Weltgeschichte

Woher kommt Halloween? Von Samhain zur Kürbislaterne

Halloween entstand aus dem Zusammenspiel irischer und britischer Jahreszeitenbräuche mit christlichen Traditionen rund um Allerheiligen und Allerseelen. Seine Geschichte verbindet Samhain, Gebete im Tausch gegen Gebäck, geschnitzte Rüben und die irische Einwanderung nach Amerika; einige Aussagen über seine Ursprünge in vorchristlicher Zeit bleiben umstritten.

9 Min. Lesezeit9 QuellenVeröffentlicht: 3 November 2026Zuletzt geprüft: 3 November 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Woher kommt Halloween? Von Samhain zur Kürbislaterne
Traditional Irish halloween Jack-o'-lantern.jpg

Woher kommt Halloween?

Halloween (türkisch: Cadılar Bayramı) wird am 31. Oktober gefeiert. Das Fest entstand aus dem Zusammenspiel jahreszeitlicher Bräuche in Irland und Großbritannien mit christlichen Traditionen. Zu dieser Geschichte gehören Samhain, Allerheiligen und Allerseelen. Wenn du der Geschichte der geschnitzten Laterne folgst, begegnest du Zusammenkünften zum Winterbeginn, Gebeten für die Toten, Hausbesuchen und Auswanderung.

Ein klarer Ausgangspunkt ist der Name. Halloween ist eine Kurzform von All Hallows’ Eve, dem Abend vor Allerheiligen am 1. November. Im Wort steckt also ein Bezug zum christlichen Kalender. Die Bräuche dieses Abends haben eine breitere Geschichte. Dazu gehören Irlands jahreszeitliche Feste sowie seine Masken- und Rübenlaternentraditionen.

Was war Samhain?

Im traditionellen irischen Kalender fiel Samhain auf den 1. November und markierte den Winterbeginn. Es war einer von vier jahreszeitlichen Wendepunkten. Wie bei vielen traditionellen Festen fanden die wichtigsten Feierlichkeiten am Vorabend statt, also am 31. Oktober. Diese Verbindung zwischen dem Festabend und dem folgenden Kalenderdatum hilft, den Zusammenhang mit Halloween zu verstehen.

Mittelalterliche Berichte verbinden das irische Samhain und das walisische Calan Gaeaf mit Zusammenkünften zum Ende des Sommers und zum Beginn des Winters. Dabei konnten Rechtsangelegenheiten, Spiele und Feierlichkeiten auf dem Programm stehen. Der Jahreszeitenwechsel war damit Teil des gemeinschaftlichen Lebens. Die Menschen kamen zusammen, um praktische Angelegenheiten zu regeln und zu feiern.

Laut Jeanmarie Rouhier-Willoughby, Volkskundlerin an der University of Kentucky, berichten irische Sagen von Samhainfeiern. Sie wurden zwischen dem 9. und dem 12. Jahrhundert schriftlich festgehalten. Diese Zeitangaben betreffen die Niederschrift. Davon zu unterscheiden sind Aussagen darüber, wie die Menschen vor der Christianisierung genau feierten oder wie einzelne Bräuche in spätere Halloweentraditionen eingingen.

War Samhain ein Totenfest?

Rouhier-Willoughby deutet Samhain als keltisches Neujahr und als Schwellenzeit, in der die Geister der Vorfahren in die Welt zurückkehren konnten. Diese Deutung verbindet die Grenze zwischen den Jahreszeiten mit der Grenze zwischen Lebenden und Toten. Sie liefert eine Erklärung dafür, warum Halloween mit dem Besuch von Geistern verbunden wird.

Graham Harvey, Professor für Religionswissenschaft an der Open University, widerspricht einem zentralen Teil dieser Darstellung. Nach seiner Aussage belegen verlässliche historische Quellen nicht, dass das vorchristliche Samhain ein Fest zum Gedenken an die Toten war. Umstritten ist die historische Grundlage dieser Beschreibung. Samhains Stellung am Winterbeginn ist davon zu unterscheiden.

