Weltgeschichte

Wo liegt Thingvellir? Islands historische Versammlung

Þingvellir liegt nordöstlich von Reykjavík in einem Grabenbruch, in dem Islands Alþing seit etwa 930 zusammenkam. Auf dem Versammlungsgelände sind Spuren provisorischer Unterkünfte und eines öffentlichen Lebens erhalten, das von mündlich vorgetragenen Gesetzen, Gerichten und sommerlichen Zusammenkünften geprägt war.

8 Min. Lesezeit11 QuellenVeröffentlicht: 4 November 2026Zuletzt geprüft: 4 November 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Wo liegt Thingvellir? Islands historische Versammlung
Roca de la Ley, Parque Nacional de Þingvellir, Suðurland, Islandia, 2014-08-16, DD 022.JPG

Þingvellir (türkisch: Þingvellir) liegt im Südwesten Islands, etwa 40 Kilometer nordöstlich von Reykjavík, in der Gemeinde Bláskógabyggð. Hier wurde um 930 Islands allgemeine Versammlung gegründet, das Alþing. Es tagte jeden Sommer unter freiem Himmel. Gesetzgebung und Gerichtsverfahren fanden in einem Tal statt, das sich zugleich mit provisorischen Unterkünften füllte.

Wenn du verstehen möchtest, wie diese Versammlung funktionierte, hilft dir ihr sommerlicher Ablauf. Die Treffen dauerten etwa zwei Wochen. Örtliche Anführer kamen zusammen, um Gesetze zu beschließen und Recht zu sprechen. Auch Bauern, Familien, Handwerker, Geschichtenerzähler und Reisende besuchten das Gelände.

Wo liegt der Nationalpark Þingvellir in Island?

Þingvellir liegt in einem Grabenbruch auf dem Mittelatlantischen Rücken. Hier verläuft die Grenze zwischen der Nordamerikanischen und der Eurasischen Platte. Das historische Versammlungsgelände befindet sich somit in einer Landschaft, die von der Bewegung zweier tektonischer Platten geformt wurde.

Südlich des historischen Versammlungsortes liegt der Þingvallavatn. Der Fluss Öxará bildet in der Felsspalte Almannagjá den Wasserfall Öxarárfoss. Diese Namen helfen dir bei der Orientierung: Im Süden liegt der See, während Fluss und Wasserfall mit der Almannagjá verbunden sind.

Seit der ersten Versammlung hat sich das Tal verändert. Sein Boden ist seit der Gründung des Alþing um ungefähr drei bis vier Meter abgesunken. Der Untergrund unter den erhaltenen Überresten der Versammlungsstätte hat sich also im Laufe ihrer langen Geschichte bewegt.

Was bedeutet Þingvellir und wie spricht man den Namen aus?

Þingvellir bedeutet „Versammlungsebenen“. Der Name verbindet das altnordische þing für Versammlung mit vǫllr für Ebene. Er bezeichnet den Ort nach der Tätigkeit, die Menschen hier zusammenführte.

Die isländische Aussprache lautet [ˈθiŋkˌvɛtlɪr̥]. Der Anfangsbuchstabe Þ klingt wie der erste Laut des englischen Wortes „thirst“.

Wie tagte Islands historische Versammlung hier?

Das Alþing kam seit etwa 930 in Þingvellir zusammen. Seine letzte Versammlung an diesem Ort fand 1798 statt. Die Sommertagungen wurden unter freiem Himmel abgehalten. Etwa zwei Wochen lang beschlossen die Teilnehmer Gesetze und verhandelten Streitfälle.

Mächtige örtliche Anführer, die goðar, kamen zur Gesetzgebung und Rechtsprechung zusammen. Alle freien Männer durften an der Versammlung teilnehmen. Damit waren auch Menschen anwesend, die ihre formelle Arbeit nicht leiteten. Bauern und andere Besucher wurden Teil derselben zeitweiligen Zusammenkunft.

Auch Frauen nahmen teil. Natascha Mehlers Studie von 2015 unterscheidet zwischen ihrer Anwesenheit und ihrer politischen Entscheidungsbefugnis: Frauen waren von den Entscheidungsgremien weitgehend ausgeschlossen. Ein dicht bevölkertes Versammlungsgelände bedeutete also nicht, dass alle Anwesenden dieselbe Rolle bei Entscheidungen hatten.

