Aurangzeb (Evrengzib) vergrößerte das Mogulreich durch Eroberungen im Süden. Er annektierte Bijapur 1686 und Golkonda 1687. Diese Siege brachten das Reich zu seiner größten territorialen Ausdehnung. Doch seine langen Feldzüge im Dekkan belasteten die Finanzen und konnten den Widerstand der Marathen nicht beenden.
Wie konnte das Reich seine weitesten Grenzen erreichen, während Soldaten jahrelang auf ihren Sold warteten? Aurangzebs Regierungszeit von 1658 bis 1707 verbindet territoriales Wachstum mit den steigenden Kosten, diese Gebiete zu halten. Du kannst diesen Zusammenhang anhand seines Thronfolgekampfs, seiner Feldzüge im Süden, zeitgenössischer Rechtsdokumente und seines umstrittenen Erbes nachvollziehen.
Wie gewann Aurangzeb den Thronfolgekampf gegen seine Brüder?
Aurangzeb wurde 1618 in Dahod im heutigen Gujarat geboren. Als Sohn von Shah Jahan und Mumtaz Mahal wurde er der sechste Mogulkaiser. Sein Weg zur Macht führte durch einen Familienkonflikt. Der Rang nach dem Alter begründete dabei keinen automatischen Thronanspruch.
Als Shah Jahan 1657 erkrankte, begannen vier Söhne einen bewaffneten Thronfolgekampf: Dara Shukoh, Shah Shuja, Murad Bakhsh und Aurangzeb. Die Thronfolge im Mogulreich bevorzugte nicht automatisch den ältesten Sohn. Deshalb entschieden Bündnisse und militärische Siege über den Ausgang.
Aurangzeb verbündete sich mit Murad Bakhsh. Gemeinsam besiegten sie im April 1658 bei Dharmat eine kaiserliche Armee. Im Mai schlugen sie Dara Shukohs Heer bei Samugarh. Diese Siege ebneten Aurangzeb den Weg zum Thron.
Nach Samugarh nahm Aurangzeb Agra ein und setzte Shah Jahan im Roten Fort von Agra gefangen. Die Gefangenschaft seines Vaters ging mit seiner eigenen Thronbesteigung 1658 einher. Aus dem Sieg über Dara war die Kontrolle über das Machtzentrum des Reiches geworden.
Anschließend wurden die übrigen Anwärter ausgeschaltet. Shah Shuja floh nach seiner Niederlage gegen Aurangzebs Truppen nach Arakan. Dara stellte ein neues Heer auf, verlor jedoch erneut, wurde gefangen genommen und 1659 hingerichtet. Auch seinen früheren Verbündeten Murad ließ Aurangzeb festnehmen und in Gwalior inhaftieren. Murad wurde am 4. Dezember 1661 hingerichtet.
Wie veränderten die Dekkan-Feldzüge das Reichsgebiet und die Finanzen?
Aurangzeb kannte den Dekkan bereits vor seiner Thronbesteigung. Von 1636–1644 und erneut von 1653–1658 verwaltete er dort die Gebiete des Mogulreichs. Seinen späteren Feldzügen im Süden gingen also zwei Amtszeiten mit unmittelbarer Verwaltungserfahrung in der Region voraus.
Die Expansion beschränkte sich nicht auf den Süden. Mitte 1660 ernannte er Mir Jumla zum Statthalter von Bengalen, Bihar und Orissa. Er sollte die Kontrolle des Mogulreichs im Nordosten wiederherstellen. Der Historiker John F. Richards bringt Aurangzebs wachsende Ambitionen im Süden auch mit kostspieligen, ergebnislosen Feldzügen jenseits des nördlichen Gebirgsgürtels in den 1660er- und 1670er-Jahren in Verbindung.
Der große Dekkan-Feldzug begann 1681 und dauerte 26 Jahre, bis zu Aurangzebs Tod. Eines seiner anfänglichen Ziele war die Gefangennahme seines rebellierenden Sohnes Akbar. Dieser hatte bei den Marathen Zuflucht gefunden. Ein Konflikt innerhalb der kaiserlichen Familie gehörte damit zu den ursprünglichen Anlässen des Feldzugs.
