere zweifarbige Waren mit roten und schwarzen Verzierungen zeigen Veränderungen der Keramiktraditionen. Denk an das Geschirr, das du zu Hause benutzt: Auch bei den philistäischen Funden geht es um Gefäße, die innerhalb von Gemeinschaften verwendet wurden. Ihre Verzierungen helfen Archäologen zugleich, weiträumige Verbindungen nachzuzeichnen.
Tierreste erschweren ein einheitliches Bild der philistäischen Ernährung. Die in Radiocarbon veröffentlichte Studie zu Schweinen der Eisenzeit stellte Unterschiede beim Schweinefleischkonsum fest. Sie bestanden zwischen städtischen Zentren und ländlichen Siedlungen im Gebiet der Philister. Ein Muster aus einer Stadt beschreibt deshalb nicht automatisch die Mahlzeiten im gesamten Umland.
Die Forschenden untersuchten auch die Theorie, dass die Seevölker europäische Hausschweine als Fleischvorrat mitbrachten. Ihre Diskussion betont wirtschaftliche Faktoren bei der Aufnahme und Aufgabe des Schweinefleischkonsums. Nahrungsreste können zu Überlegungen über Identität beitragen. Ihre Deutung muss aber auch diese wirtschaftlichen Entscheidungen berücksichtigen.
Der Friedhof von Aschkelon eröffnet einen weiteren Blick auf die Praktiken der Gemeinschaft. Die meisten Menschen wurden in Einzelgruben bestattet. In einige Gräber kamen später weitere Verstorbene hinzu. In den Gräbern fanden sich kleine Krüge, die vermutlich Duftöl enthalten hatten, außerdem Schmuck und Waffen. Die meisten Toten erhielten jedoch keine persönlichen Gegenstände als Grabbeigaben.
Pflanzenreste zeigen Praktiken jenseits des Haushalts. Eine Studie von 2024 untersuchte Pflanzenreste aus dem Tempel D3 in Gat. Die botanischen Befunde ergänzen das Bild aus Keramik, Tierknochen und menschlichen Bestattungen um rituelle Handlungen.
Details, die du nicht in Reiseführern findest
Die vier Säuglinge aus der frühen Eisenzeit in der DNA-Studie stammten aus Bestattungen unter Häusern in Aschkelon. Diese wurden in das späte 12. Jahrhundert v. Chr. datiert. Der Bestattungsort verknüpft die genetischen Befunde mit einem konkreten Wohnumfeld.
Die philistäische Identität bestand auch länger fort als das unterscheidbare, mit europäischen Populationen verwandte genetische Signal. Texte aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. bezeichneten die Menschen von Aschkelon weiterhin als Philister. Zu dieser Zeit ließ sich die zusätzliche Abstammungskomponente bei den untersuchten Individuen bereits nicht mehr abgrenzen. Der Name und das nachweisbare genetische Muster hatten unterschiedliche zeitliche Verläufe.
Im Tempel D3 in Gat fanden sich etwa 100 Mönchspfefferfrüchte zusammen mit Opfergaben. Die Forschenden deuteten diese Häufung 2024 als Hinweis darauf, dass die Pflanze im Tempel gezielt verwendet wurde. Der Befund beruht auf einer bestimmten Pflanze in einem bestimmten rituellen Zusammenhang.
Die Forschenden schlugen eine Verbindung zwischen den Mönchspfefferresten und dem Hera-Kult auf Samos (Sisam) vor. Sie betonten zugleich, dass die zum Vergleich herangezogenen Schriftquellen aus späterer Zeit stammten. Der Vergleich blieb deshalb ein Deutungsvorschlag. Eine gesicherte Bestimmung des Rituals in Gat war damit nicht möglich.
Warum ist es problematisch, antike philistäische Gemeinschaften direkt mit heutigen Identitäten gleichzusetzen?
Die Studie aus Aschkelon verfolgte die Abstammung über drei antike Gruppen aus einer einzigen Stadt. Ihre Befunde erlauben keine direkte Gleichsetzung dieser Menschen mit einer heutigen Bevölkerung. Schon die weitere Verwendung des Namens Philister zeigt das Problem: Er blieb bestehen, nachdem sich das mit europäischen Populationen verwandte Signal nicht mehr unterscheiden ließ. Abstammung und Gemeinschaftsidentität entwickelten sich also nicht einfach im Gleichschritt.
In der Diskussion über die heutige Kontroverse in EMBO Reports betonte David Reich, dass sowohl Palästinenser als auch Juden erhebliche Abstammungsanteile von Populationen besitzen, die frühen Kanaanitern genetisch ähnlich waren. Er erklärte außerdem, dass die Ergebnisse aus Aschkelon weder rechtfertigen, heutigen Palästinensern ihre Verbindung zur Region abzusprechen, noch heutige Gebietsansprüche stützen.
