Abbasidenkalifat einfach erklärt: Wer waren die Abbasiden?
Die Abbasiden (Abbâsîler) waren die Dynastie, die das dritte große islamische Kalifat regierte. Ihr Name geht auf Abbas ibn Abd al-Muttalib zurück, einen Onkel des Propheten Mohammed (Muhammed), von dem sie abstammten. Sie gründeten ihren Staat 750, nachdem sie die Zentralregierung der Umayyaden (Emevîler) gestürzt hatten. Ihr Aufstieg verlagerte das Machtzentrum des Kalifats von Syrien (Suriye) in den Irak (Irak).
Bagdad wurde die Stadt, die am engsten mit ihrer Herrschaft verbunden ist. Zur Geschichte der Abbasiden gehören aber auch Kufa (Kûfe), Samarra (Sâmerrâ) und Kairo (Kahire). Wenn du diesen wechselnden Zentren folgst, kannst du den Wandel des Kalifats nachvollziehen. Die Dynastie regierte zunächst ausgedehnte Provinzen. Später verlieh sie Herrschern religiöse Legitimität, während diese die militärische und politische Macht ausübten.
Gründer des Abbasidenkalifats: Wie kam die Dynastie an die Macht?
Abu l-Abbas as-Saffah gründete den Abbasidenstaat und wurde sein erster Kalif. Als Gründungsjahr gilt üblicherweise 750. Das entspricht dem Jahr 132 im islamischen Kalender. Einen wichtigen Schritt hatte die Bewegung bereits am 28. November 749 erreicht. An diesem Tag wurde as-Saffah in der Moschee von Kufa die Treue geschworen. Die beiden Daten bezeichnen unterschiedliche Etappen beim Aufbau der abbasidischen Herrschaft.
Der offene Aufstand hatte früher begonnen. Am 15. Juni 747 hisste Abu Muslims Bewegung in Sifazanj (Sefîzenc) in Chorasan (Horasan) ein schwarzes Banner. Anfang 750 besiegte das Heer der Abbasiden Marwan II. (II. Mervân) am Großen Zab. Dieser Sieg beendete die Zentralgewalt der Umayyaden und ebnete der neuen Dynastie den Weg zur Regierung.
Flagge der Abbasiden: Warum war Schwarz so wichtig?
Schwarze Banner waren ein sichtbares Kennzeichen der abbasidischen Bewegung. Das 747 in Chorasan gehisste Banner markierte den Übergang zum offenen Aufstand. Schwarz spielte auch am Hof der Abbasiden eine Rolle. Die Farbe wurde für zeremonielle Kleidung und Behältnisse für amtliche Dokumente verwendet. Damit war sie über das Heer hinaus auch in der staatlichen Repräsentation präsent.
Karte des Abbasidenkalifats: Wie weit reichte das Reich auf seinem Höhepunkt?
Die UNESCO beschreibt das Reich während seiner Machtblüte als einen Verbund von Provinzen, der von Tunesien (Tunus) bis nach Zentralasien (Orta Asya) reichte. Der Irak wurde sein politisches Zentrum. Die Verlagerung von Syrien nach Osten brachte die Regierung auch geografisch näher an ihre iranischen Mawālī-Unterstützer. Die Geografie der Dynastie spiegelte somit die Unterstützung wider, auf der ihr Aufstieg beruhte.
Wenn du dir eine Karte des Abbasidenkalifats ansiehst, kommt es auf das dargestellte Jahr an. Regionale Dynastien entstanden lange vor dem Fall Bagdads 1258. Die Aghlabiden, Tahiriden (Tâhirîler), Samaniden (Sâmânîler), Saffariden (Saffârîler) und Tuluniden gehörten zu diesem Prozess der Loslösung von der Zentralgewalt, besonders im neunten Jahrhundert. Eine Karte aus der Machtblüte des Reiches kann daher nicht jede spätere Phase abbasidischer Herrschaft abbilden.
Hauptstadt der Abbasiden: Warum fiel die Wahl auf Bagdad?
