Art déco (türkisch: Art deco) ist ein Stil der bildenden Kunst, Architektur und Gestaltung. Er entstand in den 1910er-Jahren in Paris, noch vor dem Ersten Weltkrieg. In den 1920er-Jahren und frühen 1930er-Jahren verbreitete er sich international. Dabei verband er geometrische Formen, historische Motive, luxuriöses Kunsthandwerk und die Bildwelt der modernen Maschinenwelt.
Wie konnte dieselbe Formensprache einen Wolkenkratzer und ein Teeservice prägen? Art déco bewegte sich zwischen diesen Größenordnungen. Wenn du seinen Weg von französischen Luxuswerkstätten über die Pariser Ausstellung von 1925 bis zu Haushaltswaren aus der Massenproduktion verfolgst, zeigt dir seine Geometrie einen Wandel. Er betrifft Vorstellungen von Genuss, Produktion und modernem Leben.
Welche historischen und gesellschaftlichen Bedingungen prägten Art déco?
Art déco entstand zum Teil aus wirtschaftlichem Wettbewerb. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wollten französische Gestalter Frankreich (Fransa) wieder zur international führenden Nation für Luxusgüter machen. Gestaltung und Fertigung aus Österreich (Avusturya) und Deutschland (Almanya) stellten diese Position infrage. Die dekorativen Künste waren deshalb ebenso mit dem Handel verbunden wie mit künstlerischem Ehrgeiz.
Nach dem Ersten Weltkrieg entwarfen Möbelgestalter besondere Stücke für wohlhabende Kunden. Genuss, Pracht und die Flucht aus dem Alltag prägten diese Aufträge. Kostspielige Innenräume boten dafür den passenden Rahmen. Der glänzende Luxus des Art déco richtete sich an eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe: Kunden, die aufwendige Handwerksarbeit und teure Materialien bezahlen konnten.
Zugleich griff der Stil Bilder einer mechanisierten Welt auf. Während des wirtschaftlichen Aufschwungs der 1920er-Jahre verband er traditionelles Handwerk mit modernen Formen. Diese Verbindung blieb wichtig, als die Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren die Nachfrage veränderte. Art déco bot sowohl handgefertigten Luxusobjekten als auch industriell hergestellten Haushaltsgegenständen Raum.
Warum war die Pariser Ausstellung von 1925 wichtig?
1912 sagte die französische Regierung ihre Unterstützung für eine internationale Ausstellung der dekorativen Künste zu. Ursprünglich war sie für 1915 geplant. Wegen des Ersten Weltkriegs wurde sie verschoben. Schließlich eröffnete sie 1925 in Paris unter dem Namen Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes.
In sieben Monaten kamen mehr als 16 Millionen Besucher. Die Exponate reichten von Architektur und Innenraumgestaltung bis zu Schmuck und Parfüm. Die Ausstellung sollte vor allem die Überlegenheit der französischen Luxusproduktion hervorheben. Gebäude, Einrichtungsgegenstände und persönliche Besitztümer wurden gemeinsam als Ausdruck moderner Gestaltung präsentiert.
Die Ausstellung erfand Art déco nicht plötzlich. Nach Einschätzung des Metropolitan Museum of Art zeigt die stilistische Geschlossenheit der Exponate, dass die Bewegung bereits international ausgereift war. Die Veranstaltung verschaffte einer etablierten Formensprache ein deutlich größeres Publikum.
Der Name kam später. 1925 war diese Gestaltungsrichtung als Style Moderne bekannt. Die Bezeichnung Art déco leitete sich vom französischen Ausstellungstitel ab und verbreitete sich in den 1960er-Jahren. Der heute geläufige Name setzte sich also lange nach den Objekten und Gebäuden durch, die er beschreibt.
Wie wurden geometrische Formen, Materialien und Motive alter Kulturen eingesetzt?
Wiederholte geometrische Formen, gerade Linien und Sonnenstrahlenmotive sind typische Merkmale des Art déco. Farbe, Form und den Eindruck von Bewegung übernahmen Gestalter auch aus Fauvismus, Kubismus, Futurismus, De Stijl, Suprematismus und Konstruktivismus. Das moderne Erscheinungsbild entwickelte sich aus mehreren künstlerischen Strömungen.
