Weltgeschichte

Izumo no Okuni: Warum wurden Frauen vom Kabuki verbannt?

Izumo no Okuni wurde 1603 durch Tanzaufführungen in Kyoto berühmt und gilt als Begründerin des Kabuki. Das Shogunat verbot Frauen 1629 wegen Bedenken hinsichtlich Prostitution und öffentlicher Unruhen, im Kabuki aufzutreten, doch außerhalb der großen konzessionierten Theater spielten Frauen weiterhin.

8 Min. Lesezeit9 QuellenVeröffentlicht: 5 November 2026Zuletzt geprüft: 5 November 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Izumo no Okuni: Warum wurden Frauen vom Kabuki verbannt?
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Izumo no Okuni (türkisch: Izumo no Okuni) war eine Tänzerin und Darstellerin. Ihre Auftritte in Kyoto um 1603 werden mit den Anfängen des Kabuki verbunden. 1629 verbot das Edo-Shogunat Frauen, im Kabuki aufzutreten. Es betrachtete die mit den Frauentruppen verbundene Prostitution und Streitigkeiten unter Zuschauern als Gefahr für die öffentliche Moral und Ordnung.

Die Frau, die mit den Anfängen des Kabuki verbunden wird, soll sich bereits um 1610 zurückgezogen haben. Das war vor dem Verbot. Wenn du die Geschichte von ihren Auftritten in Kyoto bis zu den Einschränkungen für ihre Nachfolgerinnen verfolgst, erkennst du eine bemerkenswerte Abfolge: Frauen begründeten die Theaterform, junge Männer folgten ihnen, und schließlich gewannen erwachsene Männer an Bedeutung. Die Jahreszahlen zeigen auch, warum Okunis Laufbahn und das Verbot getrennt betrachtet werden sollten.

Wer war Izumo no Okuni?

Okunis Geburt wird meist auf etwa 1578 datiert. Das Datum ist jedoch unsicher. Der Überlieferung zufolge war sie vor ihren Auftritten in Kyoto eine Miko, eine weibliche Schreinbedienstete, am Großschrein von Izumo. Das Nationalmuseum Kyoto ordnet die Provinz Izumo, aus der ihre Truppe kam, der heutigen Präfektur Shimane zu.

Auch ihr Todesjahr ist umstritten. Unterschiedliche Angaben nennen 1610, 1613 oder 1640. Du kannst ihren Platz in den Anfängen des Kabuki deshalb sicherer bestimmen als ihre vollständigen Lebensdaten. Ihre Verbindung zu den Aufführungen von 1603 bietet einen festeren Anhaltspunkt als ihr Geburts- oder Todesjahr.

Der Japan Arts Council verweist auf einen Beleg dafür, dass Okuni 1603 in Kyoto Kabuki-Odori aufführte. Ihre Stellung in der Geschichte des Kabuki beruht auf diesen Auftritten und den Frauentruppen, die ihrem Erfolg folgten.

Wie entstand aus ihren Auftritten in Kyoto das Kabuki?

Zu Okunis Auftrittsorten um 1603 gehörte Shijōgawara, das trockene Flussbett des Kamo in Kyoto. Nach Angaben des Nationalmuseums Kyoto trat ihre Truppe 1603 außerdem auf der Nō-Bühne des Kitano-Schreins auf. Die Anfänge des Kabuki verbinden somit einen Spielort im Flussbett mit einer Schreinbühne.

Okunis Erscheinung konnte ebenso auffällig sein wie ihre Rollenwahl. In Chaya Asobi spielte sie einen Kabukimono: eine junge männliche Figur mit auffälliger Kleidung und einem großen Schwert. Dass eine Frau diese markante Männerfigur verkörperte, gehörte bereits zu den frühen Aufführungen.

