Seldschuken und Beyliks · 1037 – 1500

Alaeddin-Moschee in Konya: Hauptmoschee der Seldschuken

Die Alaeddin-Moschee in Konya entstand in mehreren Bauphasen von der Regierungszeit Mesuds I. bis zu der Alaeddin Keykubads I. Ihre wiederverwendeten Säulen, die datierte Holzkanzel, der Fliesenschmuck und die Grabbauten im Hof verbinden Bauhandwerk mit der Geschichte der seldschukischen Dynastie.

8 Min. Lesezeit5 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Alaeddin-Moschee in Konya: Hauptmoschee der Seldschuken
Alaedin Camii.JPG

Alaeddin-Moschee in Konya: ein erster Überblick

Die Alaeddin-Moschee (Alâeddin Camii) steht auf dem Alaeddin-Hügel (Alâeddin Tepesi) im Stadtzentrum von Konya. Sie ist die große Hauptmoschee der anatolischen Seldschuken. Ihre Baugeschichte reicht vom Baubeginn unter Mesud I. bis zur Fertigstellung unter Alaeddin Keykubad I. (Alâeddin Keykubad I). Moschee und Hügel tragen Keykubads Namen. Dieser Name verweist auf den späteren Abschnitt einer wesentlich längeren Baugeschichte.

Wenn du dich der Moschee über ihre erhaltenen Details näherst, werden mehrere Epochen sichtbar. Mehr als vierzig Marmorsäulen stammen aus römischen und byzantinischen Bauten und wurden hier wiederverwendet. Die Holzkanzel stammt von 1155. Im Hof stehen zwei seldschukische Grabbauten. An diesen Merkmalen kannst du die Geschichte des Baus anhand seiner Materialien, Inschriften und herrscherlichen Bauaufträge nachvollziehen.

Wer hat die Alaeddin-Moschee gebaut?

Der Bau begann während der Regierungszeit des anatolischen Seldschukensultans Rükneddin Mesud I. zwischen 1116 und 1156. Die erste Bauphase reichte bis in die Zeit, als Kılıçarslan II. einen Grabbau im Hof in Auftrag gab. Die Moschee lässt sich deshalb keinem einzelnen Bauvorhaben eines Herrschers zuordnen. Ihre frühesten Arbeiten entstanden vor der Herrschaft des Sultans, dessen Namen sie trägt.

Eine Inschrift an der Nordfassade dokumentiert eine weitere Bauphase im Jahr 616, entsprechend 1219. Sie nennt İzzeddin Keykâvus I. und hält fest, dass die Arbeiten unter der Aufsicht von Atabeg Ayas standen. Eine Inschrift nennt außerdem Atabeg Ayaz als Verwalter. Diese Zeugnisse machen auch die Verwaltungsverantwortlichen sichtbar. Sonst ließe sich die Geschichte leicht allein anhand der Sultansnamen erzählen.

Die Inschrift am monumentalen Eingang nennt Muhammed bin Havlan al-Dimashqi aus Damaskus als Baumeister. Mit seinem Namen kannst du dem Bau einen konkreten Handwerker zuordnen. Die Inschriften bewahren unterschiedliche Zuständigkeiten: die herrscherliche Bauherrschaft, die Aufsicht und die Bauausführung. Alle gehören zur Baugeschichte der Moschee.

Wurde die Alaeddin-Moschee 1220 oder 1221 fertiggestellt?

Die veröffentlichten Darstellungen nennen unterschiedliche Fertigstellungsdaten. Semavi Eyice gibt die Fertigstellungsinschrift am Haupteingang mit 617 beziehungsweise 1220 wieder. Das Ministerium für Kultur und Tourismus nennt 1221. Beide Darstellungen verorten die Fertigstellung in der Regierungszeit Alaeddin Keykubads I. Die Abweichung betrifft das angegebene Jahr innerhalb dieser letzten Bauphase.

Für einen historischen Überblick macht die Angabe 1220–1221 diesen Unterschied deutlich. Sie trennt die Fertigstellung zugleich vom Baubeginn unter Mesud I. Die Inschrift von 1219 gehört zur dazwischenliegenden Bauphase unter Keykâvus I. Zusammengenommen beschreiben diese Daten aufeinanderfolgende Arbeiten an der Moschee. Sie stehen nicht für ein einziges, ununterbrochenes Bauvorhaben eines einzelnen Auftraggebers.

