Der Hadrianswall (türkisch: Hadrian Duvarı) liegt in Nordengland. Er erstreckt sich über 118 Kilometer von Wallsend am Fluss Tyne bis Bowness-on-Solway. Die Römer begannen um 122 n. Chr. mit dem Bau. Sie wollten ihre Grenze stärken, Angreifer auf Raubzügen aufhalten und den Grenzverkehr sowie den Handel an kontrollierten Übergängen regeln.
Warum brauchte diese Grenze neben Sperranlagen auch Tore? In den kleinen Kastellen waren die nördlichen und südlichen Eingänge miteinander verbunden. In den benachbarten Türmen hielten Soldaten Wache. Wenn du diesen Verbindungen folgst, verstehst du den Wall leichter: Sein Verlauf, seine Verteidigungsanlagen und der Alltag vor Ort gehörten zu einem gemeinsamen, funktionierenden System.
Wann und entlang welcher Strecke wurde der Hadrianswall gebaut?
Der Baubeginn wird mit dem Besuch Kaiser Hadrians in Britannien im Jahr 122 n. Chr. verbunden. Die Fertigstellung dauerte mindestens sechs Jahre. Daran arbeiteten Soldaten aus drei in Britannien stationierten Legionen: II Augusta, VI Victrix und XX Valeria Victrix. Am Bau waren somit mehrere militärische Verbände beteiligt.
Die Strecke verlief durch Nordengland zwischen Wallsend im Osten und Bowness-on-Solway im Westen. Die UNESCO gibt ihre Länge mit 118 Kilometern an. Diese Endpunkte verorten die Grenze genauer als die verbreitete Beschreibung einer römischen Mauer irgendwo in der Nähe Schottlands.
Im mittleren Abschnitt zwischen Sewingshields und Walltown folgte der Wall den nach Norden gerichteten Steilhängen des Whin Sill. Das steile Gelände bildete ein natürliches Hindernis. An anderen Stellen bot ein großer Graben nördlich des Walls zusätzlichen Schutz. Wie Mauerwerk und Gelände zusammenwirkten, änderte sich entlang der Strecke.
Auch der westliche Abschnitt hatte einen anderen Anfang. Zwischen dem Fluss Irthing und dem Solway Firth verwendeten die Erbauer zunächst Rasensoden. Später ersetzte eine Steinmauer diesen Rasensodenwall. Wenn du dir die gesamte Grenzanlage vom ersten Tag an als Steinbau vorstellst, musst du dieses Bild für den westlichen Abschnitt ändern.
Während der Bauarbeiten gab es weitere Änderungen. Noch bevor der ursprüngliche Plan vollständig umgesetzt war, kamen entlang des Walls 14 große Kastelle hinzu. Sie veränderten die anfängliche Anordnung aus kleinen Kastellen und Türmen. Die erhaltene Grenzanlage zeigt damit auch Entscheidungen, die erst während des laufenden Projekts fielen.
Welche Aufgaben hatte der Wall bei Verteidigung, Grenzkontrolle und Handel?
Der Hadrianswall war etwa 300 Jahre lang ein wesentlicher Bestandteil der nordwestlichen Grenze des Römischen Reiches. Seine Verteidigungsfunktion beruhte auf mehr als der Mauer allein. Gräben, natürliche Steilhänge, Beobachtungsposten und nahe gelegene Kastelle bildeten ein System. Es konnte Bewegungen behindern und eine militärische Reaktion unterstützen.
Der Archäologe Nick Hodgson argumentiert, dass die baulichen Sperren Gruppen verlangsamten, die die Grenze für Raubzüge überschritten. Diese Verzögerung gab nahe gelegenen Kastellen Zeit, Verstärkung zu schicken. Nach dieser Deutung lag der wichtigste militärische Nutzen des Walls darin, den Grenzübertritt zu erschweren und den Soldaten Zeit zum Reagieren zu verschaffen.
Hodgson stellt diese Erklärung Deutungen gegenüber, die dem Wall jede Verteidigungsfunktion oder taktische Aufgabe absprechen. Die Unterscheidung ist wesentlich: Eine Sperre muss nicht jeden Grenzübertritt verhindern, um einen militärischen Zweck zu erfüllen. Gruppen auf Raubzügen zu verlangsamen, war nach seiner Erklärung selbst eine wichtige Aufgabe der Grenze.
Der nördliche Graben verstärkte das Hindernis dort, wo keine Steilhänge diese Funktion übernahmen. In Wallsend entdeckten Ausgräber außerdem Grubenreihen zwischen dem Graben und der Mauer. Sie werden als Verankerungen für Sperren aus angespitzten Ästen gedeutet. Solche Hindernisse würden zu Hodgsons Erklärung passen, dass es um Verzögerung ging.
