Thales von Milet (türkisch: Miletli Thales) war ein griechischer Philosoph der Vorsokratik. Er lebte im späten 7. und im 6. Jahrhundert v. Chr. in der ionischen Stadt Milet (türkisch: Milet). Er betrachtete Wasser als Urprinzip der Natur. Mit seinem Namen verbinden sich auch Beiträge zur Geometrie, zur Astronomie und zur Untersuchung von Magneten.
Wie kommt ein Denker, der Wasser zum Urprinzip erklärt, mit Dreiecken und einer Sonnenfinsternis in Verbindung? Wenn du Milet besuchst oder dich mit den Anfängen der Philosophie beschäftigst, helfen dir diese Verbindungen beim Einstieg. Sein Ansehen beruht auf philosophischen Vorstellungen, mathematischen Überlieferungen und Berichten späterer Autoren.
Wo wurde Thales von Milet geboren und wo lebte er?
Thales wurde in Milet geboren. Die antike Stadt liegt nahe Balat im Landkreis Didim der türkischen Provinz Aydın. Milet gehörte zu Ionien. Hier wirkten die frühen Naturphilosophen Thales, Anaximander und Anaximenes.
Diese Denker werden der milesischen Schule zugeordnet. Thales zählte außerdem zu den Sieben Weisen der griechischen Antike. In dieser Tradition verbindet sich sein Ruf als weiser Mann mit seiner Stellung als früher Naturforscher.
Wenn du in die Türkei reist, lässt sich der geografische Bezug unmittelbar nachvollziehen. Das mit Thales verbundene Milet ist die antike Stadt nahe dem heutigen Balat. MacTutor nennt Milet auch als seinen Sterbeort.
Wann wurde Thales von Milet geboren und wann starb er?
Die genauen Lebensdaten des Thales sind unsicher. Häufig wird seine Geburt auf etwa 626–623 v. Chr. und sein Tod auf etwa 548–545 v. Chr. datiert. Die MacTutor-Biografie der University of St Andrews nennt dagegen ungefähr 624–547 v. Chr.
Diese Schätzungen verorten sein Leben im späten 7. und im 6. Jahrhundert v. Chr. Verstehe die Jahreszahlen als ungefähre Orientierung. Ein einzelnes Jahr ohne Einschränkung würde eine Genauigkeit vortäuschen, die die erhaltenen Berichte nicht hergeben.
Eine spätere, von Diogenes Laertios überlieferte Geschichte erzählt, Thales sei beim Zuschauen bei Wettspielen an Hitze und Durst gestorben. Sie gehört zur Überlieferung über seinen Tod. Einen gesicherten Bericht über seine letzten Augenblicke liefert sie nicht.
Wie spricht man Thales von Milet aus?
Im Englischen wird Thales /ˈθeɪliːz/ ausgesprochen, näherungsweise „THAY-leez“. Sein altgriechischer Name lautet Θαλῆς. Bei der englischen Aussprache liegt die Betonung auf der ersten Silbe.
Die Philosophie des Thales: Warum Wasser?
Aristoteles betrachtete Thales als den ersten Philosophen, der die grundlegenden Prinzipien der Natur untersuchte. In der Lehre, die Aristoteles ihm zuschreibt, ist Wasser die Arché: der Anfang oder das zugrunde liegende Prinzip aller Dinge. Wasser hat damit eine grundlegende Funktion in seiner Erklärung der Natur.
Die Wasserlehre betrifft alle Dinge. Wasser gilt dabei nicht bloß als ein Stoff neben anderen. Darin liegt die zentrale philosophische Aussage, die mit Thales verbunden wird. Die Vielfalt der Dinge in der Welt erhält ein einziges Urprinzip.
Eine verwandte kosmologische Theorie, die Thales zugeschrieben wird, besagt, dass die Erde auf Wasser schwimmt. Dies ist eine eigenständige Aussage darüber, wo sich die Erde befindet und was sie trägt. Zusammen zeigen die beiden Vorstellungen, wie umfassend Wasser in den Erklärungen vorkommt, die mit seinem Namen verbunden sind.
Das Oxford Classical Dictionary verweist auf Parallelen zu ägyptischen und babylonischen Schöpfungsmythen. Die Bedeutung des Wassers bei Thales hat somit Entsprechungen in diesen Traditionen. Seine Lehre sollte deshalb nicht als Idee ohne frühere kulturelle Parallelen dargestellt werden.
Dabei ist die Unterscheidung zwischen Thales und seinen Deutern entscheidend. Aristoteles berichtet über die Wasserlehre. Von Thales selbst ist kein Werk erhalten. Seine Philosophie erreicht uns durch spätere Berichte über seine Überzeugungen.
Was hat Thales zur Mathematik beigetragen?
Mit dem Namen Thales sind zwei geometrische Sätze verbunden. Der Satz des Thales besagt: Verbindet man die Endpunkte eines Kreisdurchmessers mit einem dritten Punkt auf dem Kreis, entsteht an diesem dritten Punkt ein rechter Winkel. Dieser Winkel misst 90°.
