Silber, Besiedlung und die Geschichte von Gümüşhane
Die Geschichte von Gümüşhane und die Herkunft seines Namens beginnen mit Silber. Bergwerke bei Canca prägten die Siedlung, aus der das osmanische Gümüşhane hervorging. Später begünstigten der nachlassende Bergbau und die Straße zwischen Trapezunt (Trabzon) und Erzurum die Verlagerung des Zentrums zum Fluss Harşit. Der Name blieb, obwohl das Stadtzentrum seinen Standort wechselte.
Wenn du Gümüşhane heute besuchst, findest du den älteren Stadtkern außerhalb des heutigen Zentrums. Süleymaniye Mahallesi, bekannt als Alt-Gümüşhane (Eski Gümüşhane), liegt etwa vier Kilometer südwestlich davon. Diese Entfernung ist bedeutsam: Zur Stadtgeschichte gehören sowohl die frühere Bergbausiedlung als auch das spätere Zentrum am Fluss.
Was bedeutet der Name Gümüşhane?
Gümüşhane verbindet zwei Wörter aus unterschiedlichen Sprachen: das türkische gümüş für Silber und das persische hane für Haus. Der Name stellt damit einen direkten Bezug zu den nahe gelegenen Silbervorkommen her. Silber gehört also sowohl zur Wirtschaftsgeschichte der Stadt als auch zur Erklärung ihres Namens.
Canca ist entscheidend, um diesen Zusammenhang zu verstehen. In der osmanischen Volkszählung von 1486 erscheint der historische Kern des heutigen Gümüşhane als Dorf innerhalb von Torul. Sein eingetragener Name lautet „karye-yi Palu Canca“. Dieser Beleg stellt Canca in den Mittelpunkt der schriftlich dokumentierten Siedlungsgeschichte.
Osmanische Aufzeichnungen des 16. Jahrhunderts unterscheiden zwischen Eski Canca und „Karye-i Nefs-i Canca-yı Ma‘den“, einer wachsenden Siedlung bei den Bergwerken. Sie wurden als getrennte Orte erfasst. Wenn du beim Lesen der Ortsgeschichte auf Canca und Gümüşhane stößt, solltest du diese Unterscheidung beachten. Die Entwicklung umfasste mehr als ein einzelnes Dorf, das einen anderen Namen erhielt.
War Argyropolis ein antiker Name von Gümüşhane?
Die Kultur- und Tourismusdirektion der Provinz erklärt, die Stadt habe in byzantinischer Zeit Argyropolis geheißen. Sie übersetzt den Namen mit „Silberstadt“. Nach dieser Darstellung reicht die Verbindung zwischen dem Ort und Silber bis in seine byzantinische Namensgeschichte zurück.
Die englischsprachige Wikipedia bietet eine andere Darstellung. Ihr zufolge verwendeten auch griechischsprachige Einwohner den Namen Gümüşhane. Argyropolis sei erst in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts gebräuchlich geworden. Die Darstellungen widersprechen sich also darin, wann Argyropolis zum Stadtnamen wurde. Die Datierung in die byzantinische Zeit sollte deshalb als Aussage der genannten Quelle erscheinen, nicht als gesicherte zeitliche Einordnung.
Wann begann die osmanische Herrschaft?
Auch zur Eingliederung in das Osmanische Reich nennen die Darstellungen unterschiedliche Daten. Kültür Portalı verbindet den Übergang Süleymaniyes unter osmanische Herrschaft mit der Eroberung Trapezunts 1461. Abdürrahim Pamuks Studie in Belleten datiert die Eingliederung Gümüşhanes unter Rakkas Sinan Bey dagegen auf 1479.
Die Volkszählung von 1486 liefert einen späteren schriftlichen Beleg. Darin wurde „karye-yi Palu Canca“ bereits innerhalb von Torul erfasst. Die umstrittenen Daten der Herrschaftsübernahme und dieser Eintrag sollten getrennt betrachtet werden. So wird die Abfolge klarer: Die Quellen widersprechen sich beim Übergang, während das Dorf in der späteren osmanischen Aufzeichnung ausdrücklich erscheint.
Wie Süleymaniye um die Bergwerke wuchs
Sultan Süleyman ließ bei neuen Silbervorkommen eine Moschee und etwa fünfzig Häuser errichten. Diese Initiative förderte die Entwicklung des heutigen Viertels Süleymaniye Mahallesi. Wohnen, Gottesdienst und Erzabbau kamen in der neuen Bergbausiedlung zusammen.
Die Volkszählung von 1554 gibt einen genaueren Einblick in die Bevölkerung. Sie verzeichnet 31 muslimische Haushalte und 13 unverheiratete muslimische Männer. Hinzu kommen 113 nichtmuslimische Haushalte und 27 unverheiratete nichtmuslimische Männer. Im Register sind das getrennte Kategorien. Die Haushaltszahlen dürfen deshalb nicht als vollständige Zählung einzelner Einwohner gelesen werden.
Die Sultan-Süleyman-Han-Moschee (Sultan Süleyman Han Camii) bewahrt einen weiteren Teil dieser Geschichte. Angaben am Gebäude datieren ihren Bau auf 1520–1566. Sie wurde 1899 renoviert und 2004 restauriert. Wenn du Süleymaniye besuchst, verbindet die Moschee die osmanische Entwicklung des Viertels mit späteren Bemühungen um den Erhalt seiner Gebäude.
Warum verlagerte sich das Stadtzentrum?
Der Rückgang des Bergbaus und der Einfluss der Straße Trapezunt–Erzurum begünstigten die Verlagerung des Zentrums aus der alten Siedlung. Die Entwicklung führte nach Bahçeler am Fluss Harşit. Damit veränderte sich die räumliche Gestalt Gümüşhanes. Die Bergwerke verloren an Bedeutung, während die Straße die Stadtentwicklung beeinflusste.
Hier gibt es einen Bezug zum Alltag. Wo du wohnst, hängt oft davon ab, wie gut Arbeitsplätze und Verkehrswege erreichbar sind. Gümüşhanes Verlagerung nach Bahçeler zeigt diesen vertrauten Zusammenhang in einem historischen Umfeld. Die frühere Siedlung entstand bei Silbervorkommen. Das spätere Zentrum wuchs unter dem Einfluss einer wichtigen Straße.
Zeitleiste
- 1461 / 1479: Die Quellen nennen unterschiedliche Daten für die Eingliederung in das Osmanische Reich. Kültür Portalı nennt 1461, die Belleten-Studie 1479.
- 1486: Eine osmanische Volkszählung verzeichnet „karye-yi Palu Canca“ innerhalb von Torul.
- 1520–1566: Angaben an der Sultan-Süleyman-Han-Moschee datieren ihren Bau auf diesen Zeitraum.
- 1554: Die Volkszählung erfasst muslimische und nichtmuslimische Haushalte sowie unverheiratete Männer.
- 1647: Evliya Çelebi besucht den Ort und beschreibt etwa siebzig Silberbergwerke, von denen einige geschlossen sind.
- 1718: Auf örtlichen Münzen erscheint Gümüşhane als Prägeort.
- 1757–1774: Während der Herrschaft Mustafas III. scheitern Versuche, überflutete Bergwerke wieder nutzbar zu machen.
- 1914: Griechische Handwerker errichten das historische Herrenhaus in Yeşildere.
- 19. Juli 1916: Russische Truppen erobern Gümüşhane im Ersten Weltkrieg.
- 14. Februar 1918: Osmanische Truppen unter Kâzım Karabekir ziehen ein und stellen die osmanische Verwaltung wieder her.
- 1998: Zwei historische Herrenhäuser werden für das künftige Museum enteignet.
- 2004–2006: Die Herrenhäuser des Museums werden restauriert.
- 2018: An der Burg Canca beginnen Ausgrabungen.
Details, die du nicht im Reiseführer findest
Evliya Çelebis Bericht stellt das Bild eines ununterbrochen florierenden Bergbaus infrage. Bei seinem Besuch 1647 beschrieb er etwa siebzig Silberbergwerke. Einige waren bereits geschlossen. Außerdem berichtete er, dass die Münzstätte nicht in Betrieb war. Bergwerke und Münzstätte müssen beim Lesen seiner Beschreibung deshalb getrennt betrachtet werden.
Örtliche Münzen bewahren ein kleines, aber aufschlussreiches Detail zur Namensgeschichte. Münzen aus den Jahren 1718 und 1730–1731 nennen Gümüşhane als Prägeort, nicht Canca. Sie liefern datierte Belege dafür, dass Gümüşhane im offiziellen Münzwesen als Ortsname verwendet wurde.
Während der Herrschaft Mustafas III. zwischen 1757 und 1774 wurde Wasser zu einem ernsten Hindernis. Aus Frankreich herbeigeschaffte Ausrüstung konnte die überfluteten Bergwerke nicht wieder nutzbar machen. Nach diesen erfolglosen Bemühungen begann Gümüşhane seine wirtschaftliche Lebenskraft zu verlieren.
An der Burg Canca (Canca Kalesi) veränderten Ausgrabungen die Deutung eines Gebäudes. Die 2018 begonnenen Arbeiten identifizierten einen Bau als Wachturm, den schriftliche Quellen als Kapelle beschrieben hatten. Diese Unterscheidung verändert das Verständnis der Funktion dieses Gebäudes.
Sarıçiçek bietet einen anderen Einblick. Die beiden Dorfstuben, bekannt als Usta- und Çırak-Stube, besitzen Holzarbeiten aus Waldkiefer im Barock- und Rokokostil. Diese Innenräume ergänzen die regionale Geschichte um das Handwerk. Häufig wird sie vor allem anhand von Bergwerken, Münzen und Siedlungsaufzeichnungen betrachtet.
Santa, Satala und die Region außerhalb der Stadt
Santa im Dorf Dumanlı entwickelte sich zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert durch den Bergbau wirtschaftlich. Zu seinen Rohstoffen gehörten Eisen, Blei und Silber, das zusammen mit Blei gewonnen wurde. Die Siedlung zeigt, dass Gümüşhanes Bergbaugeschichte über die Bergwerke von Canca und Süleymaniye hinausreichte.
Die Ruinen von Santa stehen unter archäologischem Schutz und Naturschutz. Sie umfassen sieben Viertel und mehr als dreihundert Häuser. An diesen erhaltenen Wohnbauten kannst du die Bergbaugeschichte auch anhand der Größe einer Siedlung betrachten, nicht allein anhand der dort gewonnenen Metalle.
Satala im Landkreis Kelkit gehört in einen anderen historischen Zusammenhang. Dort gefundene Ziegelfragmente tragen den Stempel der Legion XV Apollinaris. Während der Herrschaft Kaiser Justinians (Justinianus) wurden die Stadtmauern repariert. Diese Überreste verbinden die weitere Region mit der römischen Militärgeschichte und späteren Arbeiten an den Verteidigungsanlagen.
Herrenhäuser, Klassenzimmer und das Museum
Das Herrenhausinventar des Gouverneursamtes führt 59 registrierte Herrenhäuser auf. Zu den restaurierten Beispielen gehören Balyemez, Özdenoğlu, Hasan Fehmi Ataç und Zeki Kadirbeyoğlu. Neben der Moschee von Süleymaniye und den Bergbausiedlungen der Region bilden diese Häuser einen weiteren bedeutenden Teil der erhaltenen historischen Bausubstanz Gümüşhanes.
Im Dorf Yeşildere errichteten griechische Handwerker 1914 ein historisches Herrenhaus. Nach dem Bevölkerungsaustausch diente das Gebäude etwa fünfzig Jahre lang als Schule für die Dorfkinder. Durch diesen dokumentierten Nutzungswechsel verbindet seine Geschichte Wohnarchitektur mit dem Bildungsalltag.
Das Museum von Gümüşhane (Gümüşhane Müzesi) befindet sich in zwei benachbarten Herrenhäusern aus dem Jahr 1920. Sie wurden 1998 enteignet und zwischen 2004 und 2006 restauriert. Das Museum besitzt Abteilungen für Archäologie, Münzen und Ethnografie. Im Garten sind Steinobjekte aus Satala und Süleymaniye ausgestellt. So kommen Zeugnisse verschiedener historischer Orte an einem Ort zusammen.
FAQ
Was bedeutet Gümüşhane?
Der Name verbindet das türkische gümüş für Silber mit dem persischen hane für Haus. Er bezieht sich auf die nahe gelegenen Silberminen, die die Entwicklung der Siedlung prägten.
Wo liegt Alt-Gümüşhane?
Alt-Gümüşhane ist das Viertel Süleymaniye Mahallesi, etwa vier Kilometer südwestlich des heutigen Stadtzentrums. Das spätere Zentrum entwickelte sich in Richtung Bahçeler am Fluss Harşit.
Wann wurde Gümüşhane osmanisch?
Die Datierung ist umstritten. Kültür Portalı nennt 1461. Abdürrahim Pamuks Belleten-Studie datiert die Eingliederung unter Rakkas Sinan Bey dagegen auf 1479.
War Argyropolis der byzantinische Name?
Die Kulturdirektion der Provinz stellt es so dar. Die englischsprachige Wikipedia datiert die Einführung von Argyropolis dagegen auf das frühe 19. Jahrhundert. Ihr zufolge verwendeten auch griechischsprachige Einwohner den Namen Gümüşhane.
Quellen
- Wikipedia — Gümüşhane tr.wikipedia.org
- Belleten — Der Verwaltungsbezirk Gümüşhane (Torul) in der Mitte des 17. Jahrhunderts belleten.gov.tr
- Kulturportal — Viertel Süleymaniye / Alt-Gümüşhane kulturportali.gov.tr
- Kultur- und Tourismusdirektion der Provinz Gümüşhane — Geschichte gumushane.ktb.gov.tr
- Wikipedia — Gümüşhane en.wikipedia.org
- Kulturinventar der östlichen Schwarzmeerregion — Sultan-Süleyman-Han-Moschee karadeniz.gov.tr
- Kulturinventar der östlichen Schwarzmeerregion — Burg Canca karadeniz.gov.tr
- Kulturportal — Dorfstuben von Sarıçiçek kulturportali.gov.tr
- Kulturportal — Ruinen von Santa kulturportali.gov.tr
- GoTürkiye — Gümüşhane entdecken goturkiye.com
- Gouverneursamt Gümüşhane — Herrenhäuser von Gümüşhane gumushane.gov.tr
- Anadolu Ajansı — Ungenutztes historisches Herrenhaus durch Tourismus wiederbelebt aa.com.tr
- Ministerium für Kultur und Tourismus — Museum von Gümüşhane muze.gov.tr
FAQ
Was bedeutet Gümüşhane?
Gümüşhane verbindet das türkische Wort gümüş für Silber mit dem persischen Wort hane für Haus. Der Name bezieht sich auf die nahe gelegenen Silberminen.
Wann kam Gümüşhane unter osmanische Herrschaft?
Die Quellen nennen unterschiedliche Jahreszahlen. Kültür Portalı verbindet den Übergang mit 1461. Abdürrahim Pamuks Studie in Belleten datiert die Eingliederung unter Rakkas Sinan Bey dagegen auf 1479.
Wo liegt Alt-Gümüşhane?
Alt-Gümüşhane ist das Viertel Süleymaniye Mahallesi, etwa vier Kilometer südwestlich des heutigen Stadtzentrums.
Hieß Gümüşhane in byzantinischer Zeit Argyropolis?
Die Kulturdirektion der Provinz ordnet den Namen Argyropolis der byzantinischen Zeit zu. Die englischsprachige Wikipedia datiert seine Einführung dagegen auf das frühe 19. Jahrhundert. Ihr zufolge verwendeten auch griechischsprachige Einwohner den Namen Gümüşhane.
Image: Gümüşhane Ottoman houses (Photo by Scott Dexter, June 20, 2012) (7884335224).jpg — Scott Dexter, CC BY-SA 2.0
