Ovid (türkisch: Ovidius) war ein römischer Dichter. Er lebte von 43 v. Chr. bis 17 oder 18 n. Chr. und schrieb die fünfzehn Bücher der Metamorphosen. Nach der allgemein anerkannten Datierung verbannte Augustus ihn 8 n. Chr. nach Tomis an der Küste des Schwarzen Meeres (Karadeniz). Als Gründe nannte Ovid „ein Gedicht und einen Fehler“. Das Gedicht war die Ars Amatoria. Welcher Fehler gemeint war, bleibt ungeklärt.
Warum wurde ein Werk über die Liebe zum Anlass für die Bestrafung eines Dichters? Ovids Fall verbindet die Ehegesetze des Augustus mit einem mythologischen Gedicht, das von der Weltschöpfung bis zu Julius Cäsar reicht. Hinzu kommen seine aus Tomis geschriebenen Bittgesuche. Wenn du diesen Verbindungen folgst, kannst du die bekannten Gründe seiner Verbannung von den Theorien über den ungeklärten Fehler unterscheiden.
Wann lebte Ovid, und welchen Platz hat er in der römischen Literatur?
Publius Ovidius Naso wurde am 20. März 43 v. Chr. in Sulmo geboren, dem heutigen Sulmona in Italien (İtalya). Seine Familie gehörte dem Ritterstand an. In Rom (Roma) studierte er Rhetorik bei Arellius Fuscus und Porcius Latro. Zu seiner Ausbildung gehörte damit auch der überzeugende Einsatz von Sprache.
Ovid lebte im Zeitalter des Augustus. Neben seinen älteren Zeitgenossen Vergil (Vergilius) und Horaz (Horatius) zählt er zu den drei kanonischen Dichtern der lateinischen Literatur. Sein Ansehen beruht auf unterschiedlichen literarischen Formen: Liebesdichtung, mythologischen Erzählungen und den später in der Verbannung verfassten Gedichten.
Zu seinen frühen Werken gehören die Amores, eine Sammlung von Liebesgedichten, und die Heroides, erdachte Briefe mythologischer Frauen. Auch die Ars Amatoria gehört zu dieser frühen Liebesdichtung. Für seine Biografie sind diese Werke bedeutsam, weil das mit seiner späteren Bestrafung verbundene Gedicht die Ars Amatoria war.
Ovid schrieb außerdem die Fasti. Sie beschreiben religiöse Zeremonien und Feste im römischen Kalender. Damit eröffnet sich dir ein weiterer Zugang zu seinem Werk: Neben Geschichten über Liebende und Verwandlungen schrieb er über die Anlässe, die das religiöse Leben der Römer gliederten.
Wie verbinden die Metamorphosen unterschiedliche Mythen?
Die Metamorphosen sind eine mythologische Erzählung in fünfzehn Büchern. Ovid verfasste sie in daktylischen Hexametern. Ihr Rahmen reicht von der Erschaffung der Welt bis zur Vergöttlichung von Julius Cäsar (Jül Sezar). Diese Zeitspanne ermöglicht es, griechische und römische Mythen in eine fortlaufende Erzählung einzubinden.
Das gemeinsame Thema ist die Verwandlung. Ovid verknüpft verschiedene Sagen durch Gestaltwechsel und eine sich weiterentwickelnde Handlung. Wenn du eine einzige Hauptfigur erwartest, wird dich der Aufbau vielleicht überraschen: Die Verbindung entsteht durch Verwandlungen in vielen Geschichten innerhalb des übergeordneten zeitlichen Rahmens.
Das zweite Buch enthält die Geschichte von Kallisto und Arkas. Im dritten steht die Geschichte des Jägers Aktaion. Ihre Anordnung zeigt, wie einzelne mythologische Figuren Teil desselben umfangreichen Werks werden. Der Aufbau in fünfzehn Büchern gibt diesen Geschichten einen Platz in einer Erzählung, die von der Weltschöpfung bis in Roms Vergangenheit reicht.
Ovid schrieb die Metamorphosen in den Jahren vor seiner Verbannung. Der Text ist vollständig überliefert. Einige Stellen deuten jedoch darauf hin, dass die letzte Überarbeitung nicht vollständig abgeschlossen war. Vollständigkeit und letzter Schliff sind deshalb getrennte Fragen: Alle fünfzehn Bücher sind erhalten, zugleich zeigt der Text mögliche Spuren einer unfertigen Überarbeitung.
Die auf Latein verfassten Metamorphosen wurden im Mittelalter übersetzt und fanden Interesse. Später lieferten sie Malern wie den Brüdern Pollaiuolo, Tizian und Poussin Bildthemen. Ihre Geschichten gehören damit sowohl zur Geschichte der Malerei als auch zur Geschichte der lateinischen Dichtung.
Warum verbannte Augustus Ovid nach Tomis, und was bleibt ungeklärt?
Augustus schickte Ovid nach Tomis, dem heutigen Constanța in Rumänien (Romanya), an der Schwarzmeerküste. Als allgemein anerkanntes Datum gilt 8 n. Chr. In Tristia 2.207 benannte Ovid zwei Gründe für die Strafe: carmen et error, ein Gedicht und einen Fehler.
