Antike Welt · MÖ 3200 – MS 476

Was bedeutet Schah? Ursprung von Schah und Schahanschah

Schah geht auf das altpersische Wort für König zurück, während Schahanschah König der Könige bedeutet. Ihre Geschichte verbindet das achämenidische Königtum, sasanidische Münzen, islamische Literatur und Herrschertraditionen außerhalb Irans.

8 Min. Lesezeit7 QuellenVeröffentlicht: 8 November 2026Zuletzt geprüft: 8 November 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Was bedeutet Schah? Ursprung von Schah und Schahanschah
Shah Mosque (Isfahan).jpg

Schah (türkisch: Şah) bedeutet auf Persisch „König“. Das Wort stammt vom altpersischen xšāyaθiya. Schahanschah (türkisch: Şehinşah) bedeutet „König der Könige“. Dem entsprechen das altpersische xšāyaθiya xšāyaθiyānām und das mittelpersische šāhān šāh. Beide Titel gehören zur Herrschertradition Irans (İran).

Wie verbindet ein Wort für „König“ königliche Inschriften, wechselnde Münzlegenden und höfische Dichtung? Wenn du den Titel Schah von Dareios I. (I. Darius) über die sasanidischen Herrscher bis zu späteren islamischen Höfen verfolgst, erkennst du auch die Vorstellungen, die damit verbunden waren. Verwandte Formen führen außerdem zu armenischen Königen, afghanischen Herrschern sowie osmanischen Prinzen und Mogulprinzen.

Woher stammt das Wort Schah im Altpersischen?

Schah geht auf das altpersische xšāyaθiya zurück. Es bedeutet „König“. Die Wurzel bildet das Verb xšāy-, „herrschen“ oder „regieren“. Das Wort verbindet den Herrschertitel damit unmittelbar mit der Ausübung von Herrschaft.

Die altpersischen Entsprechungen von Schah und Schahanschah sind in der achämenidischen Königstradition unter Dareios I. belegt. Dort beginnt ihre Geschichte, lange vor ihrem späteren Auftreten in islamischer Hofdichtung oder in den Titeln afghanischer Herrscher.

Mit Dareios lässt sich dieses königliche Vokabular auch an einem konkreten Ort verorten: Persepolis. Nach der Datierung der UNESCO gründete er Persepolis 518 v. Chr. und begann dort mit dem Bau der achämenidischen Palastanlage. Der Ort verbindet die frühe Geschichte dieser Titel mit einem bestimmbaren königlichen Bauvorhaben.

Wenn du über unterschiedliche Epochen liest, ist die sprachliche Unterscheidung wichtig. Xšāyaθiya ist das altpersische Wort, auf das Schah zurückgeht. Der längere altpersische Ausdruck xšāyaθiya xšāyaθiyānām entspricht dem mittelpersischen Titel šāhān šāh. Diese Formen verbinden die geläufigen Titel mit der älteren iranischen Herrschersprache.

Was unterscheidet Schah und Schahanschah?

Schah bedeutet „König“. Schahanschah bedeutet „König der Könige“. Der zweite Titel beschreibt das Verhältnis des Herrschers zu anderen Königen. Wer beide Titel einfach mit „König“ übersetzt, verliert diesen Unterschied.

Die sasanidische Formel macht ihn besonders deutlich. Zwischen ungefähr 224 und 439 n. Chr. lautete der zentrale Königstitel šāhān šāh Ērān: „König der Könige der Iraner“. Der Zusatz „der Iraner“ benennt die Gemeinschaft, auf die sich der Titel bezieht.

Schapur I. (I. Şapur) erweiterte die von Ardaschir I. (I. Erdeşîr) verwendete Formulierung. Er ergänzte ud An-ērān. Damit lautete der Titel „König der Könige der Iraner und Nichtiraner“. Ein kurzer Zusatz veränderte also den ausdrücklich beanspruchten Umfang königlicher Herrschaft.