Wenn du diese Figur zeichnest, bildet der Durchmesser die Seite gegenüber dem rechten Winkel. Der dritte Punkt muss auf dem Kreis liegen. Diese Einzelheiten bestimmen den Satz. Sie erklären auch, was mit der geläufigen Formulierung „Winkel im Halbkreis“ gemeint ist.
Die Bezeichnung „Satz des Thales“ wird auch für den Strahlensatz verwendet. Dabei schneiden parallele Geraden die Schenkel eines Winkels. Die entstehenden Dreiecke sind ähnlich, und ihre entsprechenden Streckenlängen stehen im gleichen Verhältnis. Dies ist ein anderer Satz als der über den rechten Winkel am Kreis.
Spätere antike Quellen schreiben Thales mehrere weitere Sätze zu. Dazu gehört die Aussage, dass ein Durchmesser einen Kreis in zwei gleich große Teile teilt. Auch die Gleichheit der Basiswinkel im gleichschenkligen Dreieck und die Gleichheit von Scheitelwinkeln werden ihm zugeschrieben.
Ob Thales formale geometrische Beweise entwickelte, bleibt umstritten. Van der Waerden verteidigte diese Auffassung. Bertrand Russell hielt dagegen, es gebe keine Belege für Beweise jener deduktiven Art, die aus der späteren griechischen Mathematik bekannt ist. Die Zuschreibung eines Satzes an Thales klärt noch nicht, wie er ihn begründete.
Der Satz über den rechten Winkel am Kreis steht in Buch III, Proposition 31, von Euklids Elementen. Das Werk entstand um 300 v. Chr. Damit ist der Satz in diesem späteren mathematischen Werk belegt. Daraus allein lässt sich jedoch nicht erschließen, wie Thales selbst argumentierte.
Wie hat Thales eine Pyramide vermessen?
Die Berichte über Thales’ Vermessung einer Pyramide überliefern unterschiedliche Methoden. Hieronymos beschreibt, dass er den Zeitpunkt nutzte, an dem ein Gegenstand und sein Schatten gleich lang sind. Plutarch beschreibt dagegen einen Vergleich der Schatten eines Stabes und einer Pyramide anhand ihrer Größenverhältnisse.
Beide Fassungen verbinden Geometrie mit einer praktischen Messaufgabe. Der Unterschied liegt im Verfahren: Die eine Methode nutzt gleiche Längen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die andere beruht auf Verhältnissen. Bei der Erklärung der Geschichte sollten die beiden Berichte deshalb getrennt bleiben.
Astronomie und die Vorhersage der Sonnenfinsternis
Herodot berichtet, Thales habe eine Sonnenfinsternis vorhergesagt, die mit dem 28. Mai 585 v. Chr. in Verbindung gebracht wird. Nach seinem Bericht beendete die Finsternis die Kämpfe zwischen Medern und Lydern. Diese Episode gehört zu den bekanntesten Überlieferungen über Thales als Astronomen.
Die Vorhersage selbst ist umstritten. James Longrigg vermutete, sie könne Thales erst nach dem Ereignis zugeschrieben worden sein. Zur Darstellung gehören deshalb zwei Teile: Herodots Bericht und der Hinweis, dass Thales’ Vorhersage im Voraus umstritten ist.
Andere Überlieferungen verbinden Thales mit Zeitrechnung und Navigation. Diogenes Laertios schreibt ihm die Einteilung des Jahres in 365 Tage zu. Die Ägypter kannten diese Jahreslänge allerdings bereits. Nach einer von Kallimachos berichteten Überlieferung riet Thales milesischen Seeleuten, sich bei der Navigation am Kleinen Bären zu orientieren.
Thales von Milet und die Elektrizität
Mitunter wird Thales zugeschrieben, als Erster die elektrostatische Anziehung von Bernstein beobachtet zu haben. Caley und Richards widersprechen dieser Zuschreibung. Sie bezeichnen sie als indirekt und weisen darauf hin, dass die betreffende Stelle bei Aristoteles Bernstein nicht erwähnt.
Ein anderer Bericht handelt von einem Magneten. Nach Aristoteles hielt Thales den Magneten für beseelt, weil er Eisen bewegte. Hier geht es um Bewegung und Beseeltheit. Diese Aussage ist von der umstrittenen Geschichte über die elektrische Anziehung von Bernstein zu unterscheiden.
Bücher und Zitate von Thales von Milet
Kein Thales zugeschriebenes Werk ist erhalten. Antike Quellen erwähnen Schriften mit den Titeln Über die Sonnenwende und Über die Tagundnachtgleiche. Diese Titel gehören zur Überlieferung der mit ihm verbundenen Werke. Als erhaltene Bücher des Thales lassen sie sich heute jedoch nicht lesen.
Auch der Spruch „Erkenne dich selbst“ wird ihm zugeschrieben. Die Urheberschaft ist jedoch umstritten. Diogenes Laertios berichtet, dass Antisthenes denselben Spruch Phemonoe zuschrieb. Er sollte deshalb als umstrittene Zuschreibung gelten und nicht als sicher belegtes Zitat des Thales.
