Was ist der türkische Hochschulrat YÖK?
Die Gründung des Hochschulrats YÖK (Yükseköğretim Kurulu) folgte auf den Militärputsch vom 12. September 1980. Das Gesetz Nr. 2547 schuf den heutigen Hochschulrat am 6. November 1981, noch unter Militärherrschaft. Es überführte das Hochschulwesen in eine zentrale Struktur, die Einrichtungen lenkte und ihre Arbeit beaufsichtigte. Wenn du verstehen möchtest, wie sich Hochschulleitung und Hochschulorganisation nach dem Putsch veränderten, ist dieses Datum dein Ausgangspunkt.
Verabschiedet wurde das Gesetz am 4. November 1981. Zwei Tage später erschien es im Amtsblatt (Resmî Gazete), Ausgabe 17506. Die Daten stehen für unterschiedliche Schritte: die Verabschiedung und die Veröffentlichung des Gesetzes. İhsan Doğramacı wurde Gründungspräsident des YÖK. Er hatte das Amt von 1981 bis 1992 inne.
Das Hochschulsystem, das nun umgebaut wurde, umfasste im Studienjahr 1980–1981 insgesamt 19 Universitäten. Es zählte 237.369 Studierende und 20.816 wissenschaftliche Beschäftigte. Die Veränderungen betrafen somit bestehende Einrichtungen, ihre Beschäftigten und ihre Studierenden. Sie veränderten auch, welche Einrichtungen zum Universitätssystem gehörten.
Warum gab es schon vor 1981 einen YÖK?
Der Name YÖK entstand nicht erst nach dem Putsch. Bereits das Universitätsgesetz Nr. 1750 von 1973 sah einen Rat mit diesem Namen vor. Die heutige Institution stammt aus dem Jahr 1981. Das frühere Gesetz zeigt jedoch, dass eine übergeordnete Instanz für Universitäten schon zuvor gesetzlich vorgesehen war.
1975 erklärte das Verfassungsgericht (Anayasa Mahkemesi) die frühere YÖK-Regelung für nichtig. Es stellte fest, dass die Mitglieder von Regierungsseite gegenüber den Universitätsvertretern in der Überzahl waren. Das widersprach der Hochschulautonomie. Die Zusammensetzung eines Aufsichtsgremiums war damit schon vor dem Militärputsch von 1980 eine Verfassungsfrage.
Wie zentralisierte der YÖK die Hochschulleitung?
Artikel 6 des ursprünglichen Gesetzes von 1981 definierte den YÖK als dauerhaftes Gremium mit Autonomie und eigener Rechtspersönlichkeit des öffentlichen Rechts. Zu seinen Aufgaben gehörten die Regelung des Hochschulwesens und die Lenkung der Tätigkeiten der Einrichtungen. Das Gesetz gewährte also dem Rat selbst Autonomie. Zugleich ordnete es die Universitäten einer Struktur unter, die ihre Arbeit steuern konnte.
Der ursprüngliche Rat hatte 25 Mitglieder. Das Staatsoberhaupt wählte acht aus, der Ministerrat (Bakanlar Kurulu) sechs, der Generalstab (Genelkurmay Başkanlığı) eines, das Bildungsministerium (Millî Eğitim Bakanlığı) zwei und der Interuniversitäre Rat (Üniversitelerarası Kurul) acht. Die Auswahl durch andere Stellen als das Staatsoberhaupt wurde erst mit dessen Zustimmung endgültig wirksam.
An dieser Verteilung kannst du erkennen, wie sich die neue Instanz zusammensetzte. Universitätsvertreter gehörten ebenso zum Rat wie Mitglieder, die staatliche Stellen, Regierung und Militär ausgewählt hatten. Durch das Zustimmungserfordernis wirkte das Staatsoberhaupt zudem über die direkte Auswahl von acht Mitgliedern hinaus mit.
Artikel 131 der Verfassung von 1982 verankerte den YÖK als Verfassungsinstitution. Er übertrug dem Rat die Planung, Regelung, Verwaltung und Beaufsichtigung des Hochschulwesens. Die Stellung des YÖK beruhte damit sowohl auf dem Gesetz von 1981 als auch auf der anschließend geschaffenen Verfassungsordnung.
Wie wurden Universitätsrektoren nach dem Putsch ausgewählt?
