Der Vertrag von Montreux (Montrö Boğazlar Sözleşmesi) gab der Türkei (Türkiye) am 20. Juli 1936 wesentliche Befugnisse über die Meerengen zurück. Das in Montreux in der Schweiz (İsviçre) unterzeichnete Abkommen erlaubte die Remilitarisierung. Zugleich übertrug es die Aufgaben einer internationalen Kommission auf die türkische Regierung. Die freie Durchfahrt für Handelsschiffe in Friedenszeiten blieb erhalten. Die Türkei gewann ihre Befugnisse durch eine ausgehandelte Vereinbarung zurück, in deren Mittelpunkt weiterhin die internationale Schifffahrt stand.
Wenn du den Bosporus (İstanbul Boğazı) besuchst, hilft dir das Abkommen, die Regeln für den Schiffsverkehr auf diesen Gewässern zu verstehen. Seine einleitenden Bestimmungen fassen den Bosporus, das Marmarameer (Marmara Denizi) und die Dardanellen (Çanakkale Boğazı) gemeinsam als Meerengen auf. Das Abkommen betrifft damit eine zusammenhängende Durchfahrtsroute und nicht allein den Bosporus.
Was ist der Vertrag von Montreux über die Regelung der Meerengen?
Das Abkommen über die Regelung der Meerengen umfasst 29 Artikel, vier Anhänge und ein Protokoll. Seine Bestimmungen unterscheiden zwischen Handelsschiffen und Kriegsschiffen. Weitere Unterschiede gelten zwischen Friedenszeiten und Kriegszeiten sowie zwischen Schwarzmeeranrainern und Staaten ohne Schwarzmeerküste. Von diesen Kategorien hängt ab, welche Durchfahrtsregeln gelten.
Die zentrale Vereinbarung war konkret. Die Türkei erhielt das Recht zurück, die Meerengen zu militarisieren. Artikel 24 übertrug die Aufgaben der Internationalen Meerengenkommission auf ihre Regierung. Artikel 2 schützte die Durchfahrt von Handelsschiffen in Friedenszeiten. Mit der zurückgewonnenen Kontrolle gingen somit vereinbarte Verpflichtungen gegenüber der Schifffahrt einher.
Die Vorgeschichte von Montreux: Warum die Türkei ein neues Abkommen wollte
Ausgangspunkt war das Meerengenabkommen von Lausanne (Lozan) aus dem Jahr 1923. Es entmilitarisierte die Gebiete um die Meerengen und die Inseln im Marmarameer. Außerdem richtete es eine internationale Kommission für die Durchfahrt ein. Damit galt für Sicherheit und Verwaltung der Meerengen ein anderer Rahmen als später unter dem Vertrag von Montreux.
Auf der Londoner Abrüstungskonferenz im Mai 1933 brachte die Türkei die Notwendigkeit einer Änderung zur Sprache. Ihre Bedenken betrafen die Bestimmungen zur Entmilitarisierung. Italiens Einmarsch in Abessinien und Deutschlands Militarisierung des Rheinlands gehörten zu den Gründen, weshalb die Türkei die kollektive Sicherheitsgarantie von 1923 inzwischen für unzureichend hielt.
Im April 1936 sandte die Türkei eine diplomatische Note an die in Lausanne beteiligten Staaten. Aus Gründen der Sicherheit, Verteidigung und Souveränität verlangte sie eine Neuregelung für die Meerengen. Daraus entstanden die Verhandlungen in Montreux. Die Konferenz begann am 22. Juni 1936. Außenminister Tevfik Rüştü Aras leitete die türkische Delegation.
Der Vertrag von Montreux über die Regelung der Meerengen von 1936
Das Abkommen wurde am 20. Juli 1936 unterzeichnet. Zu den ursprünglichen Unterzeichnerstaaten gehörten die Türkei, das Vereinigte Königreich, Australien, Bulgarien, Frankreich, Griechenland, Japan, Rumänien, die Sowjetunion und Jugoslawien. Italien nahm an der Konferenz nicht teil. Es trat dem Abkommen am 2. Mai 1938 bei.
