Gab es Lagertha wirklich?
Lagerthas historische Existenz ist nicht bestätigt. Lagertha (türkisch: Lagertha) ist eine sagenhafte norwegische Kriegerin, die als Ehefrau von Ragnar Lodbrok beschrieben wird. Die zentrale schriftliche Darstellung steht in Saxo Grammaticus’ Gesta Danorum. Darin werden ihr Schlachten, eine Ehe, Kinder und politische Macht zugeschrieben. Diese Einzelheiten ergeben eine Geschichte. Ein historisch belegtes Leben begründen sie jedoch nicht.
Die Dänische Gesellschaft für Sprache und Literatur datiert die lateinische Gesta Danorum auf die Zeit um 1200. Lagerthas Geschichte steht im neunten Buch, in den Abschnitten 9.4.1–9.4.11. Wenn du die Kriegerin hinter dem Namen verstehen möchtest, liegt hier der entscheidende Ausgangspunkt: ein bestimmter Bericht eines namentlich bekannten Autors, keine unabhängig bestätigte Biografie.
Ein hilfreicher Vergleich aus dem Alltag ist eine weitergeleitete Nachricht. Zu wissen, wer sie weitergegeben hat, hilft dir, ihre Aussagen einzuschätzen. Es beweist aber nicht jedes Detail. Hier ist Saxo der bekannte Erzähler. Sein Bericht bewahrt Lagerthas Legende. Ob sie tatsächlich gelebt hat, ist eine eigene Frage. Dafür braucht es Belege außerhalb der Erzählung.
Lagertha und Ragnar: So beginnt ihre Geschichte
Saxo verortet Lagertha in einem norwegischen Tal, das er Gaulardale nennt. Ihr Auftreten als Kriegerin folgt auf einen Gewaltakt gegen eine Königsfamilie. In seiner Erzählung tötet der schwedische König Frø den norwegischen König Siward. Anschließend sperrt er Frauen aus Siwards Familie in ein Bordell.
Ragnar reist nach Norwegen, um seinen Großvater Siward zu rächen. Frauen in Männerkleidung schließen sich seinem Heer an. Ragnar nimmt ihre Unterstützung an. Unter diesen Kämpferinnen ragt Lagertha hervor. Ihr erster Auftritt gehört damit zu einer Rachegeschichte. Die Beteiligung der Frauen ist unmittelbar mit Frøs Behandlung von Siwards Familie verbunden.
Saxo beschreibt Lagertha als Amazone. Ihr offenes Haar fällt ihr über die Schultern und verrät im Kampf, dass sie eine Frau ist. Dieses Detail macht die Szene anschaulich: eine für die Schlacht gekleidete Kriegerin, die innerhalb der Erzählung an ihrem Haar zu erkennen ist.
Später will Ragnar Lagertha heiraten. Sie stellt einen Bären und einen Hund an den Eingang ihres Hauses, um ihn fernzuhalten. Laut Saxo tötet Ragnar den Bären mit einem Speer und erwürgt den Hund. Danach heiratet er sie. Die Begegnung mit den Tieren gehört zur Brautwerbung innerhalb der Legende. Sie ist kein unabhängiger Beleg für die Ehe.
Lagertha und Ragnar: Ehe, Kinder und Trennung
Saxo führt drei Kinder aus der Ehe an: einen Sohn namens Fridleif und zwei Töchter, deren Namen er nicht nennt. Das ist die Familie, die er in seiner Lagertha-Erzählung beschreibt. Wenn du ihrer Beziehung zu Ragnar folgst, sind dies die Kinder, die der Text ihrer Ehe zuordnet.
Die Ehe endet, als Ragnar Thora heiraten möchte. Saxo verbindet die Trennung auch mit Ragnars Erinnerung an die Tiere, die Lagerthas Haus bewachten. Bär und Hund spielen somit über die Brautwerbung hinaus eine Rolle. Sie tauchen erneut als Teil der Erklärung für seinen Entschluss auf, sich von ihr scheiden zu lassen.
Trotz ihrer Trennung kommt Lagertha Ragnar später zu Hilfe. Saxo schreibt ihr eine Flotte von 120 Schiffen zu. In der folgenden Schlacht wird Ragnars Sohn Siward verwundet. Lagertha greift den Feind von hinten an und hilft dabei, Haralds Truppen zu besiegen. Ihre militärische Rolle setzt sich fort, nachdem ihre Rolle als Ragnars Ehefrau geendet hat.
Wie hieß Lagertha wirklich?
Saxo überliefert den Namen Lathgertha. Lagertha, Ladgertha und Ladgerda sind alternative Schreibweisen für dieselbe Sagengestalt. Die türkische Wikipedia nennt Hlaðgerðr als altnordische Form. Diese Namensformen helfen dabei, Verweise zusammenzuführen, die sonst wie Berichte über verschiedene Frauen wirken könnten.
