Warum wurde der Jungfrauenturm von Baku gebaut?
Die Nutzung des Jungfrauenturms (türkisch: Kız Kulesi) von Baku (Bakü) zur Verteidigung ist dokumentiert. Für seinen ursprünglichen Zweck gibt es mehrere konkurrierende Erklärungen: Festung, zoroastrischer Feuertempel oder Sternwarte. Nach der offiziellen Museumsdarstellung diente der Turm lange Zeit der Verteidigung. Die Deutung als Festung hat damit einen Platz in seiner Geschichte. Die Tempel- und Sternwartentheorien bieten andere Lesarten des Bauwerks.
Die UNESCO beschreibt den heute stehenden Turm als Bauwerk des 12. Jahrhunderts. Er wurde über älteren Bauresten aus dem 7.–6. Jahrhundert v. Chr. errichtet. Diese Datierungen beziehen sich auf unterschiedliche Schichten des Ortes. Wenn du die Geschichte des Turms verstehen möchtest, solltest du die älteren Bauten vom erhaltenen Monument unterscheiden, das die UNESCO ins 12. Jahrhundert datiert.
Wo steht der Jungfrauenturm in Baku, Aserbaidschan?
Der aserbaidschanische Name des Turms lautet Qız qalası. Er steht in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans (Azerbaycan), im südöstlichen Abschnitt der Stadtmauer von Icherisheher. Die Uferpromenade liegt ganz in der Nähe. Der Turm gehört damit zur historischen ummauerten Altstadt und befindet sich nahe am Wasser.
Vom Dach aus siehst du die Straßen und Minarette von Icherisheher, den Baku-Boulevard und die Bucht von Baku. Diese Aussicht verbindet den Turm mit der umliegenden Stadt. Unterhalb des Dachs gliedert sich das Innere in acht Geschosse mit Gewölbedecken aus behauenen Steinen.
Die offizielle Beschreibung des Denkmals nennt einen Durchmesser von 16,5 Metern. Auf einer Seite ist der Turm 28 Meter hoch, auf der anderen 31 Meter. Der Unterschied ergibt sich aus dem umliegenden Gelände. Beide Höhenangaben beziehen sich somit auf dasselbe Bauwerk.
Geschichte des Jungfrauenturms: Was verraten Datierung und Inschrift?
Die Datierung der UNESCO ins 12. Jahrhundert passt auch zur Schriftform der kufischen Inschrift am Turm. Die Inschrift befindet sich ungefähr 14 Meter über dem Boden und nennt Masud ibn Davud. Ihre Schrift wird ins 12. Jahrhundert datiert.
Dieser Name muss sorgfältig eingeordnet werden. Die Präsidialbibliothek Aserbaidschans stellt die Identifizierung von Masud ibn Davud als Architekt infrage. Die Inschrift nennt für ihn keinen Titel mit der Bedeutung Architekt oder Baumeister. Ein überlieferter Name und die Zuordnung eines Berufs sind zwei verschiedene Dinge.
Die Historikerin Sara Ashurbeyli schlug eine andere zeitliche Einordnung vor. Sie setzte den Bau des Turms ins 4.–6. Jahrhundert n. Chr. Ihre Deutung weicht von der UNESCO-Datierung des erhaltenen Bauwerks ab. Sie ist als alternative Theorie mit ausdrücklichem Verweis auf ihre Urheberin darzustellen.
Ausgrabungen von 1962–1963 lieferten Erkenntnisse über die Fundamente. Sie zeigten, dass der Turm auf einem großen, zum Meer hin abfallenden Felsen steht. Außerdem wurde deutlich, dass der angrenzende Vorbau das Bauwerk stützt. Dieser Befund weist dem Vorbau eine tragende Funktion zu.
War der Jungfrauenturm eine Festung, ein Tempel oder eine Sternwarte?
Die Verteidigungstheorie verbindet den Turm mit dem Befestigungssystem der Schirwanschahs (Şirvanşahlar). Nach dieser Deutung wurden bei Gefahr Warnsignale vom Turm an andere Burgen auf der Halbinsel Abşeron weitergegeben. Seine vermutete Aufgabe war damit Teil eines größeren Verteidigungsnetzes.
Befürworter dieser Erklärung verweisen auf die dicken Mauern und einen in der Mauer verborgenen Brunnen. Sie deuten beides als Merkmale einer Festung, die einer Belagerung standhalten konnte. Der Brunnen ist dabei wichtig, weil sich das Argument sowohl auf die Versorgung im Inneren als auch auf die äußere Widerstandskraft des Gebäudes stützt.
Davud Akhundov vertrat eine religiöse Deutung. Er beschrieb den Jungfrauenturm als zoroastrischen Feuertempel mit sieben Feueröffnungen an der Spitze. Das ist eine konkrete Rekonstruktion seiner Funktion. Die sieben Öffnungen gehören zu Akhundovs Theorie und sind innerhalb dieser Deutung zu verstehen.