Kufa im heutigen Irak war das erste Verwaltungszentrum der Abbasiden. Der zweite Kalif al-Mansur (Mansûr) suchte eine neue Hauptstadt, nachdem er von Haschimiyya bei Kufa aus regiert hatte. Er fürchtete den Einfluss der starken Anhängerschaft Alis (Ali) in Kufa auf sein Heer. Die Verlegung des Hofes war deshalb sowohl eine Standortentscheidung als auch eine Frage politischer Sicherheit.
Bagdad bot praktische Vorteile. In der Nähe kreuzte die Straße nach Chorasan mehrere Karawanenwege. Bewässerungskanäle und fruchtbares Ackerland halfen, die Stadt zu versorgen. Der Standort konnte auch den Nahrungsmittelbedarf des Heeres decken. Die Wahl verband die Bedürfnisse der Regierung mit Verkehrswegen, Landwirtschaft und militärischer Versorgung.
Du kannst dir das anhand deines täglichen Einkaufs vorstellen: Wo Menschen zusammenkommen, zählen erreichbare Wege und eine gesicherte Lebensmittelversorgung. Al-Mansurs Entscheidung betraf dieselben praktischen Fragen, allerdings im Maßstab einer Hauptstadt. Bagdad musste einen Hof, eine Verwaltung und ein Heer versorgen.
Der Bau begann 762. Al-Mansur zog 763 dorthin, als der Palast und die Verwaltungsgebäude nutzbar waren. Die kreisförmige Stadt wurde 766 fertiggestellt. Ihr offizieller Name lautete Madinat as-Salam, also Stadt des Friedens. Bagdads Gründung umfasste damit mehrere Schritte: Baubeginn, Bezug und Fertigstellung.
Abbasidische Kalifen: Die frühen Herrscher im Überblick
Die frühe Herrscherfolge begann mit as-Saffah, der von 750–754 regierte. Auf ihn folgte al-Mansur von 754–775. Danach herrschten al-Mahdi (Mehdî) von 775–785 und al-Hadi (Hâdî) von 785–786. Harun ar-Raschid regierte von 786 bis 809. Diese Regierungszeiten umfassen die Gründung der Dynastie und die Entwicklung Bagdads zur Hauptstadt.
Die Herrscher waren miteinander verwandt. Al-Mansur war as-Saffahs Bruder. Al-Mahdi war al-Mansurs Sohn. Al-Hadi und Harun ar-Raschid waren wiederum Söhne al-Mahdis. Die Abbasiden führten die von den Umayyaden übernommene Praxis fort, die Herrschaft innerhalb der Dynastie weiterzugeben. Wesire und eine besoldete Beamtenschaft unterstützten die Kalifen beim Regieren.
Bedeutung der Abbasiden: Verwaltung, Wissenschaft und Militärmacht
Unter al-Mansur nahm die Übersetzung ins Arabische in zahlreichen Fachgebieten zu. Dazu gehörten Medizin, Astronomie, Algebra, Geometrie, Logik und Metaphysik. Diese Fächer waren Teil des geistigen Lebens unter abbasidischer Herrschaft. Die Bedeutung der Dynastie beruhte auch auf ihrer Verwaltung: Der Kalif regierte mithilfe von Ämtern und bezahlten Beamten. Zugleich blieb die Herrscherfolge erblich.
Wenn du dich für historische Verbindungen zur Türkei interessierst, bieten türkische Soldaten einen direkten Anknüpfungspunkt. Al-Muʿtasim stärkte ihre Bedeutung im Heer. Im Jahr 836 zog er mit diesen Truppen nach Samarra, das er im selben Jahr gründete. Samarra blieb bis 892 Hauptstadt der Abbasiden. Dann kehrte die Regierung nach Bagdad zurück.
Später veränderte die Militärmacht die Stellung der Kalifen noch deutlicher. Die Buyiden nahmen Bagdad 945 ein. Sie schränkten die tatsächliche Macht der Abbasiden ein. Dadurch trat die Rolle der Kalifen als Vermittler religiöser Legitimität stärker hervor. Die Seldschuken lösten die Buyiden 1055 ab. Die abbasidischen Kalifen bestanden nun neben einer Dynastie fort, die die politische und militärische Herrschaft ausübte.
