Weltgeschichte

Wer waren die Borgia? Die Geschichte hinter den Serien

Die Borgia stiegen von ihren spanischen Wurzeln durch zwei Päpste, militärische Führungsämter und politische Ehen zu einer mächtigen Familie im Italien der Renaissance auf. Zu ihrer Geschichte gehört belegte Gewalt, doch für die Inzest- und Giftmordvorwürfe gegen Lucrezia gibt es keine historischen Belege.

In der Geschichtsforschung gibt es unterschiedliche Ansichten zu diesem Thema. Der Artikel unterscheidet belegte Fakten von Interpretationen und nennt seine Quellen. Unsere Quellengrundsätze →

9 Min. Lesezeit10 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Wer waren die Borgia? Die Geschichte hinter den Serien
Cesare Borgia il Valentino, di Cristofano dell'Altissimo, 1552-68 -FG.jpg

Die Borgia waren eine Adelsfamilie spanischer Herkunft, die im Italien der Renaissance an die Macht gelangte. Sie stellten zwei Päpste, brachten Verwandte in militärische und kirchliche Ämter und knüpften durch Heiraten politische Bündnisse. Ihre Familiengeschichte verbindet Xàtiva, Rom, Frankreich und die Romagna.

Wenn du die Borgia aus Fernsehserien kennst, bieten ihre Pontifikate, Ehen, Feldzüge und belegten Gewalttaten den historischen Ausgangspunkt. Dabei musst du die Belege sorgfältig einordnen. Giovanni Borgia wurde tatsächlich ermordet. Der Vorwurf, sein Bruder Cesare habe ihn getötet, bleibt unbewiesen. Lucrezias Ehen sind dokumentiert. Für die Geschichten über ihre angeblichen Giftmorde fehlen dagegen historische Belege.

Was war das Haus Borgia?

Die Familie stammte aus der Gegend um Xàtiva im spanischen Königreich Valencia. Ihr spanischer Nachname lautete Borja und leitete sich von der Stadt Borja in Aragón ab. Borgia war die italienisierte Form. Beide Namen gehören zur selben Familiengeschichte. Wenn du ihren spanischen und italienischen Verbindungen nachgehst, kannst du deshalb auf beide Schreibweisen stoßen.

Am Aufstieg der Familie waren ausgebildete Juristen ebenso beteiligt wie ehrgeizige Verwandte. Alfons de Borja lehrte Rechtswissenschaft an der Universität Lleida und war als Diplomat für die Herrscher von Aragón tätig. Rodrigo Borgia studierte später Rechtswissenschaft in Bologna. Beide wurden Papst. Neben ihren familiären Verbindungen gehörte damit auch eine juristische Ausbildung zu ihrem Werdegang.

Ein Vergleich aus dem Alltag erklärt einen Weg zur Macht der Borgia: Verwandte erhalten Stellen im Familienunternehmen. Kalixt III. ernannte seinen Neffen Rodrigo zum Kardinal. Rodrigo machte später als Alexander VI. seinen Sohn Giovanni zum Oberbefehlshaber des päpstlichen Heeres. Solche Ernennungen verliehen Familienangehörigen kirchliche und militärische Macht.

Welche Mitglieder des Hauses Borgia wurden Papst?

Alfons de Borja wurde 1455 als Kalixt III. Papst. Sein Pontifikat dauerte bis 1458. Vor seiner Wahl hatte er an der Universität gelehrt und diplomatische Aufgaben übernommen. Mit der Ernennung Rodrigos zum Kardinal förderte er den Aufstieg eines weiteren Familienmitglieds innerhalb der Kirche.

Rodrigo wurde 1492 als Alexander VI. Papst und blieb bis 1503 im Amt. Er war der Neffe von Kalixt III. Diese Verwandtschaftsverhältnisse sind wichtig: Die beiden Borgia-Päpste waren Onkel und Neffe. Cesare und Lucrezia waren dagegen Kinder Alexanders VI.

