Bryggen (türkisch ebenfalls Bryggen) ist ein historisches Ensemble hansischer Handelsgebäude am Ostufer des Hafens Vågen in Bergen, Norwegen. Hinter der Hafenfront liegt ein Viertel aus Lagerhäusern, Kontoren und Wohnräumen. Es bewahrt einen mittelalterlichen Grundriss und wurde nach dem Brand von 1702 weitgehend wiederaufgebaut.
Die Fassaden am Wasser erzählen nur einen Teil der Geschichte. Dahinter zeigen lange Häuserzeilen, wie Kaufleute ihren Handel und ihren Alltag organisierten. Darunter brachten Ausgrabungen Geschäftsbriefe, Liebesbotschaften und importierte Keramik ans Licht. Wenn du Bryggen verstehen möchtest, folge dieser Geschichte vom Kai in die Durchgänge und zu den verschütteten Überresten.
Wo liegt Bryggen in Bergen, Norwegen?
Bryggen liegt an der Ostseite des Hafens Vågen. Der norwegische Name bedeutet „der Kai“. Ein weiterer Name, Tyskebryggen, bedeutet „der deutsche Kai“. Beide Namen verweisen auf die Lage am Wasser und die deutschen Kaufleute, die sich hier niederließen.
Bergens Gründung wird traditionell auf die Zeit um 1070 unter König Olav Kyrre datiert. Im Mittelalter bildete die Hafenseite mit Bryggen das wirtschaftliche Zentrum der Stadt. Eine dort nachgewiesene frühe Kaianlage stammt aus der Zeit um 1100. Die Handelsgeschichte reicht damit weiter zurück als das 1350 in Bergen eingerichtete Hansekontor.
Um die Mitte des 13. Jahrhunderts umfasste Bryggen etwa 30 gård. Das waren Anwesen mit langen Häuserzeilen. Diese Zeilen sind ebenso wichtig wie die Fassaden zum Hafen. Sie zeigen, dass sich Bryggen als Arbeitsviertel entwickelte, das weit hinter die Hafenfront reichte.
Was war das Hanseviertel Bryggen?
Deutsche Kaufleute ließen sich ab den 1230er-Jahren in Bryggen nieder. Im Jahr 1278 erhielten sie besondere Privilegien. Nach der historischen Darstellung der UNESCO gründete die Hanse 1350 ihre Handelsniederlassung in Bergen, das sogenannte Kontor. Die Ansiedlung wuchs also in mehreren Etappen.
Im Mittelpunkt stand der Export von Trockenfisch aus Nordnorwegen und der Import von Getreide aus dem Ausland. Für diese Waren brauchte man Lagerhäuser direkt am Hafen. In Bryggens Gebäuden lagen außerdem Geschäftsräume und Unterkünfte für Kaufleute, Gesellen und Lehrlinge. Lagerung, Geschäfte und häuslicher Alltag fanden im selben Handelsviertel statt.
Das Deutsche Kontor verfügte über eine eigene Gerichtsbarkeit und ein eigenes Schulwesen. Es war eine Gemeinschaft mit eigenen Einrichtungen und Geschäftsräumen. Seine Organisation ging über den Warenverkehr mit Fisch und Getreide hinaus. Auch Bildung und die Beilegung von Streitigkeiten gehörten zum Leben in Bryggen.
Von den vier Auslandskontoren der Hanse ist Bryggen das einzige, das in erhaltener Form fortbesteht. Das verleiht seinem Grundriss besonderen historischen Wert. Die Gebäude zeigen noch heute, wie eine Kaufmannsgemeinschaft Arbeitsplätze, Lager und Unterkünfte anordnete.
Was verraten Bryggens Gebäude am Hafen?
Die Gebäude zum Hafen haben dreieckige Giebel. Hinter diesen Fassaden erstrecken sich lange, zwei- oder dreigeschossige Häuserzeilen. Schmale hölzerne Durchgänge trennen sie voneinander. Wenn du hinter die Hafenfassaden blickst, kannst du nachvollziehen, wie die Uferkante mit den weiter hinten gelegenen Räumen verbunden war.
Die Häuserzeilen beherbergten Lager, Geschäftsräume und Wohnungen. Zu ihren Bewohnern gehörten Kaufleute, Gesellen und Lehrlinge. Diese Mischung erklärt, warum Bryggens historische Bedeutung eng mit seiner Raumnutzung verbunden ist. Das Viertel bot Platz für die Handelswaren und für die Menschen, die mit ihnen arbeiteten.
Hinter den Häuserzeilen standen Gemeinschaftshäuser, die schøtstue genannt wurden. Man nutzte sie für Versammlungen, Erholung und gemeinsame Mahlzeiten. Diese Häuser ergänzen die Geschichte der Hafenfront. Neben Räumen zum Lagern und Verkaufen von Waren gab es in Bryggen auch gemeinschaftlich genutzte Räume für die Handelsgemeinschaft.
