Antike Welt · MÖ 3200 – MS 476

Nebukadnezar II.: Babylon und die Eroberung Jerusalems

Nebukadnezar II. regierte Babylon von 605 bis 562 v. Chr. und weitete seine Macht durch Feldzüge, Tribute und die Umsiedlung von Bevölkerungsgruppen aus. Seine Eroberungen Jerusalems und seine Bauprojekte in Babylon zeigen einen Herrscher, dessen Bild sich je nach historischer Perspektive stark unterscheidet.

9 Min. Lesezeit10 QuellenVeröffentlicht: 6 November 2026Zuletzt geprüft: 6 November 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Nebukadnezar II.: Babylon und die Eroberung Jerusalems
Nebuchadnezzar II bronze step inscription.jpg

Nebukadnezar II. (II. Nebukadnezar) war König von Babylon (Babil). Er regierte von 605 bis 562 v. Chr. und folgte seinem Vater Nabopolassar auf den Thron. Durch Feldzüge, Tribute und die Umsiedlung von Bevölkerungsgruppen stärkte er das neubabylonische Reich. Gleichzeitig baute er Babylon wieder auf. Seine Truppen eroberten Jerusalem (Kudüs) 597 v. Chr. In einem späteren Feldzug, der auf 587/586 v. Chr. datiert wird, zerstörten sie die Stadt.

Wie konnte derselbe König Tempelreparaturen feiern und zugleich mit der Zerstörung Jerusalems verbunden werden? Dieser Frage kannst du anhand seiner Feldzüge, der von ihm eingesetzten Herrscher und der Inschriften im Inneren seiner Bauten nachgehen. Diese Zeugnisse verbinden die Ausdehnung des Reiches mit seiner Bautätigkeit. Die biblischen Berichte bewahren dagegen die Folgen von Eroberung und Exil.

Wie stärkte Nebukadnezar II. das neubabylonische Reich?

Nebukadnezars Sieg bei Karkemisch (Karkamış) im Jahr 605 v. Chr. ebnete den Weg für die babylonische Vorherrschaft über Syrien (Suriye) und Palästina (Filistin). Er besiegte das Heer des ägyptischen Pharaos Necho II. (II. Neko). Im selben Jahr folgte er Nabopolassar auf Babylons Thron. Sein Regierungsantritt fiel damit mit einem bedeutenden militärischen Erfolg zusammen.

Unter Nabopolassar und Nebukadnezar erstreckte sich die babylonische Herrschaft über einen großen Teil des früheren assyrischen Gebietes zwischen dem Persischen Golf (Basra Körfezi) und dem Mittelmeer (Akdeniz). Feldzüge ermöglichten diese Ausdehnung. Tribute und die Einsetzung abhängiger Herrscher halfen, die Herrschaft zu sichern. Jerusalem sollte nach seiner Eroberung 597 v. Chr. beide Methoden erfahren.

Aschkelon (Aşkelon) zeigt die zerstörerische Seite dieser Expansion. Nach der Babylonischen Chronik eroberte Nebukadnezar die Stadt 604 v. Chr. Er brachte ihren König nach Babylon, plünderte die Stadt und zerstörte sie. Eine militärische Niederlage konnte somit sowohl die Absetzung eines Herrschers als auch die Zerstörung seiner Stadt bedeuten.

Die babylonische Expansion stieß auch auf Widerstand. Nebukadnezars Einmarsch in Ägypten (Mısır) scheiterte 601 v. Chr. Die Babylonische Chronik verzeichnet schwere Verluste auf beiden Seiten. Dieser Rückschlag gehört wesentlich zu den Umständen, unter denen Juda (Yehuda) die babylonische Herrschaft herausforderte.

Nebukadnezar setzte außerdem die assyrische Praxis fort, große Bevölkerungsgruppen innerhalb des Reiches umzusiedeln. Diese Umsiedlungen stellten Arbeitskräfte bereit und zerstreuten mögliche Zentren des Widerstands.

Was führte zu den Feldzügen gegen Jerusalem und zum babylonischen Exil?

Judas Lage war vom Machtkampf zwischen Babylon und Ägypten geprägt. Um 601 v. Chr. begann König Jojakim (Yehoyakim), sich gegen die babylonische Herrschaft aufzulehnen. Dabei erwartete er ägyptische Unterstützung. Nebukadnezars gescheiterter Ägyptenfeldzug gehört in diesen Zusammenhang. Babylons Macht war weitreichend. Seine Herrschaft über untergeordnete Königreiche wurde jedoch weiterhin herausgefordert.

