Antibes (türkisch: Antibes) hieß Antipolis, weil sein griechischer Name Ἀντίπολις „die gegenüberliegende Stadt“ bedeutet. Welchem Ort die Stadt gegenüberlag, bleibt umstritten. Als Erklärungen werden Nizza, Korsika oder die einheimische Siedlung auf dem Rocher genannt. Keine davon ist allgemein anerkannt.
Ein Name, der an ein gegenüberliegendes Ufer denken lässt, passt zu einer Siedlung an wichtigen Seewegen. Doch auch unter den Straßen von Antipolis steckt Geschichte: eine frühe einheimische Siedlung, ein römisches Handelsschiff und Wasserleitungen eines wohlhabenden Wohnhauses. Wenn du diesen Spuren folgst, führt dich die Geschichte von einer griechischen Kolonie zur befestigten Stadt. In ihrer Bastion Saint-André befindet sich heute ein archäologisches Museum.
Warum nannten die Griechen die Stadt Antipolis?
Antibes liegt im Südosten Frankreichs, im Département Alpes-Maritimes der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Der antike Name bewahrt eine griechische Lagebeschreibung. Was Antipolis bedeutet, ist klar. Welcher geografische Bezug dahintersteckt, ist weniger sicher.
Eine Erklärung sieht Antipolis gegenüber von Nizza, auf der anderen Seite der Var-Mündung. Die regionale archäologische Darstellung stellt diese Deutung infrage, weil Nizza offenbar später gegründet wurde. Diese zeitliche Abfolge erschwert es, Nizza als gesicherte Antwort auf die Namensfrage anzusehen.
Andere Erklärungen beziehen den Namen auf Korsika oder auf das einheimische Dorf auf dem Rocher. Korsika kommt auch in der regionalen Darstellung der phokäischen Seefahrt vor. Der Seeweg der Phokäer führte an der Küste entlang bis Antibes. Von dort nahmen sie direkten Kurs auf die Insel. Damit gehört Korsika zum maritimen Umfeld des Hafens. Bewiesen ist die Erklärung des Namens dadurch jedoch nicht.
Der Rocher bietet einen anderen Bezugspunkt innerhalb von Antibes selbst. In der Nähe der Kathedrale und des Schlosses fanden Archäologen Spuren einer einheimischen Besiedlung aus dem frühen 6. Jahrhundert v. Chr. Die vermutete Verbindung zwischen dieser Siedlung und dem griechischen Namen bleibt eine von mehreren Erklärungen.
Wer gründete Antipolis und wann?
Antipolis gehörte zu den griechischen Kolonien, die Phokäer aus Massalia, dem heutigen Marseille, gründeten. Seine Ursprünge verbinden den Ort somit mit einem maritimen Netzwerk, dessen Mittelpunkt Massalia war. Die einheimischen Siedlungsspuren auf dem Rocher zeigen zugleich: Die Besiedlungsgeschichte von Antibes reicht über die Frage nach der Gründung der griechischen Kolonie hinaus.
Das Gründungsdatum ist umstritten. Die allgemeine historische Darstellung des Départements schlägt einen Zeitpunkt zwischen 565 und 540 v. Chr. vor. Seine archäologische Darstellung nennt kein genaues Gründungsdatum. Stattdessen hebt sie eine Zunahme der Importe am Übergang vom 4. zum 3. Jahrhundert v. Chr. hervor.
Diese Datierungen beziehen sich auf unterschiedliche Arten von Belegen. Die Besiedlung im frühen 6. Jahrhundert v. Chr. betrifft die einheimische Siedlung. Der vorgeschlagene Zeitraum 565–540 v. Chr. betrifft die Gründung der Kolonie. Die späteren Belege dokumentieren dagegen zunehmende Importe. Behalte diese Unterschiede im Blick, wenn du eine kurze Geschichte von Antipolis liest.
Wie trug der Hafen zum Wohlstand des griechischen und römischen Antipolis bei?
