Atahualpa und Pizarro: Was wirklich geschah
Die verbreitete Version lautet: 168 Spanier nahmen in einem einzigen Zimmer ein ganzes Reich gefangen. Die Überlieferung sieht etwas anders aus. Francisco Pizarros Männer nahmen Atahualpa am 16. November 1532 auf dem offenen Platz von Cajamarca gefangen. Das Zimmer kam erst danach ins Spiel. Dort wurde er festgehalten und bot sein Lösegeld an.
Der Kern der Geschichte bleibt erschütternd. Eine kleine Gruppe nahm einen Herrscher lebend gefangen. Ein Reich verlor damit sein Oberhaupt. So kam es dazu.
Wer war Atahualpa? Der Inka-Herrscher von 1532–1533
Atahualpa war der Sapa Inka, der 1532–1533 regierte. Er gilt als letzter tatsächlich unabhängiger Herrscher des Inka-Reichs. Wenn du im Kreuzworträtsel nach dem Herrscher der Inka bei der Ankunft der Spanier suchst, ist dieser Name gefragt.
Das Getty Research Institute gibt seine Lebensdaten mit etwa 1502 bis 1533 an. Es führt ihn als 13. Herrscher der Linie von Manco Cápac.
Sein Vater Huayna Cápac starb an Pocken. Die Krankheit erreichte die Anden vor den spanischen Truppen.
Woher stammte Atahualpa?
Darüber sind sich Historiker nicht einig. Cieza de León und Betanzos nennen Cusco als Geburtsort. Andere Historiker sprechen sich für Quito oder Caranqui aus.
Ein einzelner Geburtsort lässt sich deshalb nicht mit Sicherheit angeben. In Büchern wirst du allen drei Orten begegnen. Für jeden gibt es eine Quelle.
Atahualpa und Huáscar: der Bürgerkrieg
Atahualpa und sein Halbbruder Huáscar kämpften von 1529 bis 1532 in einem Bürgerkrieg um den Inka-Thron. Bei den Inka ging die Herrschaft nicht automatisch an den ältesten Sohn über. Söhne verschiedener Ehefrauen des Herrschers kamen als Nachfolger infrage. Diese Regel machte einen Machtkampf zwischen Brüdern möglich.
1532 besiegten Atahualpas Generäle Quizquiz und Chalcuchímac Huáscars Heer bei Quipaipán. Sie nahmen Huáscar gefangen.
Der Zeitpunkt ist entscheidend. Der Krieg war kaum beendet, als Pizarros Männer eintrafen. Das Reich hatte gerade jahrelange Kämpfe zwischen zwei Thronanwärtern hinter sich.
Atahualpa: Aussprache und Bedeutung
Im klassischen Quechua lautet der Name Ataw Wallpa. Die Aussprache wird mit [ˈataw ˈwaʎpa] angegeben.
Die Bedeutung ist umstritten. Die traditionelle Erklärung verbindet den Namen mit einem Hahn. Daneben gibt es zwei weitere Theorien. Nach der einen wurde der Vogel nach dem Herrscher benannt. Nach der anderen hat der Name Wurzeln im Puquina.
Der Überfall von Cajamarca, 15.–16. November 1532
Pizarros Männer erreichten Cajamarca am 15. November 1532. Am folgenden Tag wurde Atahualpa gefangen genommen.
Laut Kris Lanes Überblick in Oxford Bibliographies umfasste die spanische Gruppe in Cajamarca am 16. November 168 Personen. 62 von ihnen waren beritten.
Die Spanier bereiteten den Platz im Voraus vor. Sie stellten Kanonen auf der zeremoniellen Plattform auf. Ihre Reiterei versteckten sie in den Gebäuden rund um den Platz.
Atahualpa kam mit einem zeremoniellen Gefolge auf den Platz. Seine kampferprobten Hauptstreitkräfte begleiteten ihn nicht. Ein großer Teil seiner Soldaten wartete in einem Lager außerhalb der Stadt.
Der Oxford-Überblick fasst Augenzeugenberichte über eine Begegnung zusammen. Der Priester Vicente de Valverde und ein Dolmetscher namens Felipe überreichten Atahualpa ein Gebetbuch.
Dann begann der Angriff. Schusswaffen und Reiterei trafen das Gefolge. Pizarros Fußsoldaten griffen die Träger von Atahualpas Sänfte an und nahmen ihn lebend gefangen.
