Weltgeschichte

Buchara: Geschichte der Handels- und Gelehrtenstadt

Buchara ist eine Stadt in Usbekistan, die durch den Handel an der Seidenstraße wuchs und unter den Samaniden zu einem Zentrum arabischer Gelehrsamkeit und persischer Literatur wurde. Ihr historischer Stadtkern steht seit 1993 auf der UNESCO-Welterbeliste.

7 Min. Lesezeit7 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Buchara: Geschichte der Handels- und Gelehrtenstadt
Ark of Bukhara (Цитадель Арк. Buxoro arki).jpg

Buchara (Buhara) ist eine historische Stadt in Zentralasien innerhalb der Grenzen des heutigen Usbekistan. Sie liegt in der Oase Buchara, im Delta des Flusses Serafschan, am Schahrud-Kanal. Laut UNESCO reicht ihre Geschichte an der Seidenstraße mehr als 2.000 Jahre zurück. Hier verfolgst du diese Geschichte: von einer arabischen Garnison zur Stadt der Bibliotheken, von der mongolischen Eroberung bis zur Sowjetzeit.

Wo liegt Buchara und wie sieht die Landschaft aus?

Wenn du nach „Buchara, Usbekistan“ suchst, ist die Antwort einfach. Die Stadt liegt im unteren Serafschan-Tal. Ihr Wasser kommt über einen Kanal. Erst dieses Wasser machte eine landwirtschaftlich nutzbare Oase möglich.

Das Klima erklärt, warum das nötig war. Buchara hat ein kaltes Wüstenklima. Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt etwa 135 Millimeter. Ohne Kanäle würde hier wenig wachsen. Wenn du eine Reise planst, rechne mit trockener Luft und wähle Kleidung, die zu einem kalten Wüstenklima passt.

Die arabische Eroberung: Garnison und Moschee

Die schriftlich überlieferte Geschichte der islamischen Zeit Bucharas beginnt mit den Feldzügen von 706–709. An deren Ende eroberte Qutaiba ibn Muslim, der Statthalter von Chorasan, die Stadt. Er richtete dort eine arabische Garnison ein.

Der Chronist Narschachi ergänzt ein Detail. Qutaiba gründete 712–713 eine Moschee in der Zitadelle von Buchara. Einheimischen zahlte er jeweils zwei Dirham für die Teilnahme am Freitagsgebet. Das ist ein frühes Beispiel dafür, wie ein Herrscher mit Geld eine neue Moschee füllte.

Die Samaniden: Buchara wird zum Zentrum der Gelehrsamkeit

Im Juni–Juli 874 schickte der samanidische Herrscher Nasr ibn Ahmad seinen Bruder Ismail als Statthalter nach Buchara. Später machten die Samaniden die Stadt zu ihrem Verwaltungszentrum.

Diese Entscheidung prägte das 9. und 10. Jahrhundert. Die Encyclopaedia Iranica beschreibt Buchara in dieser Zeit als ein Zentrum, in dem arabische Gelehrsamkeit und neupersische Literatur nebeneinander aufblühten. Eine Stadt, zwei Schriftsprachen, beide lebendig.

Aus der Samanidenzeit stammt auch ein Bauwerk, das du heute noch besuchen kannst. Die UNESCO zählt das Ismail-Samani-Mausoleum zu den herausragenden Beispielen islamischer Architektur des 10. Jahrhunderts.

Nicht nur Bücher: der Menschenhandel

Die Gelehrsamkeit war eine Seite der Stadt. Laut einer Studie von Murat Erkoç aus dem Jahr 2025 gehörte Buchara im 9. und 10. Jahrhundert zu den wichtigen Zentren des Sklavenhandels im Herrschaftsgebiet der Samaniden. Warenhandel und Menschenhandel liefen über dieselben Märkte.

Bibliotheken und ihre Nutzer

Bucharas Ruf beruhte auf Büchern. Zwei Beispiele zeigen, wie das aussah.

  • Ibn Sina. Im 10. Jahrhundert behandelte Ibn Sina den samanidischen Emir Nuh ibn Mansur. Daraufhin durfte er die königliche Bibliothek in Buchara nutzen.
  • Die Familie Banu Maza. Diese Familie aus Buchara gründete im Viertel Sikkat al-Dehkan eine Bibliothek namens Khizanat al-Kutub. Sie unterstützte die Arbeit hanafitischer Rechtsgelehrter.

Die Bibliothek wurde genutzt. Der Rechtsgelehrte Imad al-Din al-Faryabi, der 1210 starb, verfasste sein Werk mithilfe der Bibliothek der Familie Banu Maza.

