Weltgeschichte

1917: Wahre Geschichte hinter dem Hindenburg-Rückzug

Der deutsche Rückzug zur Hindenburglinie 1917 verkürzte die Front und setzte 13 Divisionen als Reserve frei. Das Unternehmen Alberich brachte außerdem systematische Zerstörungen, Zwangsevakuierungen der Zivilbevölkerung und Sprengfallen mit sich; anschließend folgten Kämpfe bei Arras und Bullecourt.

8 Min. Lesezeit9 QuellenVeröffentlicht: 4 November 2026Zuletzt geprüft: 4 November 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
1917: Wahre Geschichte hinter dem Hindenburg-Rückzug
Aus 2nd Division troops in Bapaume Mar 1917.jpg

Beruht 1917 auf einer wahren Geschichte?

1917 greift Alfred Mendes’ Kriegserinnerungen auf. Schofield, Blake und ihr Auftrag, 1.600 Soldaten zu retten, sind jedoch erfunden. Den realen historischen Hintergrund bildet der deutsche Rückzug zur Hindenburglinie (türkisch: Hindenburg Hattı).

Dieser Rückzug war eine geplante militärische Operation mit dem Decknamen Alberich. Deutsche Truppen gaben ihre Stellungen zwischen Arras und Soissons auf und bezogen stärkere Verteidigungsstellungen. Zugleich zerstörten sie Siedlungen und Infrastruktur in den geräumten Gebieten. Wenn du den Rückzug über Bapaume und Bullecourt verfolgst, erkennst du sowohl seinen militärischen Zweck als auch seine Folgen für die Zivilbevölkerung.

Die zentrale Überlegung war einfach: Eine kürzere Front ließ sich mit weniger Verbänden halten. Der Rückzug setzte 13 deutsche Divisionen als Reserve frei. Betonbefestigungen und tiefe Stacheldrahtgürtel verstärkten die neuen Stellungen. Die Aufgabe von Gelände brachte damit einen militärischen Vorteil, während alliierte Truppen in das geräumte Gebiet vorrückten.

Warum bereitete Deutschland die Hindenburglinie vor?

Nach den verlustreichen alliierten Offensiven von 1916 entschied sich die deutsche Oberste Heeresleitung für eine defensive Strategie für 1917. Erste Planungen für die neue Verteidigungsanlage begannen im September 1916. Im Oktober folgte der Bau der Hauptstellungen der Siegfriedstellung. Dem Rückzug gingen somit Monate der Vorbereitung voraus.

Die Deutschen nannten die Stellungen Siegfriedstellung. Die Alliierten bezeichneten sie nach Paul von Hindenburg als Hindenburglinie. Beide Namen beschreiben dieselbe Verteidigungsanlage aus der Sicht der jeweiligen Kriegspartei. Ihr Kern bestand aus Befestigungen zwischen Cambrai und Saint-Quentin, die sich gegenseitig unterstützen konnten.

Betonunterstände und tiefe Stacheldrahtgürtel verschafften den deutschen Truppen eine stärkere Verteidigungsposition. Die verbauten Mengen zeigen den Umfang der Arbeiten: Mehr als 100.000 Tonnen Zement und 12.500 Tonnen Stacheldraht wurden für die Siegfriedstellung verwendet. Der Rückzug führte in ein eigens zur Verteidigung errichtetes Stellungssystem.

Wie weit zogen sich die deutschen Truppen zurück?

Zwischen Arras und Soissons zogen sich die deutschen Truppen 15–50 Kilometer hinter die Stellungen zurück, die sie am Ende der Sommeschlachten von 1916 gehalten hatten. Die Entfernung war innerhalb dieses Frontabschnitts unterschiedlich. Du musst dir deshalb einen Rückzug über ein breites Gebiet vorstellen. Zwischen den aufgegebenen Stellungen und den neuen Verteidigungsanlagen lagen jeweils unterschiedliche Entfernungen.

