Wer war Ali Quschdschi?
Ali Quschdschi war ein Astronom, Mathematiker und Sprachgelehrter des 15. Jahrhunderts. Sein Lebensweg verband Samarkand (Semerkant) mit Istanbul. Er studierte im Gelehrtenkreis von Ulugh Beg, arbeitete an astronomischen Tafeln und lehrte schließlich unter Mehmed II. (II. Mehmed). Sein Weg führte ihn auch nach Kirman und an den Hof Uzun Hasans in Täbris (Tebriz).
Wenn du Ali Quschdschis Weg von Samarkand nach Istanbul verfolgst, begegnest du mehr als einem reisenden Astronomen. Seine Laufbahn verband Beobachtung, mathematischen Unterricht und Diplomatie. Hinzu kamen Überlegungen dazu, wie die Astronomie ihre Aussagen begründen sollte. Seine Bücher behandelten sowohl den Himmel als auch das praktische Rechnen. Eines wurde zum Mathematiklehrbuch an osmanischen Medresen.
Er wurde im frühen 15. Jahrhundert geboren, wahrscheinlich in Samarkand. Das häufig genannte Geburtsjahr 1403 ist unsicher. Die TDV İslâm Ansiklopedisi führt sein genaues Geburtsdatum als unbekannt. Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn du Darstellungen liest, die ohne Einschränkung ein genaues Jahr nennen.
Ali al Qushji: Wie hieß er?
Der unter dem Namen Ali al Qushji bekannte Gelehrte wird auch Ali Kuşçu genannt. Sein persönlicher Name lautete Alâeddin Ali, sein Vater hieß Muhammed. Der Name Kuşçu ging auf die Tätigkeit seines Vaters als oberster Falkner Ulugh Begs zurück. So wurde ein Hofamt zum Bestandteil des Namens eines Astronomen.
Während seiner Ausbildung lernte Ali Quschdschi bei mehreren Gelehrten in Samarkand. Er studierte Mathematik und Astronomie bei Ulugh Beg, Kadızâde-i Rûmî und Gıyâseddin Cemşîd el-Kâşî. Diese Fächer blieben für seine späteren Schriften zentral, auch als ihn seine Laufbahn zwischen timuridischen und osmanischen Gebieten führte.
Von Samarkand nach Kirman
Nach seinem Studium in Samarkand setzte Ali Quschdschi seine Arbeit in Kirman im heutigen Iran fort. Nach seiner Rückkehr nach Samarkand überreichte er Ulugh Beg die Mondabhandlung Hallü eşkâli’l-kamer. Das Werk zeigt konkret, mit welchen astronomischen Fragen er sich vor seinem späteren Umzug nach Istanbul beschäftigte.
Ali Quschdschi arbeitete auch an Ulugh Begs Sternwarte. Dort wirkte er an den astronomischen Tafeln mit, die als Zîc-i Sultânî bekannt sind. Sein Beitrag war Teil eines gemeinschaftlichen wissenschaftlichen Vorhabens. Neben seiner eigenen Mondabhandlung gehörten diese Tafeln zu seiner Arbeit in Samarkand.
Die Tötung Ulugh Begs im Jahr 1449 bedeutete einen entscheidenden Einschnitt in seiner Laufbahn. Sie trug dazu bei, dass Ali Quschdschis Arbeitszeit in Samarkand endete. Sein weiterer Weg führte über Täbris. Dort förderte ihn der Aq-Qoyunlu-Herrscher (Akkoyunlu) Uzun Hasan und setzte ihn als Gesandten ein.
Wie kam Ali Quschdschi nach Istanbul?
Ali Quschdschi begegnete Mehmed II. als Botschafter Uzun Hasans. Der osmanische Herrscher lud ihn ein, in Istanbul zu bleiben. Ali Quschdschi kehrte zunächst nach Täbris zurück, um seinen diplomatischen Auftrag abzuschließen und Uzun Hasan Bericht zu erstatten. Erst danach zog er dauerhaft nach Istanbul.
MacTutor datiert seine Niederlassung in Istanbul auf etwa 1472. Er kam mit seiner Familie und seinen Schülern. Mehmed II. ernannte ihn zum Lehrer an der Medrese der Hagia Sophia (Ayasofya). Zu seinen Schülern in Istanbul gehörte Molla Lutfi. So verband sich seine eigene Ausbildung in Samarkand mit seiner späteren Lehrtätigkeit im Osmanischen Reich.
Wenn du Istanbul besuchst, bieten dir die Hagia Sophia und Eyüp Sultan zwei geografische Anhaltspunkte für seine Geschichte. An der Medrese der Hagia Sophia hatte er seine Lehrstelle. Der Friedhof von Eyüp Sultan wurde nach seinem Tod 1474 seine letzte Ruhestätte. Gemeinsam verorten diese beiden Orte seine letzten Lebensjahre in der Stadt.
Ali Quschdschis Bücher: Was schrieb er?
