Der Friede von Karlowitz (Karlofça) wurde am 26. Januar 1699 während der Herrschaft des osmanischen Sultans Mustafa II. unterzeichnet. Er brachte Frieden zwischen dem Osmanischen Reich und den österreichischen Habsburgern, Venedig (Venedik) sowie Polen-Litauen (Lehistan-Litvanya). Seine Gebietsregelungen verschoben das Kräfteverhältnis in Mitteleuropa zugunsten der Habsburger.
Wenn du dich vor einer Reise in die Türkei (Türkiye) mit osmanischer Geschichte beschäftigst, bietet dir Karlowitz einen klaren Orientierungspunkt. Das Reich akzeptierte umfangreiche Verluste in Europa. Dazu gehörte das Ende seiner Herrschaft über den größten Teil des osmanischen Ungarns (Macaristan) und über Siebenbürgen (Erdel). Es behielt jedoch Belgrad, das Banat von Temeswar (Temeşvar) und die Oberhoheit über die Walachei (Eflak) und die Moldau (Boğdan).
Was war der Friede von Karlowitz von 1699?
Der Friede von Karlowitz beendete rund sechzehn Jahre Krieg an mehreren Fronten. Dieser Konflikt hatte 1683 mit der erfolglosen osmanischen Belagerung Wiens (Viyana) begonnen. Bis 1699 hatten militärische Niederlagen und die Belastungen durch die Versorgung der Heere einen Friedensschluss für die Osmanen dringlich gemacht.
Die Friedensregelung ist nach dem Verhandlungsort benannt. Karlowitz heißt heute Sremski Karlovci und liegt in der serbischen Region Vojvodina (Voyvodina). Der Ortsname verbindet damit einen Wendepunkt osmanischer Diplomatie mit einer Stadt außerhalb der heutigen Türkei.
Die einzelnen Vereinbarungen müssen voneinander unterschieden werden. Der osmanisch-habsburgische Frieden war auf fünfundzwanzig Jahre angelegt. Russland (Rusya) schloss in Karlowitz lediglich einen zweijährigen Waffenstillstand. Der endgültige Frieden mit dem Osmanischen Reich blieb einer späteren Vereinbarung vorbehalten.
Warum akzeptierte das Osmanische Reich den Frieden?
Die osmanische Niederlage bei Zenta am 11. September 1697 war ein wesentlicher militärischer Grund dafür, dass Mustafa II. Verhandlungen zustimmte. Sie ereignete sich gegen Ende des langen Krieges, der auf die gescheiterte Belagerung Wiens gefolgt war. Die Niederlage trug dazu bei, den Sultan zu einer Verhandlungslösung zu bewegen.
Großwesir Amcazâde Hüseyin Pascha überzeugte Mustafa II., Friedensgespräche zu akzeptieren. Sein Argument betraf die konkreten Kriegslasten. Er verwies auf außerordentliche Steuern, verlassene Dörfer und Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Soldaten und Munition.
Diese Belastungen verbinden Karlowitz mit dem Alltag der Bevölkerung. Außerordentliche Steuern und verödete Dörfer gehörten zu den Gründen für ein Ende des Krieges. Wenn du bei Verträgen vor allem an Herrscher und Heere denkst, erweitert Hüseyin Paschas Argumentation deinen Blick: Auch die Haushalte und die Anforderungen der Heeresversorgung gehören dazu.
Auch Österreich (Avusturya) hatte einen Grund, Frieden zu suchen. Der erwartete Konflikt mit Frankreich (Fransa) um die spanische Thronfolge beeinflusste seine Entscheidung. Die Friedensregelung spiegelte somit den Druck auf beide Seiten wider. Die territorialen Ergebnisse begünstigten allerdings die Habsburger.
Wer verhandelte den Frieden von Karlowitz?
Das Osmanische Reich wurde durch Râmi Mehmed Efendi, den Reisülküttap, und Alexandros Mavrokordatos (Aleksandros Mavrokordatos), den obersten Dolmetscher des Reichsrats, vertreten. Damit standen osmanische Diplomaten im Zentrum der Verhandlungen unter Mustafa II.
Der englische Botschafter William Paget und der niederländische Botschafter Jacobus Colyer vermittelten zwischen den Parteien. Die Einleitung des osmanisch-habsburgischen Vertrags nannte die Vermittler und bevollmächtigten Vertreter. Anschließend folgten die zwanzig Vertragsartikel.
Die Verhandlungen orientierten sich am Grundsatz des uti possidetis. In diesem Zusammenhang bedeutete er, dass die Parteien ihre eroberten Gebiete behalten sollten. Der militärische Besitzstand bildete damit eine Grundlage für die Gespräche über die Gebietsregelung.
Was regelte der Friede von Karlowitz?