Was kannst du im Inneren der Alaeddin-Moschee sehen?

Im Gebäude stehen mehr als vierzig wiederverwendete Marmorsäulen. Sie stammen aus römischer und byzantinischer Zeit. Durch die Wiederverwendung ihrer Steinbauteile verbinden diese Säulen die seldschukische Moschee unmittelbar mit älteren Gebäuden. Ihre Vorgeschichte gehört zu dem Innenraum, den du heute siehst. Daneben stehen die eigens für die Moschee beauftragten Arbeiten.

Im Ostflügel verlaufen sechs Schiffe parallel zur Qibla-Wand, der Gebetsrichtungswand. Spitzbögen auf wiederverwendeten Säulen trennen sie voneinander. So kannst du den Innenraum konkret erschließen: Folge den parallelen Schiffen und betrachte dann die Säulen, die die Bögen tragen. Raumaufteilung und wiederverwendete Materialien gehören zur selben architektonischen Gestaltung.

Die traditionelle Dachdeckung der Moschee bestand aus Holz und Erde. Auch die Eingänge sind klar verteilt. Es gibt vier Türen: eine an der Ostfassade und drei an der Nordfassade. Diese baulichen Details erweitern den Blick über den gemeißelten Schmuck hinaus. Holz, Erde und wiederverwendeter Marmor gehören gleichermaßen zur Materialgeschichte des Gebäudes.

Warum ist die Holzkanzel von 1155 bedeutend?

Die Handwerkerinschrift der Kanzel datiert sie auf 1155 und nennt Mengü Berti aus Ahlat als ihren Schöpfer. Damit ist die Kanzel ein datiertes Werk aus der frühen Geschichte der Moschee. Ihre Inschriften nennen auch Sultan Mesud und Kılıçarslan II. Ein einziges Ausstattungsstück bewahrt somit die Namen eines Handwerkers und herrscherlicher Auftraggeber.

Der Schmuck entstand in Kündekâri-Technik. Dabei werden Holzstücke zu geometrischen Formen zugeschnitten und zusammengefügt. Wenn du das Muster genau betrachtest, werden Material und Herstellung selbst zum Gegenstand deiner Betrachtung. Die geometrische Gestaltung entsteht aus zusammengesetzten Holzteilen. Die Kanzel zeigt damit eine andere Art des Handwerks als die Marmorsäulen und der Fliesenschmuck an anderen Stellen der Moschee.

Das Datum 1155 hilft außerdem, die Geschichte der Kanzel von der späteren Fertigstellung der Moschee zu unterscheiden. Das Ausstattungsstück gehört in die Zeit Mesuds I., dessen Herrschaft 1156 endete. Die unter Keykâvus I. und Keykubad I. dokumentierten Bauphasen folgten später. Wenn du diese Daten auseinanderhältst, lässt sich die schrittweise Entstehung der Moschee leichter verstehen.

Der geflieste Mihrab und die Kuppel davor

Der Fliesenschmuck des Mihrabs, der Gebetsnische, ist aubergineviolett, türkisfarben und schwarz. Nach diesen Farben kannst du in der Ausstattung gezielt suchen. Vor dem gefliesten Mihrab befindet sich eine mit Fliesen geschmückte Maksura-Kuppel. Mihrab und Kuppel bringen Fliesenkunst in einen Bau, zu dessen anderen prägenden Materialien Marmor und Holz gehören.

Zur Geschichte des Mihrabs gehören auch Funde unter dem Fußboden. 1968 wurden Bruchstücke seiner Fliesen in der Auffüllung unter dem Bodenbelag entdeckt. Der erhaltene Schmuck und die geborgenen Fragmente bilden unterschiedliche Teile der Geschichte desselben Bauelements. Der Fund dokumentiert mit einem konkreten Datum, dass Material des Mihrabs im Gebäude selbst entdeckt wurde.

Was sind die Grabbauten im Hof?

