Weltgeschichte

Die Entdeckung der Röntgenstrahlen: Medizin im Wandel

Wilhelm Conrad Röntgen entdeckte am 8. November 1895 in Würzburg die Röntgenstrahlen und eröffnete damit die Möglichkeit, ohne Operation ins Innere des menschlichen Körpers zu blicken. Seine Entdeckung führte zu Röntgenabteilungen in Krankenhäusern, mobiler Bildgebung im Krieg, Kristallanalysen und astronomischen Beobachtungen; zugleich machten die Strahlenrisiken eine Kontrolle der Dosis unverzichtbar.

8 Min. Lesezeit13 QuellenVeröffentlicht: 2 November 2026Zuletzt geprüft: 2 November 2026
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Die Entdeckung der Röntgenstrahlen: Medizin im Wandel
First medical X-ray by Wilhelm Röntgen of his wife Anna Bertha Ludwig's hand – 18951222.jpg

Wo und von wem wurden Röntgenstrahlen entdeckt?

Am 8. November 1895 entdeckte der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen am Physikalischen Institut der Universität Würzburg die Röntgenstrahlen. Er untersuchte die elektrische Leitung in Gasen. Dabei beobachtete er eine Strahlung, die Materialien durchdringen konnte, die sichtbares Licht abschirmten. Er nannte sie X-Strahlen.

Wenn du bei dieser Entdeckung an das berühmte Handbild denkst, lohnt sich zunächst der Blick ins Labor. Die Entdeckung erfolgte im November. Die Röntgenaufnahme von Anna Bertha Röntgens linker Hand entstand nach der Datierung des Science Museum erst am 22. Dezember 1895. Die Beobachtung und das bekannte Bild gehören zu zwei verschiedenen Zeitpunkten.

Am 28. Dezember 1895 veröffentlichte Röntgen seine erste Arbeit über die neue Strahlenart. Am 5. Januar 1896 berichtete die Wiener Zeitung Die Presse über die Entdeckung. Diese Daten markieren den Weg von der Beobachtung im Labor zur wissenschaftlichen Veröffentlichung und zur Berichterstattung in der Zeitung.

Was machte den Blick ins Körperinnere möglich?

Röntgenstrahlen sind elektromagnetische Strahlung, ebenso wie sichtbares Licht. Ihre höhere Energie ermöglicht es ihnen, viele Gegenstände und auch den menschlichen Körper zu durchdringen. Röntgen beobachtete eine Strahlung, die Stoffe durchdrang, die für sichtbares Licht undurchlässig waren. Diese Eigenschaft wurde zur Grundlage der medizinischen Röntgenbildgebung.

Das entstehende Bild beruht auf Unterschieden bei der Absorption. Das Kalzium in den Knochen absorbiert mehr Röntgenstrahlung als viele umliegende Weichteile. Deshalb erscheinen Knochen auf herkömmlichen Röntgenaufnahmen weißer. Wenn du schon einmal ein Röntgenbild deiner Zähne gesehen hast, kennst du eine alltägliche Anwendung dieser Strahlung: Mit Röntgenaufnahmen lassen sich bestimmte Zahnprobleme erkennen.

Medizinische Röntgenaufnahmen helfen auch dabei, Knochenbrüche, Lungenentzündungen und Fremdkörper im Körper zu erkennen. Diese Anwendungen verbinden Röntgens Entdeckung mit konkreten Fragen zu Verletzungen und Krankheiten.

Das Handbild und der Name Röntgenstrahlen

Die berühmte frühe Röntgenaufnahme zeigt Anna Bertha Röntgens linke Hand mit einem Ring. Das Science Museum datiert ihre Entstehung auf den 22. Dezember 1895. Die Knochen und der Ring machen diese Handaufnahme zu einem anschaulichen Zeugnis der Möglichkeiten, mit der neuen Strahlung Bilder zu erzeugen.

Eine weitere Hand spielte bei der öffentlichen Vorstellung der Entdeckung eine Rolle. Am 23. Januar 1896 ließ der Anatom Albert von Kölliker bei der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft zu Würzburg seine Hand aufnehmen. Er schlug vor, die Strahlung Röntgenstrahlen zu nennen. Damit verknüpfte er die Strahlen unmittelbar mit ihrem Entdecker.