Zu Ali Quschdschis Schriften gehörten die Mondabhandlung Hallü eşkâli’l-kamer, das astronomische Werk er-Risâletü’l-Fethiyye und das Mathematikbuch er-Risâletü’l-Muhammediyye fi’l-hisâb. Ihre Themen erklären, warum er sowohl als Astronom als auch als Mathematiker bekannt ist. Zu seinen wissenschaftlichen Arbeiten zählte außerdem ein Kommentar zu Tusis (Tûsî) Tecrîdü’l-i‘tikād.
Die Fethiyye widmete er Mehmed II. nach dessen Sieg über Uzun Hasan im Jahr 1473. Diese Widmung verbindet das Astronomiebuch mit denselben Herrschern, die seinen diplomatischen Weg prägten. Uzun Hasan hatte ihn als Gesandten eingesetzt. Mehmed berief ihn später als Lehrer nach Istanbul.
Auch die Muhammediyye wurde Mehmed II. überreicht. Später diente sie an osmanischen Medresen als Mathematiklehrbuch der mittleren Stufe. Ihr Rechenteil behandelte das indische Rechnen im dezimalen Stellenwertsystem, das von Astronomen verwendete Rechnen im Sechzigersystem und quadratische Gleichungen. Damit vereinte das Lehrwerk unterschiedliche mathematische Verfahren.
Der zweite Teil untersuchte Flächeninhalte und Volumina. Zu den behandelten Körpern gehörten Kugeln, Kugelteile und Kegel. Wenn du Ali Quschdschi bisher nur als Astronomen kennst, zeigen dir diese Kapitel eine weitere Seite seiner Arbeit: die Vermessung von Flächen und räumlichen Körpern.
Zum Entstehungsdatum des Buches gibt es unterschiedliche Angaben. Kâtib Çelebi brachte es mit Ali Quschdschis erster diplomatischer Reise in Verbindung. Die TDV folgt dagegen Taşköprizâdes Datierung auf Februar 1473 und stützt sich dabei auf die Einleitung des Werkes. Für Februar 1473 gibt es somit einen Beleg im Text selbst, der über eine spätere biografische Angabe hinausgeht.
Könnte sich die Erde drehen?
In seinem Kommentar zu Tusis Tecrîdü’l-i‘tikād argumentierte Ali Quschdschi, dass die Astronomie nicht von der aristotelischen Naturphilosophie abhängig sein müsse. Dabei ging es um die Grundlagen astronomischer Begründungen. Diese Haltung prägte auch seine Auseinandersetzung mit der Frage, ob die Erde unbeweglich sein müsse.
Ali Quschdschi vertrat die Auffassung, dass stichhaltige Beobachtungsbelege die Unbeweglichkeit der Erde nicht abschließend bewiesen. Außerdem argumentierte er, dass die Annahme einer Erdrotation nicht zwangsläufig einen Widerspruch erzeuge. Seine Position ließ die Rotation als Möglichkeit offen. Sie war kein auf Beobachtungen gestützter Nachweis dafür, dass sich die Erde tatsächlich drehte.
Abdülalî el-Bircendî widersprach dieser Position im frühen 16. Jahrhundert. Er argumentierte, die Naturphilosophie könne die Unbeweglichkeit der Erde beweisen. Ihre Meinungsverschiedenheit betraf sowohl die Bewegung der Erde als auch die Geltung philosophischer Argumente in der Astronomie.
Details, die du nicht im Reiseführer findest
Eine von MacTutor wiedergegebene Überlieferung beschreibt eine wissenschaftliche Diskussion bei Ali Quschdschis Ankunft in Istanbul. Während der Überquerung des Bosporus erörterten die Beteiligten die Ursachen von Wasserbewegungen. Die Überfahrt erscheint in dieser historischen Erzählung somit auch als Anlass für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung.
Die Muhammediyye stellt mit ihrer Definition der Zahl einen Bezug zum Alltag her. Ali Quschdschi formulierte diese Definition so, dass sie die Eins einschloss. Wenn du zunächst einen einzelnen Gegenstand und danach mehrere zählst, kannst du dich der Frage über diese vertraute Handlung nähern: Seine Definition nahm die Eins ausdrücklich in die Kategorie der Zahlen auf.
Dasselbe Buch verwendete die Begriffe müsbet und menfi. Ihre Herkunft bleibt eine Frage der Interpretation. Als getrennte Möglichkeiten gelten eine eigene Wortschöpfung Ali Quschdschis und eine Übernahme aus der chinesischen Mathematik. Die Begriffe sind belegt. Eine der beiden Erklärungen als gesichert darzustellen, würde über diese Belege hinausgehen.
Die Fethiyye wurde später auch auf Türkisch weitergegeben. Sie wurde 1548 unter dem Titel Hulâsatü’l-hey’e und 1824 als Mir’âtü’l-âlem übersetzt. Durch diese Übersetzungen erreichte das 1473 gewidmete astronomische Werk auch spätere Leserschaften.
Zeitleiste
- Frühes 15. Jahrhundert: Wahrscheinlich in Samarkand geboren; das häufig genannte Jahr 1403 ist unsicher.
- Studium und Arbeit vor Istanbul: Studierte in Samarkand, setzte seine Arbeit in Kirman fort und arbeitete an Ulugh Begs Sternwarte in Samarkand.
