Weltgeschichte

Mongoleninvasionen in Japan 1274 und 1281: Kamikaze

Kublai Khan schickte 1274 und 1281 zwei Flotten gegen Japan, doch beide Angriffe scheiterten. Der Taifun von 1281 ist gut belegt, der Sturm von 1274 bleibt umstritten, und Wracks vor Takashima liefern materielle Beweise.

8 Min. Lesezeit11 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Mongoleninvasionen in Japan 1274 und 1281: Kamikaze
Mōko Shūrai Ekotoba.jpg

Die kurze Antwort: Wie viele Mongoleninvasionen in Japan gab es?

Es gab zwei Mongoleninvasionen in Japan. Kublai Khans Feldzüge von 1274 und 1281 endeten beide mit einem japanischen Sieg. Auf Japanisch werden sie gemeinsam als Genkō bezeichnet. Der erste ist als Bun’ei bekannt, der zweite als Kōan.

Die Heere bestanden nicht ausschließlich aus Mongolen. Soldaten und Seeleute kamen auch aus dem von der Yuan-Dynastie beherrschten China und aus dem Königreich Goryeo in Korea. Wenn du also „mongolische Flotte“ liest, stell dir eine Streitmacht aus mehreren Herkunftsregionen vor.

Der zweite Feldzug ist der berühmtere. Im August 1281 traf ein Taifun die Invasionsflotte. Die Japaner nannten den Sturm kamikaze, „göttlicher Wind“.

Warum schickte Kublai Khan Schiffe nach Japan?

Alles begann mit einem Brief. 1268 wurde Kublai Khans Schreiben am japanischen Kaiserhof übergeben. Japans Regierung antwortete nicht.

Mit diesem Schweigen war die Sache nicht erledigt. Kublai schickte 1275 und 1279 weitere Gesandtschaften. Ihre Mitglieder wurden in Japan hingerichtet. Nach der Hinrichtung zweier Gesandtschaften blieb wenig Spielraum für Gespräche.

Der Feldzug von 1274: von Tsushima zur Hakata-Bucht

Wenn du dir die Route vorstellen möchtest, beginne in Korea und gehe nach Südosten. Die Flotte von 1274 brach von Korea aus auf und folgte einer klaren Route. Sie fuhr zuerst nach Tsushima, dann nach Iki und schließlich zur Hakata-Bucht auf Kyūshū.

Die Royal Armouries nennen genaue Daten für die Landungen. Am Morgen des 5. November 1274 gingen die Angreifer bei Sasuura auf Tsushima an Land und besiegten die örtlichen Verteidiger. Damit ist auch die Frage nach Tsushimas Rolle beantwortet: Die Insel war das erste Angriffsziel.

Die Hauptstreitmacht landete am 19. November 1274 an der Hakata-Bucht. Die Yuan-Truppen rückten in geschlossenen Reihen vor. Trommelsignale lenkten ihre Bewegungen.

Von japanischer Seite ist ein ungewöhnlich anschaulicher Bericht erhalten. Takezaki Suenaga, ein Krieger aus Higo, griff 1274 mit nur fünf Begleitern Yuan-Soldaten an. 1281 kämpfte er erneut. Seine Kämpfe sind in den Bildrollen mit dem Titel Mōko Shūrai Ekotoba dargestellt. Eine Szene zeigt, wie während der Kämpfe von 1274 eine tetsuhau genannte Schießpulverwaffe explodiert.

Gab es 1274 einen Taifun?

Hier gehen die populäre Geschichtserzählung und die Quellen auseinander. Die Geschichte der Yuan-Dynastie beschreibt einen Sturm, der der Flotte von 1274 Verluste zufügte. Unklar bleibt aber, ob er die Schiffe bei Hakata oder auf dem Rückweg nach Korea traf.