Weitere Gebietsgewinne erzielte Aurangzeb gegen zwei Sultanate. 1686 annektierte er Bijapur im westlichen Dekkan. 1687 folgte Golkonda im östlichen Dekkan. Diese Annexionen dehnten das Mogulreich nach Süden aus und brachten es zu seiner größten geografischen Ausdehnung.
Doch die Eroberungen beendeten den Widerstand nicht. Truppen des Mogulreichs nahmen den Marathenherrscher Sambhaji 1689 gefangen und töteten ihn. Rajaram setzte den Kampf fort, anschließend Tarabai. Der Widerstand der Marathen hielt bis zu Aurangzebs Tod 1707 an.
Die finanzielle Belastung wurde schwerwiegend. Laut der Geschichtslektion von INFLIBNET mussten manche Soldaten und Beamte während der späteren Dekkan-Kriege drei Jahre auf ausstehende Bezüge warten. Angesammelte Schätze aus Agra und Delhi wurden zur Versorgung der Armee nach Süden geschickt.
Wenn du deine Alltagsausgaben schon einmal nach dem nächsten Gehaltseingang geplant hast, kannst du diese Finanznot leichter nachvollziehen. Drei Jahre ausstehender Lohn zeigen ganz konkret, dass Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllt wurden. Auch der Transport eingelagerter Schätze nach Süden macht deutlich, wie die Feldzüge auf Reserven aus anderen Teilen des Reiches zugriffen.
Die Regierung zog mit dem Kaiser. Richards beschreibt ein Verwaltungszentrum, das sich während der ersten zwanzig Regierungsjahre in Shahjahanabad-Delhi befand. Während der Feldzüge in Rajasthan und im Dekkan übernahm Aurangzebs mitziehendes Heerlager diese Funktion. Die territoriale Expansion veränderte damit auch den Ort, von dem aus das Reich regiert wurde.
Zeitleiste
- 1618: Aurangzeb wurde in Dahod geboren.
- 1626: Er und Dara Shukoh wurden als Geiseln an Jahangirs Hof in Lahore geschickt.
- 1636–1644 und 1653–1658: Er amtierte zweimal als Statthalter im Dekkan.
- 1657: Shah Jahans Erkrankung löste den Thronfolgekampf aus.
- April–Mai 1658: Die Siege bei Dharmat und Samugarh ebneten seinen Weg zur Macht.
- 1658: Shah Jahan wurde gefangen gesetzt, und Aurangzeb wurde Kaiser.
- 1659 und 1661: Dara Shukoh wurde 1659 hingerichtet, Murad Bakhsh 1661.
- 1672: Die Rechtssammlung Fatawa-i Alamgiri wurde zusammengestellt.
- 1679: Aurangzeb führte die Dschizya wieder ein.
- 1681: Sein letzter großer Dekkan-Feldzug begann.
- 1686–1687: Bijapur und Golkonda wurden annektiert.
- 1689: Sambhaji wurde gefangen genommen und getötet.
- 3. März 1707: Aurangzeb starb; Bahadur Shah I. folgte ihm auf den Thron.
- 1724: Nizam-ul-Mulk Asaf Jah begründete im Dekkan eine eigene, faktisch selbstständige dynastische Herrschaft.
Welche Dokumente beleuchten seine Steuer-, Religions- und Tempelpolitik?
Aurangzeb führte 1679 die Dschizya wieder ein, eine Steuer für Nichtmuslime. Die von UCLA in Anver Emons Übersetzung veröffentlichte Dschizya-Fatwa nennt Ausnahmen für Frauen, Kinder, Kranke, Blinde, Hochbetagte und mittellose Arbeitslose. Wenn du diese Steuer untersuchst, solltest du ihre Wiedereinführung und die ausdrücklich genannten Ausnahmen zusammen betrachten.