Das Gedicht war die Ars Amatoria, die ungefähr zwischen 1 v. Chr. und 2 n. Chr. erschien. Ihre Liebeslehren widersprachen der offiziellen Ausrichtung der Sittenreformen des Augustus. Um 18 v. Chr. hatte Augustus Gesetze eingeführt, die Eheschließungen fördern und Ehebruch einschränken sollten. Dieser Widerspruch bildet den Hintergrund für den literarischen Teil des Vorwurfs.
Auch die Veröffentlichungsdaten sind entscheidend. Die Ars Amatoria erschien Jahre vor dem allgemein anerkannten Datum der Verbannung. Du solltest deshalb beide Teile von Ovids Erklärung im Blick behalten: Das Liebesgedicht ist bekannt. Sein eigener Bericht nennt aber auch einen Fehler, dessen Inhalt er nicht offenlegte.
Eine Theorie verbindet diesen Fehler mit einem politischen Ereignis. Eine andere bringt Ovids Entfernung aus Rom mit der Verbannung von Augustus’ Enkelin Julia im selben Jahr in Zusammenhang. Keine der beiden klärt, was Ovid getan hatte. Gareth Williams betont in seiner Einschätzung das fortbestehende Rätsel. Auch Oxford Bibliographies hält fest, dass die Art des Fehlers unbekannt ist.
Die Folgen betrafen auch Ovids Leserschaft. Laut Oxford Bibliographies wurde die Ars Amatoria nach seiner Verbannung aus öffentlichen Bibliotheken entfernt. Seine anderen Werke blieben offenbar zugänglich. Die überlieferte Beschränkung richtete sich damit gezielt gegen das Liebesgedicht, das im Zusammenhang mit seiner Bestrafung genannt wurde.
Ovid erreichte seine Rückkehr nie. Er konnte Augustus nicht dazu bewegen, ihn zurückzurufen. Unter Tiberius blieb er ebenfalls erfolglos. Ovid starb 17 oder 18 n. Chr. in Tomis. Seine Bittgesuche und literarischen Verteidigungen gingen weiter, brachten ihn aber nicht nach Rom zurück.
Wie lässt sich Ovids Exildichtung als historische Quelle nutzen?
Ovids Leben wird größtenteils anhand seiner eigenen Dichtung rekonstruiert. Besonders wichtig ist der autobiografische Bericht in Tristia 4.10. Seine Sammlungen aus der Verbannung sind umfangreich: Die Tristia umfassen fünf Bücher, die Epistulae ex Ponto vier. Sie überliefern seine Darstellung der Strafe und seine Bemühungen um Erleichterung.
Das zweite Buch der Tristia besteht aus einem einzigen langen Gedicht. Darin verteidigt Ovid seine Dichtung und bittet Augustus um Verzeihung. Diese Absicht musst du berücksichtigen, wenn du den Text als Quelle liest. Der Bericht stammt von dem Mann, der um Begnadigung bittet. Seine Erklärung ist Teil dieses Bittgesuchs.
Auch bei den Beschreibungen von Tomis ist die literarische Absicht zu beachten. Andrew D. Walker argumentiert, dass die Exilgedichte Tomis als Gegenbild zu Rom entwerfen. In diesen Rahmen ordnet er die Schilderungen von Krankheit und Kälte in Tristia 3.3 und Ex Ponto 1.7 ein. Diese Passagen vermitteln Erfahrungen durch einen bewusst gestalteten literarischen Gegensatz.
Andere antike Autoren liefern nur wenige Hinweise. Anne-Marie Lewis hält in ihrer Studie von 2013 fest, dass Plinius und Statius die Verbannung nach Tomis kurz erwähnen. Tacitus und Sueton schweigen darüber. Diese unterschiedliche Behandlung gehört zu den Befunden, die Historiker neben Ovids deutlich ausführlicherem persönlichem Bericht abwägen müssen.
Die Quellenlage hat auch zu widersprüchlichen Einschätzungen geführt. A. D. Fitton Brown vertrat 1985 die These, die Verbannung nach Tomis sei erfunden. Lewis ging in ihrer Studie von 2013 davon aus, dass sie tatsächlich stattgefunden hatte. Auf Grundlage der Himmelsbeschreibungen in Tristia 1.3 schlug sie eine Abreise aus Rom im Dezember 7 n. Chr. vor. Zugleich räumte sie ein, dass die meisten Forschenden 8 n. Chr. als Datum anerkennen.
Zeittafel
- 20. März 43 v. Chr.: Publius Ovidius Naso wird in Sulmo geboren.
- Um 18 v. Chr.: Augustus führt Sittengesetze zu Ehe und Ehebruch ein.
- Um 1 v. Chr.–2 n. Chr.: Die Ars Amatoria erscheint.
- Vor 8 n. Chr.: Ovid schreibt die fünfzehn Bücher der Metamorphosen.
- 8 n. Chr.: Nach der allgemein anerkannten Datierung schickt Augustus Ovid nach Tomis.
