Weltgeschichte

Wo liegt Port Royal? Jamaikas versunkene Piratenstadt

Port Royal liegt an der Einfahrt zum Hafen von Kingston im Südosten Jamaikas, wo Handel, Sklaverei und Kaperfahrten den Reichtum der Stadt im siebzehnten Jahrhundert prägten. Ein Erdbeben und ein Tsunami ließen 1692 etwa zwei Drittel der Siedlung versinken und bewahrten dabei Gebäude und Gegenstände, die Einblicke in den Alltag der Stadt geben.

9 Min. Lesezeit8 QuellenVeröffentlicht: 2 November 2026Zuletzt geprüft: 2 November 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Wo liegt Port Royal? Jamaikas versunkene Piratenstadt
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Wo liegt Port Royal auf Jamaika?

Port Royal (türkisch: Port Royal) liegt im Südosten Jamaikas, an der Spitze der Nehrung Palisadoes. Die Stadt befindet sich an der Einfahrt zum Hafen von Kingston. Am 7. Juni 1692 ließ ein Erdbeben etwa zwei Drittel der Siedlung im Meer versinken. Ein Tsunami folgte und vergrößerte die Zerstörung.

Wenn du Port Royal auf der Karte suchst, beginne beim Hafen von Kingston und folge den Palisadoes bis zu ihrer Spitze. Diese Lage erklärt einen großen Teil der Stadtgeschichte. Der geschützte Tiefwasserhafen begünstigte den Handel. Zugleich machte die Lage die Verteidigung der Hafeneinfahrt für die Engländer besonders wichtig.

Die Nehrung hatte bereits eine Geschichte, bevor englische Befestigungen entstanden. Die Taíno nutzten sie vor der Ankunft der Europäer als Fischerlager. Der spätere Hafen wuchs auf einem Gelände, das schon lange der Fischerei gedient hatte, bevor es mit Freibeutern und versunkenen Straßen verbunden wurde.

Wie wurde Port Royal zur Piratenstadt?

Nachdem die Engländer 1655 Jamaika eingenommen hatten, begannen sie, den strategisch wichtigen Standort Port Royal zu befestigen. Zunächst nannten sie die Siedlung Cagway. Später wurde daraus Port Royal. Während eines großen Teils der Zeit zwischen 1655 und 1692 war die Stadt faktisch das Zentrum Jamaikas. Spanish Town blieb jedoch die offizielle Hauptstadt.

Zu Port Royals Verbindung mit der Piraterie gehörten Kaperfahrten, die der Gouverneur Jamaikas genehmigte. Er stellte Kaperbriefe aus. Sie erlaubten den dort stationierten Kapitänen, spanische Schiffe und Siedlungen anzugreifen. Diese Vollmachten erklären, wie Beutezüge offizielle Unterstützung von derselben Insel erhalten konnten, deren Hafen den Kapitänen Schutz bot.

Henry Morgan nutzte Port Royal als Stützpunkt und starb dort 1688. Mit ihm lässt sich ein namentlich bekannter Freibeuter in der Stadtgeschichte verorten. Der Reichtum der Stadt beruhte jedoch auch auf dem Handel über den Hafen sowie dem Kauf und Verkauf versklavter Afrikaner. Die Sklaverei gehört ins Zentrum jeder Darstellung ihres Wohlstands.

Sechs Forts schützten die von der UNESCO beschriebene Siedlung des siebzehnten Jahrhunderts. Eines entstand 1656 als Fort Cromwell. Zu Ehren von König Karl II. wurde es 1662 in Fort Charles umbenannt. Der Namenswechsel dokumentiert einen Teil der englischen Geschichte der Stadt vor dem Erdbeben.

Wie ließ das Erdbeben von 1692 Port Royal versinken?

Das Erdbeben ereignete sich am 7. Juni 1692. Rund 33 Acres, also ungefähr 13.4 Hektar, versanken im Meer. Diese Fläche entsprach etwa 66 Prozent von Port Royal. Die bekannte Aussage, zwei Drittel der Stadt seien versunken, ist somit eine gerundete Angabe für eine vermessene Fläche.