Abbasiden im Fach AP World History: Was veränderte sich im Laufe der Zeit?
Für eine Lernübersicht zu AP World History kannst du die Abbasiden mit Veränderungen der politischen Geografie, der Verwaltung und der Herrschaftsgewalt verknüpfen. Ihr Aufstieg verlagerte das Regierungszentrum von Syrien in den Irak. Bagdad verband den Hof mit Karawanenwegen und landwirtschaftlichen Ressourcen. Wesire und besoldete Beamte stützten die dynastische Regierung. Unter al-Mansur nahm zugleich die Übersetzungstätigkeit zu.
Die spätere Geschichte zeigt, dass sich der Kalifentitel und die unmittelbare Herrschaft über ein Gebiet unterschiedlich entwickeln konnten. Regionale Dynastien entstanden. Buyiden und Seldschuken kontrollierten nacheinander Bagdad. Unter al-Muqtafi (Muktefî), der von 1136 bis 1160 regierte, gewann die direkte abbasidische Herrschaft im Irak jedoch wieder an Stärke. Der Machtverlust verlief also nicht ohne Unterbrechungen.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
Der erste ummauerte Verwaltungsbezirk Bagdads hatte vier Tore. Sie waren nach Kufa, Basra, Damaskus und Chorasan benannt. Hauptstraßen führten zum Palast und zur Moschee im Zentrum. Die wichtigsten Einrichtungen der Herrschaft lagen damit dort, wo die Hauptzufahrten der Stadt zusammenliefen.
Al-Mansurs ursprünglicher Palast und die Mauern sind oberirdisch nicht erhalten. Rekonstruktionen des Grundrisses der Runden Stadt beruhen auf Beschreibungen aus dem neunten bis vierzehnten Jahrhundert. Im Jahr 773 ordnete al-Mansur außerdem aus Sicherheitsgründen an, die zentralen Märkte nach Karch (Kerh) zu verlegen. Die geplante Hauptstadt veränderte sich somit auch nach ihrer Fertigstellung weiter.
Die archäologische Stätte von Samarra liegt etwa 130 Kilometer nördlich von Bagdad. Nach Angaben der UNESCO sind rund 80 Prozent noch nicht ausgegraben. Die Zeit als Hauptstadt von 836 bis 892 bildet ein bedeutendes Kapitel abbasidischer Regierung außerhalb Bagdads.
Im abbasidischen Irak entwickelte sich außerdem ein metallisch glänzender Lüsterdekor für Keramik. In späteren Jahrhunderten verbreitete sich die Technik nach Ägypten, Syrien, Iran und Spanien. Diese Objekte verbinden die abbasidische Kunstproduktion mit Orten weit jenseits der irakischen Hofzentren.
Zeitleiste
- 747: Der offene Aufstand der Abbasiden begann in Chorasan.
- 749: As-Saffah wurde in Kufa die Treue geschworen.
- 750: Der Sieg am Großen Zab beendete die Zentralherrschaft der Umayyaden.
- 762: Al-Mansur begann mit dem Bau Bagdads.
- 763: Al-Mansur ließ sich in Bagdad nieder.
- 786–809: Harun ar-Raschid regierte als Kalif.
- 836: Die Regierung zog nach Samarra.
- 892: Bagdad wurde erneut zum Verwaltungszentrum.
- 945: Die Buyiden nahmen Bagdad ein.
- 1055: Die Seldschuken gewannen die Kontrolle über Bagdad.
- 1136–1160: Unter al-Muqtafi erstarkte die unmittelbare Herrschaft der Abbasiden im Irak.
- 1258: Die Mongolen beendeten die Herrschaft der Abbasiden in Bagdad.
- 1261: In Kairo wurde ein Abbasidenkalifat errichtet.
- 1517: Das Abbasidenkalifat in Kairo endete.
Wie endete die Herrschaft der Abbasiden?
Das mongolische Heer Hülegüs eroberte Bagdad 1258. Mit der Tötung des Kalifen al-Mustaʿsim endete die abbasidische Regierung in der Stadt. Im Jahr 1261 errichtete der mamlukische Sultan Baibars (Baybars) ein Abbasidenkalifat in Kairo. Diese Kalifen legitimierten vor allem die Macht der Mamluken, statt ein unabhängiges Reich zu regieren. Die osmanische Eroberung Ägyptens beendete dieses Kalifat 1517.
