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Wo liegt Assos? Athenatempel und Behramkales Geschichte

Assos liegt in Behramkale gegenüber von Lesbos und ist seit der frühen Bronzezeit besiedelt. Der Athenatempel, die Verbindungen zu Aristoteles und die osmanische Moschee machen verschiedene Epochen der Ortsgeschichte sichtbar.

8 Min. Lesezeit5 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Wo liegt Assos? Athenatempel und Behramkales Geschichte
Assos theater from N (1991).jpg

Wo liegt Assos in der Türkei?

Assos liegt im Dorf Behramkale im Landkreis Ayvacık der Provinz Çanakkale in der Türkei. Die antike Stadt befindet sich etwa 17 Kilometer südlich des Landkreiszentrums. Wenn du Assos auf einer Karte suchst, orientiere dich am Dorfnamen Behramkale. Die archäologische Stätte und das Dorf gehören zum selben historischen Ortszusammenhang.

Die Stadt liegt im Südwesten der Biga-Halbinsel, in der antiken Landschaft Troas. Ihr gegenüber liegt die Insel Lesbos. Die UNESCO verzeichnet die Koordinaten mit 39°29′16″ nördlicher Breite und 26°20′13″ östlicher Länge. Diese Angaben bestimmen die Lage von Assos genau. Sie helfen auch zu verstehen, warum die Geschichte der Stadt immer wieder das Festland mit der Insel auf der anderen Seite des Wassers verbindet.

Die Akropolis erhebt sich auf einem steilen Hügel, 235 Meter über dem Meeresspiegel. Auf dieser Anhöhe steht der Athenatempel. Assos besitzt auch einen Hafen. Zur Stadt gehören damit sowohl ein Heiligtum auf dem Hügel als auch ein Bereich am Wasser. An diesen beiden Orten kannst du dich orientieren, um die unterschiedlichen historischen Schauplätze der Stadt einzuordnen.

Wie entstand das antike Assos?

Archäologische Forschungen belegen eine durchgehende Besiedlung von Assos seit der frühen Bronzezeit, etwa 3000–2000 v. Chr. Die Geschichte des Ortes beginnt damit lange vor der griechischen Ansiedlung, von der antike Autoren berichten. Die frühe Besiedlung und die spätere Ankunft von Siedlern aus Lesbos sind unterschiedliche Phasen in der Geschichte desselben Ortes.

Nach antiken Autoren gründeten Siedler aus Methymna auf Lesbos im 7. Jahrhundert v. Chr. die griechische Siedlung. Die Insel, die Assos gegenüberliegt, spielt somit auch in den Berichten über die Entstehung der Stadt eine Rolle.

Vorsicht ist bei der vermuteten Verbindung mit Pedasos geboten, dem bei Homer genannten Ort. Das Ministerium für Kultur und Tourismus hält diese Gleichsetzung für unwahrscheinlich. Zur Begründung verweist es darauf, dass Strabon Pedasos als verlassen beschreibt. Assos lässt sich daher nicht als gesichert mit diesem homerischen Ort gleichsetzen.

560 v. Chr. geriet Assos unter lydische Herrschaft. Nachdem die Perser das lydische Königreich zerstört hatten, folgte die persische Herrschaft. Damit stand die Stadt nacheinander unter verschiedenen Mächten, während die Besiedlung fortbestand. Der Athenatempel aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. gehört in diese lange Siedlungsgeschichte.

Was macht den Athenatempel von Assos bedeutend?

Der Athenatempel stammt aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. und war der Schutzgöttin der Stadt geweiht. Er steht auf der Akropolis, auf dem steilen Hügel über dem Meer. Für dich bietet der Tempel einen konkreten Ausgangspunkt, um die Architektur und die Religionsgeschichte der Stadt zu verstehen.

Das Ministerium für Kultur und Tourismus bezeichnet ihn als das einzige bekannte Beispiel eines dorischen Tempels aus archaischer Zeit in Anatolien. Dabei sind die geografische und die zeitliche Eingrenzung entscheidend. Die Besonderheit bezieht sich auf Anatolien und die archaische Zeit. Sie gilt nicht für sämtliche Tempel, die während der gesamten Antike in dieser Region entstanden.

Der Tempel ist ein Peripteros, also ein Bau mit umlaufender Säulenstellung. An jeder Schmalseite standen sechs Säulen, an jeder Längsseite dreizehn. Mit diesen Zahlen kannst du dir seinen Aufbau konkret vorstellen. Die Säulen umgaben den gesamten Tempel und waren nicht nur an einer Front angeordnet.

Mit Ausnahme der Dachkonstruktion bestanden die Bauteile des Tempels aus Andesit. Auch sein Schmuck verband unterschiedliche Bautraditionen. Die UNESCO beschreibt einen dorischen Bau mit einem ionischen Relieffries. Die Bedeutung des Tempels liegt damit sowohl in seiner Gesamtanlage als auch im darin eingebundenen Reliefschmuck.