Für seine Entdeckung erhielt Röntgen am 10. Dezember 1901 den ersten Nobelpreis für Physik. Die Auszeichnung folgte auf die Beobachtung im Labor, die erste Veröffentlichung, die Zeitungsberichte und die Vorstellung in Würzburg. Zusammen zeigen diese Ereignisse, wie die Entdeckung wissenschaftliche Anerkennung gewann.

Wie erzeugt ein Röntgengerät Strahlung?

Eine Röntgenröhre ist eine Vakuumröhre. Elektronen treten aus einer erhitzten Kathode aus. Eine hohe Spannung beschleunigt sie auf eine metallische Anode. Beim Aufprall auf dieses Ziel entsteht Röntgenstrahlung. So kannst du nachvollziehen, wie der elektrische Betrieb des Geräts mit der Strahlung zusammenhängt, die zur Bildgebung dient.

Einer der Entstehungsprozesse heißt Bremsstrahlung. Elektronen treffen auf ein Material wie Wolfram und werden dabei abgebremst. Sie verlieren Energie und geben einen Teil davon als Röntgenstrahlung ab. Der Begriff beschreibt das Abbremsen der Elektronen am Zielmaterial.

Ein zweiter Prozess erzeugt charakteristische Röntgenstrahlung. Dabei füllt ein anderes Elektron eine freie Stelle in einer inneren Elektronenschale eines Atoms. Bei diesem Übergang wird ein Photon mit einer bestimmten Energie frei. Dieser Prozess und die Bremsstrahlung erklären, wie Wechselwirkungen mit Elektronen Röntgenstrahlen erzeugen können.

Die Röhrenspannung begrenzt die Energie der erzeugten Photonen. Eine Röhre, die mit 80 Kilovolt betrieben wird, kann keine Photonen mit Energien über 80 Kiloelektronenvolt erzeugen. Ein späterer Meilenstein der Röhrenentwicklung war William David Coolidges Arbeit, die am 1. Dezember 1913 in Physical Review erschien.

Vom Labor in die Krankenhausmedizin

In den 1930er-Jahren verfügten die meisten Krankenhäuser im Vereinigten Königreich (Birleşik Krallık) über eigene Röntgenabteilungen und entsprechende Geräte. Die in Würzburg entdeckte Strahlung war Teil der organisierten Krankenhausversorgung geworden. Eigene Abteilungen ermöglichten Röntgenuntersuchungen innerhalb des Krankenhauses.

Zur medizinischen Röntgenbildgebung gehören heute konventionelle Röntgenaufnahmen, Computertomografie, Durchleuchtung und Mammografie. Alle nutzen ionisierende Röntgenstrahlung, um Bilder zu erzeugen. Die Bezeichnungen stehen für unterschiedliche Bildgebungsverfahren. Jedes davon gehört zur medizinischen Anwendung der von Röntgen entdeckten Strahlung.

Röntgenstrahlen dienen auch der Behandlung. In der Strahlentherapie werden sie gezielt gegen Krebszellen eingesetzt. Diese Anwendung ergänzt die diagnostische Bildgebung: Dieselbe Strahlenart kann ein Bild erzeugen oder zur Krebsbehandlung dienen.

Röntgenpersonal und Bildgebung im Krieg

Im Ersten Weltkrieg (Birinci Dünya Savaşı) nutzte Marie Curie gespendete Automobile, um mobile Röntgendienste aufzubauen. Ihr Netzwerk umfasste 20 mobile und 200 ortsfeste Stationen.

Irène Joliot-Curie bediente im Alter von 18 Jahren Röntgengeräte an der belgischen Front. Außerdem brachte sie Krankenschwestern den Umgang damit bei. Ihre Arbeit zeigt, dass die Radiologie im Krieg sowohl die Bedienung der Geräte als auch die Vermittlung praktischer Fähigkeiten an anderes medizinisches Personal umfasste.

Die Stationen im Krieg und die eigenen Krankenhausabteilungen der 1930er-Jahre zeigen unterschiedliche Einsatzorte der Röntgentechnik. Curies Netzwerk verband mobile mit ortsfesten Geräten. Britische Krankenhäuser richteten später eigene Abteilungen ein. In beiden Fällen brauchte die medizinische Bildgebung Geräte und Menschen, die sie bedienen konnten.

