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Wo liegt Kızkalesi? Mersins Seeburg und Schlangenlegende

Kızkalesi liegt auf einer kleinen Mittelmeerinsel vor Erdemli in Mersin und gehörte zur Verteidigungsanlage des Hafens von Korykos. Byzantinische und armenische Bauphasen, ausgegrabene Innenräume und die Schlangenlegende zeigen verschiedene Seiten der Seeburg.

In der Geschichtsforschung gibt es unterschiedliche Ansichten zu diesem Thema. Der Artikel unterscheidet belegte Fakten von Interpretationen und nennt seine Quellen. Unsere Quellengrundsätze →

8 Min. Lesezeit6 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Wo liegt Kızkalesi? Mersins Seeburg und Schlangenlegende
Korykos – Kızkalesi 01 (cropped).jpg

Wo liegt Kızkalesi in Mersin?

Die Mädchenburg (Kızkalesi) ist eine mittelalterliche Seeburg auf einer kleinen Insel im Mittelmeer. Sie liegt vor dem Ortsteil Kızkalesi in Erdemli, einem Bezirk von Mersin. Nach Angaben des Museums Mersin liegt die archäologische Stätte etwa 60 Kilometer südwestlich von Mersin. Wenn du die Burg aus der Geschichte mit der Prinzessin und der Schlange suchst, bist du hier in Mersin richtig.

Das Bauwerk heißt auch Deniz Kalesi, auf Deutsch Seeburg. Es gab der gegenüberliegenden Siedlung am Ufer ihren Namen. Die Insel ist etwa 15.000 Quadratmeter groß. Die Burg nimmt den größten Teil dieser Fläche ein. Ihre Lage erklärt den Namen Seeburg. Ihre historische Aufgabe hing jedoch mit dem Hafen von Korykos zusammen.

Die veröffentlichten Entfernungen zum Ufer unterscheiden sich. Die UNESCO-Nominierungsunterlagen nennen 200 Meter, die englischsprachige Wikipedia etwa 300 Meter. Die Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Mersin gibt durchschnittlich 600 Meter an. Sie erklärt, dass die Entfernung vom Beobachtungspunkt abhängt. Diese Zahlen müssen deshalb jeweils zusammen mit ihrer Quellenangabe gelesen werden.

Warum wurde Kızkalesi bei Korykos gebaut?

Kızkalesi bildete den seeseitigen Teil einer Verteidigungsanlage zum Schutz des Hafens von Korykos. Eine zweite Burg stand an Land. Wenn du nur die Inselfestung betrachtest, übersiehst du ihren belegten Zusammenhang mit der Burg auf dem Festland.

Die englischsprachige Wikipedia nennt Crambusa als antiken Namen der Insel. Ein antiker Bericht, der Strabon zugeschrieben wird, beschreibt sie als Zufluchtsort für Piraten. Dieser Bericht betrifft die frühere Geschichte der Insel. Er belegt nicht, dass die erhaltene mittelalterliche Burg in römischer Zeit erbaut wurde.

Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn du dich mit der Geschichte von Kızkalesi beschäftigst. Ein antiker Inselname, ein Bericht über Piraten und mittelalterliche Befestigungen stehen für unterschiedliche Arten von Belegen. Zur dokumentierten Baugeschichte der erhaltenen Burg gehören byzantinische Bauarbeiten und armenische Wiederaufbauten. Der Ort hatte bereits eine Vergangenheit, bevor die Mauern ihre überlieferte Gestalt erhielten.

Die Geschichte von Kızkalesi: Wer hat die Burg gebaut?

Die offizielle Seite des Museums Mersin schreibt den Bau der Burg Leo I. (Leon I) im Jahr 1199 zu. Sie stützt diese Datierung auf eine Inschrift. Für sich genommen legt diese Aussage einen einzigen Gründungszeitpunkt nahe. Andere Darstellungen beschreiben jedoch eine frühere byzantinische Bauphase und spätere Wiederaufbauten.