Zum Tempel gehörten Reliefs mit Kampfdarstellungen, an denen Herakles und Kentauren beteiligt waren. Teile davon befinden sich heute in Museen in Çanakkale, Istanbul, im Louvre und in Boston. Die Überlieferungsgeschichte des Bauwerks reicht deshalb über die Akropolis hinaus. Seine Architekturfragmente werden in mehreren Museumssammlungen aufbewahrt.

Warum wird Assos mit Aristoteles verbunden?

Aristoteles kam auf Einladung von Hermias nach Assos. Zwischen 347 und 345 v. Chr. lebte und lehrte er dort. Die Stadt hat damit einen festen Platz in seiner Biografie. Diese Verbindung beruht auf einem namentlich bekannten Gastgeber, einem klar bestimmten Zeitraum und seiner Lehrtätigkeit vor Ort.

Auch Kleanthes ist mit Assos verbunden: Er wurde dort geboren. Später folgte er Zenon als Leiter der stoischen Schule in Athen nach. Aristoteles’ Aufenthalt und Kleanthes’ Geburtsort sind unterschiedliche Formen der Verbindung. Beide verknüpfen Assos jedoch mit der Geschichte der Philosophie.

Neben diesen philosophischen Beziehungen ging die politische Geschichte der Stadt weiter. 365 v. Chr. widerstand Assos einer Belagerung durch Mausolos und Autophradates. Den beiden gelang es nicht, die Stadt einzunehmen. Nach dem Sieg Alexanders des Großen am Granikos im Jahr 334 v. Chr. endete die persische Herrschaft.

Nach einer Zeit unter dem Königreich Pergamon kam Assos 133 v. Chr. unter römische Herrschaft. Die Stadt wird auch im 20. Kapitel der Apostelgeschichte erwähnt. Dort wird berichtet, wie Paulus in Assos seine Begleiter trifft, ein Schiff besteigt und nach Lesbos weiterreist. Der Hafen erscheint hier erneut als Schauplatz einer überlieferten Reise.

Was ist außer dem Athenatempel erhalten?

Zu den Überresten von Assos gehören eine Agora, eine Stoa, ein Bouleuterion, ein Gymnasion, ein Theater und eine Nekropole. Sie erweitern den Blick über das Heiligtum hinaus. Die antike Stadt umfasste verschiedene Arten von Gebäuden und Freiflächen. Ihre archäologischen Überreste bewahren weit mehr als den Tempel auf der Akropolis.

Die bei der UNESCO eingereichten Unterlagen nennen Stadtmauern mit einer Länge von 3.100 Metern. Als erhaltene Höhe werden 12 Meter angegeben, dazu insgesamt acht Türme. Diese Maße machen die Befestigung zu einem wesentlichen Bestandteil der erhaltenen Stätte. Sie zeigen eine weitere architektonische Größenordnung einer Stadt, die oft zuerst über ihre Tempelsäulen vorgestellt wird.

Wie verbindet sich Behramkale mit der späteren Geschichte?

Ein Erklärungsansatz leitet den Namen Behram vom byzantinischen Ortsnamen Machram ab. Das bleibt ein etymologischer Vorschlag. Er zeigt eine mögliche Verbindung zwischen Namen verschiedener Epochen auf. Eine gesicherte Herkunft des heutigen Dorfnamens ist damit nicht nachgewiesen.

Die Hudâvendigâr-Moschee (türkisch: Hudâvendigâr Camii) steht auf felsigem Gelände nördlich der Akropolis. Der frühosmanische Bau wird in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert. Aus dem historischen Zusammenhang wurde eine Entstehung nach 1365 vorgeschlagen. Die Moschee ergänzt die Umgebung des antiken Heiligtums um einen religiösen Bau aus einer späteren Epoche.

Auch die Frage, ob die Moschee jemals ein Minarett besaß, wurde unterschiedlich gedeutet. Der Behauptung, ein Minarett sei eingestürzt, widerspricht Ali Boran. Er hält es für wahrscheinlicher, dass der Bau von Anfang an kein Minarett hatte. Dieser Unterschied beeinflusst die Vorstellung vom ursprünglichen Erscheinungsbild der Moschee.

Details, die du nicht in Reiseführern findest

Das Tagebuch von Francis H. Bacon aus dem Jahr 1881 verzeichnet Fragmente von Tempelreliefs, die in einer mittelalterlichen Mauer wiederverwendet worden waren. Diese Stücke hatten eine zweite Funktion als Baumaterial erhalten. Ihre Entdeckung verbindet den Reliefschmuck des Athenatempels mit späteren Bauten in Assos.

Bacons Eintrag vom 21. April 1881 hält ein weiteres praktisches Detail fest. Als die Visierfäden im Vermessungsinstrument der Expedition rissen, ersetzte er sie durch Spinnfäden. Wenn du schon einmal eine Reparatur improvisiert hast, um ein Alltagsgerät weiter benutzen zu können, findest du hier einen vertrauten Bezug zur archäologischen Feldarbeit.

