Die Macht des Kaisers von Japan (türkisch: Japonya imparatoru) wandelte sich grundlegend. Auf königliche Autorität folgte eine Stellung neben den Militärregierungen. Unter dem Meiji-System erhielt der Kaiser dann die verfassungsmäßige Souveränität. Die Shogune übten militärische Macht aus, während der Thron weiterhin Legitimität verlieh. Seit dem Inkrafttreten der Verfassung von 1947 ist der Tennō das Symbol des Staates und der Einheit des Volkes. Regierungsbefugnisse besitzt er nicht.
Wie konnte der Thron 1192 einen Shogun ernennen, während ihm die Verfassung von 1947 jede Regierungsgewalt abspricht? Wenn du die frühen Belege für den Titel, die Einschränkungen durch die Shogune und die Verfassungen von 1889 und 1947 verfolgst, werden die Veränderungen verständlicher. Die kaiserliche Institution blieb bestehen. Die mit ihr verbundene Autorität veränderte sich jedoch erheblich.
Wie lassen sich legendäre Ursprünge von belegter Geschichte unterscheiden?
Nach der traditionellen Gründungserzählung gründete Jimmu Japan im Jahr 660 v. Chr. Sie beschreibt ihn außerdem als Nachfahren Amaterasus. Das ist eine legendäre Überlieferung. Die historischen Ursünge der Dynastie werden dagegen in der Kofun-Zeit gesucht.
Das Inariyama-Schwert liefert eine andere Art von Beleg: eine Inschrift auf einem erhaltenen Gegenstand. Der darin genannte Wakatakeru wird gewöhnlich mit Kaiser Yūryaku gleichgesetzt. Die zyklische Jahresangabe der Inschrift wird meist als 471 n. Chr. gedeutet. In der Forschung wurde allerdings auch 531 n. Chr. diskutiert.
Du solltest deshalb zwischen dem traditionellen Datum 660 v. Chr. und der umstrittenen Datierung der Inschrift unterscheiden. Das erste gehört zu einer Gründungserzählung. Beim zweiten geht es um die Deutung eines materiellen Belegs. Beide dürfen nicht als gleichermaßen gesicherter Beginn einer belegten Kaisergeschichte dargestellt werden.
Wie entwickelten sich der Titel Tennō und die kaiserliche Institution?
Der Titel Tennō ist seit dem 7. Jahrhundert belegt. Er wurde auch rückwirkend auf frühere japanische Herrscher angewandt. Wenn dir ein früher Herrscher als Tennō begegnet, beweist das also nicht, dass er diesen Titel zu Lebzeiten führte.
In einer Studie von 1981 deutete Kikushi Hon-iden die Inariyama-Inschrift als Beleg dafür, dass japanische Herrscher im 5. und 6. Jahrhundert den Titel Daiō verwendeten. Er bedeutet „Großkönig“. Die Geschichte der Herrscherinstitution ist damit von der Geschichte ihres späteren Titels zu unterscheiden.
Der Ursprung des Titels bleibt umstritten. Einer Theorie zufolge wurde er unmittelbar aus dem Sprachgebrauch des Tang-Herrschers Gaozong übernommen. Hon-iden widersprach dieser Erklärung. Er vermutete, dass Tennō in Japan zunächst für Herrscher der Vergangenheit verwendet worden sein könnte.
Einen Hinweis auf die Verwaltungsgrundlagen liefert die institutionelle Geschichte des Kaiserlichen Hofamts. Das Amt führt seine Ursprünge auf die Bestimmungen zur Staatsorganisation im Taihō-Kodex zurück. Dieser wurde 701 unter Kaiser Monmu erlassen. Ein Titel und eine Verwaltungsstruktur liefern somit unterschiedliche Belege für die Entwicklung der Institution.
Welche Autorität behielten die Kaiser unter den Shogunen?
Kaiserlicher Einfluss hing nicht immer davon ab, selbst auf dem Thron zu sitzen. Abgedankte Herrscher wie Shirakawa, Toba und Go-Shirakawa beeinflussten die Hofpolitik stark. Die Zeit von 1086 bis 1185 ist als Insei bekannt: die Herrschaft abgedankter Kaiser.
Mit der Militärregierung entstand eine weitere Machtverteilung. Minamoto no Yoritomo besiegte 1185 seine Rivalen aus dem Haus Taira und errichtete in Kamakura eine Militärregierung. Im Jahr 1192 ernannte Kaiser Go-Toba ihn zum Seii Tai Shōgun. Die militärische Autorität erhielt durch das Kaiseramt Legitimität.