Denke zum Vergleich an den Unterschied zwischen der Teilnahme an einer Sitzung und dem Recht, dort abzustimmen. In Þingvellir war diese Unterscheidung entscheidend. Familien, Handwerker, Geschichtenerzähler und Reisende konnten sich im Umfeld der Versammlung aufhalten. Ihre formellen Aufgaben lagen jedoch bei bestimmten Amtsträgern und Gremien.

Was geschah am Lögberg, dem Gesetzesfelsen?

Der Lögberg, der Gesetzesfelsen, war während des isländischen Freistaats, ungefähr 930–1262/1264, der Mittelpunkt des Versammlungsgeschehens. Hier wurde die Versammlung eröffnet und geschlossen. Auch Entscheidungen des gesetzgebenden Gremiums, der Lögrétta, sowie Mitteilungen an die weitere Gemeinschaft wurden hier verkündet.

Eine zentrale Rolle als Redner hatte der Gesetzessprecher, der lögsögumaður. Die Lögrétta wählte diesen Amtsträger für drei Jahre. Jeden Sommer trug der Gesetzessprecher am Lögberg ein Drittel der geltenden Gesetze aus dem Gedächtnis vor.

Dieser Ablauf verband die dreijährige Amtszeit mit dem öffentlichen Vortrag der Gesetze. Daran kannst du erkennen, warum der Gesetzessprecher so wichtig war: Das Rechtswissen musste vor der Versammlung ausgesprochen werden. Das Amt verband eine feste Dienstzeit mit der wiederkehrenden Pflicht, die Gesetze laut vorzutragen.

Der genaue Standort des Lögberg ist weiterhin umstritten. Ein vorgeschlagener Ort ist ein Felsvorsprung oberhalb des Hangs Hallurinn, an dem heute der Fahnenmast steht. Ein anderer liegt unterhalb der hohen Felswand der Almannagjá. Keiner der beiden Vorschläge bestimmt seinen genauen Standort mit Sicherheit.

Wie beschloss das Alþing Gesetze und verhandelte Gerichtsverfahren?

Die Lögrétta war das gesetzgebende Gremium des Alþing. Sie verabschiedete neue Gesetze, befasste sich mit Rechtsstreitigkeiten und konnte Ausnahmen von bestehenden Gesetzen gewähren. Während der Lögberg als Ort öffentlicher Verkündungen diente, übernahm die Lögrétta diese gesetzgeberischen Aufgaben.

Nachdem Island um 965 in vier Landesteile gegliedert worden war, hatte das Alþing für jeden Landesteil ein Gericht. Jedes Gericht bestand aus 36 Richtern. Diese regionalen Gerichte gaben den Verfahren eine Struktur, die an die vier Landesteile gebunden war.

Im frühen elften Jahrhundert kam ein weiteres Gericht hinzu. Es war als Fünftes Gericht bekannt und hatte 48 Richter. Es befasste sich mit Fällen, die die anderen Gerichte nicht hatten klären können. Damit ergänzte ein weiteres Gremium die Rechtsprechung der Versammlung.

Wo übernachteten die Besucher der Versammlung?

Die Teilnehmer des Alþing wohnten in provisorischen Unterkünften, den búðir. Ihre Wände bestanden aus Steinen und Rasensoden. Darüber wurden Stoffdächer gespannt. Diese Unterkünfte beherbergten die Teilnehmer während der Sommerversammlung.

In Þingvellir sind Überreste von etwa 50 Versammlungsunterkünften erhalten. Die meisten sichtbaren Überreste stammen aus dem siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert. Wahrscheinlich wurden sie über älteren Bauten errichtet. Die erhaltenen Wände gehören daher nicht alle zu den frühesten Jahrhunderten der Versammlung.

Die Zusammenkunft wirft auch eine historische Frage zum Handel auf. Der Historiker Björn Þorsteinsson bezeichnete Þingvellir 1953 als Islands größten Handelsplatz. Mehlers Untersuchung von 2015 bewertete die Belege dafür als schwach. Sie argumentierte, dass der Handel hauptsächlich den Bedürfnissen der Versammlungsteilnehmer diente.