Die Anse Saint-Roch bot einen natürlichen Hafen, der vor den vorherrschenden Winden geschützt war. Er lag am Seeweg zwischen Marseille und der italienischen Küste. Schutz und Lage erklären gemeinsam, warum dieser Küstenabschnitt für eine antike Handelssiedlung wichtig war.
Der Seehandel trug zum Wohlstand sowohl des griechischen als auch des römischen Antipolis bei. Bedeutend waren außerdem das Einsalzen von Fisch und die Herstellung von Garum, einer fermentierten Fischsoße. Die Hafenwirtschaft verband damit den Schiffsverkehr mit der Verarbeitung von Fisch.
Das Archäologische Museum von Antibes datiert den Beginn der Entwicklung zur römischen Stadt auf 49 v. Chr. Nach seiner Darstellung endete in diesem Jahr die Oberhoheit Marseilles über Antipolis. Das Datum markiert damit einen zeitlichen Übergang zwischen den Verbindungen der Kolonie zu Massalia und der Entwicklung des römischen Antipolis.
Zur römischen Stadt gehörte auch eine Infrastruktur zur Wasserversorgung. Der Bouillide-Aquädukt erstreckte sich über ungefähr 16 Kilometer. Der Font-Vieille-Aquädukt war 4,5 Kilometer lang. Neben dem Hafen und seinen Gewerben gehören diese Bauwerke zur materiellen Geschichte der Siedlung.
Was kam bei den Ausgrabungen im antiken Hafen ans Licht?
Zwischen März und Oktober 2012 untersuchten Archäologen am Pré aux Pêcheurs 5.000 Quadratmeter des antiken Hafens. Die Ausgrabung fand vor dem Bau einer Tiefgarage statt. Sie legte Zeugnisse der Hafeninstandhaltung und der Schifffahrt frei.
Zu den Entdeckungen gehörte ein Handelsschiff aus dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. Ungefähr 15 Meter waren erhalten. Seine ursprüngliche Länge wurde auf 20–22 Meter geschätzt. Diese Maße unterscheiden die erhaltenen Überreste von der rekonstruierten Größe des vollständigen Schiffes.
Die Ausgrabung brachte auch Spuren von Ausbaggerungen um den Beginn unserer Zeitrechnung zutage. Sie erstreckten sich über einen 1.500 Quadratmeter großen Hafenbereich und standen mit Maßnahmen gegen die Versandung in Verbindung. Auch der geschützte Hafen erforderte Eingriffe, damit sich kein Sand ansammelte.
Zeittafel
- Frühes 6. Jahrhundert v. Chr.: Eine einheimische Besiedlung auf dem Rocher ist nachgewiesen.
- 5. Jahrhundert v. Chr.: Aus dieser Zeit stammt die Inschrift auf dem Terpon-Kiesel.
- Übergang vom 4. zum 3. Jahrhundert v. Chr.: Die Importe nehmen zu. Das Gründungsdatum der Kolonie bleibt umstritten.
- 49 v. Chr.: Die Darstellung des Museums setzt hier das Ende der Oberhoheit Marseilles und den Beginn der Entwicklung zur römischen Stadt an.
- 2.–3. Jahrhundert n. Chr.: Aus dieser Zeit stammt das 2012 entdeckte Handelsschiff.
- Spätantike: Antibes erhält seine erste Stadtbefestigung.
- 1385: Marc und Luc Grimaldi erhalten die Herrschaft über Antibes.
- 1481: Die Provence kommt zu Frankreich. Antibes erhält dadurch eine Grenzlage.
- 1565–1585: Vier Bastionen erweitern den Saint-Laurent-Turm zum Fort Carré. Die Festung wird einsatzbereit.
- 1603: Der Bau der Stadtbefestigung nach Raymond de Bonnefons beginnt.
- 1680: Vauban beginnt, die Verbesserungen am Hafen und an den Verteidigungsanlagen zu leiten.