Die erste hier behandelte Eroberung Jerusalems erfolgte 597 v. Chr. Die Tontafel BM 21946 mit der Babylonischen Chronik berichtet, dass Nebukadnezar die Stadt und ihren König am zweiten Tag des Monats Adar einnahm beziehungsweise gefangen nahm. Die Tafel wird im British Museum aufbewahrt. Ihr Bericht gibt der Eroberung einen konkreten Platz in der babylonischen politischen Geschichtsschreibung.

Die Chronik hält auch fest, welche Ordnung nach der Eroberung durchgesetzt wurde. Nebukadnezar setzte einen König seiner Wahl ein und brachte Tribut nach Babylon. Der biblische Bericht in 2. Könige 24,10–17 nennt den deportierten König Jojachin (Yehoyakin). Als dessen Nachfolger nennt er seinen Onkel Mattanja (Mattanya), der den Namen Zedekia (Sidkiya) erhielt.

Zedekia stellte diese Ordnung später infrage. Im Jahr 589 v. Chr. verweigerte er Nebukadnezar die Tributzahlungen. Diese Weigerung lieferte den politischen Anlass für einen weiteren babylonischen Feldzug gegen Juda. Der nach der früheren Eroberung eingesetzte Herrscher war nun selbst zu einer Quelle des Widerstands geworden.

Der letzte Feldzug hatte weit verheerendere Folgen. Jerusalem wurde geplündert und zerstört. Das Königreich Juda endete, und ein Teil der Bevölkerung wurde nach Babylon deportiert. Die Zerstörung Jerusalems und des salomonischen Tempels wird entweder auf 587 oder auf 586 v. Chr. datiert. Die zusammengefasste Angabe 587/586 v. Chr. macht diese Datierungsdebatte sichtbar.

Wenn du dir einen Unterschied merkst, dann trenne die Eroberung von 597 v. Chr. von der Zerstörung 587/586 v. Chr. Das frühere Ereignis brachte einen neuen König und Tributzahlungen. Das spätere beendete das Königreich und führte zu weiteren Deportationen. Wer beides als eine einzige Eroberung behandelt, verdeckt die Abfolge von Unterwerfung, erneutem Widerstand und Zerstörung.

Wie belegen Königsinschriften seine Bauprojekte in Babylon?

Babylon war von 626 bis 539 v. Chr. die Hauptstadt des neubabylonischen Reiches. Seine Überreste liegen etwa 85 Kilometer südlich von Bagdad (Bağdat).

Ein Tonzylinder im Metropolitan Museum of Art liefert einen direkten Beleg für Nebukadnezars Befestigungsbauten. Er trägt die Inventarnummer 86.11.60 und beschreibt den Bau einer neuen Außenmauer von Babylon. Nebukadnezar erklärt darin, dass er Bitumen und gebrannte Ziegel verwendete. Die Inschrift dokumentiert sowohl das Bauprojekt als auch die Baumaterialien.

Seine königlichen Texte betonten außerdem die Instandsetzung von Tempeln. Diese Berichte stellten ihn als frommen Herrscher dar, der heilige Gebäude erhielt. Dabei kommt es auf die vorgesehenen Adressaten an. Gründungszylinder richteten sich vor allem an die Götter. Zugleich baten sie künftige Könige, Nebukadnezars Namen zu bewahren, wenn sie die Texte bei Reparaturen entdeckten.

Das Ischtar-Tor (İştar Kapısı) eröffnet einen weiteren Blick auf die Bautätigkeit unter Nebukadnezar. Es war einer von acht Zugängen zur Innenstadt Babylons. Stiere und Drachen schmückten seine blau glasierten Ziegel. Befestigungen, religiöse Gebäude und monumentale Eingänge gehörten gleichermaßen zur Hauptstadt, die er ausbaute.

Einen Bezug zum Alltag kannst du über die Instandhaltung von Gebäuden herstellen. Nebukadnezars Gründungstexte rechneten mit späteren Reparaturen. Ähnlich kann eine Baudokumentation ein Reparaturprojekt mit dem nächsten verbinden. Seine Zylinder gaben dieser Kontinuität einen königlichen Zweck: Künftige Könige sollten bei Reparaturen auf seinen Namen stoßen und ihn bewahren.

Wie unterscheiden sich Keilschriftzeugnisse von biblischen Darstellungen?