Eine weitere bedeutende Bildquelle war das alte Ägypten (Eski Mısır). Howard Carters Entdeckung des Grabes von Tutanchamun (Tutankhamun) im November 1922 verstärkte das Interesse an Skarabäen, Hieroglyphen und Pyramiden. Diese Motive tauchten in unterschiedlichsten Entwürfen auf, von Kleidung bis zu Kinofassaden. Historische Bildmotive konnten so Teil einer betont modernen Oberfläche werden.
Auch Materialien vermittelten Bedeutung. Émile-Jacques Ruhlmanns lotusförmiger Frisiertisch aus den Jahren 1919–1923 verband tropische Hölzer mit Einlegearbeiten aus Ebenholz und Elfenbein. Seine Pflanzenform und die kostspielige Ausführung zeigen, wie der frühe Art déco dekorative Bezüge mit dem Markt für Luxusmöbel verband.
Afrikanische Textilien, Schilde und Skulpturen lieferten abstrakte geometrische Formen, die Gestalter aufgriffen. Eine schwarze Glastafel, die Sigmund Pollitzer 1933 für Pilkington entwarf, zeigte das stilisierte Profil einer afrikanischen Frau. Die Quellen des Art déco gingen über alte Kulturen hinaus. Unterschiedliche Bildtraditionen fanden Eingang in die zeitgenössische dekorative Produktion.
Wie unterscheidet sich Art déco vom Jugendstil?
Der Jugendstil (Art Nouveau) war in Europa (Avrupa) etwa von 1890–1914 besonders präsent. Seine fließenden Pflanzenformen und asymmetrischen Linien unterscheiden sich von den wiederholten geometrischen Formen und geraden Kanten des Art déco. Wenn du beide vergleichst, bietet dir die Linienführung einen guten Einstieg: hier rankende Pflanzen, dort geordnete Wiederholungen und Sonnenstrahlenmotive.
Die Verbindung zwischen den Stilen war jedoch enger, als dieser Vergleich vermuten lässt. Josef Hoffmann und Charles Rennie Mackintosh entwickelten stärker lineare und geometrische Varianten des Jugendstils. Ihre Arbeiten unterstützten unmittelbar die Suche des Art déco nach modernen Formen. Die Geometrie bildete damit auch eine Brücke zwischen den Stilen.
Wie verbreitete sich der Stil in Architektur, Möbeln und Alltagsgegenständen?
Seit den 1920er-Jahren traten geometrische Art-déco-Muster in der Architektur deutlich hervor. Das New Yorker Chrysler Building von 1930 ist ein bekanntes Beispiel im Maßstab eines Wolkenkratzers. In London (Londra) zeigte das Daily Express Building das Interesse des Stils an neuen Baumaterialien. Ellis and Clarke entwarfen es 1932 gemeinsam mit Sir Owen Williams. Dabei verwendeten sie undurchsichtiges farbiges Vitrolite-Glas.
Dieselbe geometrische Formensprache erschien in den 1920er-Jahren auf Schminketuis, Zigarettenetuis und Geschirr. Du brauchtest also kein monumentales Gebäude, um ihr zu begegnen. Kleine Besitztümer brachten dekorative Formen in persönliche Alltagsabläufe. So reichte der Stil über Architektur und eigens beauftragte Inneneinrichtungen hinaus.
Deine Verbindung zu Art déco im Alltag kann so gewöhnlich sein wie eine Tasse Tee. Eric Slaters Teeservice Vogue von 1930 für Shelley übertrug markante Formen auf vertrautes Geschirr. Die Reaktionen darauf machten auch praktische Probleme sichtbar. Kunden beklagten, dass der Tee in den breiten Tassen schnell abkühlte. Außerdem passten die Finger nicht durch die geschlossenen dreieckigen Henkel. Der Beitrag Art déco im Zuhause des V&A stellt bei diesem Entwurf einen direkten Bezug zur Nutzung im Haushalt her.