Die ursprüngliche Fassung von Artikel 13 legte ein bestimmtes Ernennungsverfahren fest. Der YÖK schlug vier Personen vor. Aus diesem Kreis ernannte das Staatsoberhaupt einen Rektor für fünf Jahre. Der Rat bestimmte die Kandidaten, die endgültige Auswahl traf das Staatsoberhaupt.
Damit wurde die Auswahl der Rektoren Teil des zentralen Systems, das das Gesetz Nr. 2547 geschaffen hatte. Wenn du die Autonomiedebatte verstehen möchtest, bietet dieses Ernennungsverfahren einen konkreten Einstieg. Nach der ursprünglichen Regelung lagen das Vorschlagsrecht und die Ernennungsbefugnis für Universitätsleitungen beim YÖK und beim Staatsoberhaupt.
Was änderte sich für Universitäten und Studierende?
Der Umbau machte Akademien zu Universitäten und organisierte Institute für Lehrerausbildung neu. Konservatorien und berufsbildende Hochschulen wurden Universitäten angegliedert. Diese Maßnahmen veränderten die institutionellen Beziehungen im gesamten Hochschulwesen. Unterschiedliche Arten von Bildungseinrichtungen wurden in das Universitätssystem eingebunden.
Mit der Eingliederung von Akademien und Hochschulen, die Ministerien unterstanden hatten, stieg die Zahl der staatlichen Universitäten von 19 im Jahr 1981 auf 27 im Jahr 1982. Dieser Anstieg muss im Zusammenhang mit den institutionellen Überführungen betrachtet werden. Der zahlenmäßige Ausbau umfasste auch die Neuorganisation bereits bestehender Einrichtungen.
Auch das Zentrum für Studierendenauswahl und Studienplatzvergabe (Öğrenci Seçme ve Yerleştirme Merkezi) wurde bei der Gründung des YÖK diesem unterstellt. Die zentrale Aufsicht erstreckte sich somit auch auf die für Auswahl und Studienplatzvergabe zuständige Einrichtung. Sie erfasste damit neben der Organisation und Leitung der Universitäten auch den Hochschulzugang.
Ein konkretes Beispiel für den Umbau ist die Marmara-Universität (Marmara Üniversitesi). Sie wurde am 20. Juli 1982 durch die Gesetzesverordnung Nr. 41 gegründet, die die Hochschuleinrichtungen neu ordnete. Ihre Gründung war Teil desselben institutionellen Wandels, durch den die Zahl der staatlichen Universitäten stieg.
Artikel 130 der Verfassung von 1982 eröffnete einen weiteren Weg im Hochschulwesen. Er erlaubte Stiftungen, unter staatlicher Aufsicht und Kontrolle Hochschuleinrichtungen zu gründen, sofern diese nicht gewinnorientiert arbeiteten. Neben der Neuorganisation staatlicher Einrichtungen ließ die Verfassungsordnung damit auch Hochschulen in Stiftungsträgerschaft zu.
Wie kam das Fernstudium im Alltag an?
Die Gesetzesverordnung Nr. 41 vom 20. Juli 1982 übertrug der Anadolu-Universität (Anadolu Üniversitesi) die landesweite Zuständigkeit für das offene Hochschulstudium. Ihr Lehrbetrieb begann im Studienjahr 1982–1983 mit zwei Fernstudiengängen: Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre. Im ersten Jahr gab es 29.500 Einschreibungen.
Hier verbindet sich die Geschichte der Institutionen mit einer Alltagstätigkeit: dem Fernsehen. Die ersten Fernsehlehrsendungen von Anadolu liefen am 15. Januar 1983 auf TRT 1 an. Du kannst die Gründungsphase also mit etwas so Vertrautem wie dem Einschalten des Fernsehers verbinden. Denn das Fernsehen wurde zu einem Übertragungsweg für Hochschullehre. Die Sendungen machten den Umbau auch außerhalb der Hochschulverwaltung sichtbar.
Schaffte der YÖK die Hochschulautonomie ab?
Schon bei der Entstehung des Systems war die Autonomie umstritten. 1981 vertrat die Fakultät für Politikwissenschaften (Siyasal Bilgiler Fakültesi) der Universität Ankara (Ankara Üniversitesi) die Auffassung, der Gesetzentwurf schaffe die Autonomie ab. Befürworter argumentierten zur selben Zeit, der YÖK werde dem Mangel an wissenschaftlichem Personal an Universitäten in Anatolien (Anadolu) entgegenwirken. Diese Positionen setzten bei der zentralen Koordination unterschiedliche Prioritäten.