Das Deutsche Historische Museum datiert den Beginn des strategischen Rückzugs von vier deutschen Armeen auf Ende Februar 1917. Das National Army Museum setzt den umfassenderen Rückzug zur Hindenburglinie für den Zeitraum vom 23. Februar bis zum 5. April 1917 an. Diese Daten geben dir einen zeitlichen Rahmen für Ereignisse, die sich über mehrere Wochen erstreckten.

Der Rückzug verkürzte die deutsche Front und setzte 13 Divisionen für Reserveaufgaben frei. Er wirkte sich auch auf die Planungen der Alliierten aus. Die Pläne des französischen Oberbefehlshabers Robert Nivelle für eine Frühjahrsoffensive wurden vorübergehend gestört. Die Deutschen hatten die Lage und die Verteidigungsstärke der Stellungen verändert, denen die Alliierten gegenüberstanden.

Was geschah mit den aufgegebenen Orten und Straßen?

Beim Rückzug zerstörten deutsche Truppen Gebäude, Brunnen, Wasserwege, Straßen und Eisenbahnen. Dadurch konnten die Alliierten das geräumte Gebiet schwerer nutzen. Die Einnahme von Gelände bedeutete nicht, dass dort auch eine funktionierende Infrastruktur übernommen wurde. Neben den Siedlungen konnten ebenso die zugehörigen Straßen und die Wasserversorgung zerstört sein.

Ein Vergleich aus dem Alltag verdeutlicht die praktischen Folgen. Wenn du nach Hause kommst und die Wasserversorgung unbrauchbar sowie die Zufahrtsstraße zerstört vorfindest, ist mit dem Erreichen des Gebäudes nur ein Teil deines Problems gelöst. Während des Unternehmens Alberich schufen beschädigte Brunnen und Straßen solche Hindernisse im gesamten aufgegebenen Gebiet.

Dennis Showalter beziffert das systematisch verwüstete Gebiet auf rund 1.500 Quadratkilometer französischen Territoriums. Mehr als 200 Siedlungen wurden vollständig dem Erdboden gleichgemacht. Diese Zahlen beschreiben die Zerstörung eines ausgedehnten Gebiets. Sie gehen weit über Schäden an einer einzelnen Stadt oder einem bestimmten Straßenabschnitt hinaus.

Bapaume liefert ein Beispiel mit genauem Datum. Am 17. März 1917 rückte australische Infanterie in die Stadt ein, nachdem die Deutschen sie weitgehend zerstört hatten. Mit ihrem Einzug wechselte die militärische Kontrolle über den Ort. Die vorrückenden Truppen trafen jedoch weiterhin auf die zerstörten Gebäude.

Was geschah während des Unternehmens Alberich mit der Zivilbevölkerung?

Der deutsche Rückzug ging mit Zwangsevakuierungen einher. Das Deutsche Historische Museum nennt rund 125.000 zwangsweise evakuierte Menschen, die als arbeitsfähig galten. Showalter nennt eine andere Zahl: 140.000 Menschen in dieser Gruppe. Außerdem verzeichnet er die Evakuierung von weiteren 15.000 Kranken, älteren Menschen und Kindern.

Die Unterscheidung zwischen diesen Gruppen ist entscheidend. Showalters zusätzliche 15.000 Menschen sind getrennt von seiner Zahl der als arbeitsfähig eingestuften Personen zu betrachten. Die rund 125.000 des Museums und Showalters 140.000 sind unterschiedliche Schätzungen für dieselbe Gruppe der als arbeitsfähig eingestuften Menschen. Sie dürfen nicht als getrennte Gruppen addiert werden.

Neben Menschen wurden auch Besitztümer fortgeschafft. Während des Unternehmens Alberich kamen 18.000 Güterwagen zum Abtransport beweglichen Eigentums zum Einsatz. Dazu gehörten persönliche Gegenstände und Hausrat. Der Rückzug traf die Menschen damit sowohl durch die Zerstörung ihrer Häuser als auch durch den Abtransport ihres Besitzes.