Die Museumsarchäologin F. Güler Gürkan berichtet, dass der Bau in byzantinischer Zeit begann. Nach ihrer Darstellung wurde er zwischen dem späten 11. Jahrhundert und der Mitte des 12. Jahrhunderts abgeschlossen. Damit fanden wesentliche Bauarbeiten bereits vor dem Jahr 1199 statt, dem die Museumsseite den Bau zuschreibt. Beide Darstellungen gehören zur Erklärung der Bauchronologie.

Die englischsprachige Wikipedia berichtet unter Berufung auf Robert W. Edwards von armenischen Inschriften. Sie dokumentieren Wiederaufbauten unter Leo I. im Jahr 1206 und Hethum I. im Jahr 1251. Diese Jahreszahlen werden als Daten von Wiederaufbauten genannt. Sie dürfen nicht stillschweigend an die Stelle der frühesten Errichtung treten. Die Geschichte der Burg umfasst mehrere Eingriffe und lässt sich nicht auf ein einziges unstrittiges Baujahr reduzieren.

Auch die Architektur bewahrt unterschiedliche Bauphasen. An der Südseite ist die byzantinische Anlage mit viereckigen Türmen erhalten. Die Nord- und Westseite wurden in armenischer Zeit mit Rundtürmen und Mauerwerk aus behauenen Steinen umgestaltet. Du kannst diese unterschiedlichen Formen mit den Berichten über Bau und Wiederaufbau in Verbindung bringen.

Zeittafel

  • Spätes 11. bis Mitte des 12. Jahrhunderts: Nach F. Güler Gürkan wurde der in byzantinischer Zeit begonnene Bau in diesem Zeitraum abgeschlossen.
  • 1199: Die offizielle Museumsseite schreibt den Bau Leo I. zu. Diese Angabe muss zusammen mit der früheren byzantinischen Bauphase betrachtet werden.
  • 1206 und 1251: Die auf Edwards gestützte Darstellung der englischsprachigen Wikipedia nennt armenische Inschriften, die Wiederaufbauten unter Leo I. und Hethum I. dokumentieren.
  • 1360–1361: Die Burg kam unter zyprische Kontrolle. Die englischsprachige Wikipedia nennt 1360, die Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Mersin 1361.
  • 1448: Ibrahim II. aus der Dynastie der Karamaniden eroberte Korykos.
  • 1471 oder 1473–1474: Die UNESCO-Nominierungsunterlagen nennen 1471 für die osmanische Übernahme. Das Museum Mersin gibt 1473–1474 an.
  • 2001: Ausgrabungen legten im Zentrum der Burg einen großen Gebäudekomplex frei. Seine miteinander verbundenen Räume öffneten sich zu einem zentralen Empfangssaal.
  • 15. April 2014: Die antike Stadt Korykos einschließlich Kızkalesi wurde für die UNESCO-Tentativliste des Welterbes eingereicht.

Was verrät der Grundriss der Burg?

Die Ringmauer der Burg ist 192 Meter lang. Ihre Mauern besitzen Öffnungen für die Verteidigung. Die acht Türme haben dreieckige, viereckige und runde Formen. Diese dokumentierten Formen ergänzen die grundsätzliche Unterscheidung zwischen der byzantinischen Anlage im Süden und den armenischen Umbauten an der Nord- und Westseite.

Der Haupteingang liegt im Norden. Entlang der Westmauer verläuft ein Gang zu einem separaten Tor, das sich zum Meer hin öffnet. Die Burg hatte somit mehr als nur ihren Haupteingang. Der westliche Gang und das Tor zum Meer sind konkrete Merkmale ihrer inneren Anlage.

Bei Ausgrabungen im Jahr 2001 wurde im Zentrum der Burg ein großer Gebäudekomplex freigelegt. Seine miteinander verbundenen Räume öffneten sich zu einem zentralen Empfangssaal. Damit ist auch für das Innere ein Grundriss dokumentiert, der über Ringmauer und Türme hinausgeht. Die ausgegrabenen Räume zeigen, wie der Platz innerhalb der Festung gegliedert war.