Beim Lesen historischer Texte ist mit der Formulierung „wirklicher Name“ Vorsicht geboten. Lathgertha bezeichnet den Namen in Saxos Bericht. Dadurch wird die Figur nicht zu einer historisch belegten Person. Wenn du auf Ladgerda oder Ladgertha stößt, weist die Schreibweise allein nicht auf eine andere Biografie hin. Die Verweise betreffen dieselbe sagenhafte Kriegerin.
Lagerthas Kleidung: Was beschreibt Saxo?
In Saxos Bericht schließen sich Frauen in Männerkleidung Ragnars Heer an. Außerdem hebt er Lagerthas offenes Haar im Kampf hervor. Das sind konkrete Angaben zu ihrem Aussehen innerhalb der Geschichte. Sie erlauben es, Saxos Darstellung zu untersuchen. Für eine vollständige Rekonstruktion ihrer Kleidung reichen sie nicht aus.
Kleidung spielt auch bei Lagerthas späterer Machtübernahme eine Rolle. Laut Saxo verbirgt sie eine Speerspitze in ihrem Gewand, bevor sie ihren späteren Ehemann tötet. In dieser Episode verdeckt das Gewand eine Waffe. Die Kleidung erfüllt damit eine praktische Funktion im Geschehen. Ebenso begleitet die Männerkleidung den Eintritt der Frauen in Ragnars Heer.
Lagerthas Tod: Wo endet ihre Geschichte?
Saxos Lagertha-Erzählung endet damit, dass sie nach ihrer Rückkehr nach Norwegen die alleinige Herrschaft übernimmt. Nachts tötet sie ihren späteren Ehemann mit der verborgenen Speerspitze. Die abschließende Handlung betrifft ihren Machterwerb. Es ist der Tod des Ehemanns, der diese letzte Episode prägt.
Dieses Ende ist wichtig, wenn du über Lagerthas Leben liest. Zuletzt erscheint sie in Saxos Erzählung als Herrscherin, die ihren Ehemann beseitigt hat. Eine Nacherzählung, die diesem Bericht folgt, sollte dort enden: Die Frau, die zunächst als Kämpferin auftritt, übernimmt schließlich selbst die Herrschaft.
Warum Historiker Lagerthas historische Existenz bezweifeln
Judith Jesch stuft die Erzählungen in den ersten neun Büchern der Gesta Danorum als weitgehend fiktiv ein. Lagerthas Geschichte gehört zu dieser Gruppe. Diese wissenschaftliche Einschätzung betrifft den Charakter des Materials selbst. Dazu zählt auch der Teil von Saxos Werk, der ihre Ehe und ihre militärischen Taten enthält.
Hilda Ellis Davidson und Nora K. Chadwick vermuteten eine mögliche Verbindung zwischen Lagertha und der Göttin Þorgerðr Hǫlgabúðr. Das ist eine Theorie zur Identität und zum Hintergrund der Figur. Sie bietet eine Deutung der Legende. Sie bestätigt jedoch nicht, dass eine Norwegerin die von Saxo beschriebenen Ereignisse erlebt hat.
Die Unterschiede sind klar. Saxo liefert eine Erzählung über Lathgertha. Jesch stellt den historischen Charakter der betreffenden Bücher infrage. Davidson und Chadwick schlagen eine mögliche Verbindung zu einer Göttin vor. Keine dieser Positionen weist Lagertha als dokumentierte Einzelperson nach. Jede hilft jedoch dabei, ihre Geschichte einzuordnen.
Beweist das Kriegergrab von Birka, dass Lagertha existierte?
Das Grab Bj.581 von Birka liegt in Schweden und stammt aus der Mitte des 10. Jahrhunderts. Es wurde 1878 ausgegraben. Die Bestattung wird in Diskussionen über Lagertha aufgegriffen, weil sie materielle Belege zur Frage nach Frauen und Kriegsführung liefert. Die Datierung gilt allerdings für das Grab. Sie lässt sich nicht als Lebenszeit Lagerthas verwenden.
2017 veröffentlichte DNA-Befunde wiesen bei der bestatteten Person zwei X-Chromosomen und kein Y-Chromosom nach. Die 2019 in Antiquity erschienene Neubewertung erkennt die Bestimmung des biologischen Geschlechts als zuverlässig an. Dieser Befund betrifft die in Birka bestattete Person. Er identifiziert sie nicht als die Frau aus Saxos Geschichte.
