Archäologie und Entdeckungen

Leuchtturm von Alexandria: Ruinen und Unterwasserreste

Der Leuchtturm von Alexandria markierte von der Insel Pharos aus die Einfahrt zum Großen Hafen, wo heute die Qaitbay-Zitadelle steht. Erdbeben zerstörten ihn nach und nach; Unterwasserausgrabungen und 3D-Modelle helfen der Forschung heute, seine erhaltenen Steine und seine Architektur zu untersuchen.

9 Min. Lesezeit8 QuellenVeröffentlicht: 7 November 2026Zuletzt geprüft: 8 November 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Leuchtturm von Alexandria: Ruinen und Unterwasserreste
Lighthouse – Thiersch.png

Der Leuchtturm von Alexandria (İskenderiye Feneri) stand am östlichen Ende der antiken Insel Pharos in Alexandria (İskenderiye) in Ägypten. Heute kennzeichnet die Qaitbay-Zitadelle (Kayıtbay Kalesi) seinen früheren Standort neben der Einfahrt zum Großen Hafen. Erdbeben zerstörten ihn nach und nach. Erhaltene Steine wurden um 1480 beim Bau der Zitadelle wiederverwendet. Unter Wasser liegen große Blöcke, die dem Leuchtturm zugeordnet werden, neben Steinen anderer Bauwerke.

Das Rätsel beginnt bei diesen vermischten Überresten: Welche Steine gehörten zum Turm, und was verraten sie dir über seinen Aufbau? Münzen zeigen einen Turm mit einer Statue auf der Spitze. Unterwasseruntersuchungen dokumentieren verstreute Architekturteile. Diese Spuren verbinden die Baugeschichte des Leuchtturms mit seiner allmählichen Zerstörung und den Rekonstruktionen, die heute mithilfe von 3D-Modellen geprüft werden.

Wo stand der Leuchtturm von Alexandria?

Der Leuchtturm markierte von der Ostspitze der Insel Pharos aus die Einfahrt zum Großen Hafen von Alexandria. Der Heptastadion verband Pharos mit Alexandria. Dieser Damm war mehr als 1.200 Meter lang. Der Inselstandort war somit auch baulich mit der Stadt verbunden.

Die Qaitbay-Zitadelle steht am früheren Standort des Leuchtturms. Wenn du dich an der Zitadelle orientierst, kannst du den antiken Turm geografisch einordnen. Die archäologische Unterwasserfundstätte liegt in diesem Bereich. CEAlex bringt das Versinken der Überreste mit Bodensenkungen in Verbindung, die Alexandrias Küste seit der Antike betreffen.

Wann und unter welcher Herrschaft wurde der Leuchtturm von Alexandria gebaut?

CEAlex datiert den Baubeginn auf 297 v. Chr., unter Ptolemaios I. Die Fertigstellung folgte zwischen 283 und 281 v. Chr., unter Ptolemaios II. Diese Datierung stützt sich auf das später entstandene Lexikon Suda und die Chronologie des Eusebius. Ihre Genauigkeit hängt daher von diesen schriftlichen Überlieferungen ab.

Der Leuchtturm wurde eines der sieben Weltwunder der Antike. Seine Gesamthöhe wird auf mindestens 100 Meter geschätzt. Diese Angabe beschreibt eine geschätzte Gesamthöhe. Die erhaltenen Blöcke unter Wasser bilden keinen intakten Turm, an dem sich sämtliche Maße einfach ablesen ließen.

Die Baudaten machen auch die unterschiedlichen Rollen der beiden Könige deutlich. Ptolemaios I. begann das Vorhaben. Bei seiner Fertigstellung herrschte Ptolemaios II. Wer den Leuchtturm nur einem der beiden Herrscher zuschreibt, lässt diese Abfolge außer Acht.

Was verraten antike Darstellungen über Architektur und Betrieb?

Die bekannte Rekonstruktion zeigt drei nach oben schmaler werdende Abschnitte: einen quadratischen Unterbau, einen achteckigen Mittelteil und einen runden oberen Teil. Münzen aus den Regierungszeiten der Kaiser von Domitian bis Commodus zeigen einen dreiteiligen Turm mit einer Statue auf der Spitze. Diese Bilder liefern Hinweise auf die grundlegende Gliederung des Bauwerks.

In seiner architektonischen Auswertung der Münzen erkennt CEAlex außerdem Tritonfiguren an den vier Ecken der ersten Terrasse. Die Statue auf der Spitze und die Figuren auf der Terrasse stehen nach dieser Deutung an unterschiedlichen Stellen. Wenn du sie auseinanderhältst, kannst du die Rekonstruktion genauer nachvollziehen.