Denk daran, wie du im Alltag durch Kleidung eine Haltung ausdrückst oder eine andere Identität ausprobierst. Okunis auffälliges Kostüm und ihr Schwert liefern dafür ein konkretes Beispiel aus dem Theater. Ihr Auftritt verband Kleidung, Verhalten und eine männliche Figur in einer einzigen Bühnendarstellung.

Die Kokugakuin-Universität stellt eine Theorie zur Wortherkunft vor, die den Namen Kabuki mit kabuita verbindet. Dieses Wort wird mit Okunis unkonventioneller Kleidung und ihrem Verhalten in Verbindung gebracht. Es handelt sich um einen Erklärungsansatz für den Namen. Zugleich lenkt er den Blick auf das auffällige Erscheinungsbild ihrer Auftritte.

Nachdem Okuni 1603 berühmt geworden war, ahmten andere Frauen sie nach. Sie führten Onna-Kabuki, also Frauen-Kabuki, im Viertel Shijōgawara in Kyoto und im Viertel Yoshiwara in Edo auf. Der Japan Arts Council datiert die Blütezeit des Frauen-Kabuki auf 1615–1629.

Warum wurden Frauen 1629 vom Kabuki ausgeschlossen?

Das Edo-Shogunat verbot Frauen 1629, im Kabuki aufzutreten. Damals regierte Iemitsu, der dritte Tokugawa-Shogun. Die offizielle Begründung bezog sich auf die öffentliche Moral. Das Verbot fiel an das Ende jener Zeit, die der Japan Arts Council als Blütezeit des Frauen-Kabuki bezeichnet.

Prostitution stand im Mittelpunkt dieser Begründung. Die von der japanischen Botschaft veröffentlichte Darstellung von Web Japan erklärt, dass sie eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle für die Frauen-Kabuki-Truppen war. Die Behörden nahmen diese Verbindung von Bühnenauftritten und Prostitution zum Anlass, Auftritte einzuschränken.

Die Bedenken betrafen auch die männlichen Zuschauer. Zwischen Männern, die um die Aufmerksamkeit der Darstellerinnen warben, konnten Schlägereien entstehen. Die Begründung des Verbots bezog sich somit sowohl auf die mit den Truppen verbundenen Tätigkeiten als auch auf Unruhen im Publikum.

Diese Einzelheiten erklären den konkreten Hintergrund des Verbots. Frauen wurden durch eine Maßnahme vom Kabuki ausgeschlossen, die mit Moral und öffentlicher Ordnung begründet wurde. Ihre Rolle bei der Entstehung des Theaters schützte spätere Darstellerinnen nicht vor dieser Entscheidung.

Okuni selbst soll sich um 1610 von der Bühne zurückgezogen haben. Das Verbot folgte 1629, also nach ihrer Bühnenlaufbahn. Wenn du dich mit Okunis Geschichte beschäftigst, ist diese Unterscheidung wichtig: Das Verbot traf die weibliche Aufführungstradition, die sich nach ihrem Erfolg entwickelt hatte.

Was geschah, als junge Männer die Frauen ersetzten?

Nach dem Verbot der Frauentruppen verbreitete sich Wakashū-Kabuki, das von jungen Männern gespielt wurde. Der Wechsel der Darsteller räumte die Bedenken der Behörden nicht aus. 1652 wurde auch Wakashū-Kabuki verboten. Als Grund galt der Einfluss der Prostitution junger männlicher Schauspieler auf die öffentliche Moral.

Anschließend wurde das Kabuki erwachsener Männer, Yarō-Kabuki genannt, unter Auflagen erlaubt. Die Darsteller mussten auf erotische Darbietungen verzichten und sich an den realistischeren Konventionen des Kyōgen-Theaters orientieren. Die Auftrittserlaubnis war somit an Vorgaben für die Bühnengestaltung gebunden.