Was ist Röntgenkristallografie?

Röntgenstrahlen wurden auch zu einem Werkzeug für die Untersuchung von Kristallen. Max von Laues Arbeit zur Beugung von Röntgenstrahlen an Kristallen erschien 1912. Sie wies die elektromagnetische Natur der Strahlen nach. Für die Entdeckung ihrer Beugung an Kristallen erhielt er 1914 den Nobelpreis für Physik.

William Henry Bragg und sein Sohn William Lawrence Bragg teilten sich 1915 den Nobelpreis für Physik. Ausgezeichnet wurde ihr Beitrag zur Analyse von Kristallstrukturen mit Röntgenstrahlen. Die Strahlung, die Strukturen im Inneren einer Hand sichtbar machen konnte, ermöglichte auch die Untersuchung von Kristallstrukturen.

Warum ist Strahlenschutz wichtig?

Röntgenstrahlen sind ionisierende Strahlung und können die DNA schädigen. Solche Schäden können zu genetischen Veränderungen beitragen, die Krebs auslösen. Ihr medizinischer Nutzen erfordert deshalb eine Bewertung der Strahlenbelastung, die mit einer Untersuchung verbunden ist.

Die FDA nennt zwei zentrale Schutzprinzipien. Der erwartete Nutzen für den Patienten sollte den Schaden überwiegen. Außerdem sollte die Untersuchung mit der niedrigsten Dosis erfolgen, die ein für die Diagnose ausreichendes Bild liefert. Wenn du die heutige Bildgebung mit Röntgens Entdeckung verbindest, gehören diese Grundsätze ebenso zu ihrer Geschichte wie die Bilder und Geräte.

Zeitleiste

  • 8. November 1895: Röntgen entdeckt die Röntgenstrahlen in seinem Würzburger Labor.
  • 22. Dezember 1895: Nach der Datierung des Science Museum entsteht die berühmte Röntgenaufnahme von Anna Bertha Röntgens Hand.
  • 28. Dezember 1895: Röntgen veröffentlicht seine erste Arbeit über die Entdeckung.
  • 5. Januar 1896: Die Presse berichtet über die Entdeckung.
  • 23. Januar 1896: Kölliker schlägt bei der Vorstellung in Würzburg den Namen Röntgenstrahlen vor.
  • 10. Dezember 1901: Röntgen erhält den ersten Nobelpreis für Physik.
  • 1912: Laues Arbeit zur Beugung von Röntgenstrahlen an Kristallen wird veröffentlicht.
  • 1. Dezember 1913: Coolidges Arbeit über seine Röntgenröhre erscheint in Physical Review.
  • 1914: Laue erhält den Nobelpreis für Physik.
  • Erster Weltkrieg: Marie Curie baut ein Netzwerk aus mobilen und ortsfesten Röntgenstationen auf; Irène bedient Röntgengeräte und bringt Krankenschwestern den Umgang damit bei.
  • 1915: William Henry Bragg und William Lawrence Bragg teilen sich den Nobelpreis für Physik.
  • 1930er-Jahre: Die meisten britischen Krankenhäuser verfügen über eigene Röntgenabteilungen.
  • 1962: Bei einem Raketenexperiment wird Scorpius X-1 entdeckt.

Details, die du in Reiseführern nicht findest

Das bekannte Handbild des Science Museum ist eine fotografische Kopie. Laut dem Sammlungseintrag befindet sich die ursprüngliche Röntgenaufnahme im Deutschen Museum in München (Münih). Wenn du diesen Museumseintrag ansiehst, ist die Unterscheidung zwischen der ursprünglichen Aufnahme und ihrer späteren Kopie wichtig.

Röntgen spendete sein Nobelpreisgeld in Höhe von 50.000 Kronen der Universität Würzburg. Er meldete kein Patent auf die Entdeckung an. Auch einen Nobelvortrag hielt er nicht. Diese Einzelheiten ergänzen die bekannteren Angaben zu seiner Auszeichnung von 1901.

Von medizinischen Bildern zur Röntgenastronomie

Die Atmosphäre der Erde (Dünya) absorbiert den größten Teil der Röntgenstrahlung aus dem Weltraum. Astronomische Detektoren müssen deshalb über die Atmosphäre hinausgebracht werden. Die Beobachtung dieser Strahlen erfordert eine andere Umgebung als eine Untersuchung im Krankenhaus. Dort erzeugt eine Röhre die Strahlung für die Aufnahme.