Keilschriftzeugnisse dienten unterschiedlichen Zwecken. Die Babylonische Chronik dokumentierte politische und militärische Ereignisse, darunter die Eroberung Jerusalems 597 v. Chr. Königliche Bauinschriften betonten Bauarbeiten und die Wiederherstellung von Tempeln. Eine Verwaltungstafel aus Nebukadnezars Regierungszeit gehört wiederum in eine andere Kategorie. Ein gemeinsames Schriftsystem machte diese Dokumente nicht austauschbar.

Der Unterschied wird in den Berichten über Jerusalem deutlich. BM 21946 verzeichnet die Eroberung, die Absetzung des Königs, die Einsetzung eines Nachfolgers und den Tribut. Die Bibelstelle liefert die Namen Jojachin, Mattanja und Zedekia. Liest du die Berichte zusammen, kannst du die politische Ereignisfolge der Chronik mit namentlich bekannten Beteiligten verbinden.

Nebukadnezars Inschriften vermittelten durch die Tempelreparaturen das Bild religiöser Hingabe. Die biblischen Darstellungen waren von der Zerstörung Jerusalems und der Erfahrung des Exils geprägt. Dieser Unterschied spiegelt die verschiedenen Anliegen königlicher Selbstdarstellung und der Berichte einer eroberten Gemeinschaft wider.

Details, die du nicht in Reiseführern findest

Nebukadnezars Gründungszylinder wurden absichtlich verborgen. Man brannte sie, um sie haltbar zu machen, und vergrub sie beim Bau oder bei Reparaturen in den Fundamenten. Ihr Aufbewahrungsort erklärt, warum ein Text, der den Namen eines Königs bewahren sollte, im Alltag unsichtbar bleiben konnte.

Dasselbe Spannungsverhältnis zeigt sich bei Babylons Ziegeln. Millionen trugen Stempel mit Nebukadnezars Namen und Titeln. Die Stempel befanden sich jedoch auf den Oberseiten der Ziegel. Sobald diese in eine Mauer eingebaut waren, wurde die Schrift unsichtbar. Die vielfache Wiederholung auf den Baumaterialien bedeutete also nicht, dass Besucher die fertigen Mauern lesen konnten.

Auch die East-India-House-Inschrift stellt die Annahme infrage, dass all diese Zeugnisse Tontafeln gewesen seien. Die CDLI führt sie als akkadische Inschrift aus Babylon, die unter der Nummer BM 129397 im British Museum aufbewahrt wird. Sie besteht aus Kalkstein und misst 565 × 502 × 95 Millimeter.

Die Tafel BM.36579 bietet eine andere Art von Einzelheit. Die electronic Babylonian Library ordnet sie als Verwaltungsdokument ein. Sie stammt aus dem neunten Monat von Nebukadnezars fünfunddreißigstem Regierungsjahr. Das entspricht ungefähr dem Zeitraum vom 9. Dezember 570 bis zum 6. Januar 569 v. Chr. Sie ist somit ein Zeugnis der Verwaltung und keine Bauweihinschrift.

Auch Babylons zeremonielle Straße hatte einen konkreten Rahmen und Zweck. Die Prozessionsstraße namens Ay-ibur-shabum ist auf etwa einem Kilometer Länge freigelegt. Sie war mit 120 Löwen aus glasierten Ziegeln geschmückt und diente am achten Tag des Neujahrsfestes einer Prozession.

Was ist mit den Hängenden Gärten?

Der traditionellen Erzählung zufolge ließ Nebukadnezar die Hängenden Gärten in Babylon für seine Frau anlegen. Diese Zuschreibung bleibt umstritten. Babylonische Königsinschriften enthalten keine Beschreibung eines Gartens, der sich als monumentale bepflanzte Terrassen erkennen lässt. Die Gärten müssen deshalb anders behandelt werden als seine belegte Außenmauer.

Stephanie Dalley schlug 2013 eine Alternative vor. Sie verortete die Gärten in Ninive (Ninova) und schrieb sie dem assyrischen König Sanherib (Sanherib) im frühen siebten Jahrhundert v. Chr. zu. Das ist eine alternative Theorie. Nebukadnezars babylonische Mauer bleibt dagegen durch eine erhaltene Königsinschrift belegt.