Die Tore erfüllten eine weitere Aufgabe. Hodgson beschreibt die Übergänge als Orte, an denen der Handel und der Kontakt zwischen Menschen aus dem Norden und dem römischen Gebiet geregelt wurden. Die Grenze verband somit Sperren mit kontrollierten Durchlässen. Ihre Tore gehörten ebenso zu ihrem Zweck wie die Verteidigungsanlagen.
Denk an einen kontrollierten Eingang, den du im Alltag benutzt: Eine Absperrung lenkt Menschen zu einer Stelle, an der sich der Zutritt regeln lässt. Dieser Vergleich hilft dir, die Tore des Walls zu verstehen. Hier verbanden Straßen innerhalb der kleinen Kastelle die nördlichen und südlichen Tore. Sie schufen festgelegte Wege über die Grenze.
Wie funktionierten Kastelle, Tore und Garnisonen?
Kleine Befestigungen, die sogenannten Meilenkastelle, standen in Abständen von etwa einer römischen Meile. Straßen in ihrem Inneren verbanden Tore auf den gegenüberliegenden Seiten des Walls. Wenn du verstehen möchtest, wie Menschen eine befestigte Grenze passieren konnten, sind diese zusammengehörigen Eingänge ein guter Ausgangspunkt.
Zwischen jeweils zwei Meilenkastellen standen zwei Wachtürme. Eine römische Meile maß etwa 1,48 Kilometer. Die Türme teilten diese Entfernung somit in drei Beobachtungsabschnitte. Auf diese Weise waren entlang der Linie zwischen den kleinen Kastellen mehrere Beobachtungsposten verteilt.
Die Türme dienten auch dem militärischen Alltag. Kleine Soldatengruppen nutzten sie zum Kochen, Schlafen und Ausruhen, während sie Patrouillen- und Beobachtungsdienste leisteten. Ein Wachturm war also sowohl ein Beobachtungsposten als auch eine Unterkunft. Dort konnten die eingeteilten Soldaten zwischen ihren Diensten leben.
Die Garnisonen bestanden hauptsächlich aus Auxiliarsoldaten, die aus verschiedenen Teilen des Reiches rekrutiert wurden. In großen Kastellen lagen Einheiten mit 500 oder 1.000 Mann. Diese Truppen sind von den Legionssoldaten zu unterscheiden, die am Bau beteiligt waren. Die Befunde geben sowohl Auskunft über die Erbauer als auch über die Truppen, die den Grenzdienst überwiegend übernahmen.
Südlich des Walls lag das Vallum. Sein typischer Querschnitt bestand aus einem etwa sechs Meter breiten und drei Meter tiefen Graben zwischen zwei Erdwällen. Zusammen mit dem nördlichen Graben zeigt es, warum die Grenze als umfassendere Anlage aus Erdwerken und militärischen Bauten verstanden werden muss.
War der Hadrianswall die Grenze zwischen England und Schottland?
Der Hadrianswall liegt vollständig in England. Er bildete nie die Grenze zwischen England und Schottland. Seine Lage gehört zur Geschichte der römischen Grenze. Sein Verlauf von Wallsend bis Bowness-on-Solway darf daher nicht mit dieser späteren Staatsgrenze verwechselt werden.
Die römische Grenzpolitik ging auch über diese Linie hinaus. Im Jahr 142 n. Chr. begann Antoninus Pius mit dem Bau des Antoninuswalls im heutigen Schottland. Dieser etwa 60 Kilometer lange Wall verlagerte die römische Grenze vorübergehend nach Norden über den Hadrianswall hinaus.
Nach etwa 20 Jahren Nutzung wurde der Antoninuswall aufgegeben. Das römische Heer kehrte anschließend an den Hadrianswall zurück. Dieser wurde erneut zur wichtigsten Grenzlinie. Die Verlagerung erklärt, warum es während seiner langen Bedeutung auch eine Phase gab, in der ein weiter nördlich gelegener Wall seine Aufgabe übernahm.
Zeitleiste
- 122 n. Chr.: Hadrian besuchte Britannien. Der Baubeginn des Hadrianswalls wird gewöhnlich auf dieses Jahr datiert.
- 142 n. Chr.: Antoninus Pius begann weiter nördlich mit dem Bau des Antoninuswalls.
- Nach etwa 20 Jahren Nutzung: Der Antoninuswall wurde aufgegeben, und das römische Heer kehrte an den Hadrianswall zurück.
- 403–406 n. Chr.: Die jüngsten am Wall gefundenen römischen Münzen wurden geprägt.
- Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts: John Clayton, John Hodgson und John Collingwood Bruce wurden zu wichtigen Akteuren bei der Erforschung und dem Schutz des Walls.
- 1987: Der Hadrianswall wurde in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Details, die du nicht in Reiseführern findest
In manchen Abschnitten lässt sich eine Planänderung an den Fundamenten erkennen. Die Erbauer verringerten die vorgesehene Breite von Teilen der Mauer, nachdem bereits breitere Fundamente angelegt worden waren. Das schmalere Mauerwerk wurde auf diese breiteren Fundamente gesetzt. So blieb ein baulicher Beleg für den geänderten Entwurf erhalten.