- Nach 8 n. Chr.: Ovid behandelt in den Tristia und den Epistulae ex Ponto seine Verbannung und bittet um Begnadigung.
- 17 oder 18 n. Chr.: Ovid stirbt in Tomis, ohne nach Rom zurückgekehrt zu sein.
- 1477: Die heute in Leeds aufbewahrten Ovid-Bände werden in Parma gedruckt.
- Februar 1540–Februar 1541: Oswald von Eck ergänzt diese Bände um Notizen und Zeichnungen.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
Ovids Strafe hieß rechtlich relegatio. Sie erforderte weder den Verlust seines römischen Bürgerrechts noch seines Vermögens. Diese Unterscheidung präzisiert, was „Verbannung“ in seinem Fall bedeutete: Die Entfernung nach Tomis entzog ihm weder sein Bürgerrecht noch seinen Besitz.
Seine Bittgesuche bezogen auch seine Frau ein. Ovid bat sie, sich für ihn an die Kaiserin Livia zu wenden, um ein Ende seiner Verbannung zu erreichen. Neben der öffentlichen literarischen Verteidigung in den Tristia steht damit die Bitte um eine konkrete persönliche Fürsprache.
Ein Wandgemälde mit der Geburt des Adonis im Ashmolean Museum zeigt eine Geschichte aus den Metamorphosen. Es stammt aus Neros Goldenem Haus. Das erhaltene Objekt verbindet Ovids mythologische Erzählung unmittelbar mit der bildlichen Darstellung eines ihrer Themen.
Die Brotherton Collection der University of Leeds bewahrt eine dreibändige Ausgabe von Ovids Werken auf. Stephanus Corallus druckte sie 1477 in Parma. Oswald von Eck, damals Student in Ingolstadt, füllte ihre Ränder zwischen Februar 1540 und Februar 1541 mit Notizen und Zeichnungen. Wenn du beim Lernen Anmerkungen in ein Buch schreibst, findest du in diesen bearbeiteten Seiten eine vertraute Alltagspraxis eines früheren Lesers wieder.
FAQ
Wer war Ovid?
Ovid hieß Publius Ovidius Naso. Der römische Dichter wurde am 20. März 43 v. Chr. in Sulmo geboren. Zu seinen Werken zählen die Metamorphosen, die Amores, die Heroides, die Ars Amatoria und die Fasti.
Wurde Ovid wegen der Metamorphosen verbannt?
Das mit seiner Bestrafung verbundene Gedicht war die Ars Amatoria. In den Tristia bezeichnete Ovid die Gründe als ein Gedicht und einen Fehler. Welcher Fehler gemeint war, bleibt ungeklärt.
Wohin wurde Ovid verbannt?
Augustus schickte ihn nach Tomis an der Schwarzmeerküste, dem heutigen Constanța in Rumänien. Die meisten Forschenden erkennen 8 n. Chr. als Datum an.
Kehrte Ovid jemals nach Rom zurück?
Weder Augustus noch Tiberius gewährten ihm die erbetene Rückkehr. Ovid starb 17 oder 18 n. Chr. in Tomis.
Quellen
- Vikipedi — Ovidius tr.wikipedia.org
- Wikipedia — Ovid en.wikipedia.org
- Oxford Bibliographies — Ovids Metamorphosen academic.oup.com
- National Gallery — Ovid nationalgallery.org.uk
- National Gallery — Wer war Ovid? nationalgallery.org.uk
- Gareth Williams — Ovids Exildichtung, The Cambridge Companion to Ovid cambridge.org
- Oxford Bibliographies — Ovid academic.oup.com
- Ashmolean Museum — OVID-2000-RUNDGANG ashmolean.web.ox.ac.uk
- Andrew D. Walker — Einleitung, Ramus cambridge.org
- Anne-Marie Lewis — Astronomische Belege in Tristia I, 3, L’Antiquité Classique persee.fr
- University of Leeds Library — Die Werke Ovids library.leeds.ac.uk
- University of Leeds Library — Oswald von Eck library.leeds.ac.uk
FAQ
Wer war Ovid?
Ovid hieß mit vollem Namen Publius Ovidius Naso. Der römische Dichter wurde am 20. März 43 v. Chr. in Sulmo geboren. Er schrieb die Metamorphosen und starb 17 oder 18 n. Chr. in Tomis.
Wurde Ovid wegen der Metamorphosen verbannt?
Das mit seiner Bestrafung verbundene Gedicht war die Ars Amatoria. Ovid bezeichnete die Gründe seiner Verbannung als carmen et error, also als ein Gedicht und einen Fehler.
Wohin wurde Ovid verbannt?
Augustus schickte Ovid nach Tomis an der Schwarzmeerküste, dem heutigen Constanța in Rumänien. Als allgemein anerkanntes Datum gilt 8 n. Chr.
Kehrte Ovid jemals nach Rom zurück?
Ovid konnte weder Augustus noch Tiberius dazu bewegen, ihn zurückzurufen. Er starb 17 oder 18 n. Chr. in Tomis.
Image: Ovid by an anonymous sculptor.jpg — Lucasaw, CC BY-SA 4.0