Nach der traditionellen Darstellung erklärt ein Taifun die Niederlage von 1274. Die Besprechung der Universität Wien widerspricht dieser Deutung. Sie weist darauf hin, dass weder die Mōkō shūrai ekotoba noch das Hachiman gudōkun für dieses Jahr einen solchen Wind erwähnen.

Als gesichert lässt sich daher Folgendes festhalten: Ein Sturm von 1274 wird in der Geschichte der Yuan-Dynastie erwähnt. Sein Ort und seine Bedeutung für den Ausgang des Feldzugs sind jedoch umstritten. Gut belegt ist der Taifun von 1281.

Japan bereitet sich vor: die Mauer von Hakata

Nach 1274 bereiteten sich die Japaner auf einen zweiten Angriff vor. Rund um Hakata errichteten sie eine steinerne Verteidigungslinie. Das japanische Nationalarchiv gibt ihre Länge mit etwa 20 Kilometern an. 1276 entstand eine etwa zwei Meter hohe Steinmauer.

Stell dir eine Hochwasserschutzbarriere in einer Stadt am Fluss vor. Sie hält das Wasser nicht auf. Sie bremst es und verschafft Zeit. Ähnlich wirkte die Mauer. Sie bot japanischen Bogenschützen eine Stellung zum Schießen und erschwerte es den Angreifern, den Strand zu halten.

Der Feldzug von 1281: zwei Flotten, ein Problem

1279 besiegte die Yuan-Dynastie die Südliche Song-Dynastie. Dadurch konnte Kublai 1281 neben einer Flotte aus Korea auch eine Flotte aus Südchina entsenden.

Wie groß waren diese Streitkräfte? Darüber besteht keine Einigkeit. Die verbreitete traditionelle Schätzung nennt zwei Verbände mit insgesamt 140.000 Mann: 40.000 aus Korea und 100.000 aus Südchina. Thomas Conlan erörtert eine Größenordnung von etwa 14.000. Morris Rossabi widerspricht dieser niedrigen Zahl und schlägt ungefähr 70.000 Soldaten und Seeleute vor. Für dich als Leser ist deshalb eine große Spannweite die ehrliche Antwort, keine einzelne Zahl.

Der Plan verlangte eine zeitliche Abstimmung. Die koreanische Flotte sollte bei Iki auf die südchinesische Flotte warten. Sie wartete nicht. Im Juni griff sie Kyūshū an.

Die Japaner waren vorbereitet. Bogenschützen hinter der Mauer von Hakata erschwerten es den Angreifern, am Ufer Fuß zu fassen. Japanische Krieger überfielen die feindlichen Schiffe von kleinen Booten aus.

Der Taifun vom 15. August 1281

Am 15. August 1281 traf ein schwerer Taifun die vor Anker liegende Invasionsflotte. Er zerstörte Schiffe. Viele Männer blieben auf See oder an der Küste zurück.

Die Royal Armouries beschreiben, was mit den Schiffen geschah. Einige sanken. Andere wurden auf Felsen getrieben. Manche Kapitäne kappten ihre Ankertrossen, um ihre Schiffe zu retten.

Wenn du schon einmal ein im Hafen vertäutes Boot bei Sturm gesehen hast, kennst du das Problem. Leinen, die bei ruhigem Wetter Halt geben, können ein Schiff in Gefahr bringen. Eine dicht gedrängt vor einer unbekannten Küste ankernde Flotte war derselben Gefahr in weit größerem Maßstab ausgesetzt.

Die Japaner verstanden den Sturm als Zeichen göttlichen Schutzes. Sie nannten ihn kamikaze, „göttlicher Wind“.