Details, die du in Reiseführern nicht findest

Sechs Zisternen wurden in den anstehenden Fels gehauen, um die Burg mit Wasser zu versorgen. Hier gibt es einen Bezug zum Alltag: Wenn du an deinen Wasserverbrauch zu Hause denkst, stell dir diese sechs Speicher in der Inselfestung vor. Sie machen die Wasserversorgung zu einem greifbaren Teil der Burggeschichte.

Der Gebäudekomplex im Inneren besaß sowohl Mosaikböden als auch Bodenbeläge in Opus-sectile-Technik. Bei Opus sectile bilden zugeschnittene Steinstücke die Bodenfläche. Die Funde belegen also auch ausgestaltete Innenräume in einem Bauwerk, das häufig vor allem über seine Wehrmauern wahrgenommen wird.

Ein Bodenmosaik enthält eine fünfzeilige Inschrift innerhalb eines kreisförmigen Flechtbandmotivs. Die Anordnung lässt sich genau beschreiben: Die Schrift steht in einer ornamentalen Umrahmung. Das Mosaik bewahrt damit sowohl Dekor als auch Text im ausgegrabenen Gebäudekomplex. Hinzu kommen die vor Ort dokumentierten Böden aus zugeschnittenen Steinen.

Unter der Kapelle wurde eine mittelalterliche Krypta durch Schatzsucher beschädigt. Skelette aus dem Grab wurden im Inneren der Kapelle verstreut. Auch dies gehört zum archäologischen Befund der Bestattungen in der Burg und ihrer Beschädigung.

Einige nahe der Oberfläche entdeckte Bestattungen datierte Gürkan in das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert. Diese Gräber stammen aus einer deutlich späteren Zeit als die byzantinischen und armenischen Bauphasen. Die ausgegrabenen Bestattungsbefunde reichen somit über die Jahrhunderte hinaus, mit denen die wesentliche Baugeschichte der Burg verbunden ist.

Was erzählt die Schlangenlegende von Kızkalesi?

In der Legende hört ein König die Prophezeiung, dass seine Tochter an einem Schlangenbiss sterben werde. Um sie zu schützen, bringt er sie in der Inselburg unter. Das Meer trennt die Prinzessin vom Festland. Doch die Gefahr erreicht sie schließlich mit einer Lieferung aus dem Palast.

In einem Traubenkorb, der zur Prinzessin geschickt wird, versteckt sich eine Schlange. Sie beißt die Prinzessin, die daraufhin stirbt. Dies ist die mit Kızkalesi verbundene legendäre Erklärung, kein historisch belegtes Ereignis. Sie muss von den Inschriften, Bauphasen und ausgegrabenen Überresten unterschieden werden, anhand derer die Vergangenheit der Festung beschrieben wird.

Die vom Museum Mersin veröffentlichte Fassung enthält ein genaueres Detail. Die Trauben, um die die Prinzessin bittet, heißen Tarsus Beyazı. Dieser Name gehört zu dieser besonderen Fassung der Legende. Der Inhalt des Korbs wird in der Museumsversion also genauer beschrieben als in einer einfachen Erzählung über Trauben und eine versteckte Schlange.

Gibt es eine Verbindung zum Istanbuler Leanderturm?

Die Provinzverwaltung Mersin weist darauf hin, dass eine ähnliche Geschichte über den Leanderturm in Istanbul erzählt wird. In beiden Fassungen kommen die Schlange und der Traubenkorb vor. Die gemeinsame Legende erklärt, warum die beiden Namen im Zusammenhang mit der Geschichte miteinander verbunden werden. Die Bauwerke stehen jedoch an unterschiedlichen Orten.

Wenn du die Inselfestung meinst, die den Hafen von Korykos verteidigte, liegt sie in Erdemli in Mersin. Der Istanbuler Leanderturm ist das andere Bauwerk in diesem Vergleich. Die wiederkehrende Legende verlegt die byzantinische und armenische Baugeschichte von Kızkalesi nicht nach Istanbul.