Alexander gab außerdem die Ausgestaltung der Borgia-Gemächer im Vatikan in Auftrag. Pinturicchio und sein Team führten die Arbeiten zwischen Herbst 1492 und Anfang 1494 aus. Die Förderung der Kunst stand damit bereits am Anfang seines Pontifikats. Sie gehörte ebenso zu seiner Herrschaft wie die Ernennung von Familienmitgliedern und politische Bündnisse.

Wie sieht der Stammbaum der Borgia aus?

Ein guter Ausgangspunkt sind Kalixt III. und sein Neffe Rodrigo. Rodrigo Borgia und Vannozza dei Cattanei hatten vier Kinder: Giovanni, Cesare, Lucrezia und Gioffre. Diese Gruppe verbindet das Papsttum mit den militärischen Laufbahnen und politischen Ehen, die im Mittelpunkt der Familiengeschichte während der Renaissance stehen.

Giovanni Borgia erhielt von seinem Vater den Oberbefehl über das päpstliche Heer. Cesare wurde Kardinal, bevor er eine militärische Laufbahn einschlug und Herzog wurde. Lucrezias Ehen verbanden sie mit den Familien Sforza, d’Aragona und d’Este. Auf diesen unterschiedlichen Wegen wurden die Kinder Alexanders VI. Teil der dynastischen Politik.

Zwei ähnliche Namen können im Stammbaum für Verwirrung sorgen. Giovanni Borgia war Lucrezias Bruder. Giovanni Sforza war ihr erster Ehemann. Beide Namen tauchen bei den Ereignissen von 1497 auf: Giovanni Borgia wurde ermordet, und Lucrezias Ehe mit Giovanni Sforza wurde annulliert.

Wie gewann und verlor Cesare Borgia seine Macht?

Cesare wurde 1493 während des Pontifikats seines Vaters Kardinal. 1498 legte er die Kardinalswürde nieder. Im selben Jahr führten Verhandlungen unter Beteiligung des französischen Königs Ludwig XII. dazu, dass er Herzog von Valentinois wurde. Seine Laufbahn verlagerte sich damit von einem hohen Kirchenamt zu militärischer Führung und territorialer Macht.

1499 heiratete Cesare Charlotte d’Albret. Diese dynastische Ehe stärkte seine Verbindung zu Frankreich. Mit einem von Frankreich unterstützten päpstlichen Heer eroberte er 1500 Imola und Forlì. 1501 wurde er Herzog der Romagna. Heirat, ausländische Unterstützung und Eroberungen trugen gemeinsam zu seiner Machtstellung bei.

Auf den Tod seines Vaters im August 1503 folgte der Zusammenbruch seiner politischen Macht. Cesare fiel 1507 im Kampf bei Viana in Navarra. Seine politische und militärische Laufbahn inspirierte auch Niccolò Machiavellis Beurteilung von Herrschern in Der Fürst. So fand sie neben der Familiengeschichte auch Eingang in die politische Literatur.

Was geschah mit Lucrezia Borgia?

Lucrezia heiratete Giovanni Sforza am 12. Juni 1493. Sie war damals dreizehn Jahre alt. Die Ehe sollte ein politisches Bündnis mit der Familie Sforza festigen. Nachdem dieses Bündnis zerbrochen war, wurde die Ehe 1497 annulliert. Als Grund galt, dass sie nicht vollzogen worden sei.

Ihr zweiter Ehemann Alfonso d’Aragona überlebte 1500 einen Anschlag. Anschließend töteten ihn Cesares Männer in dem Zimmer, in dem er sich erholte. Dieser Mord gehört zur belegten Gewalt im Umfeld der Familie. Er ist von den Vorwürfen gegen Lucrezia zu unterscheiden, für die keine historischen Belege gefunden wurden.

Lucrezias dritter Ehemann war Alfonso d’Este, der später Herzog von Ferrara wurde. Sie starb am 24. Juni 1519 nach einer schweren Geburt. Ihre Ehen verbinden ihre Biografie mit mehreren Herrscherfamilien. Ihr Tod gehört zu einem anderen, persönlichen Teil dieser Geschichte.

Welche Vorwürfe gegen die Borgia sind belegt?