Zeitleiste

  • 1268: Kublai Khans Brief erreicht den japanischen Kaiserhof. Eine Antwort bleibt aus.
  • 5. November 1274: Die Angreifer landen bei Sasuura auf Tsushima.
  • 19. November 1274: Die Hauptstreitmacht landet an der Hakata-Bucht.
  • 1274: Der erste Feldzug endet mit einem japanischen Sieg. Wo der Sturm auftraf und welche Wirkung er hatte, bleibt umstritten.
  • 1275: Mitglieder einer neuen Yuan-Gesandtschaft werden in Japan hingerichtet.
  • 1276: Bei Hakata wird eine steinerne Verteidigungsmauer gebaut.
  • 1279: Die Yuan besiegen die Südliche Song-Dynastie. Neue Gesandte nach Japan werden hingerichtet.
  • Juni 1281: Die koreanische Flotte greift Kyūshū an, ohne auf die südchinesische Flotte zu warten.
  • 15. August 1281: Ein schwerer Taifun zerstört die Invasionsflotte.
  • 1974: Vor Takashima wird ein Bronzesiegel gefunden.
  • 1994: Bei Takashima werden Holzanker mit Steingewichten gefunden.
  • 2011: Bei Takashima Kōzaki wird der erhaltene untere Rumpf eines Yuan-Schiffes identifiziert.
  • 27. März 2012: Takashima Kōzaki wird als nationale historische Stätte eingetragen.
  • 2014: In Geology erscheint eine Sedimentstudie zu den Kamikaze-Taifunen.

Bestätigen Bodenablagerungen die Geschichte?

Forschende haben die Taifun-Erzählung mit geologischen Methoden überprüft. Eine 2014 in Geology veröffentlichte Studie untersuchte dafür die etwa 2.000 Jahre umfassende Sedimentabfolge eines Küstensees.

Das Ergebnis ist vorsichtig formuliert. Das Team fand zwei Ablagerungsschichten aus dem späten 13. Jahrhundert, die auf Überflutungen durch Meerwasser zurückgehen. Das stützt die Annahme zweier Taifune. Die Forschenden erklärten jedoch, dass sich die Schichten nicht mit Sicherheit den Ereignissen von 1274 und 1281 zuordnen lassen.

Details, die du nicht im Reiseführer findest

  • Ein Siegel mit Phags-pa-Schrift. 1974 wurde vor Takashima ein Bronzesiegel mit einer Gravur in Phags-pa-Schrift gefunden.
  • Anker noch an ihrem ursprünglichen Platz. Bei der Ausgrabung von Takashima 1994 wurden drei Holzanker aus Roteiche zusammen mit ihren Steingewichten auf dem Meeresboden dokumentiert. Sie lagen noch in ihrer ursprünglichen Position.
  • Eine Schale mit einem Namen. Unter etwa 4.000 Funden von Takashima Kōzaki befand sich eine Seladonschale mit der Inschrift „Wang Baihu“.
  • Der Kiel eines Schiffes. 2011 fanden Forschende der Universität Ryūkyū bei Takashima Kōzaki den unteren Rumpf eines Yuan-Schiffes. Kiel und Außenbeplankung waren erhalten. Die dokumentierte Länge betrug 12 Meter.
  • Eine Premiere für Japan. Am 27. März 2012 wurde Takashima Kōzaki als erste unterwasserarchäologische Fundstätte Japans als nationale historische Stätte eingetragen.
  • Fünf Begleiter. Suenagas Angriff von 1274 mit nur fünf Begleitern ist in seinen Bildrollen festgehalten.

Gibt es eine Karte, einen Film oder ein Buch?

Für eine gedankliche Karte kannst du die Route nachzeichnen: Korea, Tsushima, Iki und dann die Hakata-Bucht auf Kyūshū. Die Wrackfundstelle von Takashima liegt vor der Küste derselben Region.

Zum Weiterlesen eignet sich Thomas Conlans In Little Need of Divine Intervention. Das Buch vereint Suenagas Bildrollen mit der Übersetzung von etwa 70 Verwaltungsdokumenten. Die unten verlinkte Seite des japanischen Nationalarchivs bietet einen kurzen, kostenlosen Einstieg.

FAQ

Wie viele Mongoleninvasionen in Japan gab es?

Zwei: 1274 (Bun’ei) und 1281 (Kōan). Beide scheiterten.

