Republik Türkei · 1923 –

Verfassungsreferendum 1982 in der Türkei: Militärherrschaft

Nach der Machtübernahme des Militärs unter Kenan Evren nahm die Türkei am 7. November 1982 eine neue Verfassung an. Das Referendum sicherte Evren zugleich eine siebenjährige Präsidentschaft, während Übergangsbestimmungen den Einfluss des Militärs und politische Beschränkungen in der neuen Ordnung fortführten.

8 Min. Lesezeit7 QuellenVeröffentlicht: 2 November 2026Zuletzt geprüft: 2 November 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Verfassungsreferendum 1982 in der Türkei: Militärherrschaft
1982 Türkiye referandum haritası.png

Was entschied das Verfassungsreferendum 1982 in der Türkei?

Am Sonntag, dem 7. November 1982, hielt die Türkei (Türkiye) ihr zweites Referendum ab. Die Abstimmenden nahmen eine neue Verfassung mit 91.37% der gültigen Stimmen an. Ihre Annahme sicherte Kenan Evren zugleich eine siebenjährige Präsidentschaft. Die Abstimmung entschied damit sowohl über die Verfassung als auch darüber, wer unter der neuen Ordnung das Amt des Staatspräsidenten bekleiden würde.

Wenn du den Übergang von der Militärherrschaft zu einer neuen politischen Ordnung in der Türkei verstehen möchtest, ist diese Abstimmung ein zentrales Ereignis. Die Streitkräfte hatten am 12. September 1980 die Macht übernommen und das Parlament aufgelöst. Die 1982 angenommene Verfassung schuf den Rahmen für die anschließenden Parlamentswahlen von 1983.

Der Übergang reichte über den Tag des Referendums hinaus. Das Parlament trat am 24. November 1983 zusammen. Sein Präsidium wurde am 6. Dezember gebildet. Die Übergangsbestimmungen der Verfassung ließen den Nationalen Sicherheitsrat (Millî Güvenlik Konseyi) bis zur Bildung dieses Präsidiums bestehen. Sie sahen auch danach eine weitere institutionelle Rolle für den Rat vor.

Wer erarbeitete die Verfassung nach dem Militärputsch?

Die Türkischen Streitkräfte (Türk Silahlı Kuvvetleri) übernahmen unter Kenan Evren am 12. September 1980 die Macht. Das Parlament wurde aufgelöst. Das später für die Ausarbeitung der Verfassung zuständige Gremium entstand somit erst nach der Ausschaltung des bestehenden Parlaments.

Das Gesetz Nr. 2485 vom 29. Juni 1981 legte die Struktur der Verfassunggebenden Versammlung (Kurucu Meclis) fest. Sie bestand aus dem Nationalen Sicherheitsrat und der Beratenden Versammlung (Danışma Meclisi). Alle 160 Mitglieder der Beratenden Versammlung wurden vom Nationalen Sicherheitsrat ernannt.

Eine Verfassungskommission mit 15 Mitgliedern unter dem Vorsitz von Orhan Aldıkaçtı erarbeitete den Entwurf. Sie legte ihn der Beratenden Versammlung am 30. Juli 1982 vor. Am 23. September nahm diese eine Fassung mit 193 Artikeln und 11 Übergangsartikeln an.

Am 18. Oktober verabschiedete der Nationale Sicherheitsrat anschließend den Text, der zur Abstimmung gestellt werden sollte. Diese Fassung enthielt 177 Artikel und 15 Übergangsartikel. In den beiden Verfahrensstufen entstanden also unterschiedliche Texte. Dabei stieg die Zahl der Bestimmungen, die den Übergang regelten.

Der Abstimmungstext erschien am 20. Oktober 1982 im Amtsblatt (Resmî Gazete), Ausgabe Nr. 17844. Wenn du die Entstehung der Verfassung nachvollziehst, solltest du diese Veröffentlichung von jener nach ihrer Annahme unterscheiden. Die spätere Veröffentlichung erfolgte am 9. November und markierte das Inkrafttreten der Verfassung.

Wie wurde das Referendum organisiert?