Im Hof stehen zwei seldschukische Grabbauten. Den vollendeten östlichen Grabbau gab Kılıçarslan II. in Auftrag. Er hat einen zehnseitigen Baukörper und ein zehnseitiges Spitzdach. Im Inneren stehen acht Kenotaphe. Durch seinen Standort im Moscheehof gehört die Memorialarchitektur der Dynastie unmittelbar zur Geschichte der großen Hauptmoschee.

Der westliche Grabbau hat acht Seiten und enthält keine Kenotaphe. Die beiden Hofbauten unterscheiden sich damit sowohl in ihrer Form als auch in ihrem Inhalt. An diesen Unterschieden kannst du sie erkennen: Der vollendete östliche Grabbau hat zehn Seiten und acht Kenotaphe. Der westliche Bau hat acht Seiten und keine Kenotaphe. Bei der Betrachtung des Hofes sollten beide getrennt behandelt werden.

Zeittafel

  • 1116–1156: Der Bau begann während der Regierungszeit Mesuds I.
  • 1155: Mengü Berti aus Ahlat vollendete die Holzkanzel.
  • Regierungszeit Kılıçarslans II.: Der zehnseitige dynastische Grabbau im Hof wurde in Auftrag gegeben.
  • 1219: Eine Inschrift dokumentierte Bauarbeiten unter İzzeddin Keykâvus I.
  • 1220–1221: Die Darstellungen nennen unterschiedliche Jahre für die Fertigstellung unter Alaeddin Keykubad I.
  • 1649: Ein Dokument behandelte die Schneeräumung auf dem Moscheedach durch fünf Nichtmuslime.
  • 1849: In Charles Texiers in Paris veröffentlichtem Werk erschien eine Gravur der Moschee.
  • 1968: Fliesenfragmente des Mihrabs wurden in der Auffüllung unter dem Fußboden entdeckt.
  • 25. Februar 2000: Das Dossier zur seldschukischen Hauptstadt Konya, das die Moschee erwähnt, wurde für die UNESCO-Vorschlagsliste eingereicht.

Details, die du nicht im Reiseführer findest

Ein Dokument von 1649 verbindet die Moschee mit einer alltäglichen Winterarbeit: dem Schneeräumen auf einem Dach. Es billigte die Fortführung dieses Dienstes durch fünf Nichtmuslime im Austausch gegen Steuerbefreiung. Wenn du schon einmal angesammelten Schnee räumen musstest, findest du darin einen vertrauten Bezug zur Instandhaltung des Gebäudes. Hier ist diese Arbeit in einer schriftlich festgehaltenen Regelung überliefert.

Eine Säule neben dem Grabbau trägt eine griechische Inschrift. Sie besagt, dass die Säule einer Kirche in Isaura gewidmet worden war. Das ist ein besonders konkretes Beispiel für Wiederverwendung. Neben der allgemeinen Zuordnung der Säulen zur römischen und byzantinischen Zeit bewahrt diese Inschrift Informationen über eine frühere Widmung, die mit einem einzelnen Steinbauteil verbunden war.

Nach İbrahim Hakkı Konyalı diente die Krypta des zweiten Grabbaus lange Zeit als Wasserzisterne. Diese überlieferte Nutzung ergänzt die Geschichte des westlichen Baus, der acht Seiten und keine Kenotaphe hat, um eine weitere Funktion. Zu seiner Geschichte gehört neben seiner architektonischen Bestimmung als Grabbau auch die Speicherung von Wasser.

Fotos und historische Ansichten der Alaeddin-Moschee

Das Archiv der Türkischen Historischen Gesellschaft verwahrt einen Eintrag zur Moschee mit fünfunddreißig Bildern. Dazu gehört ein auf den 9. Februar 1932 datierter Grundriss. Wenn du dich für Fotos der Alaeddin-Moschee interessierst, kannst du das Gebäude über diesen Archiveintrag auch anhand eines datierten Grundrisses untersuchen.