Brücken führten die Grenzanlage über North Tyne, Irthing und Eden. Anfangs waren diese Übergänge nur für Fußgänger ausgelegt. In der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts wurden sie für Fahrzeuge angepasst. Ihre veränderte Nutzbarkeit ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die Grenzanlage nach ihrem ersten Bau umgestaltet wurde.
Die Römer stellten auch kleine Souvenirgefäße her, auf denen die Namen von Kastellen entlang des Walls standen. Zu ihrer Verzierung gehörten Formen, die als Darstellungen des Walls selbst gedeutet werden. Diese Gegenstände machen die Grenze im Maßstab eines handlichen Objekts greifbar: Ihre militärischen Standorte waren auf einem Gefäß festgehalten.
Die jüngsten am Wall gefundenen römischen Münzen wurden 403–406 n. Chr. geprägt. Sie gehören ebenso zu seiner Geschichte wie die Baudaten, die veränderten Verteidigungsanlagen und die spätere Wiederverwendung.
Was geschah mit dem Wall nach der römischen Herrschaft?
Nach dem Ende der römischen Herrschaft wurden Steine des Walls für nahe gelegene Burgen, Kirchen, Bauernhöfe und Wohnhäuser wiederverwendet. Teile der Grenzanlage wurden dadurch zu Baumaterial für Gebäude mit ganz anderen Aufgaben.
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden John Clayton, John Hodgson und John Collingwood Bruce zu wichtigen Akteuren bei der Erforschung und dem Schutz des Walls. Ihre Arbeit gehört zu seiner Erhaltungsgeschichte. Im Jahr 1987 wurde der Hadrianswall in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
FAQ
Wo beginnt und endet der Hadrianswall?
Er verläuft zwischen Wallsend am Fluss Tyne im Osten und Bowness-on-Solway im Westen. Die gesamte Strecke liegt in Nordengland. Die UNESCO gibt ihre Länge mit 118 Kilometern an.
Wie lange dauerte der Bau?
Der Baubeginn wird gewöhnlich auf etwa 122 n. Chr. datiert und mit Hadrians Besuch in Britannien verbunden. Die Fertigstellung dauerte mindestens sechs Jahre. Noch bevor der ursprüngliche Entwurf vollständig umgesetzt war, wurde der Plan geändert.
Konnten Menschen den Wall passieren?
Ja. In den Meilenkastellen verbanden Straßen die nördlichen und südlichen Tore. Nach Nick Hodgson regelten die Übergänge den Handel und den Kontakt mit Menschen, die aus dem Norden in römisches Gebiet kamen.
Wer diente in den Garnisonen?
Die Garnisonen bestanden hauptsächlich aus Auxiliarsoldaten, die im gesamten Reich rekrutiert wurden. Große Kastelle beherbergten Einheiten mit 500 oder 1.000 Mann. Kleinere Gruppen nutzten die Wachtürme zur Beobachtung, für Patrouillendienste und als Unterkunft im Alltag.
Quellen
- English Heritage — Geschichte des Hadrianswalls english-heritage.org.uk
- UNESCO — Grenzen des Römischen Reiches whc.unesco.org
- Managementplan für den Hadrianswall — Beschreibung visithadrianswall.co.uk
- English Heritage — Bedeutung des Hadrianswalls english-heritage.org.uk
- Archaeology — Verteidigungsstrategie archaeology.org
- English Heritage — Geschichte der Wachtürme Leahill und Piper Sike production.english-heritage.org.uk
- Wikipedia — Hadrianswall en.wikipedia.org
- Vikipedi — Hadrianswall tr.wikipedia.org
FAQ
Wo liegt der Hadrianswall?
Der Hadrianswall liegt vollständig in Nordengland. Er verläuft von Wallsend am Fluss Tyne im Osten bis Bowness-on-Solway im Westen.
Warum bauten die Römer den Hadrianswall?
Seine Sperranlagen sollten Gruppen auf Raubzügen aufhalten und verlangsamen. So gewannen nahe gelegene Kastelle Zeit, Verstärkung zu schicken. Die Tore regelten außerdem den Grenzverkehr, den Handel und den Kontakt mit Menschen, die aus dem Norden kamen.
Wann wurde der Hadrianswall gebaut?
Der Baubeginn wird gewöhnlich auf etwa 122 n. Chr. datiert und mit Hadrians Besuch in Britannien verbunden. Bis zur Fertigstellung dauerte es mindestens sechs Jahre.
War der Hadrianswall die Grenze zwischen England und Schottland?
Nein. Der Wall liegt vollständig in England und bildete nie die Grenze zwischen England und Schottland.
Image: 2018-06-07 Sycamore Gap Tree (Acer pseudoplatanus), next to Hadrian’s Wall UK.jpg — Gordon Leggett, CC BY-SA 4.0