Du kannst die Übersetzungen als Lesehilfe nutzen: Schah heißt „König“, Schahanschah „König der Könige“. Achte bei einem vollständigen Titel auch auf die Zusätze. „Der Iraner“ und „der Iraner und Nichtiraner“ drücken unterschiedliche Ansprüche aus.

Welche Königstitel standen auf sasanidischen Münzen?

Frühe sasanidische Münzen und Inschriften verwendeten eine erweiterte Formel: mazdēsn bay [Name des Herrschers] šāhān šāh Ērān kē čihr az yazdān. Sie verband die Verehrung Mazdas, den Titel „König der Könige“ und den Anspruch des Herrschers auf göttliche Abstammung. Der Königsname war Teil einer umfassenderen Aussage über das Königtum.

Ein Münztitel konnte damit mehr vermitteln als die Identität des Münzherrn. Die frühe Formel brachte neben dem königlichen Rang auch religiöse Zugehörigkeit und göttlichen Ursprung zum Ausdruck. Wenn du nur den Herrschernamen liest, entgeht dir ein großer Teil der Aussage.

Die Formulierungen auf sasanidischen Münzen änderten sich jedoch. Unter Yazdegerd II. (II. Yezdicerd) verschwand šāhān šāh Ērān aus den Münztiteln. An seine Stelle trat kay. Dieser Titel rief Vorstellungen eines sagenhaften und heroischen Königtums auf. Das königliche Vokabular hatte sich verändert, während die Objekte weiterhin königliche Münzen waren.

Spätere Inschriften stellten andere Ausdrücke neben den Herrschernamen. Ab dem sechsten Regierungsjahr Chosraus I. (I. Hüsrev) verwendeten seine Münzen abzōn, „Zunahme“. Unter Chosrau II. (II. Hüsrev) folgte auf den Namen xwarrah abzūd: „Der königliche Glanz hat zugenommen“. Damit wurden Zunahme und königlicher Glanz ausdrücklich Teil des Münztextes.

Wie lebten iranische Herrschertraditionen unter dem Islam weiter?

Iranische Königstraditionen lebten in Übersetzungen, Dichtung, politischer Sprache und auf Münzen fort. Im 8. Jahrhundert bearbeitete Ibn al-Muqaffa (İbnü’l-Mukaffa) das mittelpersische Xwadāy-nāmag für eine arabische Fassung. Das Werk behandelte die sasanidischen Herrscher. Seine arabische Bearbeitung ist nicht erhalten.

Firdausi (Firdevsî) gab den vorislamischen iranischen Königserzählungen im Schahname (Şehnâme) eine weitere literarische Form. Er verarbeitete mündliche und schriftliche Überlieferungen zu Versen. Die Erinnerung an das Königtum lebte somit sowohl in Geschichten über frühere iranische Könige als auch im Gebrauch königlicher Titel weiter.

Im 11. Jahrhundert verwendete der seldschukische Wesir Nizam al-Mulk (Nizâmülmülk) das ältere iranische Konzept farr im Ausdruck farr-e elāhi, „göttliche Gabe“. Damit fand eine etablierte Vorstellung königlicher Legitimität Eingang in die islamische politische Sprache.

Auch die Hofdichtung bewahrte Schahanschah. Dichter am Hof der Ghaznawiden priesen Sultan Mahmud, der von 998 bis 1030 regierte, mit diesem Titel. „König der Könige“ gehörte hier zur Sprache des Herrscherlobs.

Ein weiteres Beispiel liefern Münzen. Während der Herrschaft des Buyiden Rukn al-Daula Hasan (Rüknüddevle Hasan) von 947 bis 977 trugen ihre Rückseiten einen mittelpersischen Wunsch nach zunehmendem Glanz des Schahanschahs. Iranische Herrschersprache erschien damit auf Münzen ebenso wie in literarischen Werken.

Welche Herrschertraditionen außerhalb Irans verwendeten den Titel Schah?