- 1449: Ulugh Beg wurde getötet. Dies bedeutete einen entscheidenden Einschnitt in Ali Quschdschis Arbeitsleben in Samarkand.
- Diplomatische Mission: Begegnete Mehmed II. als Gesandter Uzun Hasans.
- Um 1472: Ließ sich mit seiner Familie und seinen Schülern dauerhaft in Istanbul nieder.
- Februar 1473: Verfasste die Muhammediyye nach der Datierung, die die TDV anhand ihrer Einleitung stützt.
- 1473: Widmete Mehmed II. nach dessen Sieg über Uzun Hasan die Fethiyye.
- Dezember 1474: Starb in Istanbul und wurde in Eyüp Sultan bestattet; die Quellen nennen unterschiedliche Todestage.
- 1548: Die türkische Übersetzung Hulâsatü’l-hey’e entstand.
- 1824: Die türkische Übersetzung Mir’âtü’l-âlem entstand.
- 2024: Sein 550. Todestag wurde in das Jubiläumsprogramm der UNESCO aufgenommen.
Tod in Istanbul und späteres Gedenken
Ali Quschdschi starb im Dezember 1474 in Istanbul. Die TDV nennt den 15. Dezember. Die Universität Istanbul Medeniyet nennt den 17. Dezember und gibt dieses Datum als 7 Şaban 879 an. Beide Darstellungen verorten seinen Tod im Jahr 1474. Bestattet wurde er auf dem Friedhof von Eyüp Sultan.
Sein 550. Todestag wurde durch einen gemeinsamen Antrag der Türkei und Usbekistans in das Jubiläumsprogramm der UNESCO für 2024 aufgenommen. Das Gedenken verband die Länder, die mit dem Anfang und Ende seines Lebenswegs verbunden sind: mit seinem frühen Leben in Samarkand und seinen letzten Lehrjahren in Istanbul.
FAQ
Wer war Ali Quschdschi?
Ali Quschdschi war ein Astronom, Mathematiker und Sprachgelehrter des 15. Jahrhunderts. Er erhielt seine Ausbildung in Samarkand, setzte seine Studien in Kirman fort und lehrte schließlich unter Mehmed II. an der Medrese der Hagia Sophia in Istanbul.
Wie hieß Ali Quschdschi?
Ali Quschdschi war der auch als Ali Kuşçu bekannte Gelehrte, dessen persönlicher Name Alâeddin Ali lautete. Sein Vater Muhammed diente als oberster Falkner Ulugh Begs.
Welches Buch von Ali Quschdschi wurde im Mathematikunterricht verwendet?
Die er-Risâletü’l-Muhammediyye fi’l-hisâb diente an osmanischen Medresen als Mathematiklehrbuch der mittleren Stufe. Sie behandelte das Rechnen, quadratische Gleichungen, Flächeninhalte und die Volumina von Körpern, darunter Kugeln und Kegel.
Wo ist Ali Quschdschi begraben?
Sein Grab liegt auf dem Friedhof von Eyüp Sultan in Istanbul. Er starb im Dezember 1474. Um 1472 hatte er sich in der Stadt niedergelassen und eine Lehrstelle an der Medrese der Hagia Sophia erhalten.
Quellen
- TDV-Enzyklopädie des Islam — Ali Kuşçu islamansiklopedisi.org.tr
- Universität St Andrews, MacTutor — Ali Qushji mathshistory.st-andrews.ac.uk
- TDV-Enzyklopädie des Islam — er-Risâletü’l-Muhammediyye islamansiklopedisi.org.tr
- Universität Istanbul Medeniyet — Gedenken an Ali Kuşçu an seinem Grab bilimtarihienstitu.medeniyet.edu.tr
- Türkische Nationalkommission für die UNESCO — Gedenk- und Jubiläumstage unesco.org.tr
FAQ
Wer war Ali Quschdschi?
Ali Quschdschi war ein Astronom, Mathematiker und Sprachgelehrter des 15. Jahrhunderts. Er erhielt seine Ausbildung in Samarkand und lehrte später an der Medrese der Hagia Sophia in Istanbul.
Welche Bücher schrieb Ali Quschdschi?
Zu seinen Werken zählen die Mondabhandlung Hallü eşkâli’l-kamer, das astronomische Werk er-Risâletü’l-Fethiyye und das Mathematiklehrbuch er-Risâletü’l-Muhammediyye fi’l-hisâb.
Hielt Ali Quschdschi eine Drehung der Erde für möglich?
Er vertrat die Auffassung, dass stichhaltige Beobachtungsbelege die Unbeweglichkeit der Erde nicht abschließend bewiesen. Außerdem argumentierte er, dass die Annahme einer Erdrotation nicht zwangsläufig zu einem Widerspruch führe.
Wo ist Ali Quschdschi begraben?
Er ist auf dem Friedhof von Eyüp Sultan in Istanbul begraben. Er starb im Dezember 1474, wobei die Quellen unterschiedliche Todestage nennen.
Image: Mirzo Ulughbek and Ali Kushchi in the observatory.jpg — Davide Mauro, CC BY-SA 4.0