Weniger gesichert ist die Position des Leuchtfeuers. Nach einer traditionellen Darstellung brannte oben auf dem Turm ein Feuer. CEAlex stellt diese Anordnung infrage, weil bildliche Darstellungen an derselben Stelle eine große Statue zeigen. Der genaue Standort des Feuers und sein Verhältnis zur Überlieferung eines Spiegels gelten dort als umstritten.

Antike Darstellungen ermöglichen somit Aussagen über die Turmabschnitte und den Skulpturenschmuck. Sie klären aber nicht jedes Detail des Betriebs. Eine Rekonstruktion kann den quadratischen, achteckigen und runden Abschnitt zeigen und zugleich offenlassen, wie das Leuchtfeuer genau angeordnet war.

Wie wirkten sich Erdbeben und spätere Bauarbeiten auf den Leuchtturm aus?

Die Zerstörung des Leuchtturms erstreckte sich über längere Zeit. Nach den in der englischsprachigen Wikipedia zusammengestellten Berichten brachte ein Erdbeben im Jahr 956 die obersten etwa 20 Meter zum Einsturz. Damit ging ein erheblicher Teil des Bauwerks verloren. Vollständig verschwunden war es jedoch noch nicht.

Das Pharos-Projekt von CEAlex führt das Ende des Leuchtturmbetriebs auf Schäden durch das Erdbeben und den damit verbundenen Tsunami vom 8. August 1303 zurück. Nach seiner Darstellung wurde das Gebäude nach dieser Katastrophe nicht mehr repariert. Das Ende des Betriebs und das Verschwinden der verbliebenen Bausubstanz waren somit getrennte Etappen.

Die Besuche Ibn Battutas zeigen den fortschreitenden Verfall. 1326 konnte er den beschädigten Leuchtturm betreten. Bei seiner Rückkehr 1349 war dieser so stark verfallen, dass der Eingang nicht mehr erreichbar war. Seine Berichte dokumentieren den zunehmenden Verfall zwischen der Katastrophe von 1303 und der späteren Wiederverwendung der Steine.

Um 1480 wurden laut der türkischsprachigen Wikipedia Steine aus noch teilweise stehenden Abschnitten für den Bau der Qaitbay-Zitadelle am selben Ort verwendet. Erdbebenschäden erklären den schrittweisen Verfall des Turms. Spätere Bauarbeiten erklären die Wiederverwendung des erhaltenen Materials. Auch die Absenkung der Küste trägt dazu bei, dass archäologische Überreste heute unter Wasser liegen.

Zeitleiste

  • 297 v. Chr.: Baubeginn unter Ptolemaios I. nach der Datierung von CEAlex, die auf dem später entstandenen Lexikon Suda und der Chronologie des Eusebius beruht.
  • 283–281 v. Chr.: Fertigstellung des Leuchtturms unter Ptolemaios II. nach derselben Datierung von CEAlex.
  • 956: Ein Erdbeben brachte Teile des oberen Abschnitts zum Einsturz.
  • 8. August 1303: Ein Erdbeben und der damit verbundene Tsunami beschädigten den Leuchtturm schwer und beendeten laut CEAlex seinen Betrieb.
  • 1326 und 1349: Ibn Battuta konnte das beschädigte Gebäude 1326 betreten. 1349 fand er es so stark verfallen vor, dass es nicht mehr zugänglich war.
  • Um 1480: Erhaltene Steine des Leuchtturms wurden in der Qaitbay-Zitadelle wiederverwendet.
  • 1993–1994: Betonblöcke zum Küstenschutz bedrohten die Unterwasserreste. 1994 folgte die erste Grabungskampagne von CEAlex.
  • 1995–1996: Sechsunddreißig Objekte wurden geborgen, um später an Land ausgestellt zu werden.
  • 2009 und 2013: Die photogrammetrische Dokumentation begann und wurde anschließend zur Arbeit an einem digitalen Zwilling der Unterwasserfundstätte erweitert.
  • 2023: Das Pharos-Projekt begann unter der Leitung von Isabelle Hairy.
  • 2025: Die Bergung von 22 großen Blöcken, die dem Leuchtturm zugeordnet werden, wurde bekannt gegeben.

Welche Steine vor der Qaitbay-Zitadelle werden dem Leuchtturm zugeordnet?