Hat ein Taifun die mongolische Flotte wirklich zerstört?

1281 ja. Am 15. August traf ein schwerer Taifun die vor Anker liegende Flotte. Für 1274 ist ein Sturm in der Geschichte der Yuan-Dynastie verzeichnet. Sein Ort ist jedoch ungewiss und seine Rolle umstritten.

Wo fanden die Mongoleninvasionen in Japan statt?

Auf Tsushima, auf Iki und rund um die Hakata-Bucht auf Kyūshū. Vor Takashima wurden Wracks gefunden.

Was bedeutet Kamikaze?

„Göttlicher Wind“. So hieß der Sturm, den die Japaner als göttlichen Schutz verstanden.

Wer kämpfte im Invasionsheer?

Mongolen, Soldaten und Seeleute aus dem China der Yuan-Dynastie sowie Männer aus dem koreanischen Königreich Goryeo. 1281 kam eine südchinesische Flotte hinzu, nachdem die Yuan 1279 die Südliche Song-Dynastie besiegt hatten.

Quellen

  1. Türkische Wikipedia — Mongoleninvasionen in Japan tr.wikipedia.org
  2. Archaeology — Kublai Khans Flotte archaeology.org
  3. Japanisches Nationalarchiv — Japan und die Mongolei archives.go.jp
  4. Royal Armouries — Kamikaze: Die Mongoleninvasionen in Japan royalarmouries.org
  5. Wikipedia — Mongoleninvasionen in Japan en.wikipedia.org
  6. Universität Wien — Religion-in-Japan: Götterwinde religion-in-japan.univie.ac.at
  7. GeoScienceWorld — Ablagerungsbelege für die Kamikaze-Taifune pubs.geoscienceworld.org
  8. Worcester State University — Sediment verbindet Kamikaze-Winde mit der Mongoleninvasion news.worcester.edu
  9. Asiatisches Forschungsinstitut für Unterwasserarchäologie — Projekt Takashima ariua.org
  10. Kulturgüterdatenbank der Präfektur Nagasaki — Takashima Kōzaki pref.nagasaki.jp
  11. Historisches Institut der Princeton University — In Little Need of Divine Intervention history.princeton.edu

FAQ

Wie viele Mongoleninvasionen in Japan gab es?

Zwei. Kublai Khan schickte die erste Flotte 1274 im Bun’ei-Feldzug und die zweite 1281 im Kōan-Feldzug. Beide endeten mit einem japanischen Sieg. In der japanischen Überlieferung heißen die beiden Invasionen zusammen Genkō.

Hat ein Taifun die mongolische Flotte wirklich zerstört?

Für 1281 lautet die Antwort ja. Am 15. August 1281 traf ein schwerer Taifun die vor Anker liegende Flotte und zerstörte viele Schiffe. Für 1274 erwähnt die Geschichte der Yuan-Dynastie einen Sturm. Wo er die Flotte traf, ist jedoch ungewiss. Eine Besprechung der Universität Wien weist darauf hin, dass zwei japanische Quellen für dieses Jahr keinen solchen Wind erwähnen.

Wo fanden die Mongoleninvasionen in Japan statt?

Auf Tsushima, auf Iki und an der Küste von Kyūshū rund um die Hakata-Bucht. Die Wracks von 1281 wurden vor Takashima gefunden, einer Insel in der Präfektur Nagasaki.

Was bedeutet Kamikaze?

Das japanische Wort bedeutet „göttlicher Wind“. So wurde der Sturm genannt, den die Japaner als Zeichen göttlichen Schutzes verstanden.

Welches Buch eignet sich zum Weiterlesen?

Thomas Conlans In Little Need of Divine Intervention. Es verbindet Takezaki Suenagas Bildrollen mit der Übersetzung von etwa 70 Verwaltungsdokumenten.

Image: Mōko Shūrai Ekotoba.jpg — Author unknown. Illustration rolls were ordered by Takezaki , Public domain

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