Antike Welt · MÖ 3200 – MS 476

Mechanismus von Antikythera: Der 2.000 Jahre alte Computer

Der Mechanismus von Antikythera ist ein handbetriebenes Gerät mit Bronzezahnrädern aus der hellenistischen Welt, das Kalenderzyklen abbildete und Finsternisse vorhersagte; heute werden seine 82 Fragmente in Athen aufbewahrt. Hier erfährst du alles über sein Alter, seine Entdeckung, seinen Zweck, offene Forschungsfragen sowie heute verfügbare funktionsfähige Nachbauten, 3D-Druck-Modelle und Bausätze.

7 Min. Lesezeit17 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Mechanismus von Antikythera: Der 2.000 Jahre alte Computer
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Suchst du nach einem „2.000 Jahre alten Computer“, landest du bei einem Klumpen korrodierter Bronze in Athen. Der Mechanismus von Antikythera ist ein handbetriebenes Gerät aus der hellenistischen Welt. Seine Zahnräder berechneten Himmelsereignisse. Er gilt als ältester bekannter mechanischer Rechner. Hier findest du Antworten auf die Fragen, die Menschen tatsächlich bei Google eingeben: Wozu diente er? Wie alt ist er? Wo wurde er gefunden? Und wo befindet er sich heute?

Wozu diente der Mechanismus von Antikythera?

Das Gerät bildete den Himmel ab. Du setztest es von Hand in Bewegung. Zahnräder im Inneren übertrugen diese Bewegung auf Zeiger an der Vorder- und Rückseite. Die Zeiger stellten astronomische Zyklen dar.

Zwei Anzeigen auf der Rückseite zeigen, wofür das Gerät gebaut wurde. Die obere folgte dem Metonischen Zyklus. Dabei entsprechen 19 Jahre etwa 235 Mondmonaten. Die Anzeige verlief auf einer Spirale mit fünf Windungen. Die untere Anzeige folgte dem Saroszyklus von 223 Mondmonaten zur Vorhersage von Finsternissen. Ihre Spirale hatte vier Windungen.

Die Sarosanzeige trug Markierungen. Sie verrieten dem Nutzer, ob eine mögliche Finsternis die Sonne oder den Mond betraf. Außerdem nannten sie die vorhergesagte Stunde. Eine Hilfsanzeige namens Exeligmos nutzte einen Zeitraum von etwa 54 Jahren. Das entspricht drei Saroszyklen. Damit ließen sich die angegebenen Finsternisstunden korrigieren. Das Gerät sollte Vorhersagen liefern und diente nicht als Dekoration.

Wie alt ist der Mechanismus von Antikythera?

Das griechische Kulturministerium datiert den Mechanismus auf etwa 150–100 v. Chr. Rechnest du bis 2026 weiter, ergibt sich ein Alter von rund 2.125 bis 2.175 Jahren. Die Bezeichnung „2.000 Jahre alter Computer“ macht ihn also um mehr als ein Jahrhundert jünger.

Das Schiff, das ihn transportierte, sank später. Das Institute for the Study of the Ancient World der New York University datiert den Untergang vor Antikythera auf kurz nach 70 v. Chr. Das Gerät war also bereits Jahrzehnte alt, als es auf den Meeresgrund sank.

Wo wurde der Mechanismus von Antikythera gefunden?

Antikythera ist eine griechische Insel zwischen Kreta und der Peloponnes. Das Wrack wurde 1900 entdeckt. Im Jahr 1901 bargen griechische Schwammtaucher die Teile des Mechanismus aus dem Meer.

Wo befindet sich der Mechanismus von Antikythera heute?

Die Originalfragmente befinden sich im Archäologischen Nationalmuseum in Athen. Die Inventarnummer lautet X 15087. Erhalten sind 82 Fragmente und 30 Bronzezahnräder. Wenn du das Museum besuchst, erwarte keine vollständige Maschine. Du siehst korrodierte Stücke mit Zahnradzähnen und Schriftspuren.

Die ursprünglichen Maße sind nicht sicher bekannt. Das Kulturministerium geht von einem Holzgehäuse mit etwa 33 × 18 × 10 Zentimetern aus. Seine Grundfläche entsprach damit ungefähr der eines gebundenen Buches. Es fand also bequem auf einem Tisch Platz.

Wie die Zahnräder funktionierten

Die Mathematik steckte in der Zahl der Zähne. Diomidis Spinellis erklärt das am Zahnradpaar b2–c1: Ein Rad hat 64 Zähne, das andere 38. Ihr Übersetzungsverhältnis bestimmt die mechanische Berechnung. Beim Fahrrad funktioniert es genauso. Treibt ein großes Kettenblatt ein kleines hinteres Ritzel an, dreht sich das Rad schneller, als deine Füße die Pedale bewegen. Die Erbauer des Mechanismus von Antikythera schalteten solche Übersetzungen hintereinander. So erzeugten sie aus einer einzigen Antriebsbewegung viele astronomische Anzeigen.