Die größte Veränderung betraf das osmanische Ungarn und Siebenbürgen. Dort endete die osmanische Herrschaft zugunsten der Habsburger. Das Banat und Temeswar waren von den ungarischen Gebietsverlusten ausgenommen. Damit entstand eine habsburgische Vormachtstellung in weiten Teilen des Gebiets, das dieser Teil der Friedensregelung umfasste.
Polen-Litauen erhielt Podolien (Podolya) und die Festung Kamjanez-Podilskyj (Kamaniçe) zurück. Im Gegenzug für die Rückgabe Podoliens gab es die Festungen zurück, die es in der Moldau besetzt hatte. Die polnisch-litauischen Vertragsbedingungen umfassten somit sowohl die Rückgewinnung von Gebieten als auch die Rückgabe besetzter Stellungen.
Venedig behielt die Halbinsel Morea (Mora) und beträchtliche Gebietsgewinne in Dalmatien (Dalmaçya). Diese Bestimmungen bildeten einen weiteren Teil des umfassenden Friedens, neben den Regelungen zu Ungarn, Siebenbürgen und Podolien.
Das Osmanische Reich behielt dennoch wichtige Besitzungen und Herrschaftsbeziehungen in Europa. Belgrad und das Banat von Temeswar blieben unter osmanischer Kontrolle. Auch die osmanische Oberhoheit über die Walachei und die Moldau bestand fort. Diese verbliebenen Gebiete sind wichtig, um das Ausmaß der Verluste einzuordnen.
Karlowitz markierte einen Wendepunkt, weil das Osmanische Reich große Gebietsverluste in Europa akzeptierte. Die Gewinne in Ungarn und Siebenbürgen veränderten das Kräfteverhältnis in Mitteleuropa zugunsten der Habsburger. Darin liegt die zentrale Bedeutung des Friedens für die osmanische Macht in der Region.
Karte zum Frieden von Karlowitz: So liest du die Veränderungen
Wenn du eine Karte zum Frieden von Karlowitz betrachtest, beginne mit Ungarn und Siebenbürgen. Achte auf den Übergang unter habsburgische Kontrolle. Prüfe dann, ob das Banat und Temeswar von dieser Übertragung ausgenommen bleiben. Diese Ausnahmen sind entscheidend, um die durch den Frieden entstandene Grenze zu verstehen.
Suche als Nächstes Podolien und Kamjanez-Podilskyj, die an Polen-Litauen zurückgingen. Betrachte danach die Morea und die venezianischen Gebietsgewinne in Dalmatien. Wenn du diese Räume einzeln durchgehst, kannst du die verschiedenen Gebietsvereinbarungen des Friedens von Karlowitz nachvollziehen.
Prüfe abschließend Belgrad, die Walachei und die Moldau. Die Osmanen behielten Belgrad und ihre Oberhoheit über die beiden Fürstentümer. Eine Karte, die diese Unterschiede sichtbar macht, vermittelt ein vollständigeres Bild der Friedensregelung als die Gebietsverluste allein.
Die neue osmanisch-habsburgische Grenze erforderte auch Arbeiten vor Ort. Luigi Ferdinando Marsili beriet bei der Festlegung von rund 850 Kilometern Grenze. Die Vermessung und Kartierung dauerten von 1699 bis 1701.
Zeitleiste
- 1683: Mit der erfolglosen osmanischen Belagerung Wiens begann die Phase des Krieges an mehreren Fronten, die zum Frieden von Karlowitz führte.
- 11. September 1697: Das osmanische Heer erlitt bei Zenta eine Niederlage.
- 24. Januar 1699: Das Osmanische Reich und Russland vereinbarten einen zweijährigen Waffenstillstand.
- 26. Januar 1699: Die Friedensverträge von Karlowitz wurden unterzeichnet.
- 1699–1701: Die osmanisch-habsburgische Grenze wurde vermessen und kartiert.
- 14. Juli 1700: Der Vertrag von Istanbul stellte den osmanisch-russischen Frieden her und regelte die Abtretung Asows (Azak) an Russland endgültig.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
Der osmanisch-habsburgische Vertrag regelte auch den Fischfang und das Tränken von Tieren. Er gewährte den Untertanen beider Reiche dafür die gemeinsame Nutzung der Flüsse Mieresch (Moroş) und Theiß (Tisa). Die Vereinbarung erfasste damit Tätigkeiten des Alltags entlang der Grenze.
Der zweite Artikel verbot es, Wasser aus Mieresch und Theiß für Mühlen abzuleiten. Damit sollte die Schifffahrt geschützt werden. Die Nutzung der Flüsse musste sowohl die Durchfahrt von Schiffen als auch andere Bedürfnisse berücksichtigen. Die praktischen Bestimmungen des Vertrags gingen somit über die Verteilung von Gebieten hinaus.
