Die Angelsachsen (Anglosaksonlar) waren eine altenglischsprachige Kulturgemeinschaft. Sie entstand durch das Zusammenwirken von Einwanderern aus dem Nordseeraum und der bereits in Britannien lebenden romanisch-britischen Bevölkerung. Nach dem Ende der römischen Herrschaft um 410 bauten Heerführer eigenständige Königreiche auf. Christianisierung, Eroberungen durch Wikinger und die Expansion von Wessex veränderten diese Reiche. Diese Entwicklungen führten 927 zur Einigung Englands unter Æthelstan.
Wie entstanden aus der Einwanderung Königreiche? Und wie wurden diese Königreiche zu England? Wenn du die Verbindungen zwischen Bootsreisen, königlichen Geschenken, Klöstern und befestigten Städten verfolgst, wird der Ablauf klarer. Selbst Regeln für den Handel und Straßennamen bewahren Spuren dieser Geschichte.
Woher kamen die Angeln, Sachsen und Jüten, und wie siedelten sie sich in Britannien an?
Angelsächsische Gemeinschaften lebten in weiten Teilen des heutigen Englands und im Südosten Schottlands. Ihre Entstehung gehört in die Zeit zwischen dem Ende der römischen Verwaltung um 410 und der normannischen Eroberung von 1066. In diesen Jahrhunderten konkurrierten Briten, Angelsachsen und Wikinger um die Macht. [1, 2]
Beda lieferte eine einflussreiche Darstellung der Herkunft der Einwanderer. In einem 731 abgeschlossenen Werk verband er die Ankömmlinge des Jahres 449 mit drei Gruppen. Die Angeln kamen demnach aus Angeln, die Sachsen aus dem heutigen Niedersachsen und die Jüten aus Jütland. [3]
Dieser Bericht entstand Jahrhunderte nach der beschriebenen Ankunft. Archäologische Funde zeigen eine vielfältigere Bevölkerung als Bedas Bild klar getrennter Gruppen. Du solltest diese Namen deshalb als Ausgangspunkt betrachten, um die Migration zu verstehen. Sie beschreiben nicht vollständig alle Menschen, die das Meer überquerten. [3]
Verbindungen bestanden schon vor den Wanderungen des fünften Jahrhunderts. Sächsische Söldner hatten in der römischen Armee in Britannien gedient. Der Militärdienst verband die Insel bereits mit dem Kontinent, bevor die größeren Wanderungen im Zusammenhang mit der angelsächsischen Besiedlung einsetzten. [4]
Die Überfahrt über die Nordsee bedeutete nicht immer einen endgültigen Abschied. Die Einwanderer reisten mit Booten. Manche kehrten auf den Kontinent zurück, um weitere Familienmitglieder nach Britannien zu holen. Ansiedlung konnte sich durch wiederholte Reisen und familiäre Verbindungen entwickeln. [3]
Wie begegneten die Einwanderer der bereits in Britannien lebenden Bevölkerung?
Die angelsächsische Gesellschaft entstand durch Kontakte zwischen Neuankömmlingen und romanisch-britischen Gemeinschaften. Sie war eine altenglischsprachige Kulturgemeinschaft. Der Begriff bezeichnet eine Gemeinschaft, die sich im Laufe der Zeit herausbildete. Er meint nicht einfach alle Menschen, die aus einem einzigen Herkunftsgebiet auf dem Kontinent einwanderten. [1]
Über das Ausmaß der Migration wird diskutiert. Eine Erklärung betont große Bevölkerungsbewegungen. Eine andere gewichtet stärker, dass bereits ansässige Briten die germanische Sprache und Lebensweisen einer kleineren Einwanderergruppe übernahmen. Die Erklärungen unterscheiden sich darin, wie viel Zuwanderung für den kulturellen Wandel nötig war. [3]
Eine 2022 in Nature veröffentlichte Studie untersuchte die Genome von 460 Menschen aus früheren Zeiten, darunter 278 aus England. Die Ergebnisse stützten eine umfangreiche Einwanderung gegenüber einer Erklärung, die allein von einer kleinen zugewanderten Elite ausgeht. Bei den untersuchten Menschen aus Ostengland modellierten die Forschenden Abstammungsanteile aus dem kontinentalen Nordseeraum von bis zu 76%. [5]
Diese Zahl bezieht sich auf die untersuchten Menschen aus Ostengland. Sie ist kein Prozentwert für jede angelsächsische Gemeinschaft. Dieselbe Untersuchung stellt auch Annahmen über den sozialen Status infrage: Bei Männern, die mit Waffen bestattet worden waren, war eine Abstammung von Einwanderern nicht wahrscheinlicher als eine lokale Abstammung. [5]
Wie veränderten Christianisierung und Wikingersiedlungen die Gesellschaft?