Afghanische Herrscher führten den Titel Schah, bis die Monarchie in Afghanistan (Afganistan) 1973 abgeschafft wurde. Armenische Bagratidenherrscher verwendeten seit Aschot II. (II. Aşot) den Titel Schahanschah, „König der Könige“. Diese Beispiele zeigen die Verwendung der Titel in königlichen Traditionen außerhalb Irans.

Am osmanischen Hof und am Mogulhof bezeichnete der verwandte Titel Schahzade (şehzade) einen Prinzen. Er stammt vom persischen šāhzāda und bedeutet „Nachkomme des Schahs“. Wenn du auf Reisen über einen osmanischen Prinzen liest, kannst du das zunächst fremde Wort leichter entschlüsseln, sobald du Schah in şehzade wiedererkennst.

Auch ostiranische Herrschertraditionen verwendeten „König der Könige“ in verschiedenen Sprachen. Sakische Münzen des 1. Jahrhunderts n. Chr. trugen die griechische Form ΒΑΣΙΛΕΩΣ ΒΑΣΙΛΕΩΝ. Unter den Kuschan löste das mit griechischen Buchstaben geschriebene Baktrische das Griechische in den Münzinschriften ab. Der kuschanische Titel Šaonano Šao bedeutete ebenfalls „König der Könige“.

Den Titel Kuschanschah führten Herrscher in Teilen Ostirans, Afghanistans und Gandharas (Gandhara). Seine Verwendung fällt in die Zeit zwischen den sasanidischen Eroberungen des 3. Jahrhunderts und den hunnischen Einfällen des 4. und 5. Jahrhunderts. Bei seiner Geschichte ist Genauigkeit nötig: Berichte über die Feldzüge Ardaschirs I. könnten auf eine formelle Unterwerfung in Baktrien (Baktriya) hindeuten. Eine eindeutige Annexion belegen sie damit nicht.

Details, die du in Reiseführern nicht findest

Der früheste sicher datierte Beleg für Kuschanschah steht in der Paikuli-Inschrift des sasanidischen Herrschers Narseh, um 293 n. Chr. Die ursprüngliche Kuschan-Dynastie verwendete „Kuschan“ und „König der Könige“. Sie verband die beiden Bezeichnungen jedoch nicht zum einzelnen Titel Kuschanschah. Ähnlich aussehende Wörter können somit zu unterschiedlichen Formen des Titelgebrauchs gehören.

Die Münzinschriften Chosraus I. enthalten ein weiteres leicht übersehenes Detail. Ab seinem sechsten Regierungsjahr stand sein Name mit abzōn, „Zunahme“, statt mit Schahanschah oder kay. Wenn du dieses kleine Wort erkennst, kannst du einen Wandel nachvollziehen, den eine bloße Liste königlicher Namen verdecken würde.

Auch die Sprache auf den Münzen Rukn al-Daula Hasans ist bedeutsam. Während seiner Herrschaft von 947–977 erschien der Wunsch nach zunehmendem Glanz des Schahanschahs auf Mittelpersisch. Die Kontinuität betraf neben der weiteren Verwendung eines Königstitels auch die Formulierungen und die Sprache des Königtums.

Zeitleiste

  • 518 v. Chr.: Dareios I. gründete Persepolis und begann dort mit dem Bau der achämenidischen Palastanlage.
  • Ungefähr 224–439 n. Chr.: „König der Könige der Iraner“ bildete den Kern der sasanidischen Königstitulatur.
  • Um 293 n. Chr.: Kuschanschah wurde in Narsehs Paikuli-Inschrift belegt.
  • Unter Yazdegerd II.: Kay ersetzte šāhān šāh Ērān in den sasanidischen Münztiteln.
  • 8. Jahrhundert: Ibn al-Muqaffa übertrug sasanidische Königserzählungen ins Arabische.
  • 947–977: Die Münzen Rukn al-Daula Hasans trugen einen mittelpersischen Wunsch nach dem Glanz des Schahanschahs.
  • 998–1030: Hofdichter priesen Mahmud von Ghazni (Gazneli Mahmud) als Schahanschah.
  • 1973: Afghanistan schaffte seine Monarchie ab.
  • 1979: Die iranische Monarchie endete mit der Revolution. Mohammad Reza Pahlavi (Muhammed Rıza Pehlevî) war ihr letzter Schah.