Zeitleiste
- Um 1200 v. Chr.: Die archäologische Hauptphase der philistäischen Kultur beginnt in der südlichen Levante.
- Achtes Regierungsjahr von Ramses III.: Die Inschriften von Medinet Habu nennen die Peleset als Teil des Seevölkerbündnisses, das er nach eigenen Angaben besiegte.
- Um 1170 v. Chr.: Nach der Datierung der Ausgräber beginnt die philistäische Besiedlung von Aschkelon.
- 12.–11. Jahrhundert v. Chr.: Das philistäische Aschkelon betreibt weiterhin internationalen Seehandel.
- 604 v. Chr.: Nebukadnezar II. zerstört Aschkelon.
- 1985–2016: Die Leon Levy Expedition gräbt in Aschkelon.
- 3. Juli 2019: Science Advances veröffentlicht die Studie zur alten DNA aus Aschkelon.
- 2024: Forschende deuten Mönchspfefferfrüchte aus dem Tempel D3 in Gat als Hinweis auf die gezielte Verwendung der Pflanze im Ritual.
FAQ
Wer waren die Philister?
Die Philister waren Gemeinschaften in der südlichen Levante, deren Kultur um 1200 v. Chr. sichtbar wurde. Zu ihren archäologischen Hinterlassenschaften gehört lokal hergestellte Keramik im ägäischen Stil.
Hat DNA bewiesen, dass sie aus Kreta kamen?
Nein. Die früheisenzeitlichen Proben aus Aschkelon enthielten eine mit europäischen Populationen verwandte Abstammungskomponente. Eine Herkunft aus Südeuropa war plausibel. Die Studie bestimmte jedoch keine genaue Herkunftspopulation.
Wie viele Menschen umfasste die DNA-Studie?
Die Studie gewann von 10 Individuen ausreichend menschliche DNA: von drei Menschen aus der Bronzezeit, vier Säuglingen aus der frühen Eisenzeit und drei Menschen aus der späteren Eisenzeit.
Können die Ergebnisse heutige Gebietsansprüche begründen?
Nein. David Reich erklärte, dass die Ergebnisse aus Aschkelon weder rechtfertigen, heutigen Palästinensern ihre Verbindung zur Region abzusprechen, noch heutige Gebietsansprüche stützen.
Quellen
- Wikipedia — Antike Philister tr.wikipedia.org
- Wikipedia — Philister en.wikipedia.org
- Wikipedia — Aschkelon en.wikipedia.org
- Harvard-Museum für den Alten Orient — Aschkelon 7: Die Eisenzeit I hmane.harvard.edu
- Labor für Umweltarchäologie der Boston University — Aschkelon sites.bu.edu
- Feldman und Kollegen, Science Advances, 2019 — Alte DNA beleuchtet die genetische Herkunft der Philister der frühen Eisenzeit pmc.ncbi.nlm.nih.gov
- Max-Planck-Gesellschaft — Alte DNA beleuchtet die Herkunft der biblischen Philister mpg.de
- Sapir-Hen, Meiri und Finkelstein, Radiocarbon — Schweine der Eisenzeit cambridge.org
- Baylor University — Baylor-Professor hilft, die Geheimnisse der Philister zu entdecken news.web.baylor.edu
- Scientific Reports, 2024 — Pflanzenbezogene Ritualpraktiken der Philister im biblischen Gat nature.com
- Howard Wolinsky, EMBO Reports — Alte DNA und heutige Politik pmc.ncbi.nlm.nih.gov
FAQ
Wer waren die Philister?
Die Philister waren Gemeinschaften, die sich ab etwa 1200 v. Chr. in der südlichen Levante etablierten. Ihre Kultur verband Einflüsse aus der Ägäis mit lokalen kanaanitischen Traditionen.
Hat alte DNA bewiesen, dass die Philister aus Kreta kamen?
Nein. Früheisenzeitliche Proben aus Aschkelon enthielten eine mit europäischen Populationen verwandte Abstammungskomponente. Eine Herkunft aus Südeuropa galt als plausibel. Die Studie bestimmte jedoch keine genaue Herkunftspopulation.
Wie viele Menschen wurden in der DNA-Studie aus Aschkelon untersucht?
Die Forschenden gewannen von 10 Individuen ausreichend menschliche DNA: von drei Menschen aus der Bronzezeit, vier Säuglingen aus der frühen Eisenzeit und drei Menschen aus der späteren Eisenzeit.
Kann die DNA der Philister heutige Gebietsansprüche begründen?
Nein. David Reich erklärte, dass die Ergebnisse aus Aschkelon weder rechtfertigen, heutigen Palästinensern ihre Verbindung zur Region abzusprechen, noch heutige Gebietsansprüche stützen.
Image: Philistines pentapolis allsites.jpg — Cush, CC0