Männliche Schauspieler, die im Kabuki Frauenrollen übernehmen, heißen Onnagata oder Oyama. Die Abfolge der Verbote erklärt mit, wie erwachsene männliche Darsteller und diese Tradition an Bedeutung gewannen. In Okunis frühen Aufführungen hatten Frauen Männerfiguren gespielt. Später wurden männliche Schauspieler mit der Darstellung von Frauenrollen verbunden.

Details, die du nicht im Reiseführer findest

Bei einer Onna-Kabuki-Aufführung konnten 50–60 Prostituierte gemeinsam in Männerkleidung tanzen. Diese Angabe macht die Größenordnung des Frauentheaters greifbar: Auf der Bühne konnte eine große Gruppe stehen, deren abgestimmtes Erscheinungsbild Männerkleidung einschloss.

Auch die Musik unterscheidet Okunis Auftritte von denen ihrer Nachfolgerinnen. Auf dem Stellschirm mit einer Darstellung von Okunis Kabuki im Nationalmuseum Kyoto spielen die Musiker Flöten und Trommeln. Eine Shamisen ist nicht dargestellt. Die späteren Frauentruppen nutzten die Shamisen, ein damals neues Instrument.

Der Stellschirm des Museums ist selbst ein beachtliches Objekt. Er trägt die Katalognummer AK546 und stammt aus dem 17. Jahrhundert. Das Werk ist auf mit Blattgold versehenem Papier ausgeführt. Der sechsteilige Stellschirm misst 88 × 268 Zentimeter. Diese materiellen Angaben ergänzen seine Darstellung früher Kabuki-Darsteller und Musiker.

Frauen traten auch während ihres Ausschlusses aus den großen konzessionierten Kabuki-Theatern weiterhin auf. In der Edo-Zeit spielten sie in Privatresidenzen, Wandertruppen und kleinen provisorischen Theatern. Das Verbot beschränkte ihren Zugang zu den wichtigsten konzessionierten Bühnen. Diese anderen Spielorte blieben Teil ihrer Auftrittsgeschichte.

Zeitleiste

  • Um 1578: Okunis ungefähres, unsicheres Geburtsdatum.
  • 1603: Okuni führt Kabuki-Odori in Kyoto auf. Ihre Truppe tritt außerdem auf der Nō-Bühne des Kitano-Schreins auf.
  • Um 1610: Okuni zieht sich Berichten zufolge von der Bühne zurück.
  • 1615–1629: Nach Angaben des Japan Arts Council erlebt das Frauen-Kabuki seine Blütezeit.
  • 1629: Unter Tokugawa Iemitsu werden Frauen vom Kabuki ausgeschlossen.
  • 1652: Auch das Wakashū-Kabuki junger Männer wird verboten.
  • 1877: In Samuel L. Leiters Chronologie endet das formelle Verbot für Frauen, im Kabuki zu spielen.
  • 2005: Die UNESCO proklamiert Kabuki.
  • 2008: Die UNESCO nimmt Kabuki in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.

Wie lange dauerte der Ausschluss?

In seinem wissenschaftlichen Aufsatz von 1999 datiert Samuel L. Leiter das formelle Verbot für Frauen, im Kabuki zu spielen, auf 1629–1877. Diese Chronologie betrifft die offizielle Einschränkung. Daneben belegen Auftritte von Frauen in Privathäusern, Wandertruppen und provisorischen Theatern, dass sie außerhalb der großen konzessionierten Spielstätten weiter aktiv waren.

Später erhielt Kabuki die Anerkennung der UNESCO. Auf die Proklamation von 2005 folgte 2008 die Aufnahme in die Repräsentative Liste. Zu seiner Geschichte gehören sowohl diese Anerkennung als auch die früheren Einschränkungen für Darstellende. Durch Okunis Stellung an seinem Anfang bleibt eine Frau zentral für die Geschichte eines Theaters, in dem erwachsene männliche Schauspieler an Bedeutung gewannen.

FAQ

War Izumo no Okuni eine Schreinbedienstete?