Am schwierigsten war der Mond. Seine scheinbare Geschwindigkeit am Himmel verändert sich. Der Mechanismus bildete das durch eine Stift-Schlitz-Verbindung zwischen zwei Zahnrädern ab. Deren Mittelpunkte waren gegeneinander versetzt. Eines der Zahnräder wurde innerhalb jeder Umdrehung schneller und wieder langsamer. So ahmte es die ungleichmäßige Bewegung des Mondes nach.

Vieles davon blieb bis vor Kurzem unsichtbar. Im Jahr 2005 ermöglichten Mikrofocus-Röntgencomputertomografie und bildgebende Oberflächenverfahren neue Untersuchungen. Forschende konnten nun Zahnräder untersuchen, die in Korrosionsschichten verborgen waren. Auch zuvor unsichtbare Inschriften wurden zugänglich.

Zeitleiste

  1. 150–100 v. Chr. Wahrscheinlicher Herstellungszeitraum des Mechanismus nach Angaben des griechischen Kulturministeriums.
  2. Kurz nach 70 v. Chr. Wahrscheinlicher Untergang des Schiffes mit dem Gerät an Bord, laut NYU ISAW.
  3. 1900 Entdeckung des Schiffswracks von Antikythera.
  4. 1901 Der Mechanismus wird aus dem Meer geborgen.
  5. 1979 Derek de Solla Price übergibt der Smithsonian Institution einen Nachbau.
  6. 2005 Die Fragmente werden mit Computertomografie und fortschrittlichen bildgebenden Oberflächenverfahren untersucht.
  7. 2008 Eine Studie berichtet über korinthische Monatsnamen und eine Anzeige für einen vierjährigen Spielezyklus.
  8. 2020 Eine Deutung des vorderen Kalenderrings als Mondkalender mit 354 Tagen wird veröffentlicht.
  9. 2021 Das UCL-Team veröffentlicht sein Kosmosmodell für die vordere Planetenanzeige.
  10. 2022 Nick Andronis stellt einen funktionsfähigen Bronzenachbau fertig.
  11. 2024 Eine Analyse der University of Glasgow zum Kalenderring stützt eine Anzahl von 354 oder 355 Löchern.

Details, die du in Reiseführern nicht findest

Das Gerät hatte eine Bedienungsanleitung. Seine metallenen Schutzplatten trugen Hinweise zur Benutzung auf Altgriechisch.

Eine kleine Anzeige wurde jahrelang falsch gedeutet. Forschende hatten angenommen, sie zeige den 76-jährigen Kallippischen Zyklus. Die Studie von 2008 zeigte, dass sie den vierjährigen Zyklus der Olympischen Spiele und der damit verbundenen Panhellenischen Spiele erfasste.

Der Kalender liefert einen Hinweis auf die Herkunftsstadt. Die Studie von 2008 entzifferte alle 12 Monatsnamen des Metonischen Kalenders. Sie wurden als korinthischen Ursprungs identifiziert.

Die Inschriften auf den Abdeckungen nennen Planetenperioden. Sie geben einen Zyklus von 462 Jahren für die Venus und einen Zyklus von 442 Jahren für den Saturn an.

Die Schrift ist winzig. Eine Untersuchung mit bildgebenden Verfahren von 2018 ergab, dass die Zeichen im Durchschnitt nur 1,6 Millimeter hoch sind.

Worüber die Forschung noch streitet

Die Vorderseite des Geräts fehlt größtenteils. Im Jahr 2021 schlug ein UCL-Team ein Kosmosmodell vor, das die verlorene Planetenanzeige rekonstruiert. Dieselbe Mitteilung hält fest, dass die Herstellung mit antiken Techniken noch nachgewiesen werden muss. Betrachte das Modell als gut begründeten Vorschlag, nicht als gesicherte Tatsache.

Der Herstellungsort ist offen. Eine Verbindung zu Rhodos und zum Astronomen Hipparchos wurde vorgeschlagen. Die korinthischen Monatsnamen machen Korinth zu einem weiteren Kandidaten. Auch eine korinthische Kolonie wie Syrakus kommt infrage.

Der vordere Kalenderring ist umstritten. Die traditionelle Deutung sah darin einen ägyptischen bürgerlichen Kalender mit 365 Tagen. Eine Studie von 2020 deutete ihn neu als Mondkalender mit 354 Tagen. Eine Analyse der University of Glasgow von 2024 stützt eine Anzahl von 354 oder 355 Löchern.

Nachbauten und funktionsfähige Modelle des Mechanismus von Antikythera

Physische Rekonstruktionen gibt es seit Jahrzehnten. Den Nachbau im Smithsonian National Museum of American History übergab Derek de Solla Price dem Museum 1979.