Nach dem Börsencrash an der Wall Street von 1929 stieg die Nachfrage nach billigen Konsumgütern. Das beschleunigte den Wechsel vom Handwerk zur industriellen Produktion. In den 1930er-Jahren verbreiteten sich verchromter Stahl, Aluminium, Spiegel, farbiges Glas, Bakelit und Catalin bei Haushaltswaren im Art-déco-Stil. Materialien, die sich für die Massenfertigung eigneten, veränderten den Markt für Art déco im Haushalt.
Handel, Kommunikation, Medien und Verkehrsnetze unterstützten die internationale Verbreitung. Tourismusplakate vermittelten einem größeren Publikum Bilder luxuriöser Reisen. In Mumbai verbanden Art-déco-Kinos und Wohngebäude den Stil mit indischen Gestaltungselementen. Daraus entstand eine lokale Ausprägung namens Indo-Deco. Dieses Ensemble von Art-déco-Bauten wurde 2018 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
In den Vereinigten Staaten (Amerika Birleşik Devletleri) entwickelte sich während der 1930er-Jahre die Streamline Moderne, auch Stromlinienmoderne genannt. Sie übertrug aerodynamische Kurven und einfache Linien auf Gebäude und Konsumgüter. Als Vorbild dienten schnelle Verkehrsmittel. Die geometrischen und aerodynamischen Bauten der New Yorker Weltausstellung von 1939 brachten Ideale von Konsum und technischem Fortschritt zum Ausdruck. Sie gehörten zur späteren amerikanischen Phase des Art déco.
Zeitleiste
- 1890–1914: Der Jugendstil blühte in Europa. Seine geometrischen Ausprägungen beeinflussten spätere Art-déco-Entwürfe.
- 1910er-Jahre: Früher Art déco entstand vor dem Ersten Weltkrieg in Paris.
- 1912: Die französische Regierung sagte ihre Unterstützung für eine internationale Ausstellung der dekorativen Künste zu.
- 1915: Der geplante Ausstellungstermin konnte wegen des Krieges nicht eingehalten werden.
- November 1922: Die Entdeckung des Grabes von Tutanchamun verstärkte das Interesse an ägyptischen Motiven.
- 1925: Die Pariser Ausstellung präsentierte ausgereiften Art déco einem breiten internationalen Publikum.
- 1927: John Skeapings Hirschfiguren für Wedgwood nutzten ein kostengünstiges Gussverfahren.
- 1929: Nach dem Börsencrash an der Wall Street beschleunigte die steigende Nachfrage nach günstigeren Waren den Übergang zur industriellen Produktion.
- 1930: Das Chrysler Building wurde zu einem herausragenden Beispiel der Art-déco-Hochhausarchitektur.
- 1930er-Jahre: In den Vereinigten Staaten entwickelte sich die Streamline Moderne. Gleichzeitig verbreiteten sich bei Art-déco-Haushaltswaren Materialien, die sich für die Massenproduktion eigneten.
- 1939: Die New Yorker Weltausstellung zeigte die Geometrie und die aerodynamischen Formen des späten Art déco.
- 1960er-Jahre: Art déco wurde zu einer weitverbreiteten Bezeichnung für den früheren Gestaltungsstil.
- 2018: Mumbais Art-déco-Gebäudeensemble wurde in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Details, die du nicht in Reiseführern findest
Die Zulassungsbedingungen der Ausstellung von 1925 untersagten Kopien früherer Stile. Dennoch stützten sich viele Exponate auf historische Traditionen. Dieses Spannungsverhältnis erklärt, wie Art déco sich als modern präsentieren und zugleich auf ältere dekorative Kulturen zurückgreifen konnte.
Eine in Paris gefertigte Abendjacke aus Lamé von 1923 mit von Hand aufgenähten Perlen ist in der Sammlung des V&A erhalten. Ihre ägyptische Inspiration liefert ein frühes Beispiel aus der Kleidung dafür, wie Art déco antike Motive aufgriff. Das durch Tutanchamuns Grab angeregte Interesse reichte weit über die Architektur hinaus.