Marsilis österreichische Grenzkommission vermaß und kartierte zwischen 1699 und 1701 das Land auf beiden Seiten der vereinbarten Grenze. Ihre Arbeit erfasste auf jeder Seite einen Streifen von zwei Gehstunden Breite. Die Grenzfestlegung bezog damit auch die umgebende Landschaft ein.
Auch die Verhandlungen selbst waren umfangreich. Die TDV İslâm Ansiklopedisi verzeichnet sechsunddreißig Sitzungen innerhalb von zweiundsiebzig Tagen. Das Unterzeichnungsdatum markiert den Abschluss dieses anhaltenden Verhandlungsprozesses.
Vertragstext und PDF zum Frieden von Karlowitz finden
Den Vertragstext kannst du als osmanisch-habsburgische Vereinbarung bei Documents de droit international lesen. Die Einleitung nennt die Vermittler und bevollmächtigten Vertreter. Es folgen zwanzig Artikel, darunter die Bestimmungen zur Flussnutzung in Artikel 2.
Wenn du mit der Suche nach „Friede von Karlowitz PDF“ beginnst, nutze den osmanisch-habsburgischen Text mit seinen zwanzig Artikeln als Bezugspunkt. Die Laufzeit von fünfundzwanzig Jahren gehört zu diesem Frieden. Die russische Vereinbarung von Karlowitz war ein gesonderter zweijähriger Waffenstillstand. Auf ihn folgte 1700 der Vertrag von Istanbul.
FAQ
Wann wurde der Friede von Karlowitz geschlossen?
Die Friedensverträge von Karlowitz wurden am 26. Januar 1699 während der Herrschaft Mustafas II. unterzeichnet.
Wer schloss den Frieden von Karlowitz?
An der Friedensregelung waren das Osmanische Reich, die österreichischen Habsburger, Venedig und Polen-Litauen beteiligt. Russland vereinbarte am 24. Januar 1699 einen gesonderten zweijährigen Waffenstillstand.
Was regelte der Friede von Karlowitz?
Er bestätigte umfangreiche osmanische Verluste in Europa. Die Habsburger gewannen Gebiete in Ungarn und Siebenbürgen. Polen-Litauen erhielt Podolien und Kamjanez-Podilskyj zurück. Venedig behielt die Morea und beträchtliche Gebietsgewinne in Dalmatien.
Wo liegt Karlowitz heute?
Die Stadt heißt heute Sremski Karlovci. Sie liegt in der Region Vojvodina in Serbien.
Erhielt Russland durch den Frieden von Karlowitz Asow?
Die Abtretung Asows wurde durch den Vertrag von Istanbul vom 14. Juli 1700 endgültig geregelt. In Karlowitz hatten das Osmanische Reich und Russland lediglich einen zweijährigen Waffenstillstand vereinbart.
Quellen
- Vikipedi — Friede von Karlowitz tr.wikipedia.org
- Wikipedia — Friede von Karlowitz en.wikipedia.org
- TDV İslâm Ansiklopedisi — Karlowitz islamansiklopedisi.org.tr
- Documents de droit international — Vertrag von Karlowitz, 26. Januar 1699 documentsdedroitinternational.fr
- Edward Worth Library — Die Grenze markieren danube.edwardworthlibrary.ie
FAQ
Wann wurde der Friede von Karlowitz geschlossen?
Die Friedensverträge von Karlowitz wurden am 26. Januar 1699 während der Herrschaft des osmanischen Sultans Mustafa II. unterzeichnet.
Wer schloss den Frieden von Karlowitz?
An der Friedensregelung waren das Osmanische Reich, die österreichischen Habsburger, Venedig und Polen-Litauen beteiligt. Russland vereinbarte am 24. Januar 1699 einen gesonderten zweijährigen Waffenstillstand mit den Osmanen.
Was regelte der Friede von Karlowitz?
Er bestätigte umfangreiche osmanische Gebietsverluste in Europa. Die osmanische Herrschaft über Ungarn, mit Ausnahme des Banats und Temeswars, sowie über Siebenbürgen endete zugunsten der Habsburger. Polen-Litauen erhielt Podolien und Kamjanez-Podilskyj zurück. Venedig behielt die Morea und beträchtliche Gebietsgewinne in Dalmatien.
Wo liegt Karlowitz heute?
Karlowitz heißt heute Sremski Karlovci. Die Stadt liegt in der Region Vojvodina in Serbien.
Erhielt Russland durch den Frieden von Karlowitz Asow?
Die osmanisch-russische Vereinbarung von Karlowitz war ein zweijähriger Waffenstillstand. Die Abtretung Asows an Russland wurde durch den Vertrag von Istanbul vom 14. Juli 1700 endgültig geregelt.
Image: Negotiation of the peace of Karlowitz.jpg — unknown person from Low Countries, Public domain