Welche Orte in Þingvellir helfen dir, seine Geschichte zu verstehen?

Wenn dich die Geschichte interessiert, verbinde bei deinem Besuch die Überreste der Versammlungsunterkünfte mit den vorgeschlagenen Standorten des Lögberg. Die Unterkünfte zeigen, wo die Teilnehmer wohnten. Die Funktion des Gesetzesfelsens erklärt, wo die Versammlung eröffnet und geschlossen wurde und öffentliche Mitteilungen zu hören waren. Sein genauer Standort bleibt dabei umstritten.

Auch die Almannagjá und der Fluss Öxará gehören zur Geschichte des Ortes. Laut Haukdælaþáttur, einem Bericht in der Sturlunga-Sammlung, wurde der Fluss in die Almannagjá umgeleitet. So sollten die Besucher der Versammlung leichter an Wasser gelangen. Der Bericht verbindet die praktischen Bedürfnisse der Zusammenkunft mit ihrer Landschaft.

Der Þingvallavatn südlich des Versammlungsgeländes bietet einen weiteren geografischen Orientierungspunkt. Zusammen mit Almannagjá, Öxará und den Unterkunftsresten hilft er dir, die historische Versammlungsstätte den benannten Orten im Tal zuzuordnen.

Details, die du nicht in Reiseführern findest

Der Gesetzessprecher war der einzige besoldete Amtsträger des isländischen Freistaats. Mit dieser bezahlten Stellung war die Verantwortung verbunden, die Gesetze vorzutragen. Sie nahm im Geschehen am Lögberg einen zentralen Platz ein.

Schlechtes Wetter konnte den Ort des Gesetzesvortrags verändern. Die Rechtssammlung Grágás erlaubte es, die Gesetze bei ungünstigen Bedingungen in der Kirche von Þingvellir vorzutragen. Für diese Aufgabe gab es also eine konkrete Regelung, die einen Innenraum als Ausweichort für die Versammlung unter freiem Himmel vorsah.

1154 wurden Waffen im Bereich der Lögrétta verboten. Bischof Magnús Gizurarson erneuerte das Verbot 1234. Die Einschränkung galt für einen abgegrenzten Teil des Versammlungsgeländes, in dem die Gesetzgebung stattfand.

Welche wichtigen Entscheidungen und Veränderungen gab es in Þingvellir?

Laut der Geschichtsdarstellung des Nationalparks entschied Þorgeir Ljósvetningagoði beim Alþing im Sommer 1000, dass die Isländer das Christentum annehmen sollten. Die Entscheidung erlaubte zugleich, heidnische Kulte im Privaten weiter auszuüben.

Die frühere öffentliche Funktion des Lögberg endete, nachdem Island 1262–1264 die Herrschaft des norwegischen Königs anerkannt hatte. Dennoch fanden auch nach dieser Veränderung weiterhin Versammlungen in Þingvellir statt. Das letzte Alþing an diesem Ort wurde 1798 abgehalten.

Ein 1928 verabschiedetes Schutzgesetz legte fest, dass das geschützte Gebiet für immer Eigentum der isländischen Nation bleiben sollte, unter Aufsicht des Alþing. Der Nationalpark wurde 1930 gegründet. Anlass war der tausendste Jahrestag der Gründung der Versammlung.

Am 17. Juni 1944 wurde in Þingvellir die Republik Island gegründet. Sveinn Björnsson wurde dort zum Präsidenten gewählt. 2004 wurde der Nationalpark Þingvellir nach den Kulturkriterien drei und sechs in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Zeitleiste

  • Um 930: Das Alþing wurde in Þingvellir gegründet.
  • Um 965: Für Islands vier Landesteile wurden regionale Gerichte eingerichtet.
  • Sommer 1000: Laut der Geschichtsdarstellung des Parks entschied Þorgeir Ljósvetningagoði beim Alþing, dass die Isländer das Christentum annehmen sollten.
  • Frühes elftes Jahrhundert: Das Fünfte Gericht wurde für ungeklärte Fälle geschaffen.
  • 1154: Im Bereich der Lögrétta wurden Waffen verboten.
  • 1262–1264: Die Anerkennung der norwegischen Herrschaft beendete die frühere öffentliche Funktion des Lögberg.
  • 1798: Das Alþing tagte zum letzten Mal in Þingvellir.
  • 1928: Ein Gesetz stellte Þingvellir unter Schutz.
  • 1930: Der Nationalpark wurde gegründet.
  • 17. Juni 1944: Die Republik Island wurde in Þingvellir gegründet.
  • 2004: Þingvellir wurde UNESCO-Welterbe.