Zeitleiste

  • 626 v. Chr.: Beginn von Babylons Zeit als Hauptstadt des neubabylonischen Reiches.
  • 605 v. Chr.: Nebukadnezar siegt bei Karkemisch und folgt Nabopolassar auf den Thron.
  • 604 v. Chr.: Babylonische Truppen erobern und zerstören Aschkelon.
  • 601 v. Chr.: Der Einmarsch in Ägypten scheitert; beide Heere erleiden schwere Verluste.
  • 597 v. Chr.: Jerusalem fällt, Jojachin wird nach Babylon gebracht, und Zedekia wird König.
  • 589 v. Chr.: Zedekia verweigert die Tributzahlungen an Babylon.
  • 587/586 v. Chr.: Jerusalem und der salomonische Tempel werden zerstört; weitere Deportationen folgen.
  • 570/569 v. Chr.: Die Verwaltungstafel BM.36579 stammt aus Nebukadnezars fünfunddreißigstem Regierungsjahr.
  • 562 v. Chr.: Nebukadnezar stirbt, und sein Sohn Amel-Marduk folgt ihm auf den Thron.

FAQ

Wann regierte Nebukadnezar II. in Babylon?

Er regierte von 605 bis 562 v. Chr. Er folgte seinem Vater Nabopolassar auf den Thron. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Amel-Marduk die Herrschaft.

Warum griff er Jerusalem an?

Die Feldzüge folgten auf Widerstand gegen die babylonische Herrschaft. Jojakim erwartete ägyptische Unterstützung. Später verweigerte Zedekia 589 v. Chr. den Tribut. Babylon reagierte mit Eroberung, dem Austausch eines Herrschers und schließlich mit Zerstörung.

Fiel Jerusalem 597 oder 587/586 v. Chr.?

Beide Daten gehören zur Ereignisfolge. Jerusalem wurde 597 v. Chr. erobert. Damals setzte Babylon einen neuen König ein. Die endgültige Zerstörung und weitere Deportationen folgten 587/586 v. Chr.

Hat er die Hängenden Gärten gebaut?

Die Zuschreibung ist umstritten. Babylonische Königsinschriften enthalten keine eindeutig erkennbare Beschreibung monumentaler bepflanzter Terrassen. Eine alternative Theorie schreibt die Gärten Sanherib in Ninive zu.

Quellen

  1. Wikipedia — Nebukadnezar II., Türkisch tr.wikipedia.org
  2. Wikipedia — Nebukadnezar II., Englisch en.wikipedia.org
  3. UNESCO — Babylon whc.unesco.org
  4. The Metropolitan Museum of Art — Babylon metmuseum.org
  5. Center for Online Judaic Studies — Die Babylonische Chronik cojs.org
  6. The Metropolitan Museum of Art — Zylinderinschrift Nebukadnezars II., 86.11.60 metmuseum.org
  7. Cuneiform Digital Library Initiative — P522992 cdli.earth
  8. LMU München, electronic Babylonian Library — BM.36579 ebl.uni-muenchen.de
  9. Französisches Kulturministerium — Das Ischtar-Tor und die Prozessionsstraße archeologie.culture.gouv.fr
  10. Universität Hamburg, CSMC — Die Hängenden Gärten von Babylon lagen in … Ninive! csmc.uni-hamburg.de

FAQ

Wann regierte Nebukadnezar II. in Babylon?

Nebukadnezar II. regierte von 605 bis 562 v. Chr. Er folgte seinem Vater Nabopolassar auf den Thron. Sein Nachfolger war sein Sohn Amel-Marduk.

Warum griff Nebukadnezar II. Jerusalem an?

Die Feldzüge folgten auf Widerstand gegen die babylonische Herrschaft vor dem Hintergrund der Rivalität mit Ägypten. Jojakim erwartete ägyptische Unterstützung. Später verweigerte Zedekia 589 v. Chr. die Tributzahlungen.

Fiel Jerusalem 597 oder 587/586 v. Chr.?

Die Daten bezeichnen unterschiedliche Ereignisse. Babylon eroberte Jerusalem 597 v. Chr. Die endgültige Zerstörung der Stadt und weitere Deportationen folgten 587/586 v. Chr.

Hat Nebukadnezar II. die Hängenden Gärten gebaut?

Diese Zuschreibung ist umstritten. Babylonische Königsinschriften enthalten keine Gartenbeschreibung, die sich als monumentale bepflanzte Terrassen erkennen lässt. Eine alternative Theorie verortet die Gärten in Ninive unter Sanherib.

Image: Nebuchadnezzar II bronze step inscription.jpg — Ernest Alfred Wallis Budge (1884), Public domain

Teilen

Einen Fehler in diesem Artikel entdeckt? Sag es uns →

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt. Jede Angabe wurde mit den Quellen abgeglichen; Sätze ohne Quelle wurden nicht veröffentlicht. Wenn Sie einen Fehler finden, schreiben Sie uns. Unsere Quellengrundsätze · Schreib uns →

Ähnliche Artikel