Die rechtliche Unterscheidung ist entscheidend. Artikel 130 der Verfassung von 1982 erkannte die wissenschaftliche Autonomie der Universitäten an. Diese Garantie ist getrennt von der Befugnis zu betrachten, Universitätsleitungen auszuwählen. Wissenschaftliche Autonomie und das ursprüngliche System zentral ernannter Rektoren bestanden innerhalb derselben Verfassungs- und Gesetzesordnung.
Was geschah mit den ausgeschiedenen Wissenschaftlern?
Ein weiterer Streitpunkt dieser Zeit war das Ausscheiden von Wissenschaftlern. Aziz Kılıç beschreibt in seiner Forschung Kündigungen, Ruhestand und Abwanderung ins Ausland als Reaktionen auf den YÖK und die Anwendung des Gesetzes Nr. 1402. Er dokumentiert auch Doğramacıs Position von 1982: Dieser wies den Vorwurf einer Säuberung zurück. Er erklärte das Ausscheiden mit Beschäftigungsmöglichkeiten und persönlichen Arbeitspräferenzen.
Kılıç nennt eine Liste von 1.255 Personen, die ausschieden oder entfernt wurden. Davon wurden 73 unmittelbar dem Gesetz Nr. 1402 zugeordnet. Die übrigen 1.182 entfielen auf andere Kategorien. Dazu zählten Kündigungen, Ruhestand und die Nichtverlängerung von Anstellungen. Die Gesamtzahl umfasst somit mehrere Formen des Ausscheidens. Sie darf nicht als einheitliche Zahl von Entlassungen behandelt werden.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
Der ursprüngliche Text des Gesetzes Nr. 2547 griff auch in die Lehrpläne ein. Neben Atatürks Prinzipien und der Geschichte der Revolution, Türkisch und einer Fremdsprache schrieb er entweder Sport oder ein Fach aus den schönen Künsten vor. Das Gründungsgesetz regelte damit sowohl Studieninhalte als auch die Leitung der Einrichtungen.
Die Gründung der Marmara-Universität veränderte auch den Status einer bestimmten Einrichtung. Das zuvor dem Bildungsministerium unterstellte Höhere Islamische Institut Istanbul (İstanbul Yüksek İslâm Enstitüsü) wurde 1982 zur Theologischen Fakultät der Universität. Dieses Beispiel zeigt, wie die Überführung in das Universitätssystem mit einer Veränderung der institutionellen Form verbunden sein konnte.
Die Veränderungen reichten auch unterhalb der Universitäts- und Fakultätsebene. Laut der Geschichte des Fachbereichs Ackerbau (Tarla Bitkileri Bölümü) der Universität Ankara schaffte das Gesetz Nr. 2547 dessen Lehrstuhlstruktur ab. Die Einheit erhielt die Bezeichnung Hauptfachgebiet Ackerbau (Tarla Bitkileri Anabilim Dalı). Die Geschichte des Fachbereichs dokumentiert die Reform damit anhand einer internen wissenschaftlichen Neuorganisation.
Zeitleiste
- 1973: Das Gesetz Nr. 1750 sah einen ersten Hochschulrat vor.
- 1975: Das Verfassungsgericht erklärte diese YÖK-Regelung für nichtig.
- 12. September 1980: Der Militärputsch fand statt.
- 4. November 1981: Das Gesetz Nr. 2547 wurde verabschiedet.
- 6. November 1981: Das Gesetz wurde veröffentlicht und begründete den heutigen YÖK.
- 1981–1992: İhsan Doğramacı amtierte als Gründungspräsident.
- 20. Juli 1982: Die Gesetzesverordnung Nr. 41 ordnete die Hochschuleinrichtungen neu.
- 1982: Es gab 27 staatliche Universitäten. Der YÖK erhielt Verfassungsrang.
- 1982–1983: Anadolu nahm die Fernstudiengänge Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre auf.
- 15. Januar 1983: Die ersten Fernsehlehrsendungen von Anadolu begannen auf TRT 1.
- 1992: Der YÖK startete ein Auslandsstipendienprogramm.
- 2004: Eine Verfassungsänderung beendete die Auswahl eines YÖK-Mitglieds durch den Generalstab.
Wie entwickelte sich das System nach seiner Gründung weiter?