FAQ

Wo liegt der Nationalpark Þingvellir?

Er liegt in Bláskógabyggð im Südwesten Islands, etwa 40 Kilometer nordöstlich von Reykjavík. Das historische Versammlungsgelände befindet sich in einem Grabenbruch zwischen der Nordamerikanischen und der Eurasischen Platte.

Was bedeutet Þingvellir?

Der Name bedeutet „Versammlungsebenen“. Seine altnordischen Bestandteile sind þing für Versammlung und vǫllr für Ebene.

Wie lange dauerte die Sommerversammlung?

Das Alþing kam jeden Sommer etwa zwei Wochen lang unter freiem Himmel zusammen. Die Teilnehmer wohnten in provisorischen Unterkünften, während Gesetze beschlossen und Streitfälle verhandelt wurden.

Lässt sich der ursprüngliche Gesetzesfelsen sicher bestimmen?

Sein genauer Standort ist weiterhin umstritten. Als mögliche Orte gelten der Felsvorsprung oberhalb von Hallurinn nahe dem heutigen Fahnenmast und eine Stelle unterhalb der hohen Felswand der Almannagjá.

Quellen

  1. Wikipedia — Þingvellir tr.wikipedia.org
  2. Wikipedia — Þingvellir: Name und Aussprache en.wikipedia.org
  3. Nationalpark Þingvellir — Geschichte thingvellir.is
  4. UNESCO — Nationalpark Þingvellir whc.unesco.org
  5. Isländisches Parlament — Althingi althingi.is
  6. Natascha Mehler — Þingvellir: Ein Versammlungsort und ein Markt? eaglehill.us
  7. UNESCO — Þingvellir: Nominierungsdossier und ICOMOS-Bewertung whc.unesco.org
  8. Nationalpark Þingvellir — Þinghelgin thingvellir.is
  9. Nationalpark Þingvellir — Lögberg thingvellir.is
  10. Nationalpark Þingvellir — Kristnitaka thingvellir.is
  11. Nationalpark Þingvellir — Stórhátíðir thingvellir.is

FAQ

Wo liegt der Nationalpark Þingvellir in Island?

Þingvellir liegt in der Gemeinde Bláskógabyggð im Südwesten Islands, etwa 40 Kilometer nordöstlich von Reykjavík. Das Gebiet befindet sich in einem Grabenbruch an der Grenze zwischen der Nordamerikanischen und der Eurasischen Platte.

Was bedeutet Þingvellir und wie spricht man den Namen aus?

Der Name bedeutet „Versammlungsebenen“. Er setzt sich aus den altnordischen Wörtern þing für Versammlung und vǫllr für Ebene zusammen. Die isländische Aussprache lautet [ˈθiŋkˌvɛtlɪr̥]. Das Þ klingt wie der Anfangslaut des englischen Wortes „thirst“.

Wie tagte Islands historische Versammlung in Þingvellir?

Das Alþing kam jeden Sommer etwa zwei Wochen lang unter freiem Himmel zusammen. Die Teilnehmer wohnten in provisorischen Unterkünften. Währenddessen beschloss die Versammlung Gesetze, verhandelte Streitfälle und verkündete Entscheidungen.

Wo lag der Gesetzesfelsen in Þingvellir?

Sein genauer Standort ist weiterhin umstritten. Als mögliche Orte gelten ein Felsvorsprung oberhalb des Hangs Hallurinn, an dem heute der Fahnenmast steht, und eine Stelle unterhalb der hohen Felswand der Almannagjá.

Image: Roca de la Ley, Parque Nacional de Þingvellir, Suðurland, Islandia, 2014-08-16, DD 022.JPG — Diego Delso, CC BY-SA 4.0

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