Eine Ahmedov zugeschriebene Sternwartentheorie konzentriert sich auf steinerne Vorsprünge. Er brachte 30 Vorsprünge im unteren und 31 im oberen Bereich mit der Zahl der Tage eines Monats in Verbindung. Seine Erklärung deutet ihre Anordnung als Hinweis auf eine Kalenderfunktion.
Diese Argumente stützen sich auf unterschiedliche Merkmale: Mauern und Wasser für die Verteidigung, Feueröffnungen für den Kult und gezählte Vorsprünge für die Himmelsbeobachtung. Die offizielle Museumsdarstellung ergänzt eine gesichertere Aussage zur Nutzung im Lauf der Zeit: Der Turm diente lange der Verteidigung, bevor er 1964 zum Museum wurde.
Welche Geschichte erzählt man über den Jungfrauenturm?
Eine Legende handelt von einer Herrschertochter und einer ungewollten Heirat. Als ihr Vater sie mit jemandem verheiraten will, den sie nicht heiraten möchte, bittet sie ihn, zunächst einen Turm für sie zu bauen. Nach dessen Fertigstellung springt sie vom Turm und stirbt.
In dieser Erzählung wird der Turm Teil einer Geschichte über die Weigerung der Tochter. Ihr Wunsch nach dem Bauwerk und ihr abschließender Sprung verbinden das Denkmal mit der Jungfrau der Legende. Die Geschichte liefert eine sagenhafte Erklärung. Sie ist von der Inschrift und den archäologischen Befunden zu unterscheiden.
Eine andere Legende weist der jungen Frau eine andere Rolle zu. Während die Stadt belagert wird, tritt eine junge Frau mit feuerrotem Haar aus einem heiligen Feuer hervor. Sie besiegt den feindlichen Heerführer im Zweikampf und rettet die Stadt. Hier ist sie eine Verteidigerin, während die andere Erzählung von einer Herrschertochter vor einer ungewollten Heirat handelt.
Daneben gibt es eine Namensdeutung, die von keiner der beiden Geschichten abhängt. Sie versteht „Jungfrau“ als Sinnbild für einen Turm, den kein Feind einnehmen konnte. Diese Erklärung steht neben den Deutungen, die den Namen mit Legenden verbinden.
Zeitleiste
- 7.–6. Jahrhundert v. Chr.: Die UNESCO datiert die älteren Baureste unter dem Turm in diese Zeit.
- 4.–6. Jahrhundert n. Chr.: Sara Ashurbeylis alternative Theorie setzt den Bau des Turms in diese Jahrhunderte.
- 12. Jahrhundert: Die UNESCO datiert das erhaltene Bauwerk in dieses Jahrhundert. Auch die Schriftform der Inschrift wird dieser Zeit zugeordnet.
- 1962–1963: Ausgrabungen legen den großen Felsen unter dem Turm frei und zeigen die stützende Funktion des angrenzenden Vorbaus.
- 1964: Der Turm nimmt seinen Betrieb als Museum auf.
- 2000: Die ummauerte Altstadt von Baku mit dem Turm und dem Palast der Schirwanschahs wird in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
- 2003–2009: Die Welterbestätte steht auf der UNESCO-Liste des gefährdeten Welterbes.
- April 2011: Die Restaurierung des Turms beginnt.
- Januar 2013: Der Turm wird während der Restaurierung für Besucher geschlossen.
- 2. Januar 2014: Er wird wieder geöffnet.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
Ursprünglich gab es zwischen dem Erdgeschoss und dem darüberliegenden Geschoss keine Steintreppe. Der Aufstieg führte durch eine Öffnung in der Decke. Dafür nutzte man eine Leiter oder ein Seil. Wenn du das mit dem Treppensteigen zu Hause vergleichst, wird der Unterschied deutlich: Zwischen diesen Geschossen kam man nur mit einer zusätzlichen Kletterhilfe hin und her.
Der verborgene Brunnen hat einen Durchmesser von ungefähr 70 Zentimetern und ist 21 Meter tief. Diese Maße geben der Deutung als Wehrbau eine konkrete Grundlage. Auch seine Lage innerhalb der Mauer gehört zu den Argumenten der Befürworter der Festungstheorie.
Runde Öffnungen in den Gewölbedecken der Geschosse liegen auf derselben senkrechten Achse. Auch dieses Merkmal hilft dir, dir das Innere mit seinen acht Geschossen vorzustellen. Die Öffnungen sind über die Geschosse hinweg vertikal aufeinander ausgerichtet.
Bei der Restaurierung wurden auch die Mauersegler des Turms berücksichtigt. Die Arbeiter brachten an einem Nachbargebäude 500 spezielle Vogelnistkästen an und erhielten ungefähr 150 Nistplätze im Turm. Die Arbeiten berücksichtigten sowohl die Bausubstanz als auch die Nutzung durch Vögel.