Stell dir das als eine sehr frühe Forschungsbibliothek vor. Dafür brauchst du einen Leser, ein Bücherregal und einen Förderer. Buchara hatte alle drei.

Die Karachaniden übernehmen die Herrschaft

Die Samanidenzeit endete 999. Der karachanidische Herrscher Ilig Nasr ibn Ali eroberte Buchara endgültig und beendete die samanidische Herrschaft in der Stadt.

Auch die neuen Herrscher ließen bauen. Das Kalon-Minarett entstand 1127 während der Herrschaft des Karachaniden Arslan Khan.

Handel: Wer nach Buchara kam und was verkauft wurde

Buchara lebte vom Handel an der Seidenstraße. Kaufleute aus weit entfernten Gegenden machten hier Geschäfte. Zur mittelalterlichen Kaufmannschaft gehörten Händler aus Multan im heutigen Pakistan, die in der Stadt Grundbesitz hatten. Händler reisten also nicht nur durch. Manche ließen sich nieder und kauften Grundstücke.

Die Handelskuppeln der Stadt zeigen noch heute, wie die Märkte nach Waren gegliedert waren. Zwei davon sind:

  • Taki Sarafon, die Kuppel der Geldwechsler.
  • Taki Tilpak Furushon, die Kuppel der Mützenverkäufer.

Das kennst du aus dem Alltag. Heute gehst du in ein Einkaufszentrum und findest die Handyläden auf einer Etage, die Schuhgeschäfte auf einer anderen. Bucharas Händler machten es in überwölbten Hallen genauso. Zum Geldwechseln ging man unter die eine Kuppel, für eine Kopfbedeckung unter eine andere.

1220: die mongolische Eroberung

1220 eroberte das Heer Dschingis Khans Buchara.

Die Stadt verschwand nicht. Die UNESCO-Beschreibung der Welterbestätte zeigt, dass Buchara seinen religiösen und gelehrten Charakter noch über Jahrhunderte bewahrte. Vom 9. bis zum 16. Jahrhundert war es ein Zentrum religiöser Bildung mit mehr als 200 Moscheen und mehr als 100 Medresen.

Ulugh Beg und die Medrese

1417 wurde in Buchara auf Befehl Ulugh Begs eine Medrese errichtet. Eine Medrese war eine Schule, die einer Moschee angegliedert war. Dass eine solche Schule in Buchara gebaut wurde, zeigt die anhaltende Bedeutung der Stadt als Bildungsort.

Die Scheibaniden und das heutige Stadtbild Bucharas

Der größte Teil der erhaltenen historischen Stadtstruktur wurde seit dem frühen 16. Jahrhundert in der Scheibanidenzeit geprägt. Wenn du durch die Altstadt gehst, siehst du deshalb vor allem Bauten aus dieser Zeit und aus späteren Epochen.

Ein späteres Beispiel ist die auf 1652 datierte Abdulaziz-Khan-Medrese.

Russische Schutzherrschaft und Sowjetzeit

In der Neuzeit veränderte sich die politische Landkarte.

  • 1868 kam das Khanat Buchara unter russische Schutzherrschaft.
  • 1920 wurde das Emirat Buchara abgeschafft. Die Volksrepublik Buchara wurde als Sowjetrepublik gegründet.
  • 1924 wurde Buchara Teil der Usbekischen Sozialistischen Sowjetrepublik.

In etwa sechsundfünfzig Jahren wurde die Stadt damit vom Zentrum eines Khanats unter Schutzherrschaft zum Teil einer Sowjetrepublik.

Zeitleiste

  • 706–709: Nach den Feldzügen Qutaiba ibn Muslims wurde in Buchara eine arabische Garnison eingerichtet.
  • 712–713: Qutaiba gründete eine Moschee in der Zitadelle von Buchara.
  • 874: Ismail ibn Ahmad wurde als Statthalter nach Buchara geschickt.
  • 999: Die Karachaniden beendeten die samanidische Herrschaft in Buchara.
  • 1127: Das Kalon-Minarett wurde errichtet.
  • 1220: Das Heer Dschingis Khans eroberte Buchara.
  • 1417: Auf Befehl Ulugh Begs wurde in Buchara eine Medrese gebaut.
  • 1652: Die Abdulaziz-Khan-Medrese wurde errichtet.
  • 1868: Buchara kam unter russische Schutzherrschaft.
  • 1920: Die Volksrepublik Buchara wurde als Sowjetrepublik gegründet.
  • 1924: Buchara wurde Teil der Usbekischen Sozialistischen Sowjetrepublik.
  • 1993: Das historische Zentrum von Buchara wurde in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Details, die du nicht im Reiseführer findest

