Weltgeschichte

Wer waren die Langobarden? Ihr Reich und die Lombardei

Die Langobarden waren ein germanisches Volk, das 568 unter Alboin nach Italien zog und ein Reich mit Pavia als Zentrum gründete. Ihr Name lebt in der Bezeichnung Lombardei weiter; ihre Gesetze und Bauwerke überdauerten das Ende der Unabhängigkeit ihres Reiches im Jahr 774.

8 Min. Lesezeit9 QuellenVeröffentlicht: 5 November 2026Zuletzt geprüft: 5 November 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Wer waren die Langobarden? Ihr Reich und die Lombardei
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Die Langobarden (Lombardlar) waren ein germanisches Volk, das lateinische Quellen als Langobardi bezeichnen. Sie zogen 568 unter Alboin nach Italien (İtalya) und gründeten ein Reich mit Pavia als Zentrum. Aus ihrem Namen entstand die Bezeichnung Lombardei (Lombardiya). Die Unabhängigkeit ihres Reiches endete 774, als Karl der Große (Şarlman) Pavia eroberte.

Die Geschichte der Langobarden reicht jedoch über die heutige Lombardei hinaus. Ihr Weg führte von der unteren Elbe über Pannonien (Pannonia) nach Italien. Wenn du dieser Route folgst, erkennst du das Zusammenspiel von räumlich getrennter Herrschaft, schriftlichen Gesetzen und erhaltenen Bauwerken. Es erklärt, wie ein wanderndes Volk einen dauerhaften geografischen Namen hinterließ.

Woher kamen die Langobarden?

Das bekannte frühe Siedlungsgebiet der Langobarden lag östlich der unteren Elbe im heutigen Norddeutschland (Almanya). Für das erste Jahrhundert n. Chr. sind sie im Umfeld dieses Gebietes belegt. Damit lässt sich ein Volk, das später mit Italien verbunden war, schon früh geografisch verorten.

Ihre Herkunftserzählungen weisen in andere Richtungen. Die Origo und Paulus Diaconus beschreiben einen Ursprung in Skandinavien (İskandinavya). Die abweichende Darstellung im Codex Gothanus lässt die Wanderung an einem Fluss namens Vindilicus am Rand Galliens (Galya) beginnen. Es handelt sich um unterschiedliche Ursprungserzählungen. Eine einheitlich überlieferte Route ergibt sich daraus nicht.

Um 500 lebten die Langobarden nördlich der Donau (Tuna). Anschließend breiteten sie sich nach Pannonien aus. Dieses Gebiet umfasste Teile des heutigen Westungarns (Macaristan) und Niederösterreichs (Aşağı Avusturya). Pannonien war damit eine wichtige Etappe zwischen ihren früheren Siedlungen im Norden und ihrem Einzug nach Italien.

567 zerstörte König Alboin gemeinsam mit den Awaren (Avarlar) das Gepidenreich (Gepid Krallığı). Im folgenden Jahr führte er die Langobarden nach Italien. Diese aufeinanderfolgenden Ereignisse verbinden das Ende eines Reiches mit dem Beginn der langobardischen Eroberungen weiter westlich.

Wie gründeten die Langobarden ihr Reich in Italien?

Alboin zog 568 nach Italien und begann, Gebiete unter byzantinischer Herrschaft einzunehmen. Italien hatte bereits unter dem Gotenkrieg von 535–554 gelitten. Das kleine verbliebene byzantinische Heer konnte den Vormarsch der Langobarden nicht aufhalten.

Das erste langobardische Herzogtum in Italien war Friaul (Friuli) im Nordosten. Mailand (Milano) fiel 569. Pavia leistete länger Widerstand: Die Langobarden eroberten die Stadt 572 nach einer etwa drei Jahre dauernden Belagerung. Ihr Vormarsch umfasste somit rasche Gebietsgewinne ebenso wie langwierigen Widerstand.