Auch Ronald Hutton untersucht diese Deutung in einem wissenschaftlichen Aufsatz von 2024. Dessen Zusammenfassung hebt den Einfluss von John Rhys und James Frazer hervor. Sie verbreiteten die Vorstellung von Samhain als keltischem Neujahr und bedeutendem Totenfest. Wenn du dieser vertrauten Erklärung begegnest, unterscheide das jahreszeitliche Fest von den umstrittenen Aussagen, die damit verbunden werden.

Wie prägten christliche Gedenktage Halloween?

Im westlichen Christentum umfasst Allhallowtide drei aufeinanderfolgende Anlässe: den Vorabend am 31. Oktober, Allerheiligen am 1. November und Allerseelen am 2. November. Datum und Name von Halloween gehören in diese Abfolge. Auch das Totengedenken hatte in den christlichen Feiern rund um Halloween einen ausdrücklichen Platz.

Der Kalender entwickelte sich schrittweise. Im Jahr 609 weihte Papst Bonifatius IV. das Pantheon in Rom Maria und allen Märtyrern. Damit förderte er einen Gedenktag am 13. Mai. Im Jahr 835 führte das Frankenreich mit Unterstützung von Papst Gregor IV. den 1. November offiziell als Datum für Allerheiligen ein.

Allerseelen am 2. November dient dem Gedenken an alle verstorbenen Christen. Im 12. Jahrhundert verbreitete sich dieser Gedenktag weithin. Diese Entwicklungen sind wichtig, weil zur Geschichte von Halloween sowohl christliche Praktiken als auch jahreszeitliche Volksbräuche gehören. Seine Verbindung zu den Toten lässt sich nicht allein durch eine umstrittene Rekonstruktion des vorchristlichen Samhain erklären.

Warum gingen Menschen von Tür zu Tür?

Der mindestens seit dem 15. Jahrhundert belegte Brauch des Souling führte arme Menschen und Kinder von Haus zu Haus. Sie sammelten kleine Backwaren, sogenannte Soul Cakes oder Seelenkuchen. Im Gegenzug boten sie Gebete für die Toten an. Der Besuch verband eine Gabe aus dem Haushalt mit einer religiösen Leistung. So wurde die Verteilung von Lebensmitteln Teil des Totengedenkens.

Bei der irischen Tradition des Guising traten maskierte Männer oder Kinder vor ihren Nachbarn auf. Dafür erhielten sie Speisen oder Getränke. Hier stand eine Darbietung im Mittelpunkt des Austauschs. Masken, Hausbesuche und Gastfreundschaft kamen zusammen. Der Brauch lebte davon, dass sowohl die Besucher als auch die besuchten Haushalte mitmachten.

Das Horniman Museum and Gardens nennt sowohl kostümierte Darbietungen rund um Samhain als auch den mittelalterlichen Tausch von Gebeten gegen Gebäck als Vorläufer heutiger Bräuche von Tür zu Tür. Du kannst diese Geschichte mit einer vertrauten Alltagshandlung verbinden: Du öffnest die Tür und gibst einem Besucher etwas. Beim Souling war mit der Gabe die Verpflichtung zum Gebet verbunden. Beim Guising belohnte sie eine Darbietung.

Wie wurden aus Rüben Halloweenlaternen?

In Irland schnitzten Menschen Gesichter in Rüben und stellten Kerzen hinein. Damit wollten sie andere in der Halloweennacht erschrecken. Das beleuchtete Gesicht gehörte also bereits zum Fest, bevor sich in Amerika die Kürbisvariante entwickelte. Das National Museum of Ireland beschreibt die heute weitverbreitete Kürbislaterne als amerikanische Weiterentwicklung der irischen Rübentradition.

Eine irische Volkserzählung erklärt den Namen Jack-o’-Lantern mit dem Schicksal von Jack. Ihm wird der Zutritt zum Himmel und zur Hölle verweigert. Deshalb muss er für immer mit seiner Laterne umherwandern. Die Geschichte verbindet die Laterne mit einer umherziehenden menschlichen Gestalt. Die geschnitzte Rübe ist dagegen ein konkreter Gegenstand, der mit dem Erschrecken an Halloween verbunden ist.