Die Erzählung, al-Mutawakkil III. habe das Kalifat an Selim I. (I. Selim) übertragen, bleibt umstritten. Şit Tufan Buzpınars Literaturüberblick von 2004 stellt die Auffassung vor, dass diese Geschichte wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts entstand. Uğur Demirs Studie von 2019 widerspricht einer ausschließlich späten Entstehung. Demir argumentiert, dass auch osmanische und europäische Quellen des sechzehnten Jahrhunderts Hinweise auf eine Übertragung enthalten.
Häufig gestellte Fragen
Wie spricht man „Abbasid“ auf Englisch aus?
Das Cambridge Dictionary gibt für britisches und amerikanisches Englisch gleichermaßen /əˈbæs.ɪd/ an. Die Betonung liegt auf der zweiten Silbe.
War Bagdad immer die Hauptstadt der Abbasiden?
Nein. Kufa war das erste Verwaltungszentrum. Al-Mansur begann 762 mit dem Bau Bagdads. Später war Samarra von 836 bis 892 die Hauptstadt.
Wer gründete das Abbasidenkalifat?
Abu l-Abbas as-Saffah war der Gründer und erste Kalif. Als Gründungsjahr des Staates gilt üblicherweise 750. Der Treueeid in Kufa war bereits 749 erfolgt.
Endete die Herrschaft der Abbasiden 1258 oder 1517?
Die abbasidische Regierung in Bagdad endete 1258. Das spätere Kalifat, das unter mamlukischem Schutz in Kairo errichtet worden war, endete 1517.
Quellen
- Wikipedia — Abbasidenkalifat en.wikipedia.org
- Ägyptisches Ministerium für Tourismus und Altertümer — Die Abbasidenzeit egymonuments.gov.eg
- TDV İslâm Ansiklopedisi — Abbasiden islamansiklopedisi.org.tr
- UNESCO — Archäologische Stadt Samarra whc.unesco.org
- TDV İslâm Ansiklopedisi — Bagdad islamansiklopedisi.org.tr
- The Metropolitan Museum of Art — Die Kunst der Abbasidenzeit metmuseum.org
- Khan Academy — Matt Saba, Die Gründung Bagdads khanacademy.org
- The School of Abbasid Studies — Kleidung abbasidstudies.org
- Vikipedi — Abbasiden tr.wikipedia.org
- Şit Tufan Buzpınar — Die Frage des osmanischen Kalifats: Ein Literaturüberblick dergipark.org.tr
- Marmara-Universität — Uğur Demir, Die Frage der Übertragung des Kalifats an die Osmanen und ein Literaturüberblick dazu openaccess.marmara.edu.tr
FAQ
Wer gründete das Abbasidenkalifat?
Abu l-Abbas as-Saffah gründete den Abbasidenstaat und wurde sein erster Kalif. Als Gründungsjahr gilt üblicherweise 750, obwohl ihm bereits im November 749 in Kufa die Treue geschworen wurde.
War Bagdad immer die Hauptstadt der Abbasiden?
Nein. Kufa war das erste Verwaltungszentrum. Al-Mansur begann 762 mit dem Bau Bagdads. Später war Samarra von 836 bis 892 die Hauptstadt.
Welche Farbe hatte die Flagge der Abbasiden?
Schwarz war die kennzeichnende Farbe der abbasidischen Banner. Abu Muslims Bewegung begann ihren offenen Aufstand am 15. Juni 747, als sie in Chorasan ein schwarzes Banner hisste.
Wann endete das Abbasidenkalifat?
Die Herrschaft der Abbasiden in Bagdad endete 1258 mit der mongolischen Eroberung. Ein späteres Abbasidenkalifat unter mamlukischem Schutz in Kairo endete 1517 mit der osmanischen Eroberung Ägyptens.
Image: Abbasid Caliphate 850AD.png — Cattette, CC BY 4.0






