Tartaros (türkisch: Tartaros) war im antiken griechischen Glauben zugleich ein göttliches Urwesen und ein tiefes kosmisches Gefängnis. In frühen Darstellungen war Hades (türkisch: Hades) das Totenreich. Tartaros lag noch weiter unten und hielt die besiegten Titanen (türkisch: Titanlar) gefangen. Platon (türkisch: Platon) beschrieb Tartaros außerdem als einen Ort, an dem menschliche Seelen nach dem Tod bestraft wurden.
Wie konnte ein Gefängnis zugleich ein Gott sein? Diese Frage verbindet Hesiods (türkisch: Hesiodos) Schilderung der Weltentstehung mit Homers (türkisch: Homeros) Drohungen, Götter einzusperren, und Platons Totengericht. Wenn du diese Texte einzeln betrachtest, erkennst du, warum Tartaros mehrere miteinander verbundene Bedeutungen hatte. Eine einzige, festgelegte Beschreibung gab es nicht.
Was unterscheidet Tartaros vom Hades?
Die deutlichste frühe Unterscheidung betrifft ihre Funktion und ihre Tiefe. Hades war das Reich der Toten. Tartaros bildete eine eigene kosmische Tiefe darunter. Mit ihm war die Gefangenschaft der Titanen verbunden. Ins Totenreich einzugehen bedeutete deshalb etwas anderes, als im Tartaros eingesperrt zu werden.
Ein Vergleich aus dem Alltag hilft dir dabei: Wenn jemand ein Gebäude betreten hat, weißt du dadurch noch nicht, ob er darin in einem verschlossenen Zimmer gefangen ist. Ebenso erklärt die allgemeine Bezeichnung für den Aufenthaltsort eines Toten noch nicht die besondere Gefangenschaft im Tartaros. Ketten, Tore und Wächter machten das Eingesperrtsein zu einem zentralen Merkmal seiner Beschreibung.
Doch nicht jeder Text trennte die beiden Namen scharf voneinander. Anakreons (türkisch: Anakreon) Fragment 395 verbindet die Angst vor dem Tartaros mit der erschreckenden Tiefe des Hades. Nutze die frühe Unterscheidung deshalb als Ausgangspunkt. Achte aber bei jeder Textstelle darauf, wie sie die Namen verwendet.
Wie konnte Tartaros zugleich eine Gottheit und ein Ort sein?
Tartaros, auch unter der latinisierten Form Tartarus bekannt, bezeichnete sowohl ein göttliches Wesen als auch einen unterirdischen Ort. In den Versen 116–122 von Hesiods Theogonie erscheint Tartaros unter den frühesten Wesen, neben Chaos (türkisch: Khaos), Gaia (türkisch: Gaia) und Eros (türkisch: Eros). Er gehört zur Erzählung von den Anfängen des Universums, bevor er zum Gefängnis besiegter Mächte wird.
Der göttliche Tartaros wurde als der Abgrund selbst verstanden. Nach der Erläuterung von Theoi ist sein Körper die unterirdische Kluft. Er erscheint also nicht als menschengestaltiger Herrscher, der diesen Raum lediglich regiert. Gottheit und Ort drücken dieselbe Tiefe auf unterschiedliche Weise aus.
Tartaros gehört auch zur göttlichen Abstammungsgeschichte. In der Erzählung ab Vers 820 der Theogonie verbindet sich Gaia mit Tartaros und gebiert Typhoeus (türkisch: Typhon). Der Abgrund ist damit mehr als ein Schauplatz. In Hesiods Darstellung handelt er als göttlicher Elternteil.
Die Abstammung war nicht bei allen Autoren gleich. Hyginus (türkisch: Hyginus) machte Tartaros zum Kind von Aither (türkisch: Aither) und Gaia. Hesiod reihte Tartaros dagegen unter die frühesten Wesen ein, ohne Eltern zu nennen. Diese Darstellungen geben derselben göttlichen Tiefe unterschiedliche Ursprünge.