Das Christentum hatte sich im vierten Jahrhundert im römischen Britannien etabliert. Es bestand in britischen Gemeinschaften auch nach dem Ende der römischen Verwaltung fort. Die spätere Bekehrung angelsächsischer Herrscher fand somit auf einer Insel statt, auf der das Christentum bereits eine Geschichte hatte. [8]
597 schickte Papst Gregor der Große Augustinus nach Kent. Augustinus bekehrte König Æthelberht und gründete in Canterbury ein Kloster. Die Frau des Königs, die fränkische Prinzessin Bertha, war bereits Christin. Am religiösen Wandel waren somit sowohl Königshäuser als auch eine Mission aus Übersee beteiligt. [8]
Die christliche Praxis war nicht einheitlich. Auf der Synode von Whitby entschied sich Northumbrias König Oswiu 664 für die römische Berechnung des Ostertermins und gegen die irische Tradition. Die Entscheidung betraf die Frage, wie ein christliches Königreich seinen religiösen Kalender ausrichten sollte. [8]
Klöster förderten auch die Gelehrsamkeit. Im gelehrten Umfeld von Wearmouth-Jarrow vollendete Beda um 731 seine Kirchengeschichte des englischen Volkes. Im Laufe seines Lebens schrieb oder übersetzte er etwa 40 Bücher über Religion, Geschichte, Astronomie und andere Themen. [9]
Wikingerangriffe brachten weitere Veränderungen. Der Überfall auf die Kirche des heiligen Cuthbert auf Lindisfarne im Jahr 793 war ein früher Raubzug, der europaweit Aufmerksamkeit erregte. Die Ankunft des Großen Wikingerheeres 865 führte zu einem weit größeren politischen Umbruch. [2, 7]
Northumbria, Mercia und East Anglia brachen unter den Feldzügen des Heeres zusammen. Wessex setzte den Kampf fort. Alfred, dort von 871 bis 899 König, besiegte 878 bei Edington ein Wikingerheer. Der Wikingerführer Guthrum ließ sich später christlich taufen. [4, 7]
Alfred stärkte die Verteidigung durch ein Netz befestigter Zentren, die burhs genannt wurden. Seine Vereinbarung mit Guthrum erkannte die Herrschaft der Wikinger über ausgedehnte Gebiete im Norden und Osten an. Diese Gebiete wurden mit der als Danelag bekannten Ordnung verbunden. [4, 7]
Wie wurden die einzelnen Königreiche zu einem vereinten England?
Vor der Einigung entstand politische Macht im Umfeld erfolgreicher Heerführer. Siege und wertvolle Geschenke halfen ihnen, Gefolgsleute zu gewinnen. Indem sie kleinere Gemeinschaften zusammenführten, schufen sie Königreiche wie Northumbria, Mercia und Wessex. Königliche Macht hing davon ab, Unterstützer anziehen und belohnen zu können. [6]
Um 650–800 waren Kent, Mercia, Northumbria, East Anglia, Essex, Sussex und Wessex die wichtigsten angelsächsischen Königreiche. Ihre Kräfteverhältnisse veränderten sich. Auf Northumbrias Vorherrschaft im siebten Jahrhundert folgte der Aufstieg Mercias, dessen Zentrum in den Midlands lag. [4, 7]
Besonders mächtig wurde Mercia unter Offa, der von 757 bis 796 regierte. Doch aus Mercias Stärke entstand nicht das spätere vereinte Königreich. Die Eroberungen der Wikinger veränderten die politische Landkarte. Wessex überlebte als das Königreich, das dem eindringenden Heer weiter Widerstand leistete. [7]
Seit den 910er-Jahren dehnten Eduard der Ältere und seine Schwester Æthelflæd ihre Herrschaft auf Gebiete des Danelag südlich des Humber aus. Æthelflæd trug den Titel Herrin der Mercier. Beide gehören zur Geschichte jener Gebietszusammenschlüsse unter einer Herrschaft, die dem vereinten England vorausgingen. [7]
Æthelstan vereinte die einzelnen Königreiche Englands 927 unter einer Herrschaft. Er gilt als erster König der Engländer. 937 festigte er seine führende Stellung in Britannien durch den Sieg bei Brunanburh. Dort besiegte er ein Bündnis, zu dem der schottische König und Skandinavier aus Dublin gehörten. [11]
Die Einigung berührte auch den Alltag. Unter Æthelstan waren Kauf und Verkauf weitgehend auf die burh-Zentren beschränkt. Das förderte das städtische Leben. Vorschriften zum Geldwesen sollten das Silbergewicht kontrollieren und Falschmünzerei bestrafen. Wenn du darüber nachdenkst, wo du einkaufst und warum du einer Zahlung vertraust, findest du hier einen vertrauten Zugang zur königlichen Herrschaft. [11]
Warum gilt die normannische Eroberung von 1066 als Wendepunkt?