Das Auslandsstipendienprogramm des YÖK begann 1992. Geförderte Studierende mussten nach ihrer Rückkehr an türkischen Universitäten Dienst leisten. Die vorgeschriebene Dienstzeit betrug das Doppelte ihrer Stipendiendauer. Das Programm verband damit ein Auslandsstudium mit einer anschließenden Dienstverpflichtung im türkischen Universitätssystem.
2004 beseitigte eine Verfassungsänderung die Rolle des Generalstabs bei der Auswahl eines YÖK-Mitglieds. Damit änderte sich eine militärische Mitwirkungsbefugnis, die zur ursprünglichen Zusammensetzung des Rates gehört hatte. Dies war eine spätere Änderung an der nach dem Putsch von 1980 geschaffenen Struktur.
FAQ
Wann wurde der YÖK gegründet?
Der heutige Rat wurde am 6. November 1981 mit der Veröffentlichung des Gesetzes Nr. 2547 gegründet. Verabschiedet worden war das Gesetz am 4. November. Eine frühere Regelung für einen solchen Rat stammte aus dem Jahr 1973.
Wie wurden Rektoren im ursprünglichen System ernannt?
Der YÖK schlug vier Kandidaten vor. Nach der ursprünglichen Fassung von Artikel 13 wählte das Staatsoberhaupt einen von ihnen aus und ernannte ihn für fünf Jahre.
Erkannte die Verfassung die Hochschulautonomie an?
Artikel 130 der Verfassung von 1982 erkannte die wissenschaftliche Autonomie an. Die Befugnis zur Auswahl der Universitätsleitungen war eine gesonderte Frage innerhalb der Autonomiedebatte.
Wo hat der türkische Hochschulrat seinen Sitz?
Der YÖK hat seinen Sitz im Bezirk Çankaya in Ankara.
Quellen
- Türkische Bildungsenzyklopädie — Hochschulrat turkmaarifansiklopedisi.org.tr
- Amtsblatt — Originaltext des Gesetzes Nr. 2547 static.bianet.org
- Anadolu-Nachrichtenagentur — Gründungspräsident des türkischen Hochschulrats gestorben aa.com.tr
- TÜBİTAK-Enzyklopädie — YÖK ansiklopedi.tubitak.gov.tr
- TOBB — Bericht zum türkischen Hochschulsektor 2011 tobb.org.tr
- Marmara-Universität — Geschichte der Institution oidb.marmara.edu.tr
- Anadolu-Universität — Allgemeine Informationen zur Fakultät für offenes Hochschulstudium anadolu.edu.tr
- Anadolu-Universität — 40 Jahre offenes Hochschulstudium cdn.anadolu.edu.tr
- Verfassungsgericht — Entscheidungssammlung, Ausgabe 26 anayasa.gov.tr
- Karavar und Efilti Atay — Darstellung des Gesetzes Nr. 2547 und des YÖK in der zeitgenössischen Presse dergipark.org.tr
- Atatürk-Forschungszentrum — Aziz Kılıç, Auswirkungen der Militärputsche auf das Bildungs- und Kulturleben in der Türkei atam.gov.tr
- Universität Ankara — Geschichte des Fachbereichs Ackerbau tarla.agri.ankara.edu.tr
- Wikipedia — Hochschulrat (Türkei), einschließlich des Verweises auf Julie Mathews’ Forschung von 2007) en.wikipedia.org
FAQ
Wann wurde der YÖK gegründet?
Der heutige YÖK wurde am 6. November 1981 mit der Veröffentlichung des Gesetzes Nr. 2547 gegründet. Verabschiedet worden war das Gesetz am 4. November.
Wie wurden Rektoren im ursprünglichen YÖK-System ernannt?
Nach der ursprünglichen Fassung von Artikel 13 des Gesetzes Nr. 2547 schlug der YÖK vier Kandidaten vor. Das Staatsoberhaupt ernannte einen von ihnen für eine Amtszeit von fünf Jahren.
Erkannte die Verfassung von 1982 die Hochschulautonomie an?
Artikel 130 erkannte die wissenschaftliche Autonomie an. Diese Garantie ist vom Recht der Universitäten zu unterscheiden, ihre Leitung selbst zu wählen.
Wo hat der türkische Hochschulrat seinen Sitz?
Der YÖK hat seinen Sitz im Bezirk Çankaya in Ankara.
Image: The OSCE PA delegation meets with the Council of Higher Education, Ankara, 17 August 2016 (29061636485).jpg — OSCE Parliamentary Assembly from Copenhagen, Denmark, CC BY-SA 2.0