Eine ältere Darstellung befindet sich in der Bildsammlung des Ministeriums für Kultur und Tourismus. Es handelt sich um eine Gravur aus Charles Texiers Werk, das 1849 in Paris erschien. Die Gravur und der im Archiv aufbewahrte Grundriss von 1932 bieten unterschiedliche Formen bildlicher Überlieferung. Die eine zeigt die Moschee als gravierte Ansicht. Der andere stellt ihre räumliche Anordnung im Grundriss dar.

Die Alaeddin-Moschee und die seldschukische Hauptstadt

Die Alaeddin-Moschee gehört zu den Gebäuden, die das am 25. Februar 2000 für die UNESCO-Vorschlagsliste eingereichte Konya-Dossier erwähnt. Die Einreichung bezeichnet Konya als eine Hauptstadt der seldschukischen Zivilisation. Die aufeinanderfolgenden herrscherlichen Bauphasen und die Grabbauten im Hof geben dieser Verbindung zur seldschukischen Hauptstadt eine konkrete architektonische Gestalt.

FAQ

Wo liegt die Alaeddin-Moschee in Konya?

Sie steht auf dem Alaeddin-Hügel im Stadtzentrum. Moschee und Hügel sind nach dem anatolischen Seldschukensultan Alaeddin Keykubad I. benannt.

Wann wurde die Moschee gebaut?

Der Bau begann während der Regierungszeit Mesuds I. zwischen 1116 und 1156. Weitere Bauphasen folgten unter anderen Herrschern. Die Fertigstellung unter Keykubad I. datiert Semavi Eyice auf 1220. Das Ministerium für Kultur und Tourismus nennt 1221.

Worauf solltest du im Inneren achten?

Achte auf die mehr als vierzig wiederverwendeten Marmorsäulen, die 1155 von Mengü Berti geschaffene Holzkanzel und die auberginevioletten, türkisfarbenen und schwarzen Fliesen des Mihrabs. Im Ostflügel verlaufen sechs Schiffe parallel zur Qibla-Wand.

Wie unterscheiden sich die Grabbauten im Hof?

Der von Kılıçarslan II. beauftragte und vollendete östliche Grabbau hat einen zehnseitigen Baukörper und acht Kenotaphe. Der westliche Grabbau hat acht Seiten und enthält keine Kenotaphe.

Quellen

  1. Ministerium für Kultur und Tourismus — Alâeddin-Moschee kulturportali.gov.tr
  2. TDV-Enzyklopädie des Islam — Semavi Eyice, Alâeddin-Moschee islamansiklopedisi.org.tr
  3. Ministerium für Kultur und Tourismus — Die Türkei von Gravuren bis zu Fotografien kulturportali.gov.tr
  4. Archiv der Türkischen Historischen Gesellschaft — Alâeddin-Moschee arsiv.ttk.gov.tr
  5. UNESCO-Welterbezentrum — Konya—Eine Hauptstadt der seldschukischen Zivilisation whc.unesco.org

FAQ

Wo liegt die Alaeddin-Moschee in Konya?

Die Moschee steht auf dem Alaeddin-Hügel im Stadtzentrum von Konya. Moschee und Hügel sind nach dem anatolischen Seldschukensultan Alaeddin Keykubad I. benannt.

Wann wurde die Alaeddin-Moschee gebaut?

Der Bau begann während der Regierungszeit Mesuds I. zwischen 1116 und 1156. Weitere Bauphasen folgten unter anderen seldschukischen Herrschern. Semavi Eyice gibt die Fertigstellungsinschrift mit 617 (1220) wieder. Das Ministerium für Kultur und Tourismus nennt dagegen 1221.

Worauf solltest du im Inneren der Alaeddin-Moschee achten?

Achte auf die mehr als vierzig wiederverwendeten römischen und byzantinischen Marmorsäulen, die auf 1155 datierte Holzkanzel von Mengü Berti und die auberginevioletten, türkisfarbenen und schwarzen Fliesen des Mihrabs.

Was sind die beiden Grabbauten im Hof?

Den vollendeten östlichen Grabbau gab Kılıçarslan II. in Auftrag. Sein Baukörper hat zehn Seiten. Im Inneren stehen acht Kenotaphe. Der westliche Grabbau ist achteckig und enthält keine Kenotaphe.

Image: Alaedin Camii.JPG — Christian Mathis, CC BY-SA 3.0

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