In der Nacht des 14. April 1912 drang Wasser in sechs Abteilungen eines Schiffes ein, das für vier überflutete Abteilungen ausgelegt war. Dieser Unterschied zwischen Konstruktion und tatsächlichem Schaden erklärt den Untergang der Titanic im Kern. Hast du dich schon einmal gefragt, wie ein als nahezu unsinkbar beschriebenes Schiff in weniger als drei Stunden untergehen konnte? Die Antwort liegt weniger in einem einzelnen dramatischen Fehler. Mehrere Grenzen wurden gleichzeitig überschritten.
„Unsinkbar“ war nie ein Versprechen
Die Royal Museums Greenwich weisen darauf hin, dass die Titanic als „praktisch unsinkbar“ bezeichnet wurde. Das bedeutet nahezu unsinkbar und war keine Garantie. Das Vertrauen beruhte auf der Konstruktion des Rumpfes. Die Titanic hatte 16 wasserdichte Abteilungen. Selbst wenn bis zu vier davon vollliefen, konnte das Schiff schwimmfähig bleiben.
Gebaut wurde das Schiff für die White Star Line auf der Werft Harland and Wolff in Belfast. Der Bau begann am 31. März 1909. Am 31. Mai 1911 lief der Rumpf vom Stapel. Weniger als ein Jahr später, am 10. April 1912, verließ die Titanic Southampton zu ihrer Jungfernfahrt nach New York.
Untergang der Titanic: Was am 14. und 15. April 1912 geschah
Am 14. April 1912 um 23.40 Uhr stieß die Titanic im Nordatlantik mit der Steuerbordseite ihres Bugs gegen einen Eisberg. Die Kollision verursachte schwere Schäden in fünf Abteilungen und leichtere Schäden in einer sechsten. Ausgelegt war das Schiff auf höchstens vier überflutete Abteilungen. Von diesem Moment an war der Untergang unausweichlich.
Der Vorgang verlief schrittweise, ließ sich aber nicht mehr aufhalten. Während der Bug tiefer sank, stieg das Meerwasser über die Oberkanten der Schotten und strömte in die nächste Abteilung. Jede weitere überflutete Abteilung zog den Bug tiefer nach unten. Dadurch erreichte das Wasser die jeweils nächste Abteilung. Die Titanic sank am 15. April 1912 um 02.20 Uhr, etwa 2 Stunden und 40 Minuten nach dem Zusammenstoß. Beim Untergang brach das Schiff auseinander. Die Trümmer verteilten sich auf dem Meeresboden.
War die Geschwindigkeit schuld?
Die britische Seeunfalluntersuchung von 1912 unter Leitung des Wreck Commissioner stellte fest, dass die Titanic beim Zusammenstoß mit dem Eisberg etwa 22 Knoten fuhr. Das Untersuchungsgericht bewertete diese Geschwindigkeit unter den Bedingungen jener Nacht als zu hoch.
Eine verbreitete Darstellung behauptet, der Kapitän habe einen Geschwindigkeitsrekord für die Atlantiküberquerung angestrebt. Die Royal Museums Greenwich finden dafür keine Belege. Die Titanic war nicht dafür konstruiert, die Lusitania oder die Mauretania zu überholen. Ihre Geschwindigkeit war angesichts der Eisverhältnisse zu hoch; sie fuhr kein Rennen.
Rettungsboote: vorschriftsmäßig und trotzdem zu wenige
Die Titanic führte 20 Rettungsboote mit Plätzen für 1.178 Menschen mit. An Bord waren rund 2.200 Passagiere und Besatzungsmitglieder. Schon diese Rechnung erklärt einen großen Teil der hohen Opferzahl.
Was viele überrascht: Diese 20 Boote übertrafen sogar die damals vorgeschriebene Mindestzahl. Das Schiff erfüllte die Vorschriften. Stell dir ein Gebäude vor, das eine Brandschutzprüfung besteht, weil seine Ausgänge einer alten Vorschrift für weniger Menschen entsprechen. Auf dem Papier ist alles in Ordnung. Die Menschen im Gebäude sind trotzdem nicht sicher.