Das Team des von Jean-Yves Empereur gegründeten Centre d’Études Alexandrines führte 1994 seine erste Grabungsserie im Bereich der Qaitbay-Zitadelle durch. Das französische Kulturministerium berichtet von etwa 3.500 Architekturelementen, die bei Tauchgängen identifiziert wurden. Dazu gehörten Kapitelle, Basen, Sphingen, Obelisken und Kolossalstatuen. Nur ein Teil galt als wahrscheinlicher Bestandteil des Leuchtturms.

CEAlex unterscheidet innerhalb der Unterwasserfundstätte mehrere Gruppen. Die Überreste im Nordwesten werden dem Leuchtturm zugeordnet, jene im Nordosten einem Gebäude aus römischer Zeit und jene im Süden einer Küstenschutzmauer. Die Lage innerhalb der Fundstätte gehört somit zur Interpretation.

Auch die Zahlen zur Fundstätte brauchen ein Datum und eine klare Definition. Am 1. Januar 2020 enthielt die CEAlex-Datenbank 3.040 erfasste Blöcke. Das digitale Oberflächenmodell deckte etwa 65 Prozent einer archäologischen Fläche von 15.910 Quadratmetern ab. Diese Angaben beschreiben einen datierten Dokumentationsstand. Sie sind keine Zählung gesicherter Leuchtturmsteine.

Bei Arbeiten, über die im Juli 2025 berichtet wurde, wurden 22 große, dem Leuchtturm zugeordnete Blöcke vom Meeresboden geborgen. Sie sollten untersucht und digital gescannt werden. Darunter waren Steine, die mit seinem monumentalen Eingang in Verbindung gebracht werden. Andere Stücke gehörten zu einem Pylontor im ägyptischen Stil, das Teil eines eigenständigen Monuments gewesen sein könnte. Durch die Bergung wurde nicht jede Zuordnung sicher.

Details, die du nicht in Reiseführern findest

Plinius der Ältere berichtete von Baukosten in Höhe von 800 Talenten. Auf Grundlage seiner Berechnung für das ptolemäische Talent rechnet CEAlex diesen Betrag in etwa 17 Tonnen Silber um. Die Umrechnung macht die überlieferten Ausgaben als Materialmenge greifbar.

1993 drohte den Unterwasserresten eine moderne Gefahr. Hunderte Betonblöcke wurden zum Schutz der Qaitbay-Zitadelle im Meer versenkt. Sie behinderten den Zugang zu archäologischen Überresten und gefährdeten die Fundstätte.

Die südliche Küstenschutzmauer belegt eine weitere Wiederverwendung. CEAlex beschreibt sie als Mauer aus Granitsäulen, die aus antiken Gebäuden Alexandrias stammten und neu zugeschnitten wurden. Dass ein Stein in der Nähe des Leuchtturms liegt, belegt daher nicht, dass er ursprünglich zum Turm gehörte.

Einige geborgene Objekte sind an Land zu sehen. Sechsunddreißig Stücke, die 1995–1996 geborgen wurden, kamen auf Ausstellungsflächen in Alexandria. Dazu gehören das Freilichtmuseum am Römischen Theater und der Platz vor der Bibliotheca Alexandrina. Dort kannst du Material aus der Unterwasserfundstätte auch an Land betrachten.

Welche offenen Fragen können Unterwasserausgrabungen und 3D-Modelle klären?

Eine wissenschaftliche Kurzfassung von Hairy, Abdelaziz und Elsayed aus dem Jahr 2025 datiert den Beginn eines Photogrammetrieprogramms auf 2009. Es sollte die einzelnen Stücke untersuchen und mögliche Verbindungen zwischen ihnen prüfen. Laut der Kurzfassung wurde diese Arbeit 2013 in Richtung eines digitalen Zwillings der etwa 1,6 Hektar großen Unterwasserfundstätte erweitert.

Stell dir vor, du versuchst zu Hause, zerbrochene Teile zusammenzusetzen: Ob sie zusammenpassen könnten, musst du anhand ihrer Form prüfen. Das Leuchtturmprogramm überträgt diese praktische Frage auf dokumentierte Steinfragmente. Die Suche nach möglichen Verbindungen kann helfen zu prüfen, ob getrennte Stücke einst zum selben Architekturelement gehörten.

Das 2023 unter der Leitung von Isabelle Hairy gestartete Pharos-Projekt gleicht archäologische Befunde mit antiken Texten und bildlichen Darstellungen ab. Seine 3D-Modelle prüfen Rekonstruktionshypothesen zur Geometrie, zu den Materialien, zur Innenaufteilung sowie zur Form und Anzahl der Öffnungen. Sie geben den vorgeschlagenen Entwürfen konkrete Merkmale, die sich an den Befunden überprüfen lassen.