Pavia wurde zum wichtigsten Verwaltungszentrum des Reiches und zur Residenz seiner Könige. Die Bedeutung der Stadt beruhte damit auf ihrer Regierungsfunktion ebenso wie auf ihrer Eroberung. Wenn du in der Geschichte der Langobarden auf Pavia stößt, begegnet dir der Ort, an dem Königsresidenz und Reichsverwaltung zusammenkamen.

Das Königtum bestand nicht ohne Unterbrechung. Zwischen 574 und 584 lebten die Langobarden ungefähr zehn Jahre ohne König. Mit Autharis Wahl im Jahr 584 wurde das Königtum wiederhergestellt. Zur frühen Geschichte des Reiches gehörte also auch eine längere Phase ohne königliche Führung.

Beherrschten die Langobarden ganz Italien?

Die Langobarden eroberten nie die gesamte Halbinsel. Byzanz (Bizans) behielt einen Korridor, der Rom (Roma) über Perugia mit Ravenna verband. Diese fortbestehende Verbindung verhinderte, dass die langobardischen Eroberungen zur Herrschaft über ganz Italien führten.

Dennoch reichte die langobardische Herrschaft weit über den Norden hinaus. Sie erstreckte sich von der Langobardia Maior bis nach Spoleto in Mittelitalien sowie nach Benevent (Benevento) und zum Gargano im Süden. Eine Geschichte, die sich auf die heutige Lombardei beschränkt, würde große Teile dieses Herrschaftsgebietes ausblenden.

Wenn du dir das Reich auf einer Karte vorstellst, achte auf seine Ausdehnung und auf die Unterbrechungen zwischen seinen Gebieten. Die langobardischen Territorien im Norden, die Zentren in Mittel- und Süditalien und der byzantinische Korridor gehörten zur selben politischen Landschaft. Der Name des Reiches darf daher nicht den Eindruck eines vollständig eroberten Italiens vermitteln.

Wie hielten die Langobarden ihre Gesetze schriftlich fest?

Im November 643 nahm eine Heeresversammlung in Pavia das Edikt Rotharis an. Es bildete die schriftliche Grundlage des langobardischen Rechts. Dieses Ereignis verleiht Pavias Stellung als wichtigstem Königs- und Verwaltungszentrum auch eine rechtliche Bedeutung.

Das Edikt umfasste 388 Kapitel und behandelte hauptsächlich das Strafrecht. Es war somit eine umfangreiche Sammlung mit einem klaren Schwerpunkt. Seine Annahme markiert einen konkreten Zeitpunkt, an dem das langobardische Recht schriftliche Gestalt annahm.

Die Sammlung wurde weiter verändert. Der Übertritt der Langobarden zum Katholizismus brachte Änderungen im Recht mit sich. Grimoald ergänzte Rotharis Edikt 668 um weitere Bestimmungen. Mit der Annahme im Jahr 643 war die schriftliche Rechtstradition also nicht dauerhaft festgeschrieben.

Warum heißt die Lombardei Lombardei?

Der Name Lombardei geht auf Longobardus oder Langobardus zurück. Das sind lateinische Formen des Namens jenes Volkes, das 568 nach Italien kam. Der geografische Name bewahrt die Verbindung zwischen den Langobarden und den Gebieten, die mit ihrer Herrschaft verbunden waren.

Seine geografische Bedeutung wandelte sich ebenfalls. Im Frühmittelalter bezeichnete Lombardei das Langobardenreich. In späteren Jahrhunderten konnte der Name ganz Norditalien meinen. Er reichte damit über die Grenzen der heutigen Region hinaus.

Du kannst diese Geschichte mit deinem Alltag verbinden: etwa durch Ortsnamen, die du beim Lesen einer Adresse oder beim Planen einer Reise verwendest. Die Lombardei zeigt, wie ein vertrauter Regionsname den Namen eines früheren Volkes bewahrt. Dabei hat sich sein geografischer Geltungsbereich verschoben.