- 1698: Die Bastion Saint-André wird nach Vaubans Plänen gebaut.
- 1700: Vauban schlägt ein großes Projekt für einen Kriegshafen vor. Es bleibt unausgeführt.
- 1889–1895: Der Festungsstatus endet. Danach folgt die endgültige Vereinbarung über den Abriss der Stadtmauern.
- Juni 1963: Das Archäologische Museum eröffnet in der Bastion Saint-André.
- 2012: Eine Ausgrabung legt einen Teil des antiken Hafens und das römische Handelsschiff frei.
Wie wurde aus einem antiken Hafen eine befestigte Grenzstadt?
Antibes erhielt seine erste Stadtbefestigung in der Spätantike. Ein weiterer Mauerring entstand im Mittelalter. Er besaß Rundtürme und wurde um das 14. Jahrhundert instand gesetzt. Die Geschichte der Verteidigungsanlagen begann somit lange vor der späteren Rolle als Grenzstadt.
1385 ging die Herrschaft über Antibes an die Brüder Marc und Luc Grimaldi über. Die Grimaldi errichteten das Château Grimaldi als ihren Wohnsitz in der Stadt. Ihre Herrschaft gehört zur mittelalterlichen Geschichte zwischen der antiken Siedlung und der späteren französischen Festung.
Mit der Eingliederung der Provence in Frankreich 1481 lag Antibes an der südöstlichen Grenze Frankreichs. Gegenüber befand sich die Grafschaft Nizza unter savoyischer Herrschaft. 1552 beschloss Heinrich II., auf dem Inselchen Saint-Jaume den Saint-Jaume-Turm zu errichten. Er sollte der Überwachung des Hafens dienen.
Das Fort Carré entstand rund um den Saint-Laurent-Turm. Ab 1565 kamen vier Bastionen hinzu. 1585 war die Anlage einsatzbereit. 1603 begann der Bau eines weiteren großen Verteidigungsprojekts: der von Raymond de Bonnefons entworfenen Stadtbefestigung mit vier Bastionen und zwei Toren.
Ab 1680 ordnete Vauban die Fortsetzung der Hafenarbeiten, die Erneuerung der Tore und Verbesserungen der Verteidigungsanlagen an. Sein größerer Entwurf von 1700 hätte die Stadt mit dem Fort Carré verbunden. Antibes wäre dadurch zu einem Kriegshafen als Alternative zu Toulon geworden. Dieses Projekt wurde nie ausgeführt.
1889 verlor Antibes seinen Festungsstatus. Die endgültige Vereinbarung zwischen Staat und Stadt über den Abriss der Mauern folgte im Oktober 1895. Die 1698 nach Vaubans Plänen errichtete Bastion Saint-André wurde später zum archäologischen Museum.
Details, die du nicht in Reiseführern findest
Der Terpon-Kiesel trägt die älteste bekannte Inschrift von Antibes. Er wird ins 5. Jahrhundert v. Chr. datiert. Sein griechischer Text steht mit Aphrodite in Verbindung. Neben den Importfunden liefert dieses kleine Objekt damit ein schriftliches Zeugnis der griechischen Geschichte der Siedlung.
Bei Ausgrabungen in der Rue Clemenceau zwischen 1992 und 1994 wurde ein wohlhabendes Wohnhaus aus dem späten 2. Jahrhundert n. Chr. untersucht. Es besaß ein Mosaik mit sechseckigen Verzierungen, einen Marmorbrunnen und Wasserleitungen aus Blei. Wenn du an das Wasser denkst, das du zu Hause nutzt, schaffen diese Leitungen eine Verbindung zum Alltag in der römischen Stadt.
Bei dem 2012 geborgenen Handelsschiff verstärkten Bleibleche Teile des Rumpfes. An einigen Stellen waren die Bleche mit kleinen Nägeln befestigt. Neben der erhaltenen Länge des Schiffes erlaubt dieses Detail einen genaueren Blick auf seine Bauweise.