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Die Baumaterialien zeigen, wie gründlich die neue Stellung vorbereitet worden war. Mehr als 100.000 Tonnen Zement und 12.500 Tonnen Stacheldraht wurden für die Siegfriedstellung verwendet. Diese Mengen machen die Beschreibungen von Betonunterständen und tiefen Drahtverhauen greifbar.

Im aufgegebenen Gebiet lagen außerdem Sprengfallen. Ein auf einem Tisch zurückgelassenes Buch, ein Stück Kohle oder ein Abzeichen, das jemand als Andenken mitnehmen wollte, konnten eine solche Falle auslösen. Alltägliche Gegenstände konnten somit eine Gefahr bergen, die ihrem gewöhnlichen Verwendungszweck nicht anzusehen war.

Für Bapaume lässt sich eine besonders klare Abfolge nachvollziehen. Am 19. März 1917 marschierte die Musikkapelle der 5. australischen Infanteriebrigade spielend auf den zerstörten Stadtplatz. Das geschah zwei Tage nach dem Einmarsch der australischen Infanterie. Musik begleitete die Besetzung eines bereits schwer beschädigten Ortes.

Am 25. März zerstörte eine von den abziehenden Deutschen zurückgelassene Bombe mit Zeitzünder das Rathaus von Bapaume. Die Truppen waren am 17. März in die Stadt eingerückt. Dennoch richtete ein deutscher Sprengsatz dort noch am 25. März Zerstörungen an. Diese Abfolge zeigt, warum das Datum der Besetzung einer Stadt allein nicht das Ende der Gefahr vor Ort markieren kann.

Zeitleiste

  • September 1916: Erste Planungen für die neue deutsche Verteidigungsanlage begannen.
  • Oktober 1916: Der Bau des Verteidigungssystems der Siegfriedstellung begann.
  • Ende Februar 1917: Der strategische Rückzug unter dem Decknamen Alberich begann.
  • 17. März 1917: Australische Infanterie rückte in die weitgehend zerstörte Stadt Bapaume ein.
  • 19. März 1917: Die Musikkapelle der 5. australischen Infanteriebrigade marschierte über den zerstörten Platz von Bapaume.
  • 25. März 1917: Eine Bombe mit Zeitzünder zerstörte das Rathaus von Bapaume.
  • 5. April 1917: Der vom National Army Museum angesetzte Zeitraum des umfassenderen Rückzugs endete.
  • 9. April 1917: Die australischen Operationen gegen die Vorpostendörfer endeten, und die Briten griffen bei Arras an.
  • 11. April 1917: Die Erste Schlacht bei Bullecourt fand statt.
  • 3. Mai 1917: Die Zweite Schlacht bei Bullecourt begann.

Was folgte nach dem Rückzug bei Arras und Bullecourt?

Die australischen Operationen zur Einnahme der Vorpostendörfer vor der Hindenburglinie dauerten bis zum 9. April 1917. Dieses Datum liegt nach dem Ende des umfassenderen Rückzugszeitraums, den das National Army Museum angibt. Die Kämpfe im Vorfeld gingen weiter, während die Alliierten auf die neuen deutschen Stellungen trafen.

Am 9. April griffen die Briten bei Arras an. Sie wollten die weiter südlich geplante französische Offensive unterstützen. Obwohl der Rückzug Nivelles Pläne vorübergehend gestört hatte, fanden die alliierten Offensivoperationen statt. Zu den anschließenden Kämpfen gehörte ein australischer Angriff bei Bullecourt.

Am 11. April griffen die 4. und die 12. Brigade der 4. australischen Division die Hindenburglinie bei Bullecourt an. Noch am selben Tag mussten sie sich zurückziehen. Die australischen Verluste beliefen sich auf insgesamt rund 3.330 Mann, darunter 1.170 Gefangene. Die Zahl der Gefangenen ist in den Gesamtverlusten enthalten.