Einen weiteren Einblick in die Regierungspraxis bietet die Fatawa-i Alamgiri. Die Sammlung wurde 1672 von Rechtsgelehrten im Auftrag Aurangzebs zusammengestellt. Sie sollte Statthaltern und Richtern als umfassendes juristisches Nachschlagewerk dienen. Dieser Zweck verbindet die religiöse Autorität des Kaisers mit der Verwaltungspraxis.
Bei der Tempelpolitik müssen unterschiedliche Arten von Belegen berücksichtigt werden. Das Register zu Jadunath Sarkars Übersetzung von Saqi Mustaid Khans Maasir-i-Alamgiri verweist für die Zerstörung des Vishvanath-Tempels in Kashi auf Seite 55. Für die Zerstörung des Keshav-Rai-Tempels in Mathura nennt es Seite 60.
Auch die Deutungen unterscheiden sich. UCLA wertet die Einschränkungen von 1668–1669 und die Wiedereinführung der Dschizya 1679 als Belege religiöser Unterdrückung. Die Darstellung der Ohio State University fordert dazu auf, auch Beispiele für den Schutz von Tempeln und die Genehmigung von Reparaturen einzubeziehen. Zerstörung, Schutz und Besteuerung gehören gleichermaßen in die Diskussion.
Verwaltungsakten erweitern die Quellengrundlage. Die Abteilung für orientalische Archivalien des Nationalarchivs von Indien verwahrt etwa 150.000 Dokumente. Dazu gehören Farmane, Anordnungen und Parwanas, die für die Erforschung von Aurangzebs Zeit relevant sind. Die dortige Inayat-Jang-Sammlung enthält mehr als 137.000 persische Dokumente aus dem Zeitraum 1685–1774. Sie ermöglichen Untersuchungen zur Provinzverwaltung und Agrargeschichte des Dekkan.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
Aurangzeb und Dara Shukoh teilten eine frühe Erfahrung als Geiseln. Nach der gescheiterten Rebellion ihres Vaters wurden sie 1626 an den Hof ihres Großvaters Jahangir in Lahore geschickt. Die Brüder, die später um die Thronfolge kämpften, hatten diese erzwungene Trennung von ihrer bisherigen Umgebung einst gemeinsam erlebt.
1681 ordnete Aurangzeb den Bau von Mauern um Aurangabad an. Die Stadt war ein wichtiges Verwaltungs- und Versorgungszentrum im Dekkan. Der Bauauftrag zeigt, dass zum Feldzug auch die praktische Sicherung eines Zentrums gehörte, das die Unternehmungen des Reiches unterstützte.
Ein erhaltener Farman macht die kaiserliche Verwaltung als Gegenstand greifbar. Das Nationalmuseum in Neu-Delhi besitzt Aurangzebs persischen Erlass zu Abdul Karims Madad-i-Maash-Zuwendung. Das Dokument stammt von 1672, misst 72 × 47.5 Zentimeter und trägt die Inventarnummer 86.152.
Die Darstellung der Ohio State University berichtet außerdem, dass Hindus unter Aurangzeb etwas mehr als 30 Prozent des Moguladels ausmachten. Dieser Anteil lag höher als unter früheren Herrschern. Das ergänzt eine wichtige Tatsache zur Verwaltung einer Regierungszeit, die häufig anhand der Dschizya und der Zerstörung von Tempeln diskutiert wird.
Lässt sich der spätere Zerfall des Reiches allein durch seine Entscheidungen erklären?
Die zitierten historischen Deutungen lehnen eine Erklärung durch eine einzige Ursache ab. UCLA betont den steuerlichen Druck auf die Bauern, schwächer werdende politische Bündnisse und die Schwierigkeit, weitläufige Gebiete zu regieren. Diese Faktoren verbinden das Problem kaiserlicher Herrschaft mit Besteuerung, Zusammenarbeit und der Reichweite der Verwaltung.