Wie alt ist Bryggen?
Bryggen hat mehrere Altersschichten – je nachdem, was du betrachtest. Eine frühe Kaianlage stammt aus der Zeit um 1100. Die mittelalterliche Anordnung der Grundstücke überdauerte die Wiederaufbauten. Das heute sichtbare architektonische Erscheinungsbild geht jedoch zu großen Teilen auf den Wiederaufbau nach dem Großbrand von 1702 zurück.
Nach Bränden orientierten sich die Bauleute an den alten Grundstücksgrenzen und traditionellen Bauweisen. So blieb die mittelalterliche Stadtstruktur erhalten, selbst wenn einzelne Gebäude ersetzt werden mussten. Das Alter eines Hauses kann sich deshalb vom Alter des zugrunde liegenden Grundrisses unterscheiden. In Bryggen führte der Wiederaufbau die frühere Anordnung fort.
Auch die Geschichte der Institutionen veränderte sich. Am 17. Oktober 1754 wurde das Norwegische Kontor als Nachfolger des Deutschen Kontors gegründet. Dieses Datum markiert einen organisatorischen Wandel am Kai. Es gehört zu einem anderen Kapitel als die mittelalterliche Ansiedlung deutscher Kaufleute.
Zeitleiste
- Um 1070: Die Gründung Bergens wird traditionell König Olav Kyrre zugeschrieben.
- Um 1100: Aus dieser Zeit stammt eine frühe Kaianlage in Bryggen.
- 1230er-Jahre: Deutsche Kaufleute begannen, sich in Bryggen niederzulassen.
- 1278: Deutsche Kaufleute erhielten besondere Privilegien.
- 1350: Nach der Darstellung der UNESCO gründete die Hanse ihr Kontor in Bergen.
- 1702: Auf einen Großbrand folgte der Wiederaufbau, der Bryggens heutiges architektonisches Erscheinungsbild weitgehend prägte.
- 17. Oktober 1754: Das Norwegische Kontor wurde als Nachfolger des Deutschen Kontors gegründet.
- 1955: Ein Großbrand zerstörte ungefähr die Hälfte der damals noch stehenden Gebäude. Anschließend begannen umfangreiche archäologische Ausgrabungen.
- 1976: Bryggens Museum wurde unter der Leitung des Chefkonservators Asbjørn Herteig gegründet.
- 1979: Bryggen wurde in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Was kam nach dem Brand von 1955 ans Licht?
Der Großbrand von 1955 zerstörte ungefähr die Hälfte der Gebäude, die damals noch in Bryggen standen. Auf den Verlust folgten 13 Jahre archäologischer Ausgrabungen. Dabei wurden Hunderttausende Gegenstände geborgen. Die Arbeiten ermöglichten Einblicke in ältere Schichten unter dem Hafenviertel.
Holz, Leder, Getreide und Traubenreste hatten unter Brandschichten Jahrhunderte überdauert. Diese Funde erweitern die Geschichte über Kontore und Handelsprivilegien hinaus. Getreide gehörte zu Bryggens wichtigsten Handelswaren. Leder und andere erhaltene Materialien belegen weitere Gegenstände und Stoffe, die in der Siedlung vorhanden waren.
Bei den Ausgrabungen wurden auch mehr als 600 Runeninschriften entdeckt. Darunter waren Handelsbriefe, Gebete und Liebesbotschaften. Die schriftliche Kommunikation in Bryggen umfasste also Geschäfte, Glauben und persönliche Beziehungen. Die Funde machen individuelle Anliegen in einer Geschichte sichtbar, die sonst von Institutionen und Schiffsladungen geprägt ist.
Was ist Bryggens Museum?
Bryggens Museum wurde 1976 unter der Leitung des Chefkonservators Asbjørn Herteig gegründet. Es steht über Bergens ältesten Gebäuderesten aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Der Standort verbindet das Museum unmittelbar mit der frühen Siedlung unter Bryggen.
Die Ausgrabungen nach dem Brand von 1955 brachten über einen Zeitraum von 13 Jahren Hunderttausende Gegenstände zutage. Diese Entdeckungen verdeutlichen das Ausmaß des archäologischen Zusammenhangs, in dem das Museum steht. Sie verbinden das oberirdische Holzhausviertel mit Spuren älterer Gebäude, schriftlicher Nachrichten und Waren darunter.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
Einige steinerne Lagerkeller im hinteren Teil von Bryggen stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Sie bilden eine ältere bauliche Schicht in einem Viertel, dessen heutiges architektonisches Erscheinungsbild vor allem auf den Wiederaufbau nach 1702 zurückgeht. Wer Bryggens Alter verstehen möchte, muss diese erhaltenen Teile ebenso berücksichtigen wie die hölzernen Häuserzeilen.