Der Überlieferung zufolge diente Okuni als Miko am Großschrein von Izumo, bevor sie in Kyoto auftrat. Ihre Geburt wird meist auf etwa 1578 datiert. Dieses Datum bleibt jedoch unsicher.

Beendete das Verbot von 1629 Okunis Karriere?

Okuni soll sich um 1610 zurückgezogen haben. Das Verbot von 1629 kam somit nach ihrer Bühnenlaufbahn und traf die Frauen-Kabuki-Tradition, die ihr folgte.

Warum wurden auch junge männliche Darsteller verboten?

Wakashū-Kabuki wurde 1652 verboten, weil die Behörden die Prostitution junger männlicher Darsteller als Problem für die öffentliche Moral betrachteten. Das Kabuki erwachsener Männer wurde mit Einschränkungen für erotische Darbietungen erlaubt.

Verschwanden Frauen nach dem Verbot aus dem Theater?

Frauen traten in der Edo-Zeit weiterhin in Privathäusern, Wandertruppen und kleinen provisorischen Theatern auf. Ihr Ausschluss aus den großen konzessionierten Kabuki-Theatern beendete nicht alle ihre Auftritte.

Quellen

  1. Wikipedia — Izumo no Okuni en.wikipedia.org
  2. Nationalmuseum Kyoto — Stellschirm mit Okunis Kabuki kyohaku.go.jp
  3. Japan Arts Council — Kabuki-Odori www2.ntj.jac.go.jp
  4. Japan Arts Council — Onna-Kabuki www2.ntj.jac.go.jp
  5. Kokugakuin-Universität — Kabuki-Darstellerinnen vom Edo-Shogunat ausgeschlossen kokugakuin.ac.jp
  6. Web Japan / Japanische Botschaft — Kabuki az.emb-japan.go.jp
  7. Nippon.com — Die Ursprünge des Kabuki nippon.com
  8. Samuel L. Leiter, Comparative Drama / Western Michigan University — Von Gay zu Gei scholarworks.wmich.edu
  9. UNESCO — Kabuki-Theater ich.unesco.org

FAQ

Wer war Izumo no Okuni?

Izumo no Okuni war eine Tänzerin und Darstellerin. Ihre Auftritte in Kyoto um 1603 gelten als Ursprung des Kabuki. Der Überlieferung zufolge war sie zuvor Miko, also eine weibliche Schreinbedienstete, am Großschrein von Izumo.

Warum wurden Frauen vom Kabuki ausgeschlossen?

Das Edo-Shogunat verbot Frauen 1629 aus Gründen der öffentlichen Moral, im Kabuki aufzutreten. Zu den Bedenken gehörten die mit den Frauentruppen verbundene Prostitution und Schlägereien zwischen männlichen Zuschauern, die um die Aufmerksamkeit der Darstellerinnen warben.

Musste Okuni selbst wegen des Verbots die Bühne verlassen?

Okuni soll sich um 1610 zurückgezogen haben, also vor dem Verbot von 1629. Das Verbot gehört deshalb zur Geschichte der Frauentruppen, die ihr folgten.

Traten Frauen nach 1629 nicht mehr auf?

Trotz ihres Ausschlusses aus den großen konzessionierten Kabuki-Theatern traten Frauen weiterhin in Privathäusern, Wandertruppen und kleinen provisorischen Theatern auf. Samuel L. Leiter datiert das formelle Verbot für Frauen, im Kabuki zu spielen, auf 1629–1877.

Was sind Onnagata?

Onnagata, auch Oyama genannt, sind männliche Schauspieler, die im Kabuki Frauenrollen übernehmen. Nach den Verboten für Frauen und junge männliche Darsteller gewann das Kabuki erwachsener Männer an Bedeutung.

Image: Okuni kabuki byobu-zu.jpg — Unknown authorUnknown author (probably an artist of the Hase, Public domain

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