Auch die Darstellung der Ohio State University von 2023 berücksichtigt beim Niedergang des Mogulreichs im 18. Jahrhundert wirtschaftliche, soziale, politische, militärische und ökologische Faktoren neben Aurangzebs Entscheidungen. Seine Politik bleibt Teil der Erklärung. Diese Deutung macht sie jedoch nicht zur vollständigen Erklärung.
Aurangzeb starb am 3. März 1707. Sein Sohn Bahadur Shah I. folgte ihm auf den Thron. 1724 begründete sein früherer General Nizam-ul-Mulk Asaf Jah im Dekkan eine eigene, faktisch selbstständige Dynastie. Daran zeigt sich konkret, wie sich nach dem Tod des Kaisers regionale Herrschaft von der Zentralgewalt des Mogulreichs löste.
FAQ
Wann regierte Aurangzeb das Mogulreich?
Er regierte von 1658 bis 1707 als sechster Mogulkaiser. Seine Eltern waren Shah Jahan und Mumtaz Mahal.
Welche Eroberungen brachten das Reich zu seiner größten Ausdehnung?
Die Annexionen von Bijapur 1686 und Golkonda 1687 brachten das Mogulreich zu seiner größten territorialen Ausdehnung.
Besiegte Aurangzeb den Widerstand der Marathen?
Seine Truppen nahmen Sambhaji 1689 gefangen und töteten ihn. Dennoch hielt der Widerstand unter Rajaram und anschließend Tarabai bis zu Aurangzebs Tod 1707 an.
Wer folgte Aurangzeb auf den Thron?
Sein Sohn Bahadur Shah I. bestieg den Mogulthron, nachdem Aurangzeb am 3. März 1707 gestorben war.
Quellen
- Wikipedia — Evrengzib tr.wikipedia.org
- Wikipedia — Aurangzeb en.wikipedia.org
- UCLA MANAS — Aurangzeb: Eine politische Geschichte southasia.ucla.edu
- John F. Richards / Cambridge University Press — Die Expansion des Reiches unter Aurangzeb 1658–1689 cambridge.org
- Ohio State University Origins — Aurangzeb: Mogulkaiser origins.osu.edu
- INFLIBNET — Aurangzeb: Leben, Politik und Leistungen ebooks.inflibnet.ac.in
- UCLA MANAS — Aurangzeb: Religionspolitik southasia.ucla.edu
- UCLA MANAS — Aurangzebs Fatwa zur Dschizya southasia.ucla.edu
- University of California eScholarship — Moguln, Osmanen und die Frage der Gesetzbücher in der islamischen Rechtsgeschichte escholarship.org
- Nationalarchiv von Indien — Orientalische Archivalien nationalarchives.nic.in
- Nationalarchiv von Indien — Sammlung privater Schriftstücke nationalarchives.nic.in
- Museums of India / Nationalmuseum, Neu-Delhi — Farman museumsofindia.gov.in
- Gokhale Institute of Politics and Economics — Maasir-i-Alamgiri, Inhaltsverzeichnis und Register dspace.gipe.ac.in
FAQ
Wann regierte Aurangzeb das Mogulreich?
Aurangzeb regierte von 1658 bis 1707 als sechster Mogulkaiser. Er war der Sohn von Shah Jahan und Mumtaz Mahal.
Welche Eroberungen brachten das Reich zu seiner größten Ausdehnung?
Aurangzeb annektierte Bijapur 1686 und Golkonda 1687. Diese Eroberungen im Süden brachten das Mogulreich zu seiner größten territorialen Ausdehnung.
Besiegte Aurangzeb den Widerstand der Marathen?
Die Truppen des Mogulreichs nahmen Sambhaji 1689 gefangen und töteten ihn. Doch unter Rajaram und anschließend Tarabai hielt der Widerstand bis zu Aurangzebs Tod 1707 an.
Wer folgte Aurangzeb auf den Thron?
Sein Sohn Bahadur Shah I. folgte ihm nach seinem Tod am 3. März 1707 auf den Thron.
Image: Aurangzeb on a Boat.jpg — unknown (Indian), Public domain