An dieser Ernennung kannst du zwei Formen von Autorität unterscheiden. Yoritomo hatte seine Militärregierung bereits 1185 errichtet. Die kaiserliche Ernennung folgte 1192. Der Thron blieb politisch bedeutsam, auch wenn die Militärregierung die Macht ausübte.
Kaiser versuchten auch, unmittelbare politische Autorität zurückzugewinnen. Im Jahr 1333 stürzten Kaiser Go-Daigo und seine Anhänger das Kamakura-Shogunat. Ihre Kenmu-Restauration sollte die politische Macht an den Thron zurückbringen.
Der Versuch führte zu keiner dauerhaften Ordnung. Ashikaga Takauji vertrieb Go-Daigo 1336 aus Kyōto und setzte einen Gegenkaiser ein. Go-Daigos Südhof in Yoshino konkurrierte bis 1392 mit dem Nordhof in Kyōto. Rivalisierende Kaiserhöfe wurden damit Teil des Machtkampfs.
Später setzte das Tokugawa-Shogunat dem Hofleben ausdrückliche Grenzen. Seine Vorschrift mit 17 Artikeln aus dem Jahr 1615 erklärte Gelehrsamkeit und Künste zu den wichtigsten Beschäftigungen des Herrschers. Unter der Militärregierung erhielt der Kaiser damit eine vorgeschriebene Rolle.
Wie bestimmte die Meiji-Verfassung von 1889 die kaiserliche Autorität?
Die Meiji-Restauration veränderte am 3. Januar 1868 die politische Stellung des Throns. Reformkräfte beseitigten die Tokugawa-Militärregierung durch einen Palastputsch. Der Kaiser rückte wieder ins Zentrum der politischen Macht.
Die am 11. Februar 1889 verkündete Meiji-Verfassung verankerte diese Stellung rechtlich. Artikel 3 erklärte den Kaiser für heilig und unverletzlich. Artikel 4 bestimmte ihn zum Staatsoberhaupt, das die Hoheitsrechte in sich vereinte.
Daneben bestanden parlamentarische Vorgaben. Die Artikel 5 und 37 verlangten für Gesetze die Zustimmung des Reichstags. Artikel 6 sah die kaiserliche Sanktion von Gesetzen vor. Die Hoheitsrechte lagen beim Kaiser. Die Gesetzgebung erforderte dennoch die Mitwirkung des Reichstags.
Artikel 7 gab dem Kaiser Befugnisse über die parlamentarischen Abläufe. Er konnte den Reichstag einberufen, dessen Sitzungen vertagen und das Abgeordnetenhaus auflösen. Die Verfassung legte damit wichtige institutionelle Befugnisse in seine Hände.
Ebenso ausdrücklich waren seine militärischen und diplomatischen Befugnisse geregelt. Artikel 11 übertrug dem Kaiser den Oberbefehl über Heer und Marine. Artikel 13 verlieh ihm das Recht, Krieg zu erklären, Frieden zu schließen und Verträge abzuschließen.
Auch die Minister hatten eine festgelegte verfassungsmäßige Rolle. Nach Artikel 55 waren sie für den Rat verantwortlich, den sie dem Kaiser erteilten. Gesetze, Verordnungen und kaiserliche Befehle zu Staatsangelegenheiten benötigten die Gegenzeichnung eines Ministers. Wenn du diese Bestimmung zusammen mit den Artikeln 3 und 4 liest, erhältst du ein vollständigeres Bild der kaiserlichen Autorität.
Wie veränderte die Verfassung von 1947 die Souveränität und die Rolle des Kaisers?
Der Übergang führte über die Kapitulation von 1945. Hirohitos Erlass zur Annahme der Potsdamer Erklärung war auf den 14. August datiert. Eine Aufnahme mit seiner Stimme wurde am 15. August um 12 Uhr mittags im Radio ausgestrahlt.
Die am 2. September 1945 in der Bucht von Tokio unterzeichnete Kapitulationsurkunde unterstellte die Regierungsgewalt des Kaisers und der japanischen Regierung dem Obersten Befehlshaber der Alliierten Mächte. Das geschah vor der verfassungsmäßigen Neuordnung der Souveränität.
Die neue Verfassung wurde am 3. November 1946 verkündet und trat am 3. Mai 1947 in Kraft. Artikel 1 verankerte die Souveränität beim Volk. Er bestimmte den Kaiser zum Symbol des Staates und der Einheit des Volkes. Seine Stellung leitete sich vom Willen des Volkes ab.