Auch die Uferlinie veränderte sich durch Landgewinnung. Durch Aufschüttungen im Hafen wuchs die bebaubare Fläche. Um 1500 erreichte dieser Prozess die heutige Uferlinie. Die Kante zum Vågen ist damit selbst ein Ergebnis von Bryggens Entwicklung. Sie war im Lauf seiner Geschichte keine unveränderliche Grenze.
Eine Runenbotschaft teilt dem Empfänger mit, dass Gyda ihm ausrichten lässt, er solle nach Hause gehen. Wenn du schon einmal eine Nachricht mit der Bitte bekommen hast, nach Hause zu kommen, ist dir dieser Alltag sofort vertraut. Die kleine Aufforderung steht neben Handelsbriefen, Gebeten und Liebesbotschaften unter Bryggens Schriftfunden.
Keramikscherben stammten aus Deutschland, Dänemark, Frankreich und England sowie aus Tunesien und Syrien. Diese Objekte erweitern die geografische Reichweite der archäologischen Zeugnisse. Neben dem zentralen Handel mit Fisch und Getreide belegen sie Materialien aus mehreren Ländern in Bryggens verschütteter Geschichte.
Warum gehört Bryggen zum Welterbe?
Die UNESCO nahm Bryggen 1979 nach dem Kulturkriterium (iii) in die Welterbeliste auf. Seine Bedeutung liegt darin, dass es die gesellschaftliche Organisation und Raumnutzung der Hansekaufleute widerspiegelt. Die Anordnung der Anwesen, Lagerhäuser, Geschäftsräume, Unterkünfte und Gemeinschaftshäuser erklärt diese Anerkennung.
Die früheren Handelsgebäude dienen heute als Museen, Geschäfte, Restaurants und Bars. Ihre Funktionen haben sich verändert. Der erhaltene mittelalterliche Grundriss bleibt jedoch für Bryggens historische Bedeutung entscheidend. Wenn du die Hafenfront betrachtest, verbinden ihre langen Häuserzeilen und schmalen Durchgänge die heutigen Nutzungen mit der früheren Organisation des Handelsviertels.
FAQ
Was bedeutet Bryggen?
Bryggen bedeutet auf Norwegisch „der Kai“. Der alternative Name Tyskebryggen bedeutet „der deutsche Kai“ und verweist auf die Anwesenheit deutscher Kaufleute.
Wie alt ist Bryggen?
Eine frühe Kaianlage stammt aus der Zeit um 1100. Große Teile des heutigen architektonischen Erscheinungsbilds gehen auf den Wiederaufbau nach 1702 zurück. Die Anordnung bewahrt dabei eine mittelalterliche Stadtstruktur.
Warum handelten Hansekaufleute in Bryggen?
Ihr Hauptgeschäft war der Export von Trockenfisch aus Nordnorwegen und der Import von Getreide. Bryggen bot der Handelsgemeinschaft Lagerhäuser, Geschäftsräume und Unterkünfte.
Was liegt unter Bryggens Museum?
Das Museum wurde über Bergens ältesten Gebäuderesten errichtet. Sie stammen aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts.
Quellen
- UNESCO-Welterbezentrum — Bryggen whc.unesco.org
- Stiftung Bryggen — Bryggens Geschichte stiftelsenbryggen.no
- Riksantikvaren — Bryggen in Bergen riksantikvaren.no
- Bymuseet — Unter der Erde in Bryggens Museum bymuseet.no
- Bymuseet — Bryggens Museum bymuseet.no
- Bymuseet — Runen aus Bryggen bymuseet.no
- Wikipedia — Bryggen en.wikipedia.org
- Vikipedi — Bryggen tr.wikipedia.org
FAQ
Was bedeutet Bryggen?
Bryggen bedeutet auf Norwegisch „der Kai“. Der andere Name, Tyskebryggen, bedeutet „der deutsche Kai“.
Wie alt ist Bryggen?
Eine frühe Kaianlage stammt aus der Zeit um 1100. Das heutige architektonische Erscheinungsbild geht vor allem auf den Wiederaufbau nach dem Brand von 1702 zurück.
Warum gehört Bryggen zum UNESCO-Welterbe?
Bryggen wurde 1979 nach dem Kulturkriterium (iii) in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Die Gebäude und ihre Anordnung spiegeln die gesellschaftliche Organisation und Raumnutzung der Hansekaufleute wider.
Worüber wurde Bryggens Museum errichtet?
Bryggens Museum steht über Bergens ältesten Gebäuderesten. Sie stammen aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Das Museum wurde 1976 unter der Leitung des Chefkonservators Asbjørn Herteig gegründet.
Image: Fassaden in Bryggen, Bergen N.jpg — JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0