Giovanni Borgia wurde 1497 ermordet. Cesare wurde beschuldigt, seinen Bruder getötet zu haben. Eindeutige Beweise für diesen Vorwurf fehlen jedoch. Wenn du den Vorwurf beurteilst, solltest du den belegten Tod von der umstrittenen Identität des Täters trennen.

Giovanni Sforza gehörte zu jenen, die behaupteten, Lucrezia habe inzestuöse Beziehungen zu ihrem Vater und ihrem Bruder unterhalten. Für diese Vorwürfe wurde keine historische Grundlage gefunden. Auch für das verbreitete Bild Lucrezias als Giftmörderin sieht die historische Darstellung von National Geographic keine historischen Belege.

Bei Alexanders VI. Tod ist ähnliche Vorsicht geboten. Einer Darstellung zufolge starb er im August 1503 durch eine versehentliche Vergiftung. Malaria wird als wahrscheinlichere Erklärung genannt, doch die Todesursache bleibt ungewiss. Weder die Vergiftungsgeschichte noch die alternative Erklärung darf als gesicherte Diagnose gelten.

Zeitleiste

  • 1455: Alfons de Borja wird als Kalixt III. Papst.
  • 1458: Das Pontifikat von Kalixt III. endet.
  • 1492: Rodrigo Borgia wird als Alexander VI. Papst.
  • 1493: Cesare wird Kardinal; Lucrezia heiratet Giovanni Sforza.
  • 1497: Giovanni Borgia wird ermordet; Lucrezias Ehe mit Sforza wird annulliert.
  • 1498: Cesare legt die Kardinalswürde nieder und wird Herzog von Valentinois.
  • 1499: Cesare heiratet Charlotte d’Albret.
  • 1500: Lucrezias zweiter Ehemann Alfonso d’Aragona wird ermordet; Cesare erobert Imola und Forlì.
  • 1501: Cesare wird Herzog der Romagna.
  • 18. August 1502: Cesare gewährt Leonardo da Vinci Zugang zu Befestigungsanlagen, um sie zu inspizieren.
  • August 1503: Alexander VI. stirbt; Cesare beginnt, seine politische Macht zu verlieren.
  • 1507: Cesare fällt im Kampf bei Viana in Navarra.
  • 24. Juni 1519: Lucrezia stirbt nach einer schweren Geburt.
  • 1748: Der Herzogstitel von Gandía geht durch Erbschaft von Borja auf Pimentel über.

Details, die du in keinem Reiseführer findest

Cesare bekleidete schon lange vor seiner Ernennung zum Kardinal kirchliche Ämter. Nach Angaben des spanischen Kulturministeriums erhielt er bereits mit sieben Jahren die Ämter des apostolischen Protonotars, des Archidiakons von Xàtiva und des Rektors von Gandía. Diese Ernennungen zeigen, wie früh seine Laufbahn in kirchlichen Institutionen begann.

Am 18. August 1502 stellte Cesare Leonardo da Vinci einen Passierschein aus. Dieser erlaubte ihm den Zutritt zu Burgen und befestigten Orten in der Romagna. Leonardo hatte den Auftrag erhalten, Befestigungsanlagen zu inspizieren. Das Dokument verbindet Cesares territoriale Ambitionen mit der praktischen Aufgabe, Verteidigungsanlagen zu untersuchen.

Die Borgia-Gemächer bestehen aus sechs monumentalen Räumen im Vatikan. Heute beherbergen sie einen Teil der Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst, die 1973 eröffnet wurde. Bei einem Besuch erlebst du in Alexanders VI. Räumen, wie die Kunstförderung der Renaissance auf eine spätere Museumssammlung trifft.

Das Archiv der Herzöge von Gandía umfasst nach Angaben des spanischen Kulturministeriums mehr als tausend Aktenbündel. Es ist ein umfangreicher Quellenbestand zur Geschichte der Borgia. Neben den ausgemalten Räumen und Leonardos Passierschein bietet es eine weitere konkrete Spur der Tätigkeit dieser Familie.

Was ist heute vom Haus Borgia geblieben?