An der Westwand der Hudâvendigâr-Moschee sind Schiffsdarstellungen erhalten, die mit einem Farbstoff auf Wurzelbasis gemalt wurden. Sie sind ein besonderes Merkmal des osmanischen Bauwerks. Neben seiner Datierung und seiner felsigen Lage nördlich der Akropolis verdienen auch diese Bilder Aufmerksamkeit.

Der Hafen erfüllte später auch eine Handelsfunktion. Im 18. Jahrhundert war er ein wichtiger Umschlagplatz für den Handel mit der Rinde der Valonia-Eiche. Die Geschichte des Hafens von Assos reicht damit über antike Schiffsreisen hinaus. Sie umfasst auch einen dokumentierten Handel mit einem bestimmten Rohstoff.

Zeitleiste

  • 3000–2000 v. Chr.: Besiedlung in der frühen Bronzezeit.
  • 7. Jahrhundert v. Chr.: Siedler aus Methymna auf Lesbos gründen die griechische Siedlung.
  • 560 v. Chr.: Beginn der lydischen Herrschaft.
  • 6. Jahrhundert v. Chr.: Bau des Athenatempels.
  • 365 v. Chr.: Mausolos und Autophradates scheitern an der Einnahme von Assos.
  • 347–345 v. Chr.: Aristoteles lebt und lehrt in der Stadt.
  • 334 v. Chr.: Alexanders Sieg beendet die persische Herrschaft.
  • 133 v. Chr.: Assos kommt unter römische Herrschaft.
  • Zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts: Zeitraum, dem die Hudâvendigâr-Moschee zugeordnet wird.
  • 18. Jahrhundert: Der Hafen spielt eine wichtige Rolle im Handel mit Eichenrinde.
  • 1881–1883: Ausgrabungen im Auftrag des Archaeological Institute of America.
  • 1981: Wiederaufnahme der Ausgrabungen unter Ümit Serdaroğlu.
  • 15. April 2017: Assos wird für die Tentativliste des UNESCO-Welterbes eingereicht.

Wer hat Assos ausgegraben?

Joseph Thacher Clarke und Francis H. Bacon führten zwischen 1881 und 1883 die ersten wissenschaftlichen Ausgrabungen durch. Sie arbeiteten im Auftrag des Archaeological Institute of America. Bacons Tagebücher bewahren Einzelheiten dieser Arbeiten. Dazu gehören die wiederverwendeten Reliefs und die Reparatur des Vermessungsinstruments.

1981 wurden die Ausgrabungen unter Ümit Serdaroğlu von der Universität Istanbul wieder aufgenommen. Die archäologische Stätte wurde später, am 15. April 2017, für die Tentativliste des UNESCO-Welterbes eingereicht. Der dokumentierte Status ist diese Einreichung für die Tentativliste.

FAQ

Wo liegt Assos in der Türkei?

Assos liegt in Behramkale im Landkreis Ayvacık der Provinz Çanakkale. Die antike Stadt befindet sich etwa 17 Kilometer südlich des Landkreiszentrums, gegenüber von Lesbos.

Wann wurde der Athenatempel gebaut?

Der Tempel stammt aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Er war Athena, der Schutzgöttin von Assos, geweiht.

Hat Aristoteles in Assos gelehrt?

Ja. Aristoteles lebte und lehrte zwischen 347 und 345 v. Chr. in Assos. Er war auf Einladung von Hermias dorthin gekommen.

Gehört Assos zum UNESCO-Welterbe?

Assos wurde am 15. April 2017 für die Tentativliste des UNESCO-Welterbes eingereicht. Das ist der für die archäologische Stätte dokumentierte Status.

Quellen

  1. Ministerium für Kultur und Tourismus — Archäologische Stätte von Assos dosim.ktb.gov.tr
  2. UNESCO — Archäologische Stätte von Assos whc.unesco.org
  3. Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Çanakkale — Archäologische Stätte von Assos canakkale.ktb.gov.tr
  4. Archaeology — Die Assos-Tagebücher von Francis H. Bacon archive.archaeology.org
  5. TDV İslâm Ansiklopedisi — Hudâvendigâr-Moschee, Behramkale islamansiklopedisi.org.tr

FAQ

Wo liegt Assos in der Türkei?

Assos liegt im Dorf Behramkale im Landkreis Ayvacık der Provinz Çanakkale. Die antike Stadt befindet sich etwa 17 Kilometer südlich des Landkreiszentrums, gegenüber von Lesbos.

Wann wurde der Athenatempel von Assos gebaut?

Der Tempel stammt aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Er steht auf der Akropolis und war Athena, der Schutzgöttin der Stadt, geweiht.

Hat Aristoteles in Assos gelebt?

Ja. Aristoteles kam auf Einladung von Hermias nach Assos. Zwischen 347 und 345 v. Chr. lebte und lehrte er dort.

Gehört Assos zum UNESCO-Welterbe?

Die archäologische Stätte von Assos wurde am 15. April 2017 für die Tentativliste des UNESCO-Welterbes eingereicht.

Image: Assos theater from N (1991).jpg — Mark Landon, CC BY 4.0

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