1962 entdeckten Riccardo Giacconi und seine Kollegen bei einem Raketenexperiment Scorpius X-1. Sie gilt als die erste entdeckte Röntgenquelle außerhalb des Sonnensystems (Güneş Sistemi). Röntgenstrahlen waren damit zu einem Mittel geworden, sowohl Strukturen auf der Erde als auch Quellen im Weltraum zu untersuchen.

FAQ

Wer hat die Röntgenstrahlen entdeckt?

Wilhelm Conrad Röntgen entdeckte sie am 8. November 1895 am Physikalischen Institut der Universität Würzburg. Er erforschte die elektrische Leitung in Gasen.

Wessen Hand zeigt die berühmte Röntgenaufnahme?

Es ist Anna Bertha Röntgens linke Hand mit einem Ring. Das Science Museum datiert die Aufnahme auf den 22. Dezember 1895.

Warum sind Knochen auf Röntgenbildern weiß?

Das Kalzium in den Knochen absorbiert mehr Röntgenstrahlung als viele umliegende Weichteile. Dadurch erscheinen Knochen auf herkömmlichen Röntgenaufnahmen weißer.

Haben Röntgenstrahlen nur die medizinische Bildgebung verändert?

Sie ermöglichten auch die Analyse von Kristallstrukturen und astronomische Beobachtungen. Außerdem werden Röntgenstrahlen in der Strahlentherapie gezielt gegen Krebszellen eingesetzt.

Quellen

  1. Universitätsarchiv Würzburg — Wilhelm Conrad Röntgen uni-wuerzburg.de
  2. Röntgen-Gedächtnisstätte Würzburg — Wilhelm Röntgen wilhelmconradroentgen.de
  3. Science Museum Group — Röntgens Handaufnahme collection.sciencemuseumgroup.org.uk
  4. NIH–NIBIB — Röntgenstrahlen nibib.nih.gov
  5. Wikipedia — Röntgenstrahlung en.wikipedia.org
  6. ARPANSA — Röntgenstrahlen arpansa.gov.au
  7. Physical Review — Eine leistungsstarke Röntgenröhre mit reiner Elektronenentladung journals.aps.org
  8. FDA — Medizinische Röntgenbildgebung fda.gov
  9. American Institute of Physics — Marie Curie: Hilfe für die Verwundeten history.aip.org
  10. NobelPrize.org — Irène Joliot-Curie nobelprize.org
  11. International Union of Crystallography — Nobelpreis für Physik 1914 iucr.org
  12. NobelPrize.org — William Bragg: Fakten nobelprize.org
  13. National Cancer Institute — Strahlung cancer.gov

FAQ

Wo und von wem wurden Röntgenstrahlen entdeckt?

Der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen entdeckte die Röntgenstrahlen am 8. November 1895 am Physikalischen Institut der Universität Würzburg. Er untersuchte dort die elektrische Leitung in Gasen.

Wessen Hand zeigt die berühmte frühe Röntgenaufnahme?

Die Aufnahme zeigt die linke Hand von Anna Bertha Röntgen mit einem Ring. Das Science Museum datiert die Röntgenaufnahme auf den 22. Dezember 1895.

Warum erscheinen Knochen auf Röntgenbildern weiß?

Das Kalzium in den Knochen absorbiert mehr Röntgenstrahlung als viele umliegende Weichteile. Deshalb erscheinen Knochen auf herkömmlichen Röntgenaufnahmen weißer.

Wie führten Röntgenstrahlen zur Kristallografie?

Max von Laues 1912 veröffentlichte Arbeit zur Beugung an Kristallen wies die elektromagnetische Natur der Röntgenstrahlen nach. William Henry Bragg und William Lawrence Bragg teilten sich später den Nobelpreis für Physik von 1915 für ihre Beiträge zur Analyse von Kristallstrukturen mit Röntgenstrahlen.

Image: First medical X-ray by Wilhelm Röntgen of his wife Anna Bertha Ludwig’s hand – 18951222.jpg — Wilhelm Röntgen, Public domain

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