Die Bodenverflüssigung war einer der Hauptmechanismen des Einsturzes. Durch die Erschütterungen verlor das sandige Sediment unter Port Royal seine Festigkeit und verhielt sich wie eine flüssige Masse. Auch unter den Gebäuden gab der Boden nach. Der Untergrund, auf dem die Siedlung stand, konnte sie nicht mehr sicher tragen.

Wenn du dir vorstellst, wie Port Royal versank, denke an diesen Verlust der Bodenfestigkeit. Die Stadt stand auf einer Nehrung. Die Erschütterungen veränderten das Sediment, das sie trug. Diese geologische Erklärung verbindet die Lage der Siedlung unmittelbar mit der Art, wie große Teile von ihr ins Meer sanken.

Auf das Erdbeben folgte ein Tsunami. Er riss Schiffe entlang der Uferfront von Port Royal mit und beschädigte noch stehende Bauwerke zusätzlich. Das Versagen des Bodens und die Bewegung des Wassers waren somit getrennte Bestandteile derselben Katastrophe. Ein Gebäude, das den ersten Einsturz überstand, war deshalb noch nicht vor weiterer Zerstörung sicher.

Wie viele Menschen starben, und wie wurde die Katastrophe gedeutet?

Nach Angaben des Institute of Nautical Archaeology starben etwa 2.000 Menschen unmittelbar beim Erdbeben. In den folgenden Tagen erlagen weitere Menschen ihren Verletzungen und Krankheiten. Die Schätzung der unmittelbaren Todesopfer erfasst daher nur einen Teil der menschlichen Verluste.

Es folgte auch eine religiöse Deutung. Die gesetzgebende Versammlung Jamaikas ordnete einen jährlichen Fastentag an und behandelte die Katastrophe dabei als göttliche Strafe für Sünden. Diese Reaktion zeigt, wie das Unglück moralisch gedeutet wurde. Die physikalische Erklärung für das Versinken liegt vor allem in der durch das Erdbeben ausgelösten Verflüssigung des sandigen Bodens.

Was geschah nach dem Erdbeben mit Port Royal?

Fort Charles war das einzige Fort von Port Royal, das das Erdbeben von 1692 überstand. Oberst Christian Lilly, ein Ingenieur, baute es 1699 wieder auf. Sein Fortbestand zeigt, dass die weitreichende Zerstörung nicht sämtliche Verteidigungsanlagen der Siedlung auslöschte.

Auf der anderen Seite des Hafens wuchs Kingston und übernahm nach der Katastrophe Port Royals Rolle als Handelszentrum. Port Royal selbst wurde überwiegend mit Holzbauten wiederaufgebaut. Ein Großbrand zerstörte 1703 weite Teile dieser wiedererrichteten Stadt. Nach dem Erdbeben bedeutete dies einen weiteren schweren Einschnitt.

Im achtzehnten Jahrhundert blieb Port Royal als britischer Marinestützpunkt wichtig. Ein weiteres schweres Erdbeben beschädigte die Stadt 1907. Ihre Geschichte reicht somit über das berühmte Versinken hinaus. Die verbliebene Siedlung erlebte Wiederaufbau, militärische Nutzung durch die Marine und weitere Zerstörungen.

Zeitleiste

  • 1655: Die Engländer nahmen Jamaika ein und begannen, Port Royal zu befestigen.
  • 1656: Fort Cromwell, das spätere Fort Charles, wurde erbaut.
  • 1688: Henry Morgan starb in Port Royal.
  • 7. Juni 1692: Ein Erdbeben, Bodenverflüssigung und ein Tsunami verwüsteten die Stadt. Etwa zwei Drittel versanken.
  • 1699: Christian Lilly baute Fort Charles wieder auf.
  • 1703: Ein Großbrand beschädigte die wiederaufgebaute Siedlung.
  • 1907: Ein weiteres schweres Erdbeben traf Port Royal.
  • 1959: Eine bei 11:43 Uhr stehen gebliebene Taschenuhr wurde geborgen.
  • 1981: Gemeinsame Unterwasseruntersuchungen von INA, Texas A&M University und Jamaica National Heritage Trust begannen.
  • 2025: Die UNESCO nahm das archäologische Ensemble des siebzehnten Jahrhunderts in die Welterbeliste auf.
  • 2026: Eine Untersuchung zur Identifizierung eines Geräts zum Versiegeln von Briefen wurde veröffentlicht.