Die Bedeutung von Langobardi selbst bleibt umstritten. Eine Erklärung deutet den Namen als „lange Bärte“. Eine andere verbindet den zweiten Namensbestandteil mit einem urgermanischen Wort für „Axt“. Die verbreitete Bart-Erklärung ist daher als Deutung darzustellen. Eine unbestrittene Bedeutung ist sie nicht.

Zeitleiste

  • Erstes Jahrhundert n. Chr.: Die Langobarden sind im Gebiet der unteren Elbe belegt.
  • Um 500: Sie lebten nördlich der Donau und breiteten sich anschließend nach Pannonien aus.
  • 567: Alboin und die Awaren zerstörten das Gepidenreich.
  • 568: Alboin führte die Langobarden nach Italien. Damit begann ihre Eroberung byzantinischer Gebiete.
  • 569: Die Langobarden eroberten Mailand.
  • 572: Pavia fiel nach einer etwa drei Jahre dauernden Belagerung.
  • 574–584: Die Langobarden durchlebten eine Zeit ohne König.
  • 584: Autharis Wahl stellte das Königtum wieder her.
  • 643: Das Edikt Rotharis wurde in Pavia angenommen.
  • 668: Grimoald ergänzte die Rechtssammlung um weitere Bestimmungen.
  • 774: Karl der Große eroberte Pavia und beendete die Unabhängigkeit des Reiches.
  • 2011: Die UNESCO nahm sieben Gruppen langobardischer Denkmäler in die Welterbeliste auf.

Details, die du in Reiseführern nicht findest

Eine paläogenomische Studie von 2018 untersuchte die DNA von 63 Menschen, die im ungarischen Szólád und im italienischen Collegno bestattet worden waren. Die Forschenden erklärten ausdrücklich, dass sie keine langobardische ethnische Identität anhand genetischer Daten bestimmen wollten. Dieser Untersuchungsrahmen ist wichtig, wenn biologische Befunde mit der Geschichte eines namentlich bekannten Volkes verbunden werden.

Ein 1874 in Cividale entdecktes Grab wurde Gisulf zugeschrieben, dem ersten Herzog von Friaul. Diese Zuordnung ist zweifelhaft. Die Grabbeigaben stammen aus der Zeit nach der Mitte des siebten Jahrhunderts. Die vorgeschlagene Identität des Bestatteten und die Datierungsbefunde müssen daher auseinandergehalten werden.

Dasselbe Grab enthielt einen Siegelring, in den eine Goldmünze des römischen Kaisers Tiberius eingearbeitet war. Dieser Gegenstand ist ein konkreter Befund der Bestattung. Das gilt auch dann, wenn die Zuschreibung des Grabes an Gisulf unsicher bleibt. Eine unsichere Identifizierung hebt die Belege für den Grabinhalt nicht auf.

Auch die siebenteilige langobardische UNESCO-Welterbestätte weist eine weniger offensichtliche Besonderheit auf: Ihre Auswahlkriterien schlossen ehemalige langobardische Königshauptstädte aus. Pavia konnte deshalb für das Reich von großer Bedeutung sein und zugleich in dieser Denkmälergruppe fehlen. Die Welterbeauswahl ist keine Liste aller wichtigen langobardischen Zentren.

Was blieb nach dem Verlust der Unabhängigkeit erhalten?

Mit der Eroberung Pavias durch Karl den Großen im Jahr 774 endete die Unabhängigkeit des Langobardenreiches. Die langobardische Rechtstradition bestand weiter. Besonders in Benevent überdauerte sie bis ins elfte Jahrhundert und darüber hinaus.