Ein zweiter Angriff zur Einnahme der Hindenburglinie bei Bullecourt begann am 3. Mai 1917. Die Abfolge vom vorbereiteten Rückzug bis zu diesen Angriffen verdeutlicht die militärische Tragweite des Unternehmens Alberich. Die deutschen Truppen hatten Gelände aufgegeben. Dafür gewannen sie eine kürzere Front, Reservedivisionen und stärkere Stellungen, die anschließend von den Alliierten angegriffen wurden.

FAQ

Warum hieß sie Hindenburglinie?

Die Alliierten benannten sie nach Paul von Hindenburg. Der deutsche Name lautete Siegfriedstellung. Ihre zentralen Befestigungen erstreckten sich zwischen Cambrai und Saint-Quentin.

Wann fand der deutsche Rückzug statt?

Der strategische Rückzug begann Ende Februar 1917. Das National Army Museum datiert den umfassenderen Vorgang auf den Zeitraum vom 23. Februar bis zum 5. April 1917.

Wie viele deutsche Divisionen setzte der Rückzug frei?

Die Verkürzung der Front setzte 13 Divisionen als Reserve frei. Die neuen Stellungen boten außerdem Betonunterstände und tiefe Stacheldrahtgürtel.

Warum ist Bapaume für diese Geschichte wichtig?

Australische Truppen rückten am 17. März 1917 in die weitgehend zerstörte Stadt ein. Am 25. März zerstörte eine deutsche Bombe mit Zeitzünder das Rathaus. Das zeigt, dass Sprengsätze auch nach dem Rückzug gefährlich blieben.

Quellen

  1. Smithsonian Magazine, „Die wahre Geschichte hinter dem Film 1917“ smithsonianmag.com
  2. National Army Museum, „1917: Ein Jahr des Stillstands“ nam.ac.uk
  3. Deutsches Historisches Museum, „Siegfriedstellung“ dhm.de
  4. Dennis Showalter, „Unternehmen Alberich“, 1914-1918-online encyclopedia.1914-1918-online.net
  5. Australian War Memorial, Hindenburglinie awm.gov.au
  6. Australisches Ministerium für Veteranenangelegenheiten, „Schlachten bei Bullecourt“ dva.gov.au
  7. National Army Museum, „Deutsche ziehen sich zur Hindenburglinie zurück“ ww1.nam.ac.uk
  8. Australian Defence Force Academy, wissenschaftliche Abschlussarbeit, Kapitel 4 aif.adfa.edu.au
  9. Anzac Portal, Ministerium für Veteranenangelegenheiten, „1917: Bapaume und Bullecourt“ anzacportal.dva.gov.au

FAQ

Warum zogen sich die Deutschen zur Hindenburglinie zurück?

Nach den verlustreichen alliierten Offensiven von 1916 entschied sich die deutsche Oberste Heeresleitung für eine defensive Strategie. Der Rückzug verkürzte die Front, brachte die Truppen in stärkere Stellungen und setzte 13 Divisionen als Reserve frei.

Wann fand das Unternehmen Alberich statt?

Das Deutsche Historische Museum datiert den Beginn des strategischen Rückzugs auf Ende Februar 1917. Das National Army Museum setzt den umfassenderen Rückzug zur Hindenburglinie für den Zeitraum vom 23. Februar bis zum 5. April 1917 an.

Was geschah während des Rückzugs mit der Zivilbevölkerung?

Zivilpersonen wurden zwangsweise evakuiert. Das Deutsche Historische Museum nennt rund 125.000 Menschen, die als arbeitsfähig galten. Dennis Showalter nennt für diese Gruppe 140.000 Menschen sowie weitere 15.000 evakuierte Kranke, ältere Menschen und Kinder.

Was geschah in der Ersten Schlacht bei Bullecourt?

Die 4. und die 12. Brigade der 4. australischen Division griffen am 11. April 1917 an und zogen sich noch am selben Tag zurück. Die australischen Verluste beliefen sich auf insgesamt rund 3.330 Mann, darunter 1.170 Gefangene.

Image: Aus 2nd Division troops in Bapaume Mar 1917.jpg — Australian official photographer, Public domain

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