Das am 24. September 1982 verabschiedete Gesetz Nr. 2707 übertrug die Durchführung und Überwachung des Referendums dem Hohen Wahlrat (Yüksek Seçim Kurulu). Dasselbe Gesetz regelte den praktischen Ablauf der Abstimmung. Es bestimmte außerdem, wie die Verfassung der Öffentlichkeit vorgestellt werden durfte.

Artikel 5 legte fest, dass die Bestimmungen des Wahlgesetzes Nr. 298 zur Freiheit der Wahlwerbung bei diesem Referendum nicht galten. Ab dem 25. Oktober durfte der Nationale Sicherheitsrat bestimmen, wie die Verfassung der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Diese Regeln gehören zum Kontext, in dem das Ergebnis zu lesen ist.

Das Gesetz schrieb auch die Farben der Stimmzettel vor: Weiß bedeutete Zustimmung, Blau bedeutete Ablehnung. Das kannst du dir ganz alltäglich vorstellen: Ein Stück Papier auszuwählen und in einen Umschlag zu stecken, hatte eine genau festgelegte rechtliche Bedeutung. Bei dieser Abstimmung hing sie von der Papierfarbe ab, wie es das Referendumsgesetz bestimmte.

Auch die Teilnahme hatte rechtliche Folgen. Eingetragene Wahlberechtigte, die ohne anerkannten Entschuldigungsgrund fernblieben, durften fünf Jahre lang weder an Wahlen noch an Referenden teilnehmen. Während dieses Zeitraums durften sie außerdem bei Wahlen nicht kandidieren.

Wie lauteten die Ergebnisse?

Es gab 20,690,914 eingetragene Wahlberechtigte. 18,885,488 Menschen nahmen an der Abstimmung teil. Die Beteiligung betrug 91.27%. Diese Zahl gibt an, welcher Anteil der eingetragenen Wahlberechtigten seine Stimme abgab. Sie ist vom Anteil der Zustimmung zur Verfassung zu unterscheiden.

Die Verfassung erhielt 17,215,559 Ja-Stimmen. Das entsprach 91.37% der gültigen Stimmen. Auf die Ablehnung entfielen 1,626,431 Stimmen beziehungsweise 8.63%. Wenn du Beteiligung und Zustimmung auseinanderhältst, kannst du die Zahlen richtig einordnen: Die 91.37% beziehen sich auf die gültigen Stimmen, nicht auf alle eingetragenen Wahlberechtigten.

Die Verfassung trat mit ihrer Veröffentlichung am 9. November 1982 in Kraft. Sie erschien in der Sonderausgabe des Amtsblatts Nr. 17863. Das Referendum vom 7. November und die Veröffentlichung vom 9. November waren eigenständige Schritte bei der Annahme und Inkraftsetzung der Verfassung.

Wie machte die Zustimmung Kenan Evren zum Staatspräsidenten?

Übergangsartikel 1 verknüpfte die Annahme der Verfassung unmittelbar mit der Präsidentschaft. Mit der amtlichen Bekanntgabe der Annahme wurde Kenan Evren für sieben Jahre Staatspräsident. Die Verfassungsabstimmung legte seine Amtszeit somit durch eine Bestimmung im angenommenen Text fest.

Derselbe Artikel ließ einen früheren Eid weitergelten. Evren hatte ihn am 18. September 1980 als Staatsoberhaupt abgelegt. Nach Übergangsartikel 1 blieb dieser Eid während seiner Präsidentschaft gültig. Die Bestimmung verband seine Stellung während der Militärherrschaft mit seinem Amt unter der Verfassung.

Übergangsartikel 2 schuf eine weitere Verbindung zwischen beiden Zeitabschnitten. Der Nationale Sicherheitsrat sollte seine Aufgaben fortführen, bis nach der ersten allgemeinen Parlamentswahl das Parlamentspräsidium gebildet war. Sein Fortbestehen hing damit von einem klar bestimmten Schritt beim Aufbau des Parlaments ab.