Die Borgia-Gemächer im Vatikan bewahren eine sichtbare Verbindung zur Kunstförderung Alexanders VI. Das Archiv von Gandía bewahrt Dokumente, mit denen die Familie erforscht wird. Diese erhaltenen Räume und Unterlagen bieten dir konkrete Orte und Materialien, über die du dich der Geschichte der Borgia nähern kannst.

Beim Herzogstitel von Gandía musst du auch die Erbfolge beachten. Nach dem Tod von María Ana de Borja im Jahr 1748 ging er an ihren Neffen Francisco Alonso Pimentel über. Spätere Titelträger führten deshalb nicht den Nachnamen Borja. Wer die Geschichte dieses Titels verfolgt, muss die Erbfolge über den Familiennamen hinaus betrachten.

FAQ

Wer waren die beiden Borgia-Päpste?

Kalixt III., geboren als Alfons de Borja, amtierte von 1455 bis 1458. Sein Neffe Rodrigo Borgia amtierte als Alexander VI. von 1492 bis 1503.

War Lucrezia Borgia eine Giftmörderin?

Die historische Darstellung von National Geographic sieht keine historische Grundlage für die Giftmordvorwürfe gegen Lucrezia. Auch die Inzestvorwürfe sind historisch nicht belegt.

Hat Cesare Giovanni Borgia getötet?

Giovanni wurde 1497 ermordet. Für den Vorwurf gegen Cesare fehlen eindeutige bestätigende Beweise. Seine Verantwortung bleibt daher unbewiesen.

Welches Buch verbindet Cesare mit dem politischen Denken?

Niccolò Machiavelli ließ sich in Der Fürst bei seiner Beurteilung von Herrschern von Cesares politischer und militärischer Laufbahn inspirieren.

Quellen

  1. Wikipedia — Haus Borgia en.wikipedia.org
  2. Vikipedi — Familie Borgia tr.wikipedia.org
  3. British Museum — Cesare Borgia, Herzog von Valentinois britishmuseum.org
  4. National Geographic History — Lucrezia Borgia, Täterin oder Schachfigur? nationalgeographic.com
  5. National Geographic History — Die wahre Geschichte der Familie Borgia und ihrer verfluchten „schwarzen Legende“ nationalgeographic.com
  6. Oxford Bibliographies — Lucrezia Borgia academic.oup.com
  7. Larousse — Borgia larousse.fr
  8. Spanisches Kulturministerium — Das Archiv der Herzöge von Gandía und die Borgia cultura.gob.es
  9. Stadtbibliothek Imola — Mit Leonardo in der Romagna bim.comune.imola.bo.it
  10. Vatikanische Museen — Borgia-Gemächer museivaticani.va

FAQ

Wer waren die Borgia?

Die Borgia waren eine Adelsfamilie aus der Gegend um Xàtiva im Königreich Valencia in Spanien. Sie erlangten im Italien der Renaissance große Bedeutung und stellten mit Kalixt III. und Alexander VI. zwei Päpste.

Welche Mitglieder der Familie Borgia wurden Papst?

Alfons de Borja amtierte von 1455 bis 1458 als Kalixt III. Sein Neffe Rodrigo Borgia amtierte von 1492 bis 1503 als Alexander VI.

War Lucrezia Borgia eine Giftmörderin?

Die historische Darstellung von National Geographic sieht keine historische Grundlage für die Vorwürfe, Lucrezia habe Menschen vergiftet. Auch die Inzestvorwürfe gegen sie sind historisch nicht belegt.

Hat Cesare Borgia seinen Bruder Giovanni getötet?

Giovanni Borgia wurde 1497 ermordet. Cesare wurde dafür verantwortlich gemacht, doch eindeutige Beweise für diesen Vorwurf fehlen.

Was geschah mit dem Titel der Borgia als Herzöge von Gandía?

Nach dem Tod von María Ana de Borja im Jahr 1748 ging der Titel an ihren Neffen Francisco Alonso Pimentel über. Die späteren Titelträger führten daher nicht den Nachnamen Borja.

Image: Cesare Borgia il Valentino, di Cristofano dell’Altissimo, 1552-68 -FG.jpg — Fabrizio Garrisi, CC0

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