FAQ

Was bedeutet Schah auf Deutsch?

Schah bedeutet auf Persisch „König“. Seine altpersische Vorform lautet xšāyaθiya. Sie hängt mit dem Verb xšāy- zusammen: „herrschen“ oder „regieren“.

Ist Schahanschah ein anderes Wort für Schah?

Schahanschah bedeutet „König der Könige“, Schah dagegen „König“. Der längere Titel entspricht dem mittelpersischen šāhān šāh und dem altpersischen xšāyaθiya xšāyaθiyānām.

Stand Schahanschah auf jeder sasanidischen Münze?

Nein. Die Münztitel Yazdegerds II. verwendeten kay anstelle von šāhān šāh Ērān. Chosrau I. und Chosrau II. verwendeten neben ihren Namen Ausdrücke für Zunahme und königlichen Glanz.

Wurde Schah auch außerhalb Irans verwendet?

Ja. Afghanische Herrscher führten den Titel Schah bis 1973. Armenische Bagratidenkönige verwendeten Schahanschah. Am osmanischen Hof und am Mogulhof war der verwandte Prinzentitel Schahzade gebräuchlich.

Wer war der letzte Schah von Iran?

Mohammad Reza Pahlavi war der letzte Schah von Iran. Die Monarchie endete infolge der Revolution von 1979.

Quellen

  1. Wikipedia — Schah en.wikipedia.org
  2. Encyclopaedia Iranica — Königtum VI: Das persische Konzept des Königtums in der islamischen Zeit iranicaonline.org
  3. UNESCO-Welterbezentrum — Persepolis whc.unesco.org
  4. Encyclopaedia Iranica — Königtum IV: Im sasanidischen Iran iranicaonline.org
  5. Encyclopaedia Iranica — Kuschanschahs I: Geschichte iranicaonline.org
  6. Encyclopaedia Iranica — Königtum V: In ostiranischen Gebieten iranicaonline.org
  7. Vikipedi — Schah tr.wikipedia.org

FAQ

Was bedeutet Schah auf Deutsch?

Schah bedeutet auf Persisch König. Das Wort stammt vom altpersischen xšāyaθiya. Das zugrunde liegende Verb xšāy- bedeutet herrschen oder regieren.

Was ist der Unterschied zwischen Schah und Schahanschah?

Schah bedeutet König, Schahanschah dagegen König der Könige. Die mittelpersische Form šāhān šāh entspricht dem altpersischen xšāyaθiya xšāyaθiyānām.

Hießen sasanidische Herrscher auf Münzen immer Schahanschah?

Nein. Unter Yazdegerd II. ersetzte kay die Formel šāhān šāh Ērān in den Münztiteln. Spätere Münzinschriften unter Chosrau I. und Chosrau II. verwendeten Ausdrücke für Zunahme und königlichen Glanz.

Wurde der Titel Schah auch außerhalb Irans verwendet?

Ja. Afghanische Herrscher führten den Titel Schah bis zum Ende der Monarchie 1973. Armenische Bagratidenherrscher verwendeten Schahanschah. Am osmanischen Hof und am Mogulhof bezeichnete der verwandte Titel Schahzade einen Prinzen.

Wer war der letzte Schah von Iran?

Mohammad Reza Pahlavi war der letzte Schah von Iran. Die iranische Monarchie endete mit der Revolution von 1979.

Image: Shah Mosque (Isfahan).jpg — Amir Pashaei, CC BY-SA 4.0

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