Unterzeichnung und Inkrafttreten waren getrennte Schritte. Der Vertragseintrag der Vereinten Nationen nennt den 15. August 1936 als Datum des vorläufigen Inkrafttretens. Endgültig trat das Abkommen am 9. November 1936 in Kraft. Deshalb nennen Darstellungen des Vertrags mehrere unterschiedliche Zeitpunkte innerhalb desselben Jahres.
Das beigefügte Protokoll hatte unmittelbare Folgen für die türkische Verteidigung. Es erlaubte der Türkei, die Meerengenregion wieder zu militarisieren, ohne das endgültige Inkrafttreten im November abzuwarten. Artikel 24 übertrug zugleich die Aufgaben der bisherigen Kommission auf die türkische Regierung. Militärische Befugnisse und Verwaltungsverantwortung wurden durch getrennte Bestimmungen neu geregelt.
Zeitleiste
- 1923: Das Meerengenabkommen von Lausanne legte die Entmilitarisierung fest und richtete eine internationale Kommission ein.
- Mai 1933: Die Türkei sprach auf der Londoner Abrüstungskonferenz eine Neuregelung für die Meerengen an.
- April 1936: Die Türkei verlangte in einer diplomatischen Note Änderungen der Meerengenregelung.
- 22. Juni 1936: Die Konferenz von Montreux begann.
- 20. Juli 1936: Das Abkommen wurde unterzeichnet. Sein Protokoll erlaubte der Türkei die sofortige Remilitarisierung.
- 15. August 1936: Die neue Durchfahrtsregelung trat vorläufig in Kraft.
- 10. September 1936: Dem Völkerbund wurde das Ende der Tätigkeit der Meerengenkommission gemeldet.
- 9. November 1936: Das Abkommen trat endgültig in Kraft.
- 2. Mai 1938: Italien trat dem Abkommen bei.
- 20. Juli 2026: Das türkische Außenministerium erklärte zum 90. Jahrestag des Abkommens, dass dessen Anwendung fortgesetzt werde.
Was änderte sich für Handelsschiffe und Kriegsschiffe?
Artikel 2 gewährt Handelsschiffen in Friedenszeiten freie Durchfahrt bei Tag und Nacht, unabhängig von Flagge oder Ladung. Bei Schiffen, die ohne Hafenanlauf passieren, erlaubt er ausschließlich die in Anhang I zugelassenen Steuern und Gebühren. Das Abkommen verbindet damit Durchfahrtsrechte mit festgelegten finanziellen Regeln.
Du kannst dir diesen Zusammenhang anhand einer alltäglichen Unterscheidung verdeutlichen: Eine Route zu verwalten und die Bedingungen für ihre Nutzung festzulegen, sind miteinander verbundene Aufgaben. In Montreux übernahm die Türkei die Aufgaben der Kommission. Handelsschiffe behielten zugleich festgelegte Durchfahrtsrechte. Wenn du einem Schiff bei der Passage durch den Bosporus zusiehst, wird dieses Verhältnis anschaulich.
Für Kriegsschiffe gelten zusätzliche Anforderungen. Artikel 13 legt die übliche Voranmeldefrist auf acht Tage fest. Für Staaten ohne Schwarzmeerküste bezeichnet er eine Verlängerung auf 15 Tage als wünschenswert. Auf diese Formulierung kommt es an: Die Bestimmung stellt die beiden Fristen nicht als gleichartige Pflichten dar.
Artikel 14 begrenzt ausländische Seestreitkräfte, die gleichzeitig durch die Meerengen fahren, grundsätzlich auf 15.000 Tonnen und neun Schiffe. Dabei gelten bestimmte Ausnahmen. Artikel 18 betrifft eine andere Frage: die Gesamttonnage der Kriegsschiffe von Nichtanrainerstaaten im Schwarzen Meer. Die reguläre Obergrenze beträgt 30.000 Tonnen. Unter bestimmten Bedingungen ist eine Erhöhung auf 45.000 Tonnen zulässig.