In Risse und Hohlräume injizierten die Restauratoren eine Kalksuspension und Kieselsäureester. Diese Materialien gehören zur jüngeren Restaurierungsgeschichte des Turms. Sie liefern ein technisches Detail über die bekannten Geschichten der Jungfrau und die konkurrierenden Theorien zum ursprünglichen Zweck hinaus.
Jungfrauenturm Baku: Eintritt und Anreise
Die offizielle Besucheradresse lautet 99 Neftchilar Avenue. Der Turm steht im Südosten von Icherisheher nahe der Uferpromenade. Mit der Adresse und seiner Lage innerhalb der ummauerten Altstadt kannst du bei deiner Besuchsplanung das richtige Denkmal finden.
Die am 31. Oktober 2026 abgerufene offizielle Museumsseite nennt tägliche Öffnungszeiten von 10:00–19:00 Uhr. Die Preisliste dieses Tages gibt den Eintritt mit 19 aserbaidschanischen Manat für ausländische Erwachsene und 9 Manat für ausländische Besucher im Alter von 5–17 Jahren an.
Der Turm dient seit 1964 als Museum. Seine Restaurierung begann im April 2011. Im Januar 2013 folgte die Schließung, am 2. Januar 2014 die Wiedereröffnung. Vom Dach reicht der Blick über die Straßen darunter, den Boulevard und die Bucht von Baku.
FAQ
Wie hoch ist der Jungfrauenturm von Baku?
Die offizielle Beschreibung nennt Höhen von 28 und 31 Metern an gegenüberliegenden Seiten des Geländes. Der Turm hat einen Durchmesser von 16,5 Metern und acht Geschosse im Inneren.
Hat Masud ibn Davud den Turm gebaut?
Sein Name steht auf der kufischen Inschrift. Die Präsidialbibliothek stellt seine Identifizierung als Architekt infrage, weil die Inschrift keinen Titel enthält, der ihn als Architekten oder Baumeister ausweist.
Gehört der Jungfrauenturm zum UNESCO-Welterbe?
Der Turm gehört zusammen mit dem Palast der Schirwanschahs zur Welterbestätte der ummauerten Altstadt von Baku. Die UNESCO nahm die Stätte 2000 in die Welterbeliste auf.
In welcher Legende über den Jungfrauenturm geht es um Feuer?
Die Feuerlegende beschreibt eine junge Frau mit feuerrotem Haar, die aus einem heiligen Feuer hervortritt. Sie besiegt einen feindlichen Heerführer im Zweikampf und rettet die belagerte Stadt.
Quellen
- UNESCO-Welterbezentrum — Ummauerte Altstadt von Baku whc.unesco.org
- Präsidialbibliothek Aserbaidschans — Der Jungfrauenturm unesco.preslib.az
- Verwaltung des staatlichen historischen und architektonischen Schutzgebiets Icherisheher — Der Jungfrauenturm icherisheher.gov.az
- Verwaltung des staatlichen historischen und architektonischen Schutzgebiets Icherisheher — Museen icherisheher.gov.az
- Verwaltung von Icherisheher — Restaurierung des Jungfrauenturms icherisheher.gov.az
FAQ
Warum wurde der Jungfrauenturm von Baku gebaut?
Eine Deutung als Wehrbau verbindet ihn mit den Befestigungen der Schirwanschahs. Andere Theorien beschreiben ihn als zoroastrischen Feuertempel oder als Sternwarte. Nach der offiziellen Museumsdarstellung diente der Turm lange Zeit der Verteidigung.
Wie alt ist der Jungfrauenturm von Baku?
Die UNESCO beschreibt ihn als Bauwerk des 12. Jahrhunderts über älteren Bauresten aus dem 7.–6. Jahrhundert v. Chr. Die Historikerin Sara Ashurbeyli schlug als alternative Bauzeit das 4.–6. Jahrhundert n. Chr. vor.
Welche Geschichte erzählt man über den Jungfrauenturm?
Eine Legende handelt von einer Herrschertochter, die vor einer ungewollten Heirat den Bau eines Turms verlangt. Anschließend springt sie hinunter und stirbt. Eine andere erzählt von einer jungen Frau mit feuerrotem Haar, die einen feindlichen Heerführer besiegt und die belagerte Stadt rettet.
Wie viel kostet der Eintritt in den Jungfrauenturm von Baku?
Die am 31. Oktober 2026 abgerufene offizielle Preisliste nennt 19 aserbaidschanische Manat für ausländische Erwachsene und 9 Manat für ausländische Besucher im Alter von 5–17 Jahren.
Image: Maiden Tower in Baku 2015.jpg — AlixSaz, CC BY-SA 4.0