Die britische Untersuchung stellte ein zweites Versagen fest. Mindestens acht der zu Wasser gelassenen Rettungsboote waren nicht voll besetzt. Vorhandene Plätze blieben leer.
Wie viele Menschen starben?
Etwa 1.500 Menschen starben bei der Katastrophe. Viele von ihnen ertranken nicht. Sie starben im ungefähr −2 °C kalten Wasser. Die genaue Zahl hängt davon ab, welche Quelle du liest. Die Smithsonian Institution nennt 1.522 Tote. Die U.S. National Archives verzeichnen 1.517.
Die Carpathia nahm die Überlebenden aus den Rettungsbooten auf. Die Rettung dauerte am Morgen des 15. April 1912 von 04.10 bis 08.30 Uhr.
Wo sank die Titanic, und wo liegt das Wrack heute?
Die Titanic liegt im Nordatlantik vor Neufundland in etwa 3.810 Metern Tiefe auf dem Meeresboden. Eine gemeinsame Expedition der Woods Hole Oceanographic Institution und des französischen Instituts IFREMER fand das Wrack am 1. September 1985. Das Team setzte das Bildaufnahmesystem Argo ein, das vom Forschungsschiff Knorr aus betrieben wurde.
1994 sprach ein Gericht RMS Titanic, Inc. die ausschließlichen Bergungsrechte für Artefakte an der Fundstelle zu. Dieser Status macht das Unternehmen nicht zum Eigentümer des Wracks. Am 15. April 2012 lag das Wrack seit 100 Jahren unter Wasser. Damit fiel es unter das UNESCO-Übereinkommen von 2001 zum Schutz des Unterwasser-Kulturerbes.
Was sich nach der Katastrophe änderte
Das erste SOLAS-Übereinkommen, der internationale Vertrag zum Schutz des menschlichen Lebens auf See, wurde 1914 verabschiedet. Es war eine direkte Folge der Titanic-Katastrophe. Die Regeln, von denen du heute bei jeder Fahrt mit einer Fähre oder einem Kreuzfahrtschiff profitierst, gehen auf diesen Vertrag zurück.
Zeitleiste
- 31. März 1909 In Belfast beginnt der Bau der Titanic.
- 31. Mai 1911 Der Rumpf läuft bei Harland and Wolff vom Stapel.
- 10. April 1912 Die Titanic verlässt Southampton zu ihrer Jungfernfahrt.
- 14. April 1912, 23.40 Uhr Die Titanic stößt im Nordatlantik mit einem Eisberg zusammen.
- 15. April 1912, 02.20 Uhr Die Titanic sinkt.
- 15. April 1912, 04.10–08.30 Uhr Die Carpathia nimmt Überlebende aus den Rettungsbooten an Bord.
- 1914 Das erste SOLAS-Übereinkommen wird verabschiedet.
- 1. September 1985 Eine gemeinsame amerikanisch-französische Expedition findet das Wrack.
- 1994 Ein Gericht spricht RMS Titanic, Inc. die ausschließlichen Bergungsrechte zu.
- 15. April 2012 Das Wrack fällt unter das UNESCO-Übereinkommen von 2001 zum Schutz des Unterwasser-Kulturerbes.
Details, die du in keinem Reiseführer findest
Es gab keinen riesigen Riss. Sonarkartierungen, über die NIST berichtete, zeigten sechs schmale Schadenszonen an der Steuerbordseite des Rumpfes statt eines einzigen langen Risses. Zusammengenommen betrug ihre offene Fläche nur etwa 1 Quadratmeter. Diese kleine Gesamtfläche genügte, weil sich die Schäden über sechs Abteilungen verteilten.
Die Rettung hing von einem Kopfhörer ab. Der Funker der Carpathia zog sich gerade zum Schlafengehen aus, als der Notruf der Titanic einging. Er hörte ihn nur, weil er seinen Kopfhörer noch nicht abgenommen hatte.