Nach der Aufnahme der parlamentarischen Arbeit sah die Verfassung vor, den Nationalen Sicherheitsrat für sechs Jahre in den Präsidialrat (Cumhurbaşkanlığı Konseyi) umzuwandeln. Der Übergang sicherte den Mitgliedern des militärischen Regierungsgremiums damit eine fortdauernde institutionelle Stellung in der neuen Ordnung.

Welche politischen Beschränkungen galten in der neuen Ordnung weiter?

Übergangsartikel 4 verhängte unterschiedliche Beschränkungen über die von ihm erfassten Gruppen früherer Politiker. Ehemalige Parteifunktionäre erhielten zehnjährige politische Betätigungsverbote. Für Abgeordnete und Senatoren galten fünfjährige Verbote. Die Verfassung legte somit für verschiedene Gruppen unterschiedliche Fristen fest.

Auch Übergangsartikel 9 prägte Verfassungsänderungen während der Übergangszeit. In den sechs Jahren nach der Bildung des ersten Parlamentspräsidiums galt: Eine vom Staatspräsidenten zurückverwiesene Verfassungsänderung benötigte eine Dreiviertelmehrheit, um erneut unverändert beschlossen zu werden. Damit bestand eine besondere Mehrheitshürde, um eine solche Zurückverweisung zu überwinden.

Die erste allgemeine Parlamentswahl unter der neuen Verfassung fand am 6. November 1983 statt. Das Parlament trat am 24. November zusammen. Sein Präsidium wurde am 6. Dezember gebildet. Damit war der Zeitpunkt erreicht, den die Verfassung für das Ende der fortgeführten Aufgaben des Nationalen Sicherheitsrats festgelegt hatte.

Die Beschränkungen aus Übergangsartikel 4 blieben nicht für die gesamte ursprünglich vorgesehene Dauer bestehen. Ein gesondertes Referendum am 6. September 1987 hob diese politischen Betätigungsverbote auf. Diese spätere Abstimmung betraf Beschränkungen, die in der 1982 angenommenen Verfassungsordnung verankert waren.

Zeitleiste

  • 12. September 1980: Die Türkischen Streitkräfte übernahmen die Macht und lösten das Parlament auf.
  • 29. Juni 1981: Das auf diesen Tag datierte Gesetz Nr. 2485 legte die Struktur der Verfassunggebenden Versammlung fest.
  • 30. Juli 1982: Die Verfassungskommission legte der Beratenden Versammlung ihren Entwurf vor.
  • 23. September 1982: Die Beratende Versammlung nahm den Verfassungsentwurf an.
  • 24. September 1982: Das Gesetz Nr. 2707 zur Regelung des Referendums wurde verabschiedet.
  • 18. Oktober 1982: Der Nationale Sicherheitsrat nahm den Abstimmungstext an.
  • 20. Oktober 1982: Der Text erschien im Amtsblatt.
  • 7. November 1982: Die Abstimmenden nahmen die Verfassung mit 91.37% der gültigen Stimmen an.
  • 9. November 1982: Die Verfassung trat in Kraft.
  • 6. November 1983: Die erste allgemeine Parlamentswahl unter der neuen Verfassung fand statt.
  • 24. November 1983: Das Parlament trat nach der Wahl zusammen.
  • 6. Dezember 1983: Das Parlamentspräsidium wurde gebildet.
  • 6. September 1987: Ein gesondertes Referendum hob die politischen Betätigungsverbote aus Übergangsartikel 4 auf.

Details, die du in Reiseführern nicht findest

Das Referendumsgesetz regelte einen ungewöhnlichen Fall bei der Auszählung. Enthielt ein Umschlag mehrere Stimmzettel derselben Art, zählten sie als eine gültige Stimme. Mehrere identische Stimmzettel in einem Umschlag machten die Stimme also nicht automatisch ungültig. Sie führten auch nicht zu zusätzlichen Stimmen.

Auch das Wetter fand Eingang in die amtliche Feststellung des Ergebnisses. Der Beschluss des Hohen Wahlrats vom 9. November 1982 behandelte 730 Wahlurnen, deren Ergebnisse wegen der Wetterbedingungen noch nicht eingetroffen waren. Auf diese Urnen entfielen höchstens 219,000 Stimmen.