FAQ

Wo liegt Kızkalesi?

Die Burg liegt auf einer kleinen Mittelmeerinsel vor dem Ortsteil Kızkalesi in Erdemli, Mersin. Nach Angaben des Museums Mersin liegt die archäologische Stätte etwa 60 Kilometer südwestlich von Mersin.

Wer hat Kızkalesi gebaut?

Ihre Baugeschichte umfasst mehrere Phasen. Gürkan beschreibt eine frühere byzantinische Bauphase. Die Museumsseite schreibt den Bau Leo I. im Jahr 1199 zu. Eine auf Edwards gestützte Darstellung dokumentiert armenische Wiederaufbauten in den Jahren 1206 und 1251.

Ist die Geschichte mit der Prinzessin und der Schlange wahr?

Die Erzählung von einer Prinzessin, die durch eine in einem Traubenkorb versteckte Schlange getötet wird, ist eine Legende. Sie ist kein historisch belegtes Ereignis. Die Zisternen, verzierten Böden und Bestattungen der Burg sind archäologische Befunde.

Ist Kızkalesi dasselbe wie der Istanbuler Leanderturm?

Nein. Kızkalesi ist die Seeburg vor Erdemli in Mersin. Die Provinzverwaltung Mersin hält fest, dass über den Istanbuler Leanderturm eine ähnliche Legende mit einer Schlange und einem Traubenkorb erzählt wird.

Quellen

  1. Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Mersin — Burgen, Festungen und Bastionen mersin.ktb.gov.tr
  2. Generaldirektion für Kulturerbe und Museen — Museumsdirektion Mersin kvmgm.ktb.gov.tr
  3. UNESCO-Welterbezentrum — Antike Stadt Korykos whc.unesco.org
  4. Englischsprachige Wikipedia — Kızkalesi (Burg)) en.wikipedia.org
  5. TÜBİTAK Bilim ve Teknik — F. Güler Gürkan, Ausgrabungen in Kızkalesi bilimteknik.tubitak.gov.tr
  6. Provinzverwaltung Mersin — Kızkalesi mersin.gov.tr

FAQ

Wo liegt Kızkalesi?

Kızkalesi steht auf einer kleinen Mittelmeerinsel vor dem Ortsteil Kızkalesi in Erdemli, Mersin. Nach Angaben des Museums Mersin liegt die archäologische Stätte etwa 60 Kilometer südwestlich von Mersin.

Wer hat Kızkalesi gebaut?

Die Burg entstand in mehreren Bauphasen. Die Archäologin F. Güler Gürkan beschreibt byzantinische Bauarbeiten, die zwischen dem späten 11. und der Mitte des 12. Jahrhunderts abgeschlossen wurden. Die offizielle Museumsseite schreibt den Bau Leo I. für das Jahr 1199 zu. Eine weitere Darstellung nennt armenische Wiederaufbauten in den Jahren 1206 und 1251.

Was erzählt die Schlangenlegende von Kızkalesi?

Ein König bringt seine Tochter in der Inselburg unter, nachdem er erfahren hat, dass sie durch einen Schlangenbiss sterben werde. In einem Traubenkorb aus dem Palast versteckt sich eine Schlange. Sie gelangt zur Prinzessin und tötet sie. Die Geschichte ist eine Legende und kein historisch belegtes Ereignis.

Ist Kızkalesi dasselbe wie der Istanbuler Leanderturm?

Es handelt sich um verschiedene Bauwerke. Kızkalesi ist die Seeburg vor Erdemli in Mersin. Die Provinzverwaltung Mersin weist darauf hin, dass eine ähnliche Legende mit einer Schlange und einem Traubenkorb auch über den Istanbuler Leanderturm erzählt wird.

Image: Korykos – Kızkalesi 01 (cropped).jpg — Zeynel Cebeci, CC BY-SA 4.0

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