John Skeapings kleine Hirschskulpturen für Wedgwood fanden auf einem anderen Weg in die Haushalte. Sie wurden 1927 entworfen und ließen sich durch Guss in einem Stück kostengünstig herstellen. Dieses Fertigungsverfahren machte Art-déco-Objekte auch für weniger wohlhabende Haushalte der Mittelschicht erschwinglich.
Munetsugu Satomis Plakat von 1937 für die Japanischen Staatsbahnen stellte einen Kirschbaum neben Bahn- und Telefonmasten. Tradition und industrielle Moderne erschienen in einem gemeinsamen Bild. Das Plakat zeigt konkret, dass zur internationalen Verbreitung des Art déco neben Gebäuden und Möbeln auch Reisewerbung gehörte.
FAQ
Wann und wo entstand Art déco?
Art déco entstand in den 1910er-Jahren in Paris, noch vor dem Ersten Weltkrieg. In den 1920er-Jahren und frühen 1930er-Jahren verbreitete sich der Stil international.
Entstand Art déco durch die Pariser Ausstellung von 1925?
Nein. Sie zeigte einen bereits ausgereiften Stil und machte ihn international bekannter. Ihr französischer Titel lieferte später den Namen Art déco.
Wie unterscheidest du Art déco vom Jugendstil?
Achte bei Art déco auf wiederholte geometrische Formen, gerade Linien und Sonnenstrahlenmotive. Der Jugendstil bevorzugt meist fließende Pflanzenformen und Asymmetrie. Seine geometrischen Ausprägungen beeinflussten allerdings Art déco.
Wie wirkte sich der Börsencrash von 1929 auf Art déco aus?
Die Nachfrage verlagerte sich zu günstigeren Waren. Das beschleunigte die industrielle Produktion. Auch die Kritik nahm zu. Mitte der 1930er-Jahre wurde Art déco als protziger Luxus abgetan. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ging sein Einfluss auf die Gestaltung zurück.
Quellen
- Wikipedia — Art déco en.wikipedia.org
- Vikipedi — Art deco tr.wikipedia.org
- The Metropolitan Museum of Art — Französischer Art déco metmuseum.org
- Victoria and Albert Museum — Art déco im Zuhause vam.ac.uk
- Victoria and Albert Museum — Art déco vam.ac.uk
- The London Archives — Jugendstil und Art déco thelondonarchives.org
- Victoria and Albert Museum — Eine Einführung in Art déco vam.ac.uk
- Victoria and Albert Museum — Die weltweiten Einflüsse auf Art déco vam.ac.uk
- Victoria and Albert Museum — Art déco weltweit vam.ac.uk
- UNESCO-Welterbezentrum — Ensembles der viktorianischen Neugotik und des Art déco in Mumbai whc.unesco.org
FAQ
Wann und wo entstand Art déco?
Art déco entstand in den 1910er-Jahren in Paris, noch vor dem Ersten Weltkrieg. In den 1920er-Jahren und frühen 1930er-Jahren verbreitete sich der Stil international.
Entstand Art déco durch die Pariser Ausstellung von 1925?
Nein. Die Ausstellung präsentierte einen bereits ausgereiften Stil. Sie machte Art déco international bekannter. Ihr französischer Titel lieferte später den Namen des Stils.
Wie unterscheidest du Art déco vom Jugendstil?
Der Jugendstil bevorzugt meist fließende Pflanzenformen und Asymmetrie. Art déco setzt auf wiederholte geometrische Formen, gerade Linien und Sonnenstrahlenmotive. Geometrische Entwürfe des Jugendstils prägten allerdings auch Art déco.
Wie wirkte sich der Börsencrash von 1929 auf Art déco aus?
Nach dem Börsencrash an der Wall Street stieg die Nachfrage nach günstigeren Konsumgütern. Das beschleunigte den Wechsel vom teuren Kunsthandwerk zur industriellen Produktion und zu Materialien, die sich für die Massenfertigung eigneten.
Image: Spiral stairs (Art Deco, Nebotičnik, Ljubljana).jpg — Petar Milošević, CC BY-SA 4.0