Die Bastion Saint-André bewahrt auch eine Geschichte der Versorgung mit Nahrung und Wasser. Ihre beiden Galerien mit Ziegelgewölben dienten als Speisesaal der Garnison. Das Gebäude enthielt außerdem eine unterirdische Zisterne und vier Brotbacköfen. Seit Juni 1963 beherbergt die Bastion Funde aus Ausgrabungen an Land und unter Wasser.
FAQ
Was bedeutet Antipolis?
Antipolis bedeutet „die gegenüberliegende Stadt“. Als Bezugspunkte wurden Nizza, Korsika und das einheimische Dorf auf dem Rocher vorgeschlagen. Keine Erklärung ist allgemein anerkannt.
Wer gründete Antipolis?
Phokäer aus Massalia, dem heutigen Marseille, gründeten die griechische Kolonie. Ihr Gründungsdatum ist umstritten. Der vorgeschlagene Zeitraum 565–540 v. Chr. unterscheidet sich von der vorsichtigeren zeitlichen Einordnung in der archäologischen Darstellung.
Worauf beruhte der Wohlstand des antiken Hafens?
Seehandel, das Einsalzen von Fisch und die Herstellung von Garum waren für das griechische und römische Antipolis wichtig. Die Anse Saint-Roch bot auf der Route zwischen Marseille und der italienischen Küste Schutz vor den vorherrschenden Winden.
Wo befindet sich das Archäologische Museum von Antibes?
Das Museum befindet sich in der Bastion Saint-André und wurde im Juni 1963 eröffnet. Hier kannst du den Museumsstandort mit der weiteren Geschichte von Antibes verbinden: Ein 1698 nach Vaubans Plänen errichtetes Verteidigungsbauwerk beherbergt heute Zeugnisse der antiken Stadt und ihres Hafens.
Quellen
- Englische Wikipedia — Antibes en.wikipedia.org
- Türkische Wikipedia — Antibes tr.wikipedia.org
- Département Alpes-Maritimes — Die Spuren der griechischen und römischen Antike portail-savoirs.departement06.fr
- Département Alpes-Maritimes — Von den Ursprüngen bis zum 10. Jahrhundert n. Chr departement06.fr
- Inrap — Der antike Hafen von Antibes inrap.fr
- Stadt Antibes — Das Archäologische Museum entdecken antibes-juanlespins.com
- Inrap Archäologische Bilder — Ein römisches Schiffswrack im antiken Hafen von Antibes images-archeologie.fr
- Netzwerk der bedeutenden Vauban-Stätten — Antibes sites-vauban.org
FAQ
Was bedeutet Antipolis?
Antipolis, auf Griechisch Ἀντίπολις, bedeutet „die gegenüberliegende Stadt“. Als Bezugspunkte werden Nizza, Korsika und die einheimische Siedlung auf dem Rocher vorgeschlagen. Keine dieser Erklärungen ist allgemein anerkannt.
Wer gründete Antipolis?
Antipolis war eine griechische Kolonie. Gegründet wurde sie von Phokäern aus Massalia, dem heutigen Marseille. Das Gründungsdatum ist umstritten.
Worauf beruhte der Wohlstand des antiken Hafens?
Seehandel, das Einsalzen von Fisch und die Herstellung der fermentierten Fischsoße Garum trugen zum Wohlstand des griechischen und römischen Antipolis bei. Die Anse Saint-Roch bot einen natürlichen Hafen, der vor den vorherrschenden Winden geschützt war.
Wo befindet sich das Archäologische Museum von Antibes?
Das Museum wurde im Juni 1963 in der Bastion Saint-André eröffnet. Die Bastion entstand 1698 nach Vaubans Plänen. Das Museum zeigt Funde aus Ausgrabungen an Land und unter Wasser.
Image: Antibesbordmer.JPG — Gilbert Bochenek, CC BY 3.0