Die Verluste aufseiten der Inka waren schwer. Laut dem Oxford-Überblick wurden Hunderte, wahrscheinlich Tausende Inka getötet oder an den Mauern rings um den Platz zerquetscht.
Warum gelang der Überfall?
Mehrere Faktoren kamen zusammen:
- Ein gespaltenes Reich. Der Bürgerkrieg zwischen Atahualpa und Huáscar war gerade zu Ende gegangen.
- Abwesende Truppen. Die kampferprobten Hauptverbände standen im Lager außerhalb der Stadt und befanden sich nicht auf dem Platz.
- Überraschung. Die Reiterei blieb bis zum Beginn des Angriffs verborgen.
- Feuerkraft. Kanonen und Schusswaffen waren im Voraus in Stellung gebracht worden.
- Ein klares Ziel. Die Fußsoldaten griffen die Sänftenträger an und nahmen den Herrscher lebend gefangen.
Dafür war kein großes Heer nötig. Es genügte ein Herrscher am falschen Ort, dessen beste Truppen anderswo standen.
Das Lösegeld und das Lösegeldzimmer
Atahualpa bot an, für seine Freiheit ein Zimmer einmal mit Gold und zweimal mit Silber zu füllen.
Stell dir einen Handel um eine Geisel mit einem festen Preis vor. Diesen Preis legte er selbst fest.
Die UNESCO beschreibt in den Nominierungsunterlagen für Cajamarca das erhaltene Lösegeldzimmer, El Cuarto del Rescate, als das Gebäude, in dem Atahualpa gefangen gehalten wurde und das Lösegeld aus Gold und Silber vorschlug.
Laut dem Inventar des Ministeriums ist der Raum 11,80 Meter lang, 7,30 Meter breit und etwa 3,10 Meter hoch.
Atahualpas Tod
Das Lösegeld brachte ihm keine Freiheit. Pizarro ließ ihn nicht frei, obwohl das Lösegeld übergeben worden war. 1533 befahl Pizarro seine Hinrichtung.
Die Spanier warfen Atahualpa vor, mit seinen Generälen einen Angriff vorzubereiten. Der Historiker R. Alan Covey betont, dass die Beweislage für diesen Vorwurf schwach ist.
Atahualpa wurde zum Tod durch Verbrennen verurteilt. Dann ließ er sich taufen. Daraufhin wurde das Urteil in Erdrosselung mit der Garrotte umgewandelt.
Das Datum ist umstritten. Perus Tourismusministerium nennt den 26. Juli 1533 und gibt die Dauer seiner Gefangenschaft mit acht Monaten und zehn Tagen an. Die türkische Wikipedia nennt den 29. August 1533. In den Anmerkungen des englischen Wikipedia-Artikels steht, dass spätere Forschungen dieses traditionell genannte Datum verworfen haben.
Nach seinem Tod bestimmte Pizarro einen anderen Inka-Prinzen zu seinem Nachfolger auf dem Thron.
Beendete die Eroberung den Widerstand der Inka?
Nein. Der Überfall von Cajamarca beendete nicht den gesamten Widerstand der Inka. Ein unabhängiger Inka-Staat nördlich von Cusco bestand bis 1572.
Die Gefangennahme eines Herrschers war damit ein Wendepunkt. Das letzte Kapitel war sie noch nicht.
Zeitleiste
- Um 1502: Atahualpa wird geboren. Sein Geburtsort ist umstritten.
- 1529–1532: Atahualpa und Huáscar kämpfen um den Thron.
- 1532: Atahualpas Generäle besiegen Huáscar bei Quipaipán und nehmen ihn gefangen.
- 15. November 1532: Pizarros Männer erreichen Cajamarca.
- 16. November 1532: Die Spanier nehmen Atahualpa beim Überfall auf dem Platz gefangen.
- 1532–1533: Gold und Silber für sein Lösegeld werden zusammengetragen.
- 26. Juli 1533: Laut dem peruanischen Tourismusministerium wird Atahualpa mit der Garrotte hingerichtet. Einige ältere Darstellungen nennen den 29. August.