Artikel 18 begrenzt auch die Aufenthaltsdauer dieser Schiffe. Kriegsschiffe von Staaten ohne Schwarzmeerküste dürfen sich unabhängig von ihrem Zweck höchstens 21 Tage im Schwarzen Meer aufhalten. Die Begrenzung bei der Durchfahrt, die Obergrenze für die Gesamttonnage und die Aufenthaltsfrist regeln somit unterschiedliche Fragen.
Was gilt im Krieg oder bei unmittelbar drohender Kriegsgefahr?
Artikel 19 gilt, wenn Krieg herrscht und die Türkei keine Kriegspartei ist. Er untersagt grundsätzlich die Durchfahrt von Kriegsschiffen kriegführender Staaten. Die Rückkehr zu ihren Stützpunkten und weitere im Artikel genannte Ausnahmen schränken diese Regel ein. Entscheidend für die Durchfahrtsregelung ist damit die eigene Stellung der Türkei im Konflikt.
Artikel 20 stellt die Durchfahrt von Kriegsschiffen vollständig in das Ermessen der türkischen Regierung, wenn die Türkei selbst Kriegspartei ist. Artikel 21 erlaubt ihr, diese Befugnis auszuüben, wenn sie sich von einer unmittelbar bevorstehenden Kriegsgefahr bedroht sieht. Für diese Befugnis gelten Mitteilungs- und Überprüfungsbestimmungen. Das Abkommen sieht damit unterschiedliche Befugnisse für unterschiedliche Sicherheitslagen vor.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
1925 verhinderte Vasıf Temel Paşa, Präsident der nach Lausanne eingerichteten Meerengenkommission, dass die eigene Flagge der Kommission am Tophane Kasrı gehisst wurde. Diese Episode gehört zum früheren Kommissionssystem. Sie ergänzt die umfassendere Geschichte der internationalen Verwaltung um einen konkreten Streit über eine Flagge.
Auch das Ende der Kommissionsarbeit ist dokumentiert. Ihr Präsident Mehmet Ali Talay teilte dem Sekretariat des Völkerbunds am 10. September 1936 mit, dass ihre Tätigkeit beendet sei. Diese Mitteilung erfolgte nach dem vorläufigen und vor dem endgültigen Inkrafttreten des Abkommens.
Einige Schiffsbewegungen regelt das Abkommen auffallend genau. Nach Artikel 12 müssen U-Boote von Schwarzmeeranrainern, die die Voraussetzungen für eine Durchfahrt erfüllen, die Meerengen bei Tag, aufgetaucht und einzeln passieren. Artikel 15 verbietet durchfahrenden Kriegsschiffen, ihre mitgeführten Flugzeuge innerhalb der Meerengen einzusetzen.
Die Originalsprache des Abkommens ist Französisch. Der englische Text und die Anhänge stehen im Meerengenbericht 2024 des türkischen Außenministeriums zur Verfügung. Diese Unterscheidung hilft dir, wenn du den ursprünglichen Wortlaut mit einer englischen Lesefassung vergleichst.
Hat der Vertrag von Montreux ein Ablaufdatum?
Die in Artikel 28 vorgesehene anfängliche Laufzeit von 20 Jahren bedeutete kein automatisches Ende. Ohne die erforderliche Kündigungsmitteilung gilt das Abkommen weiter. Nach seiner Kündigungsregelung bleibt es bis zwei Jahre nach der entsprechenden Mitteilung in Kraft. Eine Laufzeitklausel und ein automatisches Ablaufdatum sind in diesem Abkommen also unterschiedliche Dinge.
Artikel 28 erklärt gesondert, dass der in Artikel 1 anerkannte Grundsatz der Freiheit der Durchfahrt und der Schifffahrt zeitlich unbegrenzt gilt. Am 20. Juli 2026 erklärte das türkische Außenministerium, das Abkommen werde seit 90 Jahren angewandt und werde auch weiterhin angewandt werden.
Wo findest du den Vertrag von Montreux über die Regelung der Meerengen als PDF?
Der Meerengenbericht 2024 des türkischen Außenministeriums enthält den englischen Vertragstext und die Anhänge. Zur Übertragung der Befugnisse solltest du Artikel 24 und das beigefügte Protokoll zusammen lesen. Die Artikel 2, 13, 14 und 18 regeln verschiedene Aspekte der Durchfahrt von Handels- und Kriegsschiffen. Artikel 28 behandelt Laufzeit und Kündigung.