Der Wahlrat erklärte, das Ergebnis würde selbst dann unverändert bleiben, wenn jede dieser Stimmen die Verfassung ablehnte. Dieses Detail erklärt, warum die ausstehenden Ergebnisse die Annahme nicht mehr verhindern konnten. Es verdeutlicht zugleich den Unterschied zwischen dem entscheidenden Stimmenvorsprung und dem praktischen Problem, sämtliche Ergebnisse zu erhalten.

FAQ

War dies das erste Referendum der Türkei?

Nein. Die Abstimmung vom 7. November 1982 war das zweite Referendum der Türkei. Dabei wurde die Verfassung angenommen, die nach dem Militärputsch vom 12. September 1980 ausgearbeitet worden war.

Wurde gesondert über den Staatspräsidenten abgestimmt?

Übergangsartikel 1 der Verfassung knüpfte Evrens siebenjährige Präsidentschaft an die amtliche Bekanntgabe der Annahme der Verfassung. Sein Amtsantritt als Staatspräsident war damit Teil des Verfassungspakets, das zur Abstimmung stand.

Was bedeuteten die weißen und blauen Stimmzettel?

Weiße Stimmzettel bedeuteten Zustimmung. Blaue Stimmzettel bedeuteten Ablehnung. Das Gesetz Nr. 2707 schrieb diese Farben als Teil der Abstimmungsregeln vor.

Endete der institutionelle Einfluss des Militärs am Tag des Referendums?

Der Nationale Sicherheitsrat führte seine Aufgaben bis zur Bildung des Parlamentspräsidiums fort. Die Verfassung sah außerdem vor, ihn nach Aufnahme der parlamentarischen Arbeit für sechs Jahre in einen Präsidialrat umzuwandeln.

Quellen

  1. Vikipedi — Verfassungsreferendum 1982 in der Türkei tr.wikipedia.org
  2. Wikipedia — Verfassungsreferendum 1982 in der Türkei en.wikipedia.org
  3. TBMM — Allgemeine Informationen zur Verfassung von 1982 tbmm.gov.tr
  4. TBMM — Gesetz Nr. 2707 über die Vorlage der Verfassung zur Volksabstimmung www5.tbmm.gov.tr
  5. TBMM — Auf dem Weg zur Volksabstimmung tbmm.gov.tr
  6. TBMM — Ursprünglicher Wortlaut der Verfassung von 1982 tbmm.gov.tr
  7. YSK — Ergebnisse der allgemeinen Parlamentswahl vom 6. November 1983 ysk.gov.tr

FAQ

Wann fand das Verfassungsreferendum 1982 in der Türkei statt?

Das Referendum fand am Sonntag, dem 7. November 1982, statt. Es war die zweite Volksabstimmung in der Geschichte der Türkei.

Wie ging das Referendum aus?

Die Verfassung wurde mit 17,215,559 Ja-Stimmen angenommen. Das entsprach 91.37% der gültigen Stimmen. Auf Nein entfielen 1,626,431 Stimmen beziehungsweise 8.63%.

Wie machte das Referendum Kenan Evren zum Staatspräsidenten?

Übergangsartikel 1 bestimmte, dass Kenan Evren mit der amtlichen Bekanntgabe der Annahme der Verfassung für sieben Jahre Staatspräsident wurde.

Wann wurden die politischen Betätigungsverbote der Verfassung aufgehoben?

Die politischen Betätigungsverbote nach Übergangsartikel 4 wurden durch ein gesondertes Referendum am 6. September 1987 aufgehoben.

Image: 1982 Türkiye referandum haritası.png — Atcan, CC BY-SA 4.0

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt. Jede Angabe wurde mit den Quellen abgeglichen; Sätze ohne Quelle wurden nicht veröffentlicht. Wenn Sie einen Fehler finden, schreiben Sie uns. Unsere Quellengrundsätze · Schreib uns →

Ähnliche Artikel