- 1572: Der unabhängige Inka-Staat nördlich von Cusco endet.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
- Das Getränk. Vor dem Treffen bot Atahualpa den spanischen Gesandten Maisbier an. Die Geste drückte eine Beziehung zwischen Herrschern aus. Stell dir vor, ein Gastgeber reicht dir vor einem ernsten Gespräch ein Getränk. Damit signalisiert er die Bedingungen der Begegnung.
- Ein Herrscher in Gefangenschaft. Während seiner Gefangenschaft in Cajamarca versammelte Atahualpa seinen Hofstaat wieder um sich. Er erteilte weiterhin Befehle als Herrscher.
- Ein modernes Dach. Das heutige Dach des Lösegeldzimmers ist modern. Die drei Öffnungen in seiner Vorderwand stammen von späteren Umbauten.
- Zehn Nischen. Im Raum befinden sich zehn trapezförmige Wandnischen: zwei im Süden, drei im Westen, vier im Norden und eine im Osten.
Achte bei deinem Besuch auf diese Details. Zähle die Nischen. Schau dir das Dach an. Das Gebäude, das du siehst, wurde seit 1532 verändert.
FAQ
Wurde Atahualpa in einem Zimmer gefangen genommen?
Nein. Er wurde am 16. November 1532 bei einem Überfall auf dem Platz von Cajamarca gefangen genommen. Das Zimmer war der Ort seiner Gefangenschaft und seines Lösegeldangebots.
Wie viele Spanier waren in Cajamarca?
Kris Lanes Überblick in Oxford Bibliographies nennt für den 16. November 1532 insgesamt 168 Personen. 62 waren beritten.
Wie starb Atahualpa?
Er wurde zum Tod durch Verbrennen verurteilt. Nachdem er sich hatte taufen lassen, wurde das Urteil in Erdrosselung mit der Garrotte umgewandelt. Das Tourismusministerium datiert seine Hinrichtung auf den 26. Juli 1533.
Was bedeutet Atahualpa?
Die Bedeutung ist umstritten. Die traditionelle Deutung lautet „Hahn“. Andere Theorien besagen, dass der Vogel nach dem Herrscher benannt wurde oder dass der Name Wurzeln im Puquina hat.
Endete der Inka-Staat in Cajamarca?
Nein. Ein unabhängiger Inka-Staat nördlich von Cusco bestand bis 1572.
Quellen
- Wikipedia — Atahualpa en.wikipedia.org
- Getty Research Institute — Atahualpa getty.edu
- Enzyklopädie der lateinamerikanischen Geschichte und Kultur — Atahualpa encyclopedia.com
- Oxford Bibliographies — Eroberung Perus (Kris Lane) academic.oup.com
- Universität Texas — Zwischen den Zeilen lesen in Cajamarca sites.utexas.edu
- Peruanisches Ministerium für Außenhandel und Tourismus — El Cuarto del Rescate consultasenlinea.mincetur.gob.pe
- UNESCO — Das historische Zentrum von Cajamarca whc.unesco.org
FAQ
Wurde Atahualpa in einem Zimmer gefangen genommen?
Nein. Die Spanier nahmen ihn am 16. November 1532 bei einem Überfall auf dem Platz von Cajamarca gefangen. Das Zimmer gehört zum nächsten Teil der Geschichte: seiner Gefangenschaft und dem Lösegeld, das er anbot.
Wie viele Spanier waren in Cajamarca?
Laut Kris Lanes Überblick in Oxford Bibliographies waren am 16. November 1532 insgesamt 168 Spanier dort. 62 von ihnen waren beritten.
Wie starb Atahualpa?
Er wurde zum Tod durch Verbrennen verurteilt. Nachdem er sich hatte taufen lassen, wurde das Urteil in Erdrosselung mit der Garrotte umgewandelt. Das peruanische Tourismusministerium nennt den 26. Juli 1533 als Datum.
Was bedeutet der Name Atahualpa?
Die Bedeutung ist umstritten. Die traditionelle Erklärung verbindet den Namen mit einem Hahn. Andere Theorien besagen, dass der Vogel nach dem Herrscher benannt wurde oder dass der Name aus dem Puquina stammt.
Endete der Inka-Staat mit dem Fall von Cajamarca?
Nein. Ein unabhängiger Inka-Staat nördlich von Cusco bestand bis 1572.
Image: La Captura de Atahualpa – Juan Lepiani 1920s.png — Juan Lepiani, Public domain






