Wer war Omar al-Mukhtar?
Omar al-Mukhtar war Koranlehrer und ein Anführer der Senussi-Bewegung. Er leitete den Widerstand gegen die italienische Kolonialherrschaft in der Kyrenaika im Osten Libyens. Sein wichtigstes Kampfgebiet war die Bergregion Dschabal al-Achdar. Bekannt wurde er als Löwe der Wüste und als Scheich der Märtyrer. Sein Widerstand endete mit seiner Gefangennahme und Hinrichtung im September 1931.
Wenn du ihn unter dem Namen Ömer Muhtar kennst, ist dir die türkische Form seines Namens begegnet. Der arabische Beiname Asad al-Sahra bedeutet Löwe der Wüste. Dahinter steht ein Leben, das religiöse Ausbildung, Lehrtätigkeit und bewaffneten Widerstand verband. Seine Arbeit als Koranlehrer gehört ebenso zu seiner Biografie wie seine militärische Führung.
Wo wurde Omar al-Mukhtar geboren?
Die TDV İslâm Ansiklopedisi nennt Butnan im Bezirk Defne in der Kyrenaika als seinen Geburtsort. Er gehörte zur Familie Gays aus dem Stamm der Menife. Seine Herkunft lag damit in jener Region, in der er später den Widerstand anführen sollte.
Sein Geburtsjahr ist umstritten. Die englische Wikipedia nennt 1858, Museum With No Frontiers 1861 und die TDV İslâm Ansiklopedisi 1862. Wenn du auf unterschiedliche Altersangaben stößt, erklären diese abweichenden Jahreszahlen den Widerspruch. Wie alt er bei seinem Tod genau war, hängt davon ab, welches Geburtsjahr eine Darstellung zugrunde legt.
Nach dem Tod seines Vaters wuchs Mukhtar unter dem Schutz von Hüseyin el-Garyani auf, dem Scheich der Zenzur-Zawiya. Später erhielt er acht Jahre lang eine religiöse Ausbildung im Senussi-Zentrum in Dschaghbub. Er war durch seine Erziehung und Ausbildung also schon mit den Einrichtungen der Senussi verbunden, bevor er den Widerstand gegen die italienische Herrschaft anführte.
War Omar al-Mukhtar Schiit?
Mukhtar gehörte der Senussi-Bewegung innerhalb der sunnitischen Tradition des Islams an. Zu seiner religiösen Ausbildung gehörten acht Jahre in Dschaghbub. Beruflich unterrichtete er den Koran. Die Antwort auf die Frage nach seiner Glaubensrichtung lautet daher: Er war Sunnit.
Denk an eine Lehrkraft, die du mit Unterricht und Lernen verbindest. Auch Mukhtar war Lehrer, genauer gesagt Koranlehrer. Diese konkrete Tätigkeit hilft dir, den Menschen hinter dem militärischen Beinamen zu sehen. Der Mann, der für die Führung von Überfällen bekannt wurde, war beruflich in der religiösen Unterweisung verwurzelt.
Seine Verbindungen zu den Senussi spielten auch im Widerstand eine Rolle. Laut Museum With No Frontiers trugen die Unterstützung der Bevölkerung und finanzielle Hilfen der Senussi-Organisation seinen Kampf. Religiöse Zugehörigkeit, organisatorische Unterstützung und Führungsaufgaben greifen in der Geschichte seines Widerstands somit ineinander.
Wie kämpfte Omar al-Mukhtar gegen die italienische Kolonialherrschaft?
1911 stellte Mukhtar eine Truppe von etwa 1.000 Männern aus dem Stamm der Ubeyd auf. Mit ihnen beteiligte er sich am Kampf gegen die italienische Invasion. Er kämpfte also bereits vor seiner späteren Ernennung zum Anführer des Widerstands. Sein Einsatz dauerte über den Abzug der osmanischen Truppen und Wechsel in der Führung des Widerstands hinweg an.
Nach dem Vertrag von Ouchy (Uşi) von 1912 zogen sich die osmanischen Truppen zurück. Mukhtar setzte den Widerstand in der Kyrenaika fort. Wenn du die Verbindung zur osmanischen Geschichte verfolgst, ist diese Unterscheidung entscheidend: Der Abzug der osmanischen Truppen beendete seinen bewaffneten Kampf im Osten Libyens nicht.
Der Dschabal al-Achdar war sein wichtigstes Operationsgebiet. Seine Kämpfer überfielen italienische Außenposten, legten Truppen Hinterhalte und unterbrachen Nachschub- und Kommunikationsverbindungen. So sah die praktische Arbeit des Widerstands aus. Die Angriffe richteten sich gegen militärische Stellungen, Truppenbewegungen und die Verbindungen, über die die Truppen versorgt wurden.
