Französische Gegenangriffe und der Vorstoß des britischen Expeditionskorps in eine Lücke zwischen der deutschen 1. und 2. Armee stoppten den deutschen Vormarsch auf Paris. Die Erste Schlacht an der Marne (Birinci Marne Muharebesi) dauerte vom 5.–12. September 1914. Die Deutschen zogen sich zurück und errichteten Verteidigungsstellungen an der Aisne. Ihre Armeen wurden jedoch nicht vernichtet, und der Krieg ging weiter.
Ein symbolträchtiges Bild der Schlacht zeigt eine Kolonne Pariser Taxis, die Soldaten in Richtung der Kämpfe bringt. Entscheidend für den Ausgang waren jedoch eine ungeschützte deutsche Flanke, eine etwa 48 Kilometer breite Lücke und alliierte Truppen, die dort vorstießen. Wenn du diese Bewegungen nachvollziehst, erkennst du den Zusammenhang zwischen der Verteidigung von Paris und der späteren Schützengrabenfront.
Wie nahe waren die deutschen Armeen Paris im September 1914 gekommen?
Am 2. September 1914 tauchte deutsche Kavallerie vor Meaux auf. Die Stadt lag ungefähr 25 Meilen oder 40 Kilometer nordöstlich von Paris. Deutsche Truppen hatten damit das Umland der Hauptstadt erreicht. Die Bewegungen ihrer Armeen eröffneten jedoch bald eine Gelegenheit zum Gegenangriff.
Alexander von Klucks 1. Armee und Karl von Bülows 2. Armee schwenkten südöstlich von Paris ein. Sie wollten den linken Flügel der zurückweichenden französischen Truppen umfassen. Dabei entblößten sie ihre eigene rechte Flanke.
Die übergeordnete deutsche Strategie setzte einen schnellen Sieg über Frankreich (Fransa) voraus. Alfred von Schlieffens 1905 entwickelter Plan sah vor, Frankreich zu besiegen, bevor sich die deutschen Armeen im Osten gegen Russland (Rusya) wandten. Der Vormarsch bei Paris war somit Teil einer Strategie, deren Erfolg von der Reihenfolge der Feldzüge abhing.
Joseph Joffre erteilte am 5. September die Befehle zum Gegenangriff. Maunourys französische 6. Armee sollte von Paris nach Osten vorstoßen. Das britische Expeditionskorps erhielt den Auftrag, sich auf Montmirail zuzubewegen. Die französische 5. Armee sollte nach Norden vorrücken. Diese Bewegungen setzten die deutschen Armeen aus verschiedenen Richtungen unter Druck.
Wie nutzten französische und britische Truppen die Lücke in den deutschen Linien?
Deutsche Truppenverlegungen gegen die französische 6. Armee öffneten eine Lücke zwischen der 1. und 2. Armee. Sie war ungefähr 30 Meilen oder 48 Kilometer breit. Alliierte Aufklärungsflüge entdeckten die Lücke und lieferten damit Hinweise auf eine Schwachstelle zwischen den deutschen Verbänden.
Die allgemeine französische Gegenoffensive begann am 6. September. Zur Marneschlacht gehörten Kämpfe am Ourcq, an den beiden Morin-Flüssen und in den Sümpfen von Saint-Gond. Hinzu kamen zahlreiche kleinere Operationen. Der Name bezeichnet somit eine zusammenhängende Reihe von Gefechten in einem weitläufigen Gebiet.
Französische und britische Truppen rückten in die Lücke vor. Das britische Expeditionskorps bewegte sich nach Nordwesten auf Klucks Truppen zu. Franchet d’Espèreys französische 5. Armee stieß nach Nordosten gegen Bülow vor. Aus der Lücke heraus bedrohten sie damit die beiden benachbarten deutschen Armeen.