FAQ
Erhielt die Türkei durch Montreux sofort wieder die militärische Kontrolle?
Das beigefügte Protokoll erlaubte die sofortige Remilitarisierung der Meerengenregion. Die Türkei musste nicht bis zum endgültigen Inkrafttreten des Abkommens am 9. November 1936 warten, um dieses Recht auszuüben.
Erhielt die Türkei uneingeschränkte Kontrolle über die Handelsschifffahrt?
Artikel 2 wahrte die Durchfahrt von Handelsschiffen in Friedenszeiten bei Tag und Nacht, unabhängig von Flagge oder Ladung. Für durchfahrende Schiffe ohne Hafenanlauf beschränkte er die Abgaben außerdem auf die in Anhang I zugelassenen Beträge.
Unterzeichnete Italien das Abkommen auf der Konferenz von 1936?
Italien nahm an der Konferenz von Montreux nicht teil. Es trat dem Abkommen am 2. Mai 1938 bei, nachdem die ursprüngliche Vereinbarung bereits in Kraft getreten war.
Gelten im Schwarzen Meer für alle ausländischen Kriegsschiffe dieselben Regeln?
Das Abkommen unterscheidet zwischen Schwarzmeeranrainern und anderen Staaten. Artikel 18 begrenzt die Gesamttonnage der Kriegsschiffe von Staaten ohne Schwarzmeerküste und schreibt für sie eine maximale Aufenthaltsdauer von 21 Tagen vor.
Quellen
- Türkisches Außenministerium — Meerengenbericht 2024, Vertragstext, Anhänge und Protokoll mfa.gov.tr
- TDV İslâm Ansiklopedisi — Montrö Boğazlar Sözleşmesi islamansiklopedisi.org.tr
- Vertragssammlung der Vereinten Nationen — Abkommen über die Regelung der Meerengen treaties.un.org
- Abdurrahman Bozkurt — Boğazlar Komisyonu’nun Kuruluşu ve Faaliyetleri (1924–1936) cdn.istanbul.edu.tr
- Nationaluniversität Singapur, Zentrum für Völkerrecht — Abkommen über die Regelung der Meerengen von 1936 cil.nus.edu.sg
- Türkisches Außenministerium — Erklärung zum 90. Jahrestag des Vertrags von Montreux mfa.gov.tr
- Wikipedia — Vertrag von Montreux über die Regelung der Meerengen en.wikipedia.org
- Vikipedi — Montrö Boğazlar Sözleşmesi tr.wikipedia.org
FAQ
Was ist der Vertrag von Montreux?
Das Abkommen wurde am 20. Juli 1936 in Montreux in der Schweiz unterzeichnet und regelt die Durchfahrt durch die Meerengen. Es erlaubte der Türkei, das Gebiet wieder zu militarisieren, und übertrug die Aufgaben der internationalen Kommission auf die türkische Regierung.
Hat der Vertrag von Montreux ein Ablaufdatum?
Die anfängliche Laufzeit von 20 Jahren bedeutete kein automatisches Ende. Artikel 28 sieht eine Kündigung durch entsprechende Mitteilung vor. Danach bleibt das Abkommen noch zwei Jahre in Kraft.
Wo finde ich den Vertrag von Montreux als PDF?
Den englischen Vertragstext und die Anhänge findest du im Meerengenbericht 2024 des türkischen Außenministeriums: https://www.mfa.gov.tr/site_media/html/BOGAZLAR-RAPORU-2024-EN.pdf
Wie lange dürfen Kriegsschiffe von Nichtanrainerstaaten im Schwarzen Meer bleiben?
Artikel 18 begrenzt ihren Aufenthalt unabhängig vom Zweck auf 21 Tage. Er legt außerdem Grenzen für ihre Gesamttonnage fest.
Image: 1915 French map of the Turkish Straits and the Sea of Marmara.jpg — Nancy : Berger Levrault, 1915, Public domain