1923 beauftragte der Senussi-Anführer Muhammad Idris Mukhtar mit der Leitung des antikolonialen Widerstands in Libyen. Museum With No Frontiers beschreibt die Unterstützung, die ihm die Fortsetzung des Kampfes ermöglichte. Seine Führung beruhte sowohl auf dem Rückhalt in der Bevölkerung als auch auf finanzieller Hilfe der Senussi-Organisation.
Die italienischen Behörden versuchten, seine Verbindungen zur Bevölkerung zu kappen. Sie deportierten einen Teil der Bevölkerung des Dschabal al-Achdar in Konzentrationslager an der Küste. Diese Politik zielte unmittelbar auf die Verbindung zwischen dem Widerstand und seinen Unterstützern. Die Lager gehören ebenso zur Geschichte seines Kampfes wie die Überfälle und Hinterhalte.
Auch Verhandlungen waren Teil dieser Geschichte. Ende Oktober 1929 verwarf Mukhtar die mit Pietro Badoglio erzielte Verständigung und nahm den bewaffneten Widerstand wieder auf. Seine letzten Lebensjahre umfassten damit sowohl den Versuch einer Einigung als auch erneute Kämpfe.
Was verbindet seine Geschichte mit der Türkei?
Der Abzug nach dem Vertrag von Ouchy verbindet Mukhtars Biografie unmittelbar mit der osmanischen Geschichte. Er setzte seinen Widerstand fort, nachdem die osmanischen Truppen 1912 abgezogen waren. An dieser Abfolge kannst du die osmanische Militärpräsenz von dem fortdauernden Kampf unterscheiden, den er in der Kyrenaika anführte.
TRT Haber unterscheidet Mukhtar außerdem von einem anderen Vertreter der Senussi: Ahmed Şerif. Ahmed Şerif schloss sich in Anatolien dem Nationalen Befreiungskampf an der Seite von Mustafa Kemal an. Mukhtar kämpfte weiter gegen die Italiener in Libyen. Es handelte sich um unterschiedliche Personen, die an verschiedenen Fronten tätig waren.
Wie starb Omar al-Mukhtar?
Omar al-Mukhtar wurde am 16. September 1931 im Konzentrationslager Suluk südlich von Bengasi gehängt. Zuvor war er im selben September bei Kämpfen nahe Slonta verwundet und von italienischen Truppen gefangen genommen worden. Seine Gefangennahme auf dem Schlachtfeld und seine Hinrichtung waren getrennte Ereignisse.
Sein Prozess fand am 15. September 1931 im Parlamentsgebäude der Kyrenaika in Bengasi statt. Nach der von Libyan Heritage House wiedergegebenen Gerichtsdarstellung erklärte Mukhtar, dass auch Angriffe, an denen er nicht persönlich teilgenommen hatte, auf seinen Befehl erfolgt seien. Die Darstellung hält fest, dass er seine Verantwortung als Befehlshaber anerkannte.
Die Hinrichtung folgte am nächsten Tag. Libyan Heritage House berichtet, dass etwa 20.000 gefangene Libyer gezwungen wurden, zuzusehen. Suluk war damit sowohl der Ort seiner Hinrichtung als auch der Ort, an dem Tausende Gefangene seinen Tod mitansehen mussten.
Wo ist Omar al-Mukhtar begraben?
Mukhtars Bestattungsgeschichte umfasst mehrere Orte. Laut dem Mausoleumsdirektor Faraj Najem wurde er auf Grazianis Befehl zunächst in einem nicht gekennzeichneten Grab in Bengasi beigesetzt. Diese Darstellung bezieht sich auf die Bestattung unmittelbar nach seiner Hinrichtung.
1960 wurden seine sterblichen Überreste in ein Mausoleum in Bengasi umgebettet. Am 16. September 1981 wurden sie nach Suluk überführt. Wenn du seinen Grabstätten nachgehst, halte diese Umbettungen von der Hinrichtung auseinander: Er wurde in Suluk gehängt, zunächst in Bengasi bestattet und später nach Suluk überführt.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
1895 reiste Mukhtar mit Mahdi al-Senussi von Dschaghbub in das Dorf Tadsch in Kufra. Diese Reise gehört zu seinem Leben innerhalb der Senussi-Bewegung vor der italienischen Invasion von 1911. Sie ergänzt eine oft auf seine letzten Feldzüge konzentrierte Biografie um eine konkrete Route und ein Datum.
Auch seine Kampferfahrung reichte in die Zeit vor der italienischen Besetzung Libyens zurück. Er nahm an Feldzügen gegen die französische Expansion im Tschad teil. Seine militärische Biografie ging damit über die Auseinandersetzung mit italienischen Truppen im Dschabal al-Achdar hinaus.