Die Briten überquerten den Petit Morin und eroberten Brücken über die Marne. Sie errichteten einen etwa acht Kilometer tiefen Brückenkopf. Wenn du dir die Schlacht als eine Abfolge von Flussüberquerungen vorstellst, wird die Bedeutung dieser Brücken deutlich: Sie ermöglichten den Vormarsch über die ursprüngliche Lücke hinaus.
Am 9. September befahl Bülow den Rückzug. Oberstleutnant Richard Hentsch teilte dem Hauptquartier der 1. Armee als Vertreter Moltkes mit, dass ein allgemeiner Rückzug notwendig sei. Die offene Flanke, die Lücke zwischen den Armeen und der alliierte Vorstoß hatten den deutschen Rückzug herbeigeführt.
Zeitleiste
- 1905: Schlieffen entwickelte den deutschen Kriegsplan. Er sah vor, Frankreich zu besiegen und sich anschließend im Osten gegen Russland zu wenden.
- 26. August 1914: Französische Truppenverlegungen per Eisenbahn von der östlichen Front zur Mitte und zum linken Flügel begannen.
- 2. September 1914: Deutsche Kavallerie wurde bei Meaux gesichtet, ungefähr 40 Kilometer nordöstlich von Paris.
- 5. September 1914: Joffre erteilte die Befehle zum Gegenangriff.
- 6. September 1914: Joffres allgemeine Gegenoffensive begann.
- 9. September 1914: Bülow befahl den Rückzug. Zugleich teilte Hentsch dem Hauptquartier der 1. Armee mit, dass ein allgemeiner Rückzug notwendig sei.
- 12. September 1914: Nach der Datierung des National Army Museum endete die Schlacht.
- 14. September 1914: Deutsche Truppen hatten auf den Höhen nördlich der Aisne Verteidigungsstellungen errichtet.
- Herbst 1914: Auf gescheiterte Versuche, die gegnerischen Flanken zu umgehen, folgte eine Schützengrabenfront von der Küste des Ärmelkanals (Manş Denizi) bis zur Schweizer Grenze (İsviçre sınırı).
Wie wichtig waren die Pariser Taxis für den Ausgang der Schlacht?
Der Militärgouverneur von Paris, Joseph Gallieni, ließ Taxis beschlagnahmen, um Maunourys 6. Armee zu verstärken. Polizei und Republikanische Garde halfen bei der Beschlagnahmung. Jeweils vier oder fünf Soldaten fuhren nach Nanteuil-le-Haudouin und Silly-le-Long, nahe dem Kampfgebiet.
Das Musée de l’Armée beschreibt, wie sich um 22:00 Uhr 630 Taxis auf dem Platz vor dem Invalidendom versammelten. Anschließend fuhren sie los, um Soldaten des 103. und 104. Infanterieregiments abzuholen. Mit dieser Aktion wurden Fahrzeuge aus Paris eingesetzt, um den unmittelbaren Bedarf an Verstärkung für die Armee zu decken.
Gemessen am Umfang der Schlacht blieb ihr militärischer Beitrag begrenzt. Nach Angaben des Musée de l’Armée erreichten die meisten Soldaten die Front mit der Eisenbahn. Die Taxis waren vor allem als Symbol für Frankreichs Entschlossenheit bedeutsam, den deutschen Vormarsch zu stoppen.
Stell dir zum Vergleich vor, du organisierst eine Gruppenreise: Die Autos, die dir auffallen, befördern womöglich nur einen Teil der Gruppe. Die meisten Menschen reisen mit dem Zug. An der Marne lieferte die Taxikolonne das einprägsame Bild. Die Eisenbahn transportierte jedoch den Großteil der Truppen.
Details, die du nicht in Reiseführern findest
Mehr als 300 Züge wurden eingesetzt, um französische Truppen zwischen dem 26. August und dem 10. September von der östlichen Front zur Mitte und zum linken Flügel zu verlegen. Diese Bewegung zeigt, welche Rolle das Transportwesen insgesamt bei der