Das Grab enthielt ein Schwert, eine Axt, ein Kampfmesser, zwei Speere, zwei Schilde und 25 panzerbrechende Pfeile. Charlotte Hedenstierna-Jonson und ihre Kollegen argumentierten in ihrer Neubewertung von 2019, die Frau sei eine Berufskriegerin von hohem gesellschaftlichem Rang gewesen. Ihre Deutung verbindet die Grabbeigaben mit einer militärischen Rolle.
Eine andere Lesart findet sich in einem UNESCO-Beitrag von 2023. Der Archäologe Leszek Gardeła weist darauf hin, dass Waffen auch symbolische Entscheidungen derjenigen widerspiegeln können, die eine Bestattung ausrichten. Strittig ist, was die Gegenstände über das Leben der Frau belegen. Auch die Studie von 2019 selbst betont die Grenzen von Rückschlüssen aus einem einzelnen Grab auf eine ganze Gesellschaft.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
Saxos Angabe von 120 Schiffen verleiht Lagerthas Rückkehr zu Ragnar innerhalb der Legende erhebliches Gewicht. Sie trifft nach ihrer Scheidung ein und trägt durch einen Angriff von hinten zum Sieg bei. Die Abfolge zeigt sie als jemanden, der Streitkräfte aufbieten und den Ausgang einer Schlacht beeinflussen kann.
Die Bestattung von Birka enthielt außerdem zwei Pferde, Spielsteine im Schoß der verstorbenen Person und ein Spielbrett in der Nähe. Diese Gegenstände gehören ebenso wie die Waffen zur Betrachtung des Grabinhalts. Du kannst sämtliche Beigaben gemeinsam untersuchen und dabei die archäologisch belegte Person von Saxos sagenhafter Lagertha unterscheiden.
Zeitleiste
- Mitte des 10. Jahrhunderts: Dieser Zeitraum wird dem Grab Bj.581 von Birka zugeordnet. Er ist keine Datierung von Lagerthas Leben.
- Um 1200: Auf diese Zeit wird die lateinische Gesta Danorum datiert, deren neuntes Buch Lagerthas Geschichte enthält.
- 1878: Das Grab Bj.581 von Birka wird ausgegraben.
- 2017: Die DNA-Untersuchung, die die bestattete Person als biologisch weiblich identifiziert, wird veröffentlicht.
- 2019: Antiquity veröffentlicht eine Neubewertung des Grabes und seiner Deutung als Bestattung einer Kriegerin.
- 2023: Die UNESCO veröffentlicht einen Beitrag, der Leszek Gardełas alternative Deutung der Waffen in der Bestattung enthält.
FAQ
War Lagertha eine echte Wikingerkriegerin?
Ihre Existenz ist nicht bestätigt. Saxo beschreibt eine norwegische Kriegerin namens Lathgertha. Die Erzählung belegt jedoch keine gesicherte historische Identität.
Waren Lagertha und Ragnar verheiratet?
In Saxos Bericht heiraten sie und bekommen Fridleif sowie zwei Töchter, deren Namen nicht genannt werden. Später lässt Ragnar sich von Lagertha scheiden, um Thora zu heiraten.
Ist die Frau aus Birka Lagertha?
Birka Bj.581 belegt weder Lagerthas Existenz noch ihre Identität. Das Grab liefert unabhängige Belege für die Debatte über die Beteiligung von Frauen an der Kriegsführung der Wikinger.
Quellen
- Wikipedia — Lagertha en.wikipedia.org
- Det Danske Sprog- og Litteraturselskab — Gesta Danorum dsl.dk
- Saxo Grammaticus — Die dänische Geschichte, neuntes Buch gutenberg.org
- Vikipedi — Lagertha tr.wikipedia.org
- Universität Uppsala — Erster genetischer Beweis dafür, dass Frauen Wikingerkriegerinnen waren uu.se
- Antiquity — Wikingerkriegerinnen? Neubewertung des Kammergrabes Bj.581 von Birka cambridge.org
- UNESCO — Wikingerfrauen in neuem Licht unesco.org
FAQ
Gab es Lagertha wirklich?
Lagerthas historische Existenz ist nicht bestätigt. Ihre Geschichte steht im neunten Buch von Saxo Grammaticus’ Gesta Danorum, das auf die Zeit um 1200 datiert wird.
Wie hieß Lagertha wirklich?
Saxo überliefert den Namen Lathgertha. Lagertha, Ladgertha und Ladgerda sind alternative Schreibweisen. Als altnordische Form wird Hlaðgerðr angegeben.
Waren Lagertha und Ragnar verheiratet?
In Saxos Erzählung heiratet Lagertha Ragnar. Sie haben einen Sohn namens Fridleif und zwei Töchter, deren Namen nicht genannt werden. Ihre Ehe gehört zur Sage und ist kein Teil einer gesicherten Biografie.
Image: Lathgertha by Morris Meredith Williams.png — Morris Meredith Williams (1881-1973), Public domain