Artikel 4 schloss Regierungsbefugnisse aus. Der Kaiser durfte nur jene Handlungen in Staatsangelegenheiten vornehmen, die in der Verfassung vorgesehen waren. Artikel 3 verlangte für alle diese Handlungen den Rat und die Zustimmung des Kabinetts. Das Kabinett trug dafür die Verantwortung.
Ernennungen zeigen, wie diese Ordnung funktioniert. Nach Artikel 6 ernennt der Kaiser den vom Reichstag bestimmten Ministerpräsidenten. Er ernennt außerdem den vom Kabinett bestimmten Präsidenten des Obersten Gerichtshofs. Wenn du liest, der Kaiser „ernenne“ diese Amtsträger, ist das verfassungsmäßige Benennungsverfahren entscheidend: Die Auswahl liegt bei einer anderen Institution.
Die erbliche Thronfolge bestand nach Artikel 2 fort. Das Gesetz über das Kaiserhaus, das die Thronfolge regelt, wurde jedoch zu einem vom Reichstag verabschiedeten Gesetz. Die Verfassung bewahrte die Erblichkeit des Throns und unterstellte ihren rechtlichen Rahmen zugleich der parlamentarischen Gesetzgebung.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
Der Inariyama-Beleg stammt von einem Eisenschwert. Es wurde 1968 bei der Ausgrabung des Inariyama-Grabhügels in Saitama geborgen. Seine Inschrift umfasst 115 Schriftzeichen. Dieser kleine Gegenstand liefert zentrale Belege für die Diskussion über frühe Herrscher und ihre Titel.
Der Purpurgewand-Zwischenfall zeigt den Eingriff der Militärregierung in religiöse Ehrungen. Im Jahr 1629 widerrief die Tokugawa-Regierung Privilegien zum Tragen purpurner Gewänder, die der Hof seit 1615 bestimmten buddhistischen Geistlichen verliehen hatte. Die Vergabe religiöser Ränge durch den Kaiser unterlag damit Eingriffen.
Die Ordnung von 1889 trennte außerdem die Verwaltung des Kaiserhauses von den regulären Kabinettsstrukturen. Das zusammen mit der Verfassung erlassene Gesetz über das Kaiserhaus entzog interne dynastische Angelegenheiten den parlamentarischen Verfahren. Das Ministerium des Kaiserlichen Haushalts arbeitete unabhängig vom Kabinett.
Artikel 8 der Verfassung von 1947 erfasst etwas aus dem Alltag: Geschenke machen und annehmen. Vermögenszuwendungen an das Kaiserhaus, die Annahme von Vermögen durch das Kaiserhaus und Geschenke des Kaiserhauses bedurften der Genehmigung des Reichstags. Selbst Vermögensgeschäfte des Kaiserhauses wurden damit an eine parlamentarische Voraussetzung gebunden.
Verwaltungsänderungen verstärkten den verfassungsmäßigen Wandel. Am 3. Mai 1947 wurde das Ministerium des Kaiserlichen Haushalts zu einer dem Ministerpräsidenten unterstellten Behörde. Seine Beschäftigtenzahl sank von mehr als 6.200 unmittelbar nach dem Krieg auf unter 1.500.
Zeitleiste
- 660 v. Chr.: Traditionelles Gründungsdatum, das mit Jimmu verbunden wird; eine legendäre Chronologie.
- 471 n. Chr.: Vorherrschende Datierung der Inariyama-Inschrift; 531 n. Chr. ist eine Alternative.
- 7. Jahrhundert: Tennō erscheint in schriftlichen Belegen.
- 701: Der Taihō-Kodex wurde unter Monmu erlassen.
- 1086–1185: Abgedankte Kaiser beeinflussten während des Insei die Hofpolitik.
- 1185: Yoritomo errichtete in Kamakura eine Militärregierung.
- 1192: Go-Toba ernannte Yoritomo zum Shogun.
- 1333: Go-Daigos Kenmu-Restauration begann.
- 1336–1392: Nördlicher und südlicher Kaiserhof konkurrierten miteinander.
- 1615: Die Tokugawa-Machthaber erließen ihre Hofvorschrift mit 17 Artikeln.
- 3. Januar 1868: Die Meiji-Restauration rückte den Kaiser wieder ins Zentrum der Politik.
- 11. Februar 1889: Die Meiji-Verfassung wurde verkündet.