Am 14. Oktober 1066 besiegte Wilhelm, Herzog der Normandie, das Heer König Harolds bei Hastings. Harold wurde getötet. Am 25. Dezember desselben Jahres wurde Wilhelm zum König von England gekrönt. Die Eroberung stellte das bestehende Königreich unter einen neuen Herrscher. [12]
Die Folgen reichten über den Thronwechsel hinaus. Normannisch-französische Adlige ersetzten einen großen Teil der bisherigen Führungsschicht. Die neuen Machthaber errichteten Burgen, um ihre Kontrolle über das Land zu sichern. Veränderungen beim Grundbesitz und bei den Mitteln zur Durchsetzung von Herrschaft machten die Eroberung zu einem bedeutenden politischen Wendepunkt. [13]
Die Sprache zeigt sowohl Wandel als auch Kontinuität. Französisch wurde in der Verwaltung und unter großen Grundbesitzern verwendet. Latein diente der Kirche und der rechtlichen Dokumentation. Englisch blieb die gesprochene Sprache der Bevölkerung. Der Austausch der Herrscher ließ die englische Alltagssprache also nicht verschwinden. [14]
Details, die du in Reiseführern nicht findest
In Sutton Hoo in Suffolk stellte ein Schiffsgrab aus dem siebten Jahrhundert die Ausgräber 1939 vor eine ungewöhnliche Aufgabe. Das hölzerne Schiff war nicht erhalten geblieben. Seine Abdrücke im Sand und seine Eisennieten ließen dennoch die Form eines etwa 27,3 Meter langen Wasserfahrzeugs erkennen. [15]
Schwarze Bruchstücke aus dem Grab galten zunächst als Kiefernteer, der für Schiffsreparaturen verwendet worden war. Eine 2016 veröffentlichte Analyse identifizierte sie als Bitumen. Ihre chemischen und isotopischen Eigenschaften deuteten auf eine Herkunft aus dem Nahen Osten hin. Damit kam zur materiellen Geschichte dieser Bestattung eine Verbindung hinzu, die über den Nordseeraum hinausreichte. [15]
Du kannst Wikingersiedlungen auch in einer gewöhnlichen Straßenadresse begegnen. Die Endung im Nottinghamer Straßennamen Fletcher Gate stammt vom altnordischen Wort gata. Es bedeutet Straße oder Weg. Hier bezeichnet „gate“ keinen Eingang. [10]
Zeitleiste
- Viertes Jahrhundert: Das Christentum etablierte sich im römischen Britannien.
- Um 410: Die römische Herrschaft in Britannien endete.
- Fünftes Jahrhundert: Einwanderer überquerten die Nordsee nach Britannien.
- 597: Die Mission des Augustinus erreichte Kent.
- Um 650–800: Sieben bedeutende angelsächsische Königreiche prägten die politische Landschaft.
- 664: Oswiu entschied sich in Whitby für die römische Berechnung des Ostertermins.
- 731: Beda vollendete seine Kirchengeschichte des englischen Volkes.
- 757–796: Offa regierte Mercia.
- 793: Wikinger griffen Lindisfarne an.
- 865: Das Große Wikingerheer traf ein.
- 878: Alfred siegte bei Edington.
- 910er-Jahre: Eduard und Æthelflæd eroberten Gebiete des Danelag südlich des Humber.