Zeittafel
- Um 626–623 v. Chr.: Geschätzter Zeitraum der Geburt des Thales in Milet.
- 28. Mai 585 v. Chr.: Datum der Sonnenfinsternis, die Thales laut Herodot vorhergesagt haben soll.
- Um 548–545 v. Chr.: Geschätzter Zeitraum des Todes des Thales.
- Um 300 v. Chr.: Euklids Elemente enthalten den Satz, dass der Winkel über einem Durchmesser ein rechter Winkel ist.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
Aristoteles erzählt in seiner Politik eine Geschichte über Thales als Geschäftsmann. Er mietete im Voraus Olivenpressen in Milet und auf Chios und verdiente anschließend Geld, indem er sie während der Ernte weitervermietete. Stell dir als Alltagsvergleich vor, du zahlst frühzeitig, um dir etwas zu sichern, das andere später voraussichtlich brauchen werden. Die frühzeitige Anmietung ist der Mechanismus in diesem Bericht.
Platons Theaitetos erzählt an der Stelle 174a, wie Thales beim Betrachten der Sterne in einen Brunnen fiel. Die Episode verbindet sein astronomisches Interesse mit einem unmittelbaren Missgeschick. Es handelt sich um eine von Platon überlieferte Anekdote, nicht um einen sicher belegten Vorfall.
Herodot verbindet Thales außerdem mit einem politischen Vorschlag. Nach seinem Bericht forderte Thales die ionischen Städte auf, einen gemeinsamen politischen Bund mit Teos als Zentrum zu bilden. Diese Überlieferung erweitert seine Interessen über die naturkundlichen und mathematischen Fragen hinaus, die gewöhnlich mit seinem Namen verbunden werden.
Was zeigt ein Bild von Thales?
Eine häufig abgebildete Büste des Thales ist eine römische Kopie aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Wenn du diesem Bild begegnest, ist seine Datierung entscheidend. Es ist eine spätere Darstellung des Philosophen und kein zu seinen Lebzeiten geschaffenes Porträt.
Häufige Fragen (FAQ)
Wo wurde Thales geboren?
Thales wurde in Milet geboren, einer antiken ionischen Stadt nahe Balat im Landkreis Didim der türkischen Provinz Aydın. MacTutor nennt Milet auch als seinen Sterbeort.
Was besagt die Wasserlehre des Thales?
Nach dem Bericht des Aristoteles betrachtete Thales Wasser als Arché oder Grundprinzip aller Dinge. Eine ihm zugeschriebene kosmologische Theorie besagt außerdem, dass die Erde auf Wasser schwimmt.
Was hat Thales zur Mathematik beigetragen?
Thales wird mit Sätzen über Kreise, Dreiecke und Winkel verbunden. Sein Name wird sowohl für den Satz über den rechten Winkel am Kreis als auch für den Strahlensatz über parallele Geraden und proportionale Streckenlängen verwendet.
Hat Thales die Elektrizität entdeckt?
Die Behauptung, Thales habe als Erster die elektrostatische Anziehung von Bernstein beobachtet, ist umstritten. Caley und Richards stellen die indirekte Zuschreibung infrage. Sie weisen darauf hin, dass die betreffende Stelle bei Aristoteles Bernstein nicht erwähnt.
Quellen
- Vikipedi — Thales tr.wikipedia.org
- University of St Andrews, MacTutor — Thales von Milet mathshistory.st-andrews.ac.uk
- Wikipedia — Thales von Milet en.wikipedia.org
- Wikipedia — Milet en.wikipedia.org
- Internet Encyclopedia of Philosophy — Thales von Milet iep.utm.edu
- Oxford Classical Dictionary — Thales von Milet academic.oup.com
- Wikipedia — Satz des Thales en.wikipedia.org
- J. Paul Getty Museum — Die Eigenschaften von Bernstein getty.edu
FAQ
Wo wurde Thales von Milet geboren?
Thales wurde in Milet geboren, einer antiken ionischen Stadt nahe dem heutigen Balat im Landkreis Didim der türkischen Provinz Aydın.
Was besagt die Wasserlehre des Thales?
Nach dem Bericht des Aristoteles betrachtete Thales Wasser als Grundprinzip oder Arché aller Dinge. Eine ihm zugeschriebene kosmologische Theorie besagt außerdem, dass die Erde auf Wasser schwimmt.
Was hat Thales zur Mathematik beigetragen?
Thales wird mit geometrischen Sätzen über Kreise, Dreiecke und Winkel verbunden. Sein Name steht sowohl für den Satz über den rechten Winkel in einem Dreieck über dem Kreisdurchmesser als auch für den Strahlensatz über parallele Geraden und proportionale Streckenlängen.
Hat Thales die Elektrizität entdeckt?
Die Behauptung, Thales habe als Erster die elektrostatische Anziehung von Bernstein beobachtet, ist umstritten. Caley und Richards bezeichnen die Zuschreibung als indirekt und weisen darauf hin, dass die betreffende Stelle bei Aristoteles Bernstein nicht erwähnt.
Image: Thalès from Lives 1761.png — Flappiefh, CC0