Nach seiner Gefangennahme wurde er an Bord des italienischen Zerstörers Vincenzo Giordano Orsini von Bardia nach Bengasi gebracht. Diese Überstellung fand vor seinem Prozess statt. Das Schiff verbindet die Geschichte seiner Gefangenschaft mit dem Gerichtsverfahren in Bengasi.
Zeitleiste
- 1858 / 1861 / 1862: Unterschiedliche Angaben zu seinem Geburtsjahr im Osten Libyens.
- 1895: Reise mit Mahdi al-Senussi nach Tadsch in Kufra.
- 1911: Beteiligung am Widerstand gegen die italienische Invasion mit etwa 1.000 Männern aus dem Stamm der Ubeyd.
- 1912: Fortsetzung des Widerstands nach dem Abzug der osmanischen Truppen infolge des Vertrags von Ouchy.
- 1923: Muhammad Idris ernennt ihn zum Anführer des Widerstands.
- Ende Oktober 1929: Verwerfung der Verständigung mit Badoglio und Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes.
- September 1931: Verwundung und Gefangennahme nahe Slonta.
- 15. September 1931: Prozess in Bengasi.
- 16. September 1931: Hinrichtung durch den Strang im Konzentrationslager Suluk.
- 1960: Umbettung seiner sterblichen Überreste in ein Mausoleum in Bengasi.
- 16. September 1981: Überführung seiner sterblichen Überreste nach Suluk.
Der Film über Omar al-Mukhtar: Löwe der Wüste
Im Film Omar Mukhtar – Löwe der Wüste (Lion of the Desert) von 1981 verkörperte Anthony Quinn Omar al-Mukhtar während der letzten Jahre seines Kampfes gegen die Truppen von Rodolfo Graziani.
FAQ
Was machte Omar al-Mukhtar, bevor er den Widerstand anführte?
Er arbeitete als Koranlehrer. Zu seiner religiösen Ausbildung gehörten acht Jahre im Senussi-Zentrum in Dschaghbub. Vor der italienischen Besetzung Libyens nahm er außerdem an Feldzügen gegen die französische Expansion im Tschad teil.
Wurde er bei seiner Gefangennahme getötet?
Nein. Er wurde im September 1931 nahe Slonta verwundet und gefangen genommen. Anschließend wurde er am 15. September in Bengasi vor Gericht gestellt und am folgenden Tag in Suluk durch den Strang hingerichtet.
Was sagte er über die Verantwortung für Angriffe?
Nach der von Libyan Heritage House wiedergegebenen Gerichtsdarstellung erkannte er an, dass auch Angriffe in seiner Abwesenheit auf seinen Befehl erfolgt waren. Dies ist eine sinngemäße Wiedergabe der überlieferten Gerichtsdarstellung.
Warum nennen Darstellungen unterschiedliche Geburtsjahre?
Die zitierten Nachschlagewerke datieren seine Geburt unterschiedlich. Die englische Wikipedia nennt 1858, Museum With No Frontiers 1861 und die TDV İslâm Ansiklopedisi 1862.
Quellen
- Museum With No Frontiers — Omar al-Mukhtar sharinghistory.museumwnf.org
- TDV İslâm Ansiklopedisi — ÖMER el-MUHTÂR islamansiklopedisi.org.tr
- Englische Wikipedia — Omar al-Mukhtar en.wikipedia.org
- Libyan Heritage House — Der Prozess gegen Omar al-Mukhtar libyanheritagehouse.org
- Libyan Heritage House — Die Hinrichtung von Omar al-Mukhtar libyanheritagehouse.org
- Libyan Heritage House — Die Bestattung von Omar al-Mukhtar libyanheritagehouse.org
- TRT Haber — Seit der Hinrichtung des Löwen der Wüste sind 90 Jahre vergangen trthaber.com
FAQ
Wo wurde Omar al-Mukhtar geboren?
Die TDV İslâm Ansiklopedisi nennt Butnan im Bezirk Defne in der Kyrenaika im Osten Libyens als seinen Geburtsort. Die Quellen nennen unterschiedliche Geburtsjahre: 1858, 1861 und 1862.
Wie starb Omar al-Mukhtar?
Er wurde am 16. September 1931 im Konzentrationslager Suluk südlich von Bengasi durch den Strang hingerichtet.
War Omar al-Mukhtar Schiit?
Er gehörte der Senussi-Bewegung an, die in der sunnitischen Tradition des Islams steht.
Wo ist Omar al-Mukhtar begraben?
Seine sterblichen Überreste wurden am 16. September 1981 nach Suluk überführt. Zuvor waren sie 1960 in ein Mausoleum in Bengasi umgebettet worden.
Image: Birthplace of Omar Mukhtar – panoramio.jpg — Mujaddara, CC BY-SA 3.0