- 15. August 1945: Die Aufnahme von Hirohitos Erlass wurde ausgestrahlt.
- 2. September 1945: Die Kapitulation unterstellte die kaiserliche und staatliche Regierungsgewalt dem Obersten Befehlshaber der Alliierten Mächte.
- 3. November 1946: Die neue Verfassung wurde verkündet.
- 3. Mai 1947: Volkssouveränität und symbolische Kaiserrolle wurden verfassungsrechtlich wirksam.
FAQ
Wurde Japan 660 v. Chr. gegründet?
Das ist das traditionelle Datum aus der legendären Gründungserzählung um Jimmu. Die historischen Ursprünge der Dynastie werden in der Kofun-Zeit gesucht.
Schafften die Shogune die kaiserliche Autorität ab?
Das Kaiseramt verlieh weiterhin Legitimität. Go-Tobas Ernennung Yoritomos im Jahr 1192 zeigt diese Rolle. Die Tokugawa-Vorschriften belegen zugleich Einschränkungen des Hofes.
Erließ der Kaiser nach der Verfassung von 1889 allein Gesetze?
Die Verfassung verlangte in den Artikeln 5 und 37 die Zustimmung des Reichstags zur Gesetzgebung. Artikel 6 sah die kaiserliche Sanktion vor.
Darf der Kaiser nach der Verfassung von 1947 regieren?
Artikel 4 schließt Regierungsbefugnisse aus. Artikel 3 verlangt für Handlungen des Kaisers in Staatsangelegenheiten den Rat und die Zustimmung des Kabinetts.
Quellen
- Türkische Wikipedia — Kaiser von Japan tr.wikipedia.org
- Englische Wikipedia — Kaiser von Japan en.wikipedia.org
- Shigaku Zasshi — Zum Titel des Monarchen im alten Japan und China jstage.jst.go.jp
- Präfekturmuseum Saitama der alten Grabhügel von Sakitama — Inariyama-Kofun sakitama-muse.spec.ed.jp
- Forschungsjahrbuch der Museen von Saitama 17 — Das Shingai-Jahr auf dem Inariyama-Eisenschwert sakitama-muse.spec.ed.jp
- Kaiserliches Hofamt — Geschichte des Kaiserlichen Hofamts kunaicho.go.jp
- Cambridge-Geschichte Japans — Insei cambridge.org
- The Metropolitan Museum of Art — Japan, 1000–1400 n. Chr metmuseum.org
- Japan Society — Die politische Ordnung der Tokugawa-Zeit japansociety.org
- Ohio State University, Origins — Japans Meiji-Restauration origins.osu.edu
- Nationale Parlamentsbibliothek — Die Verfassung des Kaiserreichs Japan ndl.go.jp
- Nationale Parlamentsbibliothek — Kaiserlicher Erlass zur Beendigung des Krieges ndl.go.jp
- Nationale Parlamentsbibliothek — Kapitulationsurkunde ndl.go.jp
- Nationale Parlamentsbibliothek — Zeittafel ndl.go.jp
- Nationale Parlamentsbibliothek — Die Verfassung Japans ndl.go.jp
- Kaiserliches Hofamt — Der Kaiser kunaicho.go.jp
FAQ
Seit wann verwendeten japanische Herrscher den Titel Tennō?
Der Titel Tennō ist seit dem 7. Jahrhundert belegt. Er wurde auch rückwirkend auf frühere Herrscher angewandt.
Behielten die Kaiser unter den Shogunen ihre Autorität?
Das Kaiseramt verlieh weiterhin Legitimität. Das zeigt Yoritomos Ernennung zum Shogun im Jahr 1192. Dennoch übten Militärregierungen erhebliche Macht aus und schränkten die Tätigkeit des Hofes ein.
Welche Befugnisse gab die Meiji-Verfassung dem Kaiser?
Die Verfassung von 1889 übertrug dem Kaiser die Hoheitsrechte sowie militärische und diplomatische Befugnisse. Für Gesetze verlangte sie zugleich die Zustimmung des Parlaments und für Staatsgeschäfte die Gegenzeichnung durch einen Minister.
Darf Japans Kaiser nach der Verfassung von 1947 regieren?
Nein. Artikel 4 schließt Regierungsbefugnisse aus. Artikel 3 verlangt für alle Handlungen des Kaisers in Staatsangelegenheiten den Rat und die Zustimmung des Kabinetts.
Image: Emperor of Japan Birthday Akihito 2017.png — Artanisen, CC BY-SA 4.0