Der umstrittene Standort des Feuers zeigt, warum diese Vergleiche wichtig sind. Münzen mit einer Statue auf der Turmspitze erschweren die traditionelle Annahme, dort habe ein Feuer gebrannt. Wenn du eine Rekonstruktion betrachtest, solltest du den dreiteiligen Turm und die genaue Anordnung des Leuchtfeuers mit unterschiedlicher Sicherheit beurteilen.

FAQ

Wo genau stand der Leuchtturm?

Er stand am östlichen Ende der Insel Pharos in Alexandria in Ägypten und markierte die Einfahrt zum Großen Hafen. Heute steht die Qaitbay-Zitadelle an seinem früheren Standort.

Zerstörte ein einziges Erdbeben den gesamten Leuchtturm?

Sein Verfall verlief schrittweise. Für 956 sind Schäden überliefert. CEAlex bringt das Ende des Betriebs mit dem Erdbeben und dem Tsunami von 1303 in Verbindung. Ibn Battutas Besuche dokumentieren den weiteren Verfall, bevor Steine um 1480 wiederverwendet wurden.

Stammen alle Unterwasserreste vom Leuchtturm?

Nein. CEAlex identifiziert auch Überreste eines Gebäudes aus römischer Zeit und einer Küstenschutzmauer. Nur ein Teil des bei den Tauchgängen dokumentierten Materials galt als wahrscheinlicher Bestandteil des Leuchtturms.

Was prüfen Forschende mit 3D-Modellen?

Die 3D-Modelle des Pharos-Projekts prüfen die vorgeschlagene Geometrie, die Materialien, die Innenaufteilung und die Öffnungen des Turms. Das Projekt gleicht diese Rekonstruktionen mit archäologischen Befunden, Texten und Darstellungen ab. Ein Photogrammetrieprogramm untersucht außerdem mögliche Verbindungen zwischen Steinblöcken.

Quellen

  1. CEAlex — Unterwasserausgrabungen am Standort des Leuchtturms pharos.cealex.org
  2. CEAlex — Der Leuchtturm von Alexandria pharos.cealex.org
  3. CEAlex — Das Pharos-Projekt pharos.cealex.org
  4. Französisches Kulturministerium — Alexandria (Ägypten) archeologie.culture.gouv.fr
  5. Englischsprachige Wikipedia — Leuchtturm von Alexandria en.wikipedia.org
  6. Türkischsprachige Wikipedia — İskenderiye Feneri tr.wikipedia.org
  7. Live Science — Massive Blöcke des Leuchtturms von Alexandria livescience.com
  8. Eurographics — 3D-Technologien an der archäologischen Unterwasserfundstätte des antiken Leuchtturms von Alexandria (Ägypten), Kurzfassung der Veröffentlichung diglib.eg.org

FAQ

Wo stand der Leuchtturm von Alexandria?

Er stand am östlichen Ende der antiken Insel Pharos in Alexandria in Ägypten. Er markierte die Einfahrt zum Großen Hafen. An seinem Standort steht heute die Qaitbay-Zitadelle.

Wurde der Leuchtturm durch ein einziges Erdbeben zerstört?

Seine Zerstörung verlief schrittweise. Ein Erdbeben beschädigte 956 seinen oberen Teil. CEAlex führt das Ende seines Betriebs auf Schäden durch das Erdbeben und den Tsunami vom 8. August 1303 zurück. Erhaltene Steine wurden später in der Qaitbay-Zitadelle wiederverwendet.

Gehört jeder Stein unter Wasser zum Leuchtturm?

Nein. Die Unterwasserfundstätte enthält Überreste, die dem Leuchtturm, einem Bau aus römischer Zeit und einer Küstenschutzmauer zugeordnet werden. Von den etwa 3.500 Architekturelementen, über die das französische Kulturministerium berichtet, galt nur ein Teil als wahrscheinlicher Bestandteil des Leuchtturms.

Was können 3D-Modelle über den Leuchtturm zeigen?

Sie helfen Forschenden, mögliche Verbindungen zwischen Steinblöcken zu untersuchen. Außerdem lassen sich damit Rekonstruktionen der Geometrie, der Materialien, der Innenaufteilung und der Öffnungen des Leuchtturms prüfen. Die Modelle werden mit archäologischen Befunden, antiken Texten und bildlichen Darstellungen abgeglichen.

Image: Lighthouse – Thiersch.png — Prof. Hermann Thiersch (1874–1939), Public domain

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