Details, die du in Reiseführern nicht findest

Einige Ziegelmauern stürzten während der Katastrophe nach innen in die Räume. Dabei bedeckten sie Gegenstände und trugen zu deren archäologischer Erhaltung bei. Die Zerstörung schuf somit Bedingungen, unter denen Teile des Stadtinventars unter herabgestürztem Baumaterial geschützt blieben.

Auch die Umgebung unter Wasser spielte eine Rolle. Der niedrige Sauerstoffgehalt half, viele organische Gegenstände zu erhalten, die sonst hätten verrotten können. Zum archäologischen Bestand gehören daher sowohl Materialien, deren Erhaltung von den Bedingungen unter Wasser abhing, als auch Gegenstände unter eingestürzten Mauern.

Eine 1959 geborgene Taschenuhr aus Messing war 1686 in Amsterdam gefertigt worden. Sie war bei 11:43 Uhr stehen geblieben. Diese Anzeige wurde mit dem Zeitpunkt des Erdbebens in Verbindung gebracht. Die Uhr stellt einen eindrücklichen Bezug zur Katastrophe her. Diese Zuordnung darf jedoch nicht als unabhängig gesicherte Zeitangabe gelten.

Zu den fünf bei den Ausgrabungen in Port Royal untersuchten Gebäuden gehörten Wohnhäuser, ein Pfeifenladen, eine Taverne und die Räumlichkeiten eines Schuhmachers. Wenn du Geschichte mit alltäglichen Besorgungen verbindest, bieten dir die Räume des Schuhmachers einen vertrauten Zugang zum Alltag neben Schiffen, Forts und Kaperfahrten.

Ein 1989 gefundenes Eisenobjekt ließ sich zunächst nicht bestimmen. Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung identifizierte es als Tischgerät zum Schmelzen von Wachs für das Versiegeln von Briefen. Seine Funktion ergänzt den Briefverkehr als weitere Tätigkeit, die durch Funde aus der versunkenen Stadt belegt ist.

Die Überreste der HMS Swan gelangten in die Räume 4A und 4B von Gebäude 4. Das Schiff war nach dem Erdbeben von der Welle im Hafen mitgerissen worden. Damit liegen Spuren des mitgerissenen Schiffes in konkret benennbaren ausgegrabenen Räumen vor. Die zerstörerische Bewegung des Tsunamis erhält so einen genau bestimmbaren archäologischen Kontext.

Was verrät die Unterwasserarchäologie über Port Royal?

INA, Texas A&M University und Jamaica National Heritage Trust begannen 1981 ihre gemeinsame Unterwasserarbeit im versunkenen Handelszentrum. Die untersuchten Gebäude und Gegenstände ermöglichen es, Port Royal anhand seiner Wohn- und Geschäftsräume ebenso wie anhand seiner maritimen Geschichte zu erforschen.

Die identifizierten Wohnhäuser und Gewerbebetriebe geben diesen Räumen konkrete Funktionen. Eine Taverne, ein Pfeifenladen und die Räumlichkeiten eines Schuhmachers belegen unterschiedliche Tätigkeiten in den untersuchten Gebäuden. Erhaltenes organisches Material und das Gerät zum Versiegeln von Briefen liefern weitere Hinweise auf die Gegenstände, mit denen die Menschen in der Stadt umgingen.

Warum gehört Port Royal zum UNESCO-Welterbe?