Das bauliche Erbe ist über Italien verteilt. 2011 nahm die UNESCO sieben Gruppen in Cividale del Friuli, Brescia, Castelseprio-Torba, Spoleto, Campello sul Clitunno, Benevent und Monte Sant’Angelo in die Welterbeliste auf. Ihre Verteilung spiegelt eine langobardische Geschichte wider, die vom Norden bis nach Mittel- und Süditalien reicht.

Wenn du diese Orte besuchst, geben sie dir einen geografischen Rahmen, um diese weitere Verbreitung zu verstehen. Pavia macht die königliche Regierung greifbar. Die sieben UNESCO-Gruppen bewahren ein nach eigenen Kriterien ausgewähltes bauliches Erbe. Beides gehört zur Geschichte hinter dem Namen Lombardei.

FAQ

Wer waren die Langobarden?

Die Langobarden waren ein germanisches Volk, das lateinische Quellen als Langobardi bezeichnen. Sie zogen 568 unter Alboin nach Italien und gründeten ein Reich. Pavia war dessen wichtigstes Verwaltungszentrum und die Residenz seiner Könige.

War das Langobardenreich mit der heutigen Lombardei identisch?

Nein. Die langobardische Herrschaft erstreckte sich bis nach Spoleto, Benevent und zum Gargano. Auch der Name Lombardei veränderte seinen Geltungsbereich. Zunächst bezeichnete er das Reich, später zeitweise ganz Norditalien.

Was war das Edikt Rotharis?

Es bildete die schriftliche Grundlage des langobardischen Rechts. Eine Heeresversammlung in Pavia nahm es im November 643 an. Seine 388 Kapitel behandelten hauptsächlich das Strafrecht. Grimoald ergänzte es 668 um weitere Bestimmungen.

Wann endete das Langobardenreich?

Seine Unabhängigkeit endete 774, als Karl der Große Pavia eroberte. Das langobardische Recht bestand danach weiter. Besonders in Benevent überdauerte es bis ins elfte Jahrhundert und darüber hinaus.

Quellen

  1. Wikipedia — Langobarden tr.wikipedia.org
  2. Nature Communications — Sozialorganisation und Migration der Barbaren im 6. Jahrhundert mithilfe der Paläogenomik verstehen nature.com
  3. Wikipedia — Langobarden en.wikipedia.org
  4. Italia.it — Die Langobarden und ihre Orte der Macht italia.it
  5. Wikipedia — Pavia en.wikipedia.org
  6. Universität zu Köln, Bibliotheca legum — Leges Langobardorum leges.uni-koeln.de
  7. Wikipedia — Lombardei en.wikipedia.org
  8. UNESCO — Langobarden in Italien, Orte der Macht whc.unesco.org
  9. Archäologisches Nationalmuseum Cividale — Das Grab Gisulfs museoarcheologicocividale.beniculturali.it

FAQ

Wer waren die Langobarden?

Die Langobarden waren ein germanisches Volk, das lateinische Quellen als Langobardi bezeichnen. Sie zogen 568 unter Alboin nach Italien und gründeten ein Reich. Pavia war dessen wichtigstes Verwaltungszentrum und die Residenz seiner Könige.

Eroberten die Langobarden ganz Italien?

Nein. Byzanz behielt einen Korridor, der Rom über Perugia mit Ravenna verband. Die langobardische Herrschaft erstreckte sich über nördliche Gebiete sowie Teile Mittel- und Süditaliens.

Warum heißt die Lombardei Lombardei?

Der Name leitet sich von Longobardus oder Langobardus ab. Das sind lateinische Formen des Volksnamens der Langobarden. Historisch bezeichnete der geografische Name ein Gebiet, das über die Grenzen der heutigen Region hinausreichte.

Was beendete das Langobardenreich?

Karl der Große eroberte 774 Pavia und beendete damit die Unabhängigkeit des Reiches. Langobardische Rechtstraditionen bestanden danach weiter, besonders in Benevent.

Image: Lombard (Kingdom of) Italy.png — Wario2, CC BY-SA 4.0

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