Die Rübenbelege des Museums helfen dir auch, ein vertrautes Halloweenmotiv einzuordnen. Der geschnitzte Kürbis gehört zu einer Geschichte, in deren Verlauf das Gemüse wechselte. Schon der irische Brauch verband ein ausgehöhltes Gemüse, ein Gesicht und Kerzenlicht. Die amerikanische Weiterentwicklung verwendete den Kürbis, der die Laterne heute prägt.

Wie verbreitete sich Halloween in Amerika?

Laut Rouhier-Willoughby brachten irische Einwanderer Halloween im 19. Jahrhundert in die USA. Spätestens in den 1930er-Jahren nahmen auch Amerikaner ohne irische Wurzeln daran teil. Durch die Einwanderung gelangte das Fest in ein neues Umfeld. Mit der Zeit feierten auch Menschen außerhalb der Einwanderergemeinschaften mit, die es ins Land gebracht hatten.

Ein Zeitungsbeispiel aus dem Jahr 1907 zeigt mehrere Bräuche nebeneinander. Der Leitfaden der Library of Congress zu historischen Zeitungen verweist auf einen Bericht des Los Angeles Herald von 1907. Er beschreibt Halloweenstreiche, Jack-o’-Lanterns und Versuche, durch Wahrsagen etwas über künftige Eheschließungen zu erfahren. In diesem amerikanischen Bericht standen Laternen und Heiratsorakel also neben Streichen.

Zeitleiste

  • 609: Papst Bonifatius IV. weiht das Pantheon in Rom Maria und allen Märtyrern und fördert damit einen Gedenktag am 13. Mai.
  • 835: Das Frankenreich führt mit Unterstützung von Papst Gregor IV. den 1. November offiziell als Allerheiligen ein.
  • 9.–12. Jahrhundert: Irische Sagen, die von Samhainfeiern berichten, werden schriftlich festgehalten.
  • 12. Jahrhundert: Allerseelen am 2. November verbreitet sich weithin.
  • Mindestens seit dem 15. Jahrhundert: Beim Souling sammeln Menschen Gebäck von Haushalten und bieten dafür Gebete für die Toten an.
  • 19. Jahrhundert: Irische Einwanderer bringen Halloweenfeiern in die USA.
  • Um 1900: In der Nähe von Fintown in Donegal entstehen Rübenlaternen jener Art, die später in der Museumssammlung vertreten ist.
  • 1907: Der Los Angeles Herald beschreibt Halloweenlaternen, Streiche und Heiratsorakel.
  • 1930er-Jahre: Laut Rouhier-Willoughby feiern auch Amerikaner außerhalb irischer Gemeinschaften Halloween.
  • 1943: Die Lehrerin Rois Ní Braonáin schickt eine Rübenlaterne an das National Museum of Ireland.

Details, die du nicht im Reiseführer findest

Die Rübenlaterne, die Rois Ní Braonáin 1943 einschickte, hat einen konkreten örtlichen Bezug. Nach ihrer Beschreibung entsprach sie jener Art von Laternen, die um 1900 in der Gegend von Fintown in Donegal hergestellt wurden. Damit verbindet der Museumsbericht eine namentlich bekannte Einsenderin mit einem Ort und einem ungefähren Nutzungszeitraum.

Das Gespensterrübenmodell des Museums trägt die Nummer F1943.350. Es ist ein Gipsabguss, den die Künstlerin Eileen Barnes anfertigte und bemalte. Wenn du das Objekt betrachtest, ist sein Material entscheidend: Das Museumsmodell bewahrt das Aussehen einer geschnitzten Rübe durch einen eigens angefertigten Abguss.

Eine vom Horniman Museum vorgestellte Halloweenmaske wurde aus einem Weizensack gefertigt. Drei Löcher bildeten die Öffnungen für Augen und Mund. Ein Wollbart wurde aufgenäht. Dieses Beispiel zeigt, wie ein alltägliches Material Teil der Verkleidungsgeschichte wurde und aus einem Sack eine Gesichtsmaske entstehen konnte.