Eine Taschenuhr blieb um 03.07 Uhr stehen. Robert Douglas Norman starb im Alter von 27 Jahren beim Untergang. Seine Taschenuhr gehört zur Sammlung der Royal Museums Greenwich und zeigt 03.07 Uhr an. Das liegt deutlich nach dem Untergang um 02.20 Uhr. Das Museum vermutet, dass seine Uhr möglicherweise nicht auf die Ortszeit des Schiffes eingestellt war. Wenn du nach einem Flug schon einmal vergessen hast, die Uhrzeit deines Handys umzustellen, kennst du das Problem.
Die Rettungsboote erfüllten die Vorgaben. Die 20 Boote konnten nicht alle Menschen aufnehmen. Trotzdem übertrafen sie die damalige gesetzliche Mindestzahl. Auch die Vorschriften waren veraltet, nicht allein die Reederei blieb hinter den Erfordernissen zurück.
Die Titanic im Film
Der Film Titanic erschien 1997. James Cameron schrieb das Drehbuch und führte Regie.
Titanic II: das Projekt eines Nachbaus
Die Titanic II ist ein Schiffbauprojekt, das Clive Palmers Unternehmen Blue Star Line 2012 ankündigte. Das erklärte Ziel ist, das Erscheinungsbild des ursprünglichen Schiffes mit moderner Sicherheits- und Navigationstechnik nachzubilden.
FAQ
Wo ist die Titanic gesunken?
Im Nordatlantik vor Neufundland. Das Wrack liegt in etwa 3.810 Metern Tiefe. Eine gemeinsame Expedition von WHOI und IFREMER fand es am 1. September 1985.
Wurde die Titanic wirklich als unsinkbar bezeichnet?
Nicht uneingeschränkt. Die Royal Museums Greenwich weisen darauf hin, dass die tatsächliche Formulierung „praktisch unsinkbar“ lautete. Gemeint war nahezu unsinkbar, keine Garantie.
Wie viele Menschen starben beim Untergang der Titanic?
Etwa 1.500. Die genauen Zahlen unterscheiden sich je nach Quelle: Die Smithsonian Institution nennt 1.522 Tote, die U.S. National Archives verzeichnen 1.517.
Ist die Titanic II ein echtes Schiff?
Titanic II ist ein 2012 begonnenes Projekt von Clive Palmers Unternehmen Blue Star Line. Es soll das Erscheinungsbild des Schiffes mit moderner Sicherheits- und Navigationstechnik nachbilden. Denselben Namen trägt außerdem ein eigenständiger, 90 Minuten langer Katastrophenfilm, den The Asylum 2010 fertigstellte.
Quellen
- NOAA — R.M.S. Titanic noaa.gov
- Türkische Wikipedia — RMS Titanic tr.wikipedia.org
- Smithsonian Institution — Die RMS Titanic si.edu
- Royal Museums Greenwich — Fakten zur RMS Titanic rmg.co.uk
- Englische Wikipedia — Titanic en.wikipedia.org
- Britische Seeunfalluntersuchung unter Leitung des Wreck Commissioner — Feststellungen des Gerichts titanicinquiry.org
- U.S. National Archives — Die Titanic in Dokumenten und Fotografien archives.gov
- U.S. National Archives — Sie sagten, sie könne nicht sinken archives.gov
- NIST — Die Wissenschaft zeigte, wie ein winziger Fehler im Eisen der Titanic zum Verhängnis wurde nist.gov
- Royal Museums Greenwich — Die Titanic in unserer Sammlung rmg.co.uk
- Woods Hole Oceanographic Institution — RMS Titanic whoi.edu
- Wissenschaftliches Kolloquium der UNESCO — Der 100. Jahrestag des Titanic-Untergangs und der Vertrag zum rechtlichen Schutz gc.noaa.gov
- NOAA — Häufig gestellte Fragen zur R.M.S. Titanic noaa.gov
- Internationale Seeschifffahrts-Organisation — Geschichte von SOLAS imo.org
Image: Titanic wreck bow.jpg — Courtesy of NOAA/Institute for Exploration/University of Rho, Public domain