- 927: Æthelstan vereinte die Königreiche Englands.
- 937: Æthelstan siegte bei Brunanburh.
- 14. Oktober 1066: Wilhelm besiegte Harolds Heer bei Hastings.
- 25. Dezember 1066: Wilhelm wurde zum König von England gekrönt.
Häufige Fragen
Waren die Angelsachsen ausschließlich Einwanderer?
Nein. Die angelsächsische Gesellschaft entstand durch das Zusammenwirken von Einwanderern und der bereits ansässigen romanisch-britischen Bevölkerung. Umfangreiche Migration trug zu diesem Prozess bei, ebenso wie Kontakte mit den Menschen, die schon in Britannien lebten. [1, 5]
Welche waren die wichtigsten angelsächsischen Königreiche?
Um 650–800 waren es Kent, Mercia, Northumbria, East Anglia, Essex, Sussex und Wessex. Ihre Machtverhältnisse veränderten sich im Laufe dieser Zeit. [4, 7]
Hat Alfred England vereint?
Alfred stärkte Wessex und besiegte 878 ein Wikingerheer. Die Einigung unter einem Herrscher erfolgte 927 unter Æthelstan. Ihr gingen die Gebietsgewinne Eduards und Æthelflæds voraus. [4, 7, 11]
Beendete die normannische Eroberung die englische Sprache?
Nein. Englisch blieb die gesprochene Sprache der Bevölkerung. Französisch gewann eine Rolle in der Verwaltung und unter großen Grundbesitzern. Latein wurde in der Kirche und für rechtliche Aufzeichnungen verwendet. [14]
Quellen
- Wikipedia — Angelsachsen en.wikipedia.org
- English Heritage — England im Frühmittelalter english-heritage.org.uk
- Our Migration Story — Die angelsächsische Invasion und die Anfänge der „Engländer“ ourmigrationstory.org.uk
- Historical Association — Angelsachsen: eine kurze Geschichte history.org.uk
- Nature — Die angelsächsische Migration und die Entstehung des frühen englischen Genpools nature.com
- English Heritage — Frühmittelalter: Macht und Politik english-heritage.org.uk
- English Heritage — Einführung in das frühmittelalterliche England english-heritage.org.uk
- English Heritage — Frühmittelalter: Religion english-heritage.org.uk
- Durham Cathedral — Beda der Ehrwürdige durhamcathedral.co.uk
- University of Nottingham — Ankunft und Ansiedlung nottingham.ac.uk
- The Royal Family — Æthelstan royal.uk
- English Heritage — Geschichte von Battle Abbey und dem Schlachtfeld english-heritage.org.uk
- Kent Historic Environment Record — Kent im Mittelalter heritage.kent.gov.uk
- London Museum — Wie die normannische Eroberung London veränderte londonmuseum.org.uk
- PLOS ONE — Identifizierung, geochemische Charakterisierung und Bedeutung von Bitumen journals.plos.org
FAQ
Wer waren die Angelsachsen?
Sie waren eine altenglischsprachige Kulturgemeinschaft, die durch das Zusammenwirken von Einwanderern und der bereits ansässigen romanisch-britischen Bevölkerung entstand. Sie lebten in weiten Teilen des heutigen Englands und im Südosten Schottlands.
Woher kamen die Angeln, Sachsen und Jüten?
Beda brachte die Angeln mit Angeln, die Sachsen mit dem heutigen Niedersachsen und die Jüten mit Jütland in Verbindung. Archäologische Funde zeigen eine vielfältigere Bevölkerung, als diese getrennten Kategorien vermuten lassen.
Wer vereinte die Königreiche Englands?
Æthelstan vereinte die einzelnen Königreiche Englands 927 unter einer Herrschaft. Vorausgegangen waren die Gebietsgewinne Eduards des Älteren und Æthelflæds im Danelag südlich des Humber.
Verschwand Englisch nach der normannischen Eroberung?
Nein. Französisch wurde zu einer Sprache der Verwaltung und der großen Grundbesitzer. Latein diente der Kirche und der rechtlichen Dokumentation. Englisch blieb die gesprochene Sprache der Bevölkerung.
Image: Harold godwinson, Late anglo-saxon warriors, Hastings 1066.png — Rowyn flowerdew, CC0