Auch irische Halloweenspeisen dienten dem Wahrsagen. In den Kuchen báirín breac wurden Gegenstände eingebacken, die Vorhersagen enthielten: Ein Ring stand für Heirat, ein Stück Stoff für Armut und eine Münze für Reichtum. Anders als das Gebäck, das beim Souling gegen Gebete getauscht wurde, enthielt dieser Kuchen Zeichen, die als Hinweise auf die Zukunft gedeutet wurden.

Manche Menschen, die in Irland in der Halloweennacht allein unterwegs waren, trugen ein Messer mit schwarzem Griff oder eine Stahlnadel bei sich. Sie glaubten, diese Gegenstände würden sie vor schädlichen Wesen schützen. Der Brauch verbindet die Furcht vor übernatürlichen Wesen mit der praktischen Situation, einen Weg allein zurücklegen zu müssen.

FAQ

Woher kommt der Name Halloween?

Er geht auf All Hallows’ Eve zurück, den Abend vor Allerheiligen am 1. November. Halloween selbst wird am 31. Oktober gefeiert. Dieser Abend wurde in Irland auch zum wichtigsten Termin der Samhainfeiern.

War Samhain eindeutig ein Totenfest?

Diese Behauptung ist umstritten. Rouhier-Willoughby verbindet Samhain mit der Rückkehr von Ahnengeistern. Harvey argumentiert, dass verlässliche historische Belege ein vorchristliches Totenfest nicht nachweisen. Samhains Rolle als Winterbeginn ist davon getrennt zu betrachten.

Waren die frühesten irischen Halloweenlaternen Kürbisse?

Die vom National Museum of Ireland beschriebene irische Tradition verwendete geschnitzte Rüben mit Kerzen im Inneren. Das Museum bezeichnet die Kürbislaterne als jene Form, die sich in Amerika aus dieser Tradition entwickelte.

Wie kam Halloween in die USA?

Rouhier-Willoughby schreibt die Einführung des Festes irischen Einwanderern im 19. Jahrhundert zu. Nach ihrer Darstellung feierten spätestens in den 1930er-Jahren auch Amerikaner ohne irische Wurzeln mit.

Quellen

  1. Wikipedia — Halloween tr.wikipedia.org
  2. National Museum of Ireland — Halloweentraditionen source.museum.ie
  3. University of Kentucky — Volkskundlerin der University of Kentucky erklärt die faszinierende Geschichte von Halloween uknow.uky.edu
  4. Open University — Die Geschichte von Halloween open.edu
  5. University of Bristol — Das keltische Neujahr und Totenfest research-information.bris.ac.uk
  6. Wikipedia — Halloween en.wikipedia.org
  7. Horniman Museum and Gardens — Geschichten von Samhain horniman.ac.uk
  8. National Museum of Ireland — Gespensterrübe source.museum.ie
  9. Library of Congress — Halloween: Themen in Chronicling America guides.loc.gov

FAQ

Woher kommt der Name Halloween?

Halloween ist eine Kurzform von All Hallows’ Eve, dem Abend vor Allerheiligen am 1. November. Halloween wird am 31. Oktober gefeiert.

War Samhain ein vorchristliches Totenfest?

Diese Deutung ist umstritten. Jeanmarie Rouhier-Willoughby beschreibt Samhain als Schwellenzeit, in der die Geister der Vorfahren zurückkehren konnten. Graham Harvey erklärt dagegen, dass verlässliche historische Belege ein vorchristliches Totenfest nicht nachweisen.

Wurden Halloweenlaternen ursprünglich aus Kürbissen gemacht?

Irische Halloweenlaternen bestanden aus geschnitzten Rüben mit Kerzen im Inneren. Das National Museum of Ireland beschreibt die Kürbislaterne als amerikanische Weiterentwicklung dieser Tradition.

Wie kam Halloween in die USA?

Laut der Volkskundlerin Jeanmarie Rouhier-Willoughby brachten irische Einwanderer Halloween im 19. Jahrhundert in die USA. Spätestens in den 1930er-Jahren feierten auch Amerikaner ohne irische Wurzeln mit.

Image: Traditional Irish halloween Jack-o‘-lantern.jpg — rannṗáirtí anaiṫnid (coṁrá), CC BY-SA 3.0

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