Wenn du nach der Geschichte von Malatya suchst, begegnest du einer Stadt mit vielen Namen und historischen Schichten. Ihre Geschichte beginnt auf einem Siedlungshügel in der Ebene von Malatya. Sie führt durch hethitische, assyrische, byzantinische und osmanische Quellen. Hier kannst du diesen Weg nachverfolgen. Am Anfang steht der Name, denn er ist die älteste Spur.
Geschichte von Malatya: Warum der Name je nach Quelle wechselt
Antike Schreiber schrieben den Stadtnamen unterschiedlich. Die Provinzdirektion für Kultur und Tourismus von Malatya nennt folgende überlieferte Formen:
- Melita in den Dokumenten aus Kültepe.
- Maldia in hethitischen Dokumenten.
- Melid und Meliddu in assyrischen Quellen.
- Melitea in urartäischen Quellen.
Auch spätere Autoren verwendeten unterschiedliche Formen. Der Geograf Strabon nannte den Ort Melitene. Damit meinte er mehr als eine Stadt. Melitene hieß auch einer der zehn Verwaltungsbezirke Kappadokiens (Kapadokya).
Byzantinische Quellen verwenden ebenfalls Melitene. In arabischen Quellen steht Malatiyye. Wenn du die Namen laut liest, hörst du die Entwicklung: von Melita über Melitene und Malatiyye zum heutigen Malatya. Über alle diese Sprachen hinweg bleibt die Form dem ursprünglichen Namen ähnlich.
Woher kommt der Name Malatya: Honig oder ein Stamm?
Zwei Erklärungen werden besonders häufig wiederholt. Sie sind nicht gleichermaßen überzeugend.
Die Honig-Theorie. İbrahim Güner und Mustafa Ertürk untersuchten 2004 die Herkunft der Namen türkischer Provinzhauptstädte. Laut ihrer Studie könnte Malatya auf das hethitische Wort melit zurückgehen. Es bedeutet Honig. Die Studie stellt dies als Theorie dar. Bewiesen ist sie nicht.
Die Stammes-Theorie. Eine andere Behauptung führt den Namen auf einen Stamm namens Melet zurück. Die Stadt wäre demnach das „Land der Meletlis“. Begüm Kurt behandelt diese Ansicht in ihrer Dissertation von 2016 über die Volkslieder von Malatya. Sie hält es für wenig wahrscheinlich, dass diese Erklärung zutrifft.
Du kannst also mit Sicherheit sagen: Der Name ist sehr alt. Zu seinen überlieferten Formen gehören Melita und Maldia. Seine Bedeutung bleibt umstritten. Die Verbindung zum Honig wird in der Forschung am häufigsten angeführt, bleibt aber eine Theorie.
Arslantepe: Hier beginnt die Geschichte
Die älteste Schicht der Geschichte Malatyas liegt in Arslantepe. Die UNESCO beschreibt den Fundort als einen 30 Meter hohen Siedlungshügel in der Ebene von Malatya. Menschen lebten dort mindestens seit dem 6. Jahrtausend v. Chr.
Die bekannteste Phase des Hügels fällt in die Zeit von 3400–3100 v. Chr. Ein Palastkomplex aus diesen Jahrhunderten gehört zu den wichtigsten archäologischen Überresten, die die Entstehung früher staatlicher Herrschaft im Nahen Osten zeigen. Deshalb ist der Fundort über die Türkei hinaus von Bedeutung.
Die Ausgrabungen am Hügel lassen sich in zwei Hauptphasen gliedern:
- In den 1930er-Jahren führte ein französisches Team unter Louis Delaporte die ersten Ausgrabungen durch.
- 1961 begann ein Team der Universität La Sapienza in Rom unter Salvatore M. Puglisi mit kontinuierlichen Ausgrabungen.
Die UNESCO nahm Arslantepe 2021 nach dem dritten Kulturkriterium, Kriterium (iii), in die Welterbeliste auf.
Von der byzantinischen Grenzstadt zur Eroberung durch die Danischmenden
Die schriftliche Überlieferung führt uns nun ins Mittelalter. 934 eroberte der byzantinische Heerführer Ioannes Kurkuas Malatya zurück. Das Wort „zurück“ zeigt dir, dass die Stadt schon vor diesem Datum den Herrscher gewechselt hatte.
Das nächste Datum nennt die Provinzdirektion für Tourismus. Sie datiert die Einnahme Malatyas durch Danischmend Gazi auf den 18. September 1101.
Aus der Zeit danach stammt die Große Moschee von Alt-Malatya (Eski Malatya Ulu Camii) in Battalgazi. Kültür Portalı und die TDV-Enzyklopädie des Islam datieren sie auf 1224, in die Regierungszeit von Kai Kobad I. (Alâeddin Keykubad I.). Die Moschee wurde mehrfach verändert. Umfangreiche Arbeiten fanden 1247 und erneut 1273–1274 statt. An der Nordseite kam ein Gebäudeteil hinzu.
Malatya unter osmanischer Herrschaft
Malatya kam im Juli 1516 unter osmanische Herrschaft. Truppen unter Hadım Sinan Paşa nahmen die Stadt während des Ägyptenfeldzugs von Sultan Selim I. ein.
Aus den osmanischen Jahrhunderten sind Bauwerke erhalten, die du noch heute besuchen kannst:
- Silahtar-Mustafa-Paşa-Karawanserei (Silahtar Mustafa Paşa Kervansarayı, 1637). Mustafa Paşa ließ sie in Battalgazi errichten. Er war Bosnier und diente Sultan Murad IV. als Waffenträger. Die Karawanserei steht auf einem rechteckigen Grundstück von 68 × 76 Metern. Sie besitzt einen offenen Innenhof und eine überdachte Halle.
- Yusuf-Ziya-Paşa-Moschee (Yusuf Ziya Paşa Camii, 1793–1794). Laut ihrer Eingangsinschrift ließ Yusuf Ziya Paşa sie für seine Frau Ayşe Hanım bauen.
- Çarşı Hamamı (1873). Auftraggeberin war die Stiftung des obersten schwarzen Eunuchen, die Babüssaade Ağası Vakfı.
Wie aus Aspuzu das heutige Malatya wurde
Die Stadt, die du heute siehst, entstand nicht einfach durch das Wachstum der alten Stadt. Der Wandel setzte im Sommer 1838 ein. Die osmanische Armee verlegte ihr Hauptquartier nach Malatya. Die Bewohner blieben daraufhin in ihren Sommerhäusern in Aspuzu. Das erwies sich als entscheidend für die Entwicklung des heutigen Malatya.
Deshalb liegen der als „Alt-Malatya“ bezeichnete Ort und das moderne Stadtzentrum auf der Karte an verschiedenen Stellen.
Geschichte im Alltag: der Hamam
Vielleicht hast du auf einer Reise schon ein türkisches Bad besucht. Malatyas Hamams folgen derselben Raumaufteilung. Ein Hamam hat einen Umkleideraum, einen lauwarmen Raum und einen Heißraum. Genau diese Bereiche besitzt der Tahtalı Hamam im Stadtzentrum. Das osmanische Gebäude aus dem 19. Jahrhundert liegt nördlich der Tahtalı-Moschee. Ein Bad dort lässt dich ein Stück derselben Alltagskultur erleben wie im Çarşı Hamamı, der 1873 erbaut wurde.
Zeitleiste
- 6. Jahrtausend v. Chr.: Laut UNESCO reicht die Besiedlung Arslantepes mindestens bis in diese Zeit zurück.
- 3400–3100 v. Chr.: Der Palastkomplex von Arslantepe dokumentiert frühe staatliche Herrschaft.
- 934: Der byzantinische Heerführer Ioannes Kurkuas erobert Malatya zurück.
- 18. September 1101: Danischmend Gazi nimmt Malatya ein.
- 1224: Nach der Datierung von Kültür Portalı und TDV wird die Große Moschee von Alt-Malatya erbaut.
- 1247: Die Große Moschee wird umfassend instand gesetzt und verändert.
- 1273–1274: An der Großen Moschee finden erneut Arbeiten statt.
- 1516: Malatya kommt unter osmanische Herrschaft.
- 1637: Die Silahtar-Mustafa-Paşa-Karawanserei wird erbaut.
- 1793–1794: Die Yusuf-Ziya-Paşa-Moschee wird erbaut.
- 1838: Das Hauptquartier der Armee wird verlegt. Aspuzu entwickelt sich zum dauerhaften Stadtzentrum.
- 1873: Der Çarşı Hamamı wird erbaut.
- 1930er-Jahre: Louis Delaporte leitet die ersten Ausgrabungen in Arslantepe.
- 1961: La Sapienza beginnt mit kontinuierlichen Ausgrabungen in Arslantepe.
- 2021: Arslantepe wird in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
- Verwaltung vor der Schrift. Laut UNESCO belegen die Funde von Arslantepe ein entwickeltes bürokratisches System, das bereits vor der Schrift bestand.
- Die frühesten Schwerter. Unter den Metallwaffen aus Arslantepe befinden sich Stücke, die die UNESCO als die frühesten weltweit bekannten Schwerter bezeichnet.
- Statuen auf dem Weg nach Ankara. Im späthethitischen Palast von Arslantepe wurden zwei Löwen und eine Königsstatue gefunden. Malatya hatte damals kein Museum. Deshalb brachte man sie ins Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara.
- Die Inschrift eines berühmten Gelehrten. Der osmanische Şeyhülislam Yahya Efendi verfasste den Text über dem inneren Tor der Silahtar-Mustafa-Paşa-Karawanserei. Er bildet eine ihrer zwei Inschriften.
- Ein Haus, das nicht aus osmanischer Zeit stammt. Das Inventar von Kültür Portalı datiert ein Haus in der Sinema Caddesi 23, das zu Beşkonaklar gehört, auf etwa 1935–1940. Die Gebäudegruppe Beşkonaklar besteht aus fünf aneinandergrenzenden Herrenhäusern. Hacı Sait Efendi und seine Brüder ließen sie bauen. Eines besitzt ein Aussichtszimmer.
- Umstrittene Datierungen. GoTürkiye ordnet die Große Moschee der Regierungszeit von Kai Kaus I. von 1211–1220 zu. Kültür Portalı und die TDV nennen 1224. Laut TDV ist außerdem umstritten, ob das Backsteinminarett zum ursprünglichen Bau oder zur Instandsetzung von 1247 gehört.
- Eine Beschlagnahmung in Yeşilyurt. Im Februar 2022 berichtete TRT Haber über einen Einsatz in Yeşilyurt. Dabei wurden 11 Siegel, 2 Anhänger, 8 Ringe und 2 Halsketten sichergestellt. Sie stammen vermutlich aus osmanischer Zeit.
Außerhalb des Stadtzentrums
Auch die übrige Provinz hat ihre eigene Geschichte. In Darende liegt in der Tohma-Schlucht der Somuncu-Baba-Komplex (Somuncu Baba Külliyesi). Dort befindet sich das Grab des Sufis Şeyh Hamid-i Veli aus dem 15. Jahrhundert. Wenn du eine Reise planst, ist dies eine gute Ergänzung zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.
FAQ
Was bedeutet der Name Malatya?
Eine eindeutige Bedeutung steht nicht fest. Eine Theorie leitet ihn vom hethitischen Wort melit für Honig ab. Eine Dissertation von 2016 hält die behauptete Verbindung zum Stamm Melet für wenig wahrscheinlich.
Wie alt ist die Siedlung von Arslantepe?
Laut UNESCO reicht die Besiedlung mindestens bis ins 6. Jahrtausend v. Chr. zurück. Der Palastkomplex stammt aus der Zeit von 3400–3100 v. Chr.
Wann wurde Malatya osmanisch?
Im Juli 1516. Damals nahmen Truppen unter Hadım Sinan Paşa die Stadt während des Ägyptenfeldzugs von Selim I. ein.
Ist Arslantepe eine UNESCO-Welterbestätte?
Ja. Die Aufnahme erfolgte 2021.
Quellen
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus von Malatya — Herkunft des Namens Malatya malatya.ktb.gov.tr
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus von Malatya — Geschichte malatya.ktb.gov.tr
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus von Malatya — Arslantepe malatya.ktb.gov.tr
- UNESCO-Welterbezentrum — Siedlungshügel Arslantepe whc.unesco.org
- İbrahim Güner und Mustafa Ertürk — Eine Untersuchung zur Herkunft der Namen türkischer Provinzhauptstädte dergipark.org.tr
- Çukurova-Universität — Begüm Kurt, Die Tradition des Volksliedsingens in der Region Malatya und die Volkslieder von Malatya library.cu.edu.tr
- TDV-Enzyklopädie des Islam — Malatya islamansiklopedisi.org.tr
- TDV-Enzyklopädie des Islam — Große Moschee (Große Moschee von Malatya) islamansiklopedisi.org.tr
- Kültür Portalı — Große Moschee von Alt-Malatya (Battalgazi) kulturportali.gov.tr
- GoTürkiye — Malatya entdecken goturkiye.com
- Kültür Portalı — Silahtar-Mustafa-Paşa-Karawanserei kulturportali.gov.tr
- Stadtverwaltung Battalgazi — Silahtar-Mustafa-Paşa-Karawanserei battalgazi.bel.tr
- İnönü-Universität, frei zugängliches Repositorium — Untersuchung zur Geschichte Malatyas, S. 59 abakus.inonu.edu.tr
- Türkische Museen — Ethnografisches Museum Beşkonaklar und traditionelles Malatya-Haus in Malatya turkishmuseums.kprod.kultur.gov.tr
- Kültür Portalı — Beşkonaklar-1 kulturportali.gov.tr
Image: Battalgazi Ulu Cami 97 019.jpg — Dosseman, CC BY-SA 4.0