Ein neueres funktionsfähiges Modell besteht aus Bronze. Der Ingenieur Nick Andronis stellte diesen funktionierenden Bronzenachbau 2022 fertig. Er wurde vom 2. Februar bis zum 2. August 2024 im Western Australian Museum ausgestellt.

Nicht jedes Projekt gelangte bis in die Werkstatt. Ein UCL-Studierendenprojekt von 2020 entwarf in Catia V5 einen Nachbau im Maßstab 1:1. Die Herstellung war mit 3D-Druck und Laserschneiden geplant. Das Projektposter hält fest, dass die Pandemie die Fertigung zu diesem Zeitpunkt verhinderte.

Bilder und Diskussionen im Internet

Wenn du über einen Reddit-Thread oder eine Bildersuche hierherkommst, prüfe, was das Foto zeigt. Viele Bilder im Netz zeigen Nachbauten, nicht das Original. Das Ausstellungsarchiv des Western Australian Museum veröffentlicht Vorder- und Rückansichten der Andronis-Nachbauten. Daneben steht ein Foto der 82 Originalfragmente. Im direkten Vergleich erkennst du den Unterschied auf einen Blick.

FAQ

Wo befindet sich der Mechanismus von Antikythera heute?

Im Archäologischen Nationalmuseum in Athen, unter der Inventarnummer X 15087. Erhalten sind 82 Fragmente und 30 Bronzezahnräder.

Wie alt ist der Mechanismus von Antikythera?

Das griechische Kulturministerium datiert ihn auf etwa 150–100 v. Chr. Damit ist er im Jahr 2026 rund 2.125 bis 2.175 Jahre alt.

Wo wurde der Mechanismus von Antikythera gefunden?

In einem Schiffswrack vor Antikythera, einer Insel zwischen Kreta und der Peloponnes. Das Wrack wurde 1900 gefunden. Schwammtaucher bargen die Fragmente 1901.

Wozu diente der Mechanismus von Antikythera?

Er war ein mit einer Handkurbel betriebener Rechner für astronomische Zyklen. Seine Anzeigen erfassten den Metonischen Kalenderzyklus, den Saroszyklus zur Vorhersage von Finsternissen und einen vierjährigen Spielezyklus. Markierungen zeigten an, ob eine vorhergesagte Finsternis die Sonne oder den Mond betraf und zu welcher Stunde sie eintreten sollte.

Quellen

  1. Seiradakis und Edmunds, Nature Astronomy, 2018 nature.com
  2. Griechisches Kulturministerium — Der Mechanismus von Antikythera olympicgames.culture.gov.gr
  3. Return to Antikythera — Mechanismus von Antikythera antikythera.org.gr
  4. Türkische Wikipedia — Antikythera düzeneği tr.wikipedia.org
  5. New York University, Institut für die Erforschung der antiken Welt — Mechanismus von Antikythera isaw.nyu.edu
  6. UCL-Nachrichten — Fachleute rekonstruieren einen mechanischen Kosmos für den ersten Computer der Welt, 2021 ucl.ac.uk
  7. Diomidis Spinellis — Der Mechanismus von Antikythera aus Sicht der Informatik, IEEE Computer, 2008 www2.dmst.aueb.gr
  8. Freeth et al. — Kalender mit Olympiadenanzeige und Finsternisvorhersage auf dem Mechanismus von Antikythera, 2008 pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  9. Tony Freeth — Überarbeitung des Schemas zur Finsternisvorhersage im Mechanismus von Antikythera, 2019 nature.com
  10. Verbesserte Rekonstruktion des größten Fragments des Mechanismus von Antikythera mittels Röntgencomputertomografie, 2018 pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  11. UCL Discovery — Ein Modell des Kosmos im antiken griechischen Mechanismus von Antikythera, 2021 discovery.ucl.ac.uk
  12. Deutsches Patent- und Markenamt — Der Mechanismus von Antikythera dpma.de
  13. University of Glasgow — Gravitationswellenforschende werfen neues Licht auf das Rätsel des Mechanismus von Antikythera, 2024 webvhpool.gla.ac.uk
  14. Smithsonian National Museum of American History — Mechanismus von Antikythera (Nachbau) americanhistory.si.edu
  15. Western Australian Museum — Rekonstruktion des Mechanismus von Antikythera visit.museum.wa.gov.au
  16. Royal Astronomical Society — Gisiger und Bader, Die Herstellung des Mechanismus von Antikythera (Poster) ras.ac.uk
  17. Der Mechanismus von Antikythera — Unsere Rekonstruktion (Herstellerseite) antikytheramechanism.co.uk

Image: NAMA Machine d’Anticythère 1.jpg — No machine-readable author provided. Marsyas assumed (based , CC BY 2.5

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