Jeremy Bentham (türkisch: Jeremy Bentham) war ein englischer Philosoph und Rechtsreformer. Er systematisierte den Utilitarismus und beurteilte Handlungen und Gesetze nach ihren Auswirkungen auf Glück und Leid. In seinem Gefängnisentwurf des Panoptikums stand ein unsichtbarer Beobachter im Zentrum. Die Gefangenen sollten sich deshalb so verhalten, als könnten sie jederzeit beobachtet werden.
Das Panoptikum sah auch eine öffentliche Kontrolle seines Leiters vor. Dieses Detail verbindet Benthams Gefängnisprojekt mit seinem umfassenderen Anliegen einer rechenschaftspflichtigen Regierung. Wenn du die Verbindungen zwischen Nützlichkeit, Strafe und öffentlicher Kontrolle verfolgst, werden seine Rechtsreformen verständlicher. Sein konservierter Körper und seine geistige Verbindung zu UCL ergänzen diese Geschichte um eine weitere Dimension.
Wer war Jeremy Bentham vor seinen großen Reformprojekten?
Bentham wurde am 15. Februar 1748 in Spitalfields in London geboren. Mit 12 Jahren wurde er auf das Queen’s College in Oxford geschickt. Später entschied er sich, das bestehende Recht zu kritisieren und Reformvorschläge auszuarbeiten, statt als Anwalt zu praktizieren.
Seine Vorhaben umfassten das Zivilrecht, das Strafrecht, das Verfahrensrecht und das Verfassungsrecht. Er wollte ein vollständiges Gesetzeswerk schaffen, das auf dem Nützlichkeitsprinzip beruhte. Derselbe Maßstab sollte damit sowohl für einzelne Vorschriften als auch für die übergeordnete Rechtsordnung gelten.
Wie bewertete Benthams Nützlichkeitsprinzip Moral und Recht?
In seinem 1776 veröffentlichten Werk A Fragment on Government stellte Bentham die Nützlichkeit als Leitmaßstab für Verhalten und Recht vor. In An Introduction to the Principles of Morals and Legislation entwickelte er seine Darstellung weiter. Dieses Werk wurde 1780 gedruckt und 1789 mit Ergänzungen veröffentlicht.
Im ersten Kapitel definierte Bentham Nützlichkeit danach, ob eine Handlung das Glück der Betroffenen tendenziell vermehrt oder vermindert. Dieser Maßstab galt für privates Verhalten und jede staatliche Maßnahme. Ein Gesetz und eine persönliche Entscheidung ließen sich deshalb anhand derselben Grundfrage bewerten: Welche Auswirkungen hätten sie auf die beteiligten Menschen?
Bentham beschrieb das Interesse der Gemeinschaft als Summe der Interessen ihrer Mitglieder. Wer Regierungshandeln bewertete, musste dessen Auswirkungen auf diese Einzelnen berücksichtigen. Das Glück der Gemeinschaft war somit mit dem Glück der Menschen verbunden, aus denen sie bestand.
Stell dir als Alltagsbeispiel vor, du wägest eine Entscheidung ab, die sofort Freude bereitet, später aber Unbehagen verursacht. Benthams Ansatz lenkt den Blick auf beide Erfahrungen. Ihre Stärke, Dauer und Wahrscheinlichkeit zählen. Wenn deine Entscheidung Folgen für andere hat, zählt auch die Zahl der Betroffenen.
Sein Glückskalkül umfasste sieben Gesichtspunkte: Intensität, Dauer, Gewissheit, zeitliche Nähe, die Wahrscheinlichkeit weiterer Empfindungen derselben Art, die Wahrscheinlichkeit des Ausbleibens entgegengesetzter Empfindungen und die Zahl der Betroffenen. Damit ging die Bewertung über die Stärke einer unmittelbar empfundenen Freude oder eines unmittelbar empfundenen Schmerzes hinaus.
Bentham erwartete keine vollständige Berechnung vor jedem moralischen Urteil oder jeder gesetzgeberischen Handlung. Diese Gesichtspunkte sollten bei Entscheidungen berücksichtigt werden. Wenn du seine Methode als vorgeschriebene Berechnung vor jeder alltäglichen Entscheidung verstehst, übersiehst du diese Einschränkung in seiner eigenen Darstellung.
Wie sollte das Panoptikum als Gefängnis funktionieren?
Bentham entwarf das Panoptikum als kreisförmiges Gefängnis. Die Zellen lagen am äußeren Rand, ein Überwachungsturm stand im Zentrum. Durch diese Anordnung befanden sich die Gefangenen im Sichtfeld des Beobachters. Sie selbst konnten ihn jedoch nicht sehen.
Diese Ungewissheit war entscheidend. Die Gefangenen konnten nicht feststellen, wann sie beobachtet wurden. Bentham erwartete, dass sie eine Beobachtung jederzeit für möglich hielten und ihr Verhalten entsprechend steuerten, um Strafen zu vermeiden. Die beabsichtigte Wirkung beruhte auf dieser ständig bestehenden Möglichkeit der Überwachung.
Bentham beauftragte den Architekten Willey Reveley mit Plänen und Zeichnungen. Das Projekt ging jedoch über ein kreisförmiges Gebäude hinaus. Nach Angaben des UCL Bentham Project setzte kein Gefängnis sowohl seine detaillierten Zeichnungen als auch seine Verwaltungsgrundsätze einer nicht sichtbaren Überwachung vollständig um.
Auch der Leiter sollte kontrolliert werden. Bentham schlug freien Zugang für die Öffentlichkeit und für Parlamentsmitglieder vor. Sie sollten die Gefängnisverwaltung überprüfen können. Sein Entwurf verband damit die Beobachtung der Gefangenen mit der öffentlichen Kontrolle des Verantwortlichen.
Diese Verbindung ist für die Debatte über das Panoptikum bedeutsam. Michel Foucault deutete es als Symbol einer repressiven Disziplinargesellschaft. Janet Semples Forschung stellte diese Lesart infrage. Sie berücksichtige die humanen Ziele und die Vorkehrungen zur Rechenschaftspflicht in Benthams Projekt nicht ausreichend. Der öffentliche Zugang war eine dieser Vorkehrungen.
Welche Rechtsreformen und Reformen der politischen Repräsentation forderte Bentham?
Bentham wollte Straftaten nach dem Schaden einordnen, den sie verursachten. Außerdem forderte er ein angemessenes Verhältnis zwischen Straftat und Strafe. Diese Vorschläge verbanden das Strafrecht mit seinem umfassenderen Vorhaben, Rechtsnormen nach ihren Folgen zu bewerten.
Zu seinen Reformanliegen gehörte die Entkriminalisierung homosexueller Beziehungen. Diese Position war Teil seines breiteren Programms der Rechtskritik. Es erfasste sowohl den Inhalt der Gesetze als auch die Verfahren und Institutionen, durch die sie angewandt wurden.
In dem 1817 veröffentlichten Werk Plan of Parliamentary Reform schlug Bentham ein allgemeines Männerwahlrecht vor, das an die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben gebunden war. Er trat außerdem für gleich große Wahlkreise, jährliche Wahlen und die geheime Stimmabgabe ein. Damit benannte er konkrete Regelungen, die die politische Repräsentation und die Durchführung von Wahlen verändern sollten.
Seine Vorschläge zur Rechenschaftspflicht reichten über das Wahlrecht hinaus. Bentham entwickelte die Idee eines Tribunals der öffentlichen Meinung, des Public Opinion Tribunal, auf Grundlage der Pressefreiheit. Die öffentliche Meinung sollte die Regierung kontrollieren. Dieses Interesse an Kontrolle zeigte sich auch im vorgesehenen Zugang der Öffentlichkeit und des Parlaments zum Panoptikum.
Warum wollte Bentham seinen Körper konservieren lassen, und welche Verbindung hatte er tatsächlich zur Gründung von UCL?
Bentham starb am 6. Juni 1832. Seinem Wunsch entsprechend sezierte der Chirurg Thomas Southwood Smith seinen Körper und konservierte sein Skelett. Eine Mitteilung von UCL vom 24. Februar 2020 brachte diesen Wunsch mit seinem Anliegen in Verbindung, zur medizinischen Wissenschaft beizutragen und über den Tod hinaus nützlich zu bleiben.
Die Darstellung von UCL zum Auto-Icon nennt mehrere mögliche Deutungen seiner Entscheidung. Neben der Förderung von Körperspenden für die Medizin behandelt sie die Infragestellung religiöser Vorstellungen über Leben und Tod. Der Wunsch, seinen Körper zu erhalten, wurde daher sowohl im Zusammenhang mit medizinischem Nutzen als auch mit seiner Haltung zu überlieferten Glaubensvorstellungen verstanden.
Das Auto-Icon enthält Benthams echtes Skelett in seiner eigenen Kleidung. Der sichtbare Kopf besteht aus Wachs, weil die Konservierung seines tatsächlichen Kopfes misslang. Bentham vermachte seinen Körper nicht UCL. Das Auto-Icon wurde der Universität 1850 geschenkt.
Auch seine Beziehung zur Gründung von UCL muss präzise beschrieben werden. Die Einrichtung nahm 1828 den Lehrbetrieb auf. Bentham beteiligte sich jedoch nicht an ihrer Gründungsinitiative. Seine Verbindung war geistiger Art. James Mill und Henry Brougham gehörten zu den Gründern, die von seinen Ideen beeinflusst waren.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
Das zentrale Überwachungsprinzip des Panoptikums ging auf eine Idee von Benthams Bruder Samuel Bentham zurück. Während seiner Arbeit für Fürst Potemkin in Russland entwickelte Samuel es zur Ausbildung und Beaufsichtigung von Arbeitern. Jeremys Gefängnisvorschlag griff diesen früheren Ansatz organisierter Kontrolle auf.
Der Gefängnisentwurf enthielt außerdem ein Netz von Sprechrohren. Damit sollte der Beobachter mit den Gefangenen in ihren Zellen kommunizieren können. Neben der auf Sichtbeziehungen ausgerichteten Anordnung von Zellen und Turm sah der Vorschlag also auch ein praktisches Mittel zur direkten Verständigung vor.
Ein Wandgemälde von Henry Tonks an UCL zeigt den Architekten William Wilkins, der Bentham Baupläne zur Genehmigung vorlegt. Die Universität erklärt ausdrücklich, dass diese Szene keine historische Grundlage hat. Wenn du auf das Bild stößt, solltest du seine Darstellung von Benthams dokumentiertem geistigem Einfluss unterscheiden.
Benthams erhaltene Papiere bilden einen weiteren bedeutenden Teil seines Nachlasses. Die Sammlung von UCL umfasst etwa 60.000 Manuskriptblätter. Sein literarischer Nachlassverwalter John Bowring erstellte eine elfbändige Ausgabe seiner Werke, die zwischen 1838 und 1843 erschien. Bowring übergab die Manuskripte der heutigen UCL, bevor er 1849 nach Kanton aufbrach.
Zeitleiste
- 15. Februar 1748: Bentham wird in Spitalfields in London geboren.
- 1776: A Fragment on Government erscheint.
- 1780: An Introduction to the Principles of Morals and Legislation wird gedruckt.
- 1789: Das Werk erscheint mit Ergänzungen.
- 1817: Plan of Parliamentary Reform erscheint.
- 1828: UCL nimmt den Lehrbetrieb auf. Zu ihren Gründern gehören Menschen, die von Bentham beeinflusst sind.
- 6. Juni 1832: Bentham stirbt. Seinen Wünschen zufolge soll sein Körper seziert und konserviert werden.
- 1838–1843: Bowrings elfbändige Ausgabe von Benthams Werken erscheint.
- 1850: Das Auto-Icon wird UCL geschenkt.
- 20. Februar 2020: Das Auto-Icon zieht aus dem Wilkins Building in eine neue Vitrine im Student Centre von UCL um.
FAQ
Was verstand Bentham unter Nützlichkeit?
Nützlichkeit bemisst sich daran, ob Handlungen das Glück der Betroffenen tendenziell vermehren oder vermindern. Bentham wandte diesen Maßstab gleichermaßen auf das Verhalten Einzelner und auf staatliche Maßnahmen an.
Wurde Benthams Panoptikum jemals gebaut?
Nach Angaben des UCL Bentham Project verband kein Gefängnis seine detaillierten Baupläne vollständig mit seinen Verwaltungsgrundsätzen, die auf einer nicht sichtbaren Überwachung beruhten.
Hat Bentham UCL gegründet?
Bentham beteiligte sich nicht an der Gründungsinitiative für UCL. Sein Einfluss war geistiger Art, unter anderem über die Gründer James Mill und Henry Brougham.
Ist der Körper im Auto-Icon echt?
Es enthält Benthams echtes Skelett in seiner eigenen Kleidung. Der sichtbare Kopf besteht aus Wachs, weil die Konservierung seines tatsächlichen Kopfes misslang.
Quellen
- UCL — Über Jeremy Bentham ucl.ac.uk
- Stanford Encyclopedia of Philosophy — Jeremy Bentham plato.stanford.edu
- University of Texas — Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung, Kapitel I laits.utexas.edu
- University of Texas — Eine Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung, Kapitel IV laits.utexas.edu
- Oxford Academic — Philip Schofield, Parlamentsreform academic.oup.com
- UCL — Das Panoptikum ucl.ac.uk
- UCL Nachrichten — Jeremy Bentham findet ein neues Zuhause im Student Centre von UCL ucl.ac.uk
- UCL — Auto-Icon ucl.ac.uk
- UCL — Bentham und UCL ucl.ac.uk
- UCL Bibliotheksdienste — Bentham-Nachlass ucl.ac.uk
FAQ
Was verstand Jeremy Bentham unter Nützlichkeit?
Nützlichkeit bemisst sich daran, ob eine Handlung das Glück der Betroffenen tendenziell vermehrt oder vermindert. Bentham wandte dieses Prinzip sowohl auf das Verhalten Einzelner als auch auf staatliche Maßnahmen an.
Wurde Benthams Panoptikum jemals gebaut?
Nach Angaben des UCL Bentham Project verband kein Gefängnis Benthams detaillierte Baupläne vollständig mit seinen Verwaltungsgrundsätzen, die auf einer nicht sichtbaren Überwachung beruhten.
Hat Jeremy Bentham UCL gegründet?
Bentham beteiligte sich nicht an der Gründungsinitiative für UCL. Sein Einfluss war geistiger Art, unter anderem über die Gründer James Mill und Henry Brougham.
Ist der Körper in Benthams Auto-Icon echt?
Das Auto-Icon enthält Benthams echtes Skelett in seiner eigenen Kleidung. Der sichtbare Kopf besteht aus Wachs, weil die Konservierung seines tatsächlichen Kopfes misslang.
Image: Jeremy Bentham by Henry William Pickersgill.jpg — Henry William Pickersgill, Public domain