Port Royals Überreste aus dem siebzehnten Jahrhundert an Land und unter Wasser wurden 2025 als Kulturerbe in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Die Eintragung führt beide Teile des archäologischen Ensembles zusammen. Die erhaltenen Überreste an Land und die versunkene Siedlung gehören zu demselben historischen Ort.

Die UNESCO-Welterbestätte umfasst 27 Hektar. Die umgebende Pufferzone misst 292.27 Hektar. Diese Zahlen beschreiben die Grenzen der Welterbestätte und ihrer Pufferzone. Die Angabe von 13.4 Hektar bezeichnet dagegen die ungefähre Fläche, die beim Erdbeben von 1692 versank.

FAQ

Wo genau liegt Port Royal?

Port Royal liegt an der Spitze der Nehrung Palisadoes im Südosten Jamaikas. Seine Lage markiert die Einfahrt zum Hafen von Kingston. Dessen geschütztes tiefes Wasser begünstigte den Handel des Hafens im siebzehnten Jahrhundert.

Versank 1692 die ganze Stadt?

Etwa 66 Prozent der Siedlung versanken. Das entsprach rund 33 Acres oder 13.4 Hektar. Fort Charles überstand das Erdbeben und wurde 1699 wiederaufgebaut. Port Royal bestand nach der Katastrophe weiter.

Welche Verbindung hatte Henry Morgan zu Port Royal?

Henry Morgan nutzte Port Royal als Stützpunkt und starb dort 1688. Kapitäne, die von diesem Hafen aus operierten, konnten vom Gouverneur Jamaikas Kaperbriefe erhalten, um spanische Schiffe und Siedlungen anzugreifen.

Was kannst du aus der versunkenen Stadt über den Alltag erfahren?

Die ausgegrabenen Gebäude enthielten Hinweise auf Wohnhäuser, einen Pfeifenladen, eine Taverne und die Räumlichkeiten eines Schuhmachers. Zu den erhaltenen Gegenständen gehört auch ein Gerät zum Schmelzen von Wachs für das Versiegeln von Briefen. Diese Funde verbinden die versunkene Stadt mit Arbeit, Briefverkehr und persönlichen Alltagsgegenständen.

Quellen

  1. Türkische Wikipedia — Port Royal tr.wikipedia.org
  2. Jamaica National Heritage Trust — Port Royal jnht.com
  3. Englische Wikipedia — Port Royal en.wikipedia.org
  4. UNESCO — Das archäologische Ensemble von Port Royal aus dem 17. Jahrhundert whc.unesco.org
  5. Jamaica National Heritage Trust — Erinnerung an das große Erdbeben jnht.com
  6. Institute of Nautical Archaeology — Ausgrabung im Hafen von Port Royal nauticalarch.org
  7. National Geographic — Wie die „verruchteste Stadt der Welt“ durch ein Erdbeben versank nationalgeographic.com
  8. Historical Archaeology — Ein besiegeltes Schicksal link.springer.com

FAQ

Wo liegt Port Royal?

Port Royal liegt an der Spitze der Nehrung Palisadoes, an der Einfahrt zum Hafen von Kingston im Südosten Jamaikas.

Wie versank Port Royal 1692?

Die Erschütterungen des Erdbebens lösten im sandigen Untergrund eine Bodenverflüssigung aus. Etwa zwei Drittel der Siedlung versanken. Ein anschließender Tsunami vergrößerte die Zerstörung.

Wie viele Menschen starben beim Erdbeben von Port Royal?

Nach Schätzungen des Institute of Nautical Archaeology starben etwa 2.000 Menschen unmittelbar bei der Katastrophe. Verletzungen und Krankheiten forderten in den folgenden Tagen weitere Todesopfer.

Verschwand ganz Port Royal?

Etwa 66 Prozent der Siedlung versanken. Fort Charles blieb erhalten, und die Stadt bestand nach der Katastrophe weiter. Ein Brand verursachte 1703 jedoch weitere Zerstörungen.

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