  • Bezahlte Gebetsteilnehmer. Narschachi berichtet, dass Qutaiba Einheimischen jeweils zwei Dirham zahlte, wenn sie am Freitagsgebet in der 712–713 gegründeten Zitadellenmoschee teilnahmen.
  • Eine Bibliothek in Truhen. Ibn Sina beschreibt die königliche Bibliothek in Buchara als ein Gebäude mit getrennten Räumen. Dort wurden verschiedene Sammlungen, etwa arabische Werke und rechtswissenschaftliche Bücher, in Truhen aufbewahrt.
  • Die Quellen eines Rechtsgelehrten. Imad al-Din al-Faryabi, der 1210 starb, nutzte die Bibliothek der Familie Banu Maza in Buchara, um sein Buch zu schreiben.
  • Kaufleute aus Multan. Zur mittelalterlichen Kaufmannschaft gehörten Händler aus Multan mit eigenem Grundbesitz.
  • Häuser aus Lehm. O. Vileikis vom Institut für Archäologie des UCL schrieb 2023, dass die meisten traditionellen Häuser Bucharas in Privatbesitz sind und überwiegend aus lehmhaltigen Baustoffen bestehen. In einer Stadt mit etwa 135 Millimetern Jahresniederschlag ist das eine praktische Wahl. Zugleich brauchen die alten Häuser regelmäßige Instandhaltung.

Buchara heute: ein historisches Zentrum als Welterbe

1993 wurde das historische Zentrum von Buchara in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Die UNESCO beschreibt Buchara als Stadt an der Seidenstraße mit einer mehr als 2.000-jährigen Geschichte.

Wenn du Buchara besuchst, denk zuerst an eine Stadt, in der Menschen ihrem Alltag nachgingen. Hier gab es Geldwechsler, Mützenverkäufer, Bibliotheken, einen Statthaltersitz und einen Kanal. Aus diesem täglichen Leben gingen die Baudenkmäler hervor.

FAQ

Wo liegt Buchara?

Buchara liegt in Usbekistan, in der Oase Buchara im Delta des Flusses Serafschan, am Schahrud-Kanal.

Wie alt ist Buchara?

Laut UNESCO reicht die Geschichte der Stadt an der Seidenstraße mehr als 2.000 Jahre zurück.

Wie ist das Wetter in Buchara?

Buchara hat ein kaltes Wüstenklima. Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt etwa 135 Millimeter.

Seit wann gehört Buchara zum UNESCO-Welterbe?

Das historische Zentrum von Buchara wurde 1993 in die Welterbeliste aufgenommen.

Welche Verbindung hatte Ibn Sina zu Buchara?

Nachdem er im 10. Jahrhundert den samanidischen Emir Nuh ibn Mansur behandelt hatte, nutzte er die königliche Bibliothek in Buchara.

Quellen

  1. Türkische Wikipedia — Buchara tr.wikipedia.org
  2. Getty Research Institute — Buchara getty.edu
  3. UNESCO — Historisches Zentrum von Buchara whc.unesco.org
  4. Encyclopaedia Iranica — Buchara ii iranicaonline.org
  5. Englische Wikipedia — Buchara en.wikipedia.org
  6. Zeitschrift für Sozialwissenschaften der Universität Fırat — Beschaffung und Arten von Sklaven in ostislamischen Gesellschaften am Beispiel der Samaniden dergipark.org.tr
  7. ISPRS Annals — Eine Strategie zur Steuerung von Veränderungen im historischen Zentrum von Buchara mithilfe der Dokumentation des Kulturerbes isprs-annals.copernicus.org

FAQ

Wo liegt Buchara?

Buchara ist eine historische Stadt in Zentralasien innerhalb der Grenzen des heutigen Usbekistan. Sie liegt in der Oase Buchara, im Delta des Flusses Serafschan, am Schahrud-Kanal.

Wie alt ist Buchara?

Laut UNESCO reicht die Geschichte der Stadt an der Seidenstraße mehr als 2.000 Jahre zurück.

Wie ist das Wetter in Buchara?

Buchara hat ein kaltes Wüstenklima. Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt etwa 135 Millimeter. Entsprechend trocken ist die Stadt.

Seit wann gehört Buchara zum UNESCO-Welterbe?

Das historische Zentrum von Buchara wurde 1993 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Wer war Ibn Sina und welche Verbindung hatte er zu Buchara?

Ibn Sina war ein Gelehrter des 10. Jahrhunderts. Nachdem er den samanidischen Emir Nuh ibn Mansur behandelt hatte, durfte er die königliche Bibliothek in Buchara nutzen.

Image: Ark of Bukhara (Цитадель Арк. Buxoro arki).jpg — Petar Milošević, CC BY-SA 4.0

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