Wo verorteten Homer und Hesiod den Tartaros?
Im 8. Gesang von Homers Ilias verortet Zeus (türkisch: Zeus) den Tartaros unterhalb des Hades. Sein Abstand zum Hades entspricht dem Abstand zwischen Himmel und Erde. Dieser Vergleich vermittelt eine gewaltige Entfernung anhand des kosmischen Aufbaus. Ein gewöhnliches Längenmaß verwendet er nicht.
Homer führt diese Tiefe als Teil einer Drohung ein. Zeus warnt die Götter: Wer gegen seinen Befehl in den Trojanischen Krieg eingreift, kann in den Tartaros geworfen werden. Als mögliche Gefangene erscheinen hier ungehorsame Götter. Die Tiefe des Gefängnisses verleiht Zeus’ Forderung nach Gehorsam Nachdruck.
Hesiod macht die Entfernung durch einen fallenden Gegenstand anschaulich. In den Versen 720–725 der Theogonie fällt ein von der Erde herabgeworfener bronzener Amboss neun Tage und Nächte lang. Am zehnten Tag erreicht er den Tartaros. Du kannst dir den Abstieg vorstellen, weil das Gedicht ihm einen Gegenstand und eine Dauer gibt.
Derselbe Vergleich gilt oberhalb der Erde. Ein vom Himmel fallender Amboss erreicht die Erde ebenfalls am zehnten Tag. Bei Hesiod ist die Entfernung zwischen Erde und Tartaros damit genauso groß wie die zwischen Himmel und Erde. Homer und Hesiod nutzen beide den oberen Kosmos, um die gewaltige Tiefe des Tartaros zu vermitteln.
Lies ihre Beschreibungen dennoch genau. In Zeus’ Rede misst Homer vom Hades aus nach unten. Hesiod beschreibt einen Amboss, der von der Erde fällt. Beide vermitteln eine außerordentliche Tiefe, nennen aber unterschiedliche Ausgangspunkte.
Warum wurden die Titanen im Tartaros eingesperrt?
In Hesiods Darstellung wurden die Titanen eingesperrt, nachdem sie den Kampf gegen Zeus und seine Verbündeten verloren hatten. Die Erzählung ab Vers 617 verortet die Titanen auf dem Othrys (türkisch: Othrys) und die Kinder des Kronos (türkisch: Kronos) auf dem Olymp (türkisch: Olimpos). Ihre gegenüberliegenden Stellungen bilden den Schauplatz eines Konflikts, der zehn Jahre lang unentschieden bleibt.
Die Niederlage endet in erzwungener Gefangenschaft. Die besiegten Titanen werden angekettet und im Tartaros eingeschlossen. Dort wird ihre Flucht verhindert. Ihre Gefangenschaft folgt auf einen Kampf zwischen göttlichen Mächten. Das unterscheidet sie von Platons späteren Schilderungen menschlicher Seelen, die nach einem Urteil bestraft werden.
Hesiod gibt dem Gefängnis greifbare Sperren und namentlich genannte Wächter. Poseidon (türkisch: Poseidon) setzt seine bronzenen Tore ein. Kottos (türkisch: Kottos), Gyes (türkisch: Gyes) und Briareos (türkisch: Briareos), die von Zeus befreiten Hundertarmigen, bewachen nach dem Sieg die Titanen. Die Tiefe allein sichert die Gefangenen nicht. Tore und aufmerksame Wächter vervollständigen ihre Einschließung.
Tartaros war keine Strafe für jedes Mitglied des Titanengeschlechts. Die im Wikipedia-Artikel über Tartaros zusammengefasste Überlieferung nimmt Prometheus (türkisch: Prometheus), Epimetheus (türkisch: Epimetheus) und Metis (türkisch: Metis) von den dort Eingesperrten aus. Die Bezeichnung „Gefängnis der Titanen“ sollte deshalb die besiegten Gefangenen meinen. Sie darf nicht nahelegen, dass ihr gesamtes Geschlecht dasselbe Schicksal teilte.
Zeitleiste
- Homers Darstellung: Homers Ilias beschreibt Tartaros unterhalb des Hades. Ungehorsamen Göttern droht dort Gefangenschaft.
- Etwa 750–700 v. Chr.: Der Studienleitfaden des Cornell College datiert Hesiod in diesen Zeitraum. Seine Theogonie zählt Tartaros zu den frühesten Wesen und beschreibt ihn als Gefängnis der besiegten Titanen.
- Anakreons Darstellung: Anakreons Fragment 395 verbindet die Angst vor dem Tartaros mit der erschreckenden Tiefe des Hades.
- Platons Darstellungen: Platons Gorgias und Phaidon behandeln Tartaros als einen Ort, an dem menschliche Seelen nach dem Tod bestraft werden.
Welche Texte beschreiben Tartaros als Strafort für die Toten?
Platons Gorgias weist Tartaros diese Rolle ausdrücklich zu. In 523b ist er das Strafgefängnis für Menschen, die ungerecht und gottlos gelebt haben. Hier stehen menschliches Verhalten und seine Folgen nach dem Tod im Mittelpunkt, nicht die Niederlage der Titanen.
In 523e–524a richten Minos (türkisch: Minos), Rhadamanthys (türkisch: Rhadamanthys) und Aiakos (türkisch: Aiakos) über die Toten. Von einer Wegkreuzung führen zwei Wege fort: einer zu den Inseln der Seligen, der andere zum Tartaros. Das Ziel ergibt sich aus dem Urteil. So wird das Gefängnis Teil einer Darstellung moralischer Verantwortung.
Der Phaidon unterscheidet verschiedene Formen der Bestrafung. In 113e werden Seelen, die wegen ihrer schweren Verbrechen als unheilbar gelten, in den Tartaros geworfen. Sie kommen niemals wieder heraus. Ihre Gefangenschaft ist dauerhaft. Doch der Dialog weist nicht jeder bestraften Seele dieses Schicksal zu.
In 114a verbringen Menschen, die schwere, aber verzeihliche Vergehen begangen haben, ein Jahr im Tartaros. Danach trägt eine Strömung sie hinaus. In 114a–114b hängt ihre Befreiung von der Strafe davon ab, ob diejenigen, denen sie geschadet haben, sie annehmen und ihnen vergeben. Die Geschädigten haben damit direkten Einfluss auf die Möglichkeit einer Befreiung.
Der Phaidon beschreibt Tartaros auch räumlich. In 112a ist er eine gewaltige Kluft, die die ganze Erde durchzieht. Der Dialog verbindet diese riesige Erdöffnung mit der Bewegung und Bestrafung der Seelen.
Sokrates (türkisch: Sokrates) schränkt die Darstellung in 114d ein. Er sagt, es wäre unvernünftig, darauf zu bestehen, dass diese Beschreibungen der Aufenthaltsorte der Seele genau wahr seien. Diese Einschränkung gehört zu den Strafpassagen dazu. Der Dialog selbst warnt davor, jedes Detail als exakte Beschreibung aufzufassen.
Details, die du nicht in Reiseführern findest
Die Metalle in den Gefängnisbeschreibungen unterscheiden sich. Im 8. Gesang der Ilias hat Tartaros eiserne Tore und eine bronzene Schwelle. In Hesiods Schilderung der Gefangenschaft der Titanen setzt Poseidon dagegen bronzene Tore ein. An diesen Einzelheiten kannst du die Textstellen auseinanderhalten, obwohl beide eine umschlossene Tiefe beschreiben.
Hesiod schildert auch den letzten Angriff besonders anschaulich. Im Abschnitt ab Vers 713 schleudern Kottos, Briareos und Gyes dreihundert Felsblöcke auf die Titanen. Dieselben Hundertarmigen bewachen später die Gefangenen. Ihre Rolle verbindet die Niederlage unmittelbar mit der anschließenden Gefangenschaft.
Der Phaidon ergänzt eine weniger offensichtliche Unterscheidung: Wer den Tartaros verlässt, hat seine Strafe nicht automatisch hinter sich. Manche Seelen werden nach einem Jahr hinausgetragen. Dennoch bleibt die Vergebung durch diejenigen nötig, denen sie geschadet haben. Das Verlassen des Abgrunds und die Befreiung von der Strafe sind in dieser Darstellung zwei getrennte Schritte.
FAQ
Waren Tartaros und Hades derselbe Ort?
Frühe Darstellungen unterschieden zwischen beiden. Hades war das Totenreich. Tartaros lag tiefer und diente als kosmisches Gefängnis. Anakreons Fragment 395 zeigt, dass die Angst vor dem Tartaros auch eng mit der erschreckenden Tiefe des Hades verbunden sein konnte.
War Tartaros ein Gott oder ein Ort?
Beides. Hesiod zählte Tartaros neben Chaos, Gaia und Eros zu den frühesten Wesen. Tartaros bezeichnete auch den unterirdischen Abgrund. Das göttliche Wesen wurde als Verkörperung dieser Tiefe verstanden.
Waren alle Titanen im Tartaros eingesperrt?
Nein. In Hesiods Darstellung wurden die besiegten Titanen angekettet und eingesperrt. Dieses Schicksal traf aber nicht das gesamte Geschlecht. Prometheus, Epimetheus und Metis waren Ausnahmen in der Überlieferung, die der Wikipedia-Artikel über Tartaros zusammenfasst.
Konnten Seelen den Tartaros jemals verlassen?
Platons Phaidon lässt unterschiedliche Ausgänge zu. Seelen, die als unheilbar beurteilt werden, kehren niemals zurück. Manche anderen verlassen den Tartaros nach einem Jahr. Ihre Befreiung von der Strafe hängt aber davon ab, ob die Menschen, denen sie geschadet haben, sie annehmen und ihnen vergeben.
Quellen
- Theoi — Hesiod, Theogonie theoi.com
- Theoi — Tartaros, Urgott theoi.com
- Theoi — Tartaros, Abgrund unter der Erde theoi.com
- MIT Internet Classics Archive — Homer, Ilias VIII classics.mit.edu
- Theoi — Hades, Reich des Hades in der Ilias theoi.com
- Binghamton University — Platon, Gorgias bingdev.binghamton.edu
- Harvard Center for Hellenic Studies — Platon, Phaidon www-current.chs.harvard.edu
- Theoi — Tartaros, Kerker der Verdammten theoi.com
- Cornell College — Studienleitfaden zu Hesiods Theogonie cornellcollege.edu
- Wikipedia — Tartaros en.wikipedia.org
FAQ
Waren Tartaros und Hades derselbe Ort?
Frühe Darstellungen unterschieden zwischen beiden: Hades war das Totenreich, Tartaros dagegen ein tiefer gelegenes kosmisches Gefängnis. In manchen Texten war diese Trennung weniger deutlich, etwa in Anakreons Fragment 395.
War Tartaros ein Gott oder ein Ort?
Beides. Hesiod zählte Tartaros zu den frühesten Wesen. Zugleich bezeichnete der Name den Abgrund unter der Erde. Das göttliche Wesen verkörperte diese Tiefe.
Waren alle Titanen im Tartaros eingesperrt?
Nein. Hesiod beschrieb, wie die besiegten Titanen angekettet und eingesperrt wurden. Die Überlieferung wies diese Strafe aber nicht dem gesamten Titanengeschlecht zu. Prometheus, Epimetheus und Metis waren Ausnahmen.
Konnten Seelen den Tartaros jemals verlassen?
In Platons Phaidon konnten manche Seelen ihn nach ihrer Bestrafung verlassen. Voraussetzung war die Vergebung durch diejenigen, denen sie geschadet hatten. Seelen, die wegen ihrer Verbrechen als unheilbar galten, konnten niemals zurückkehren.
Image: Snakeskin terrain covering Tartarus Dorsa.png — National Aeronautics and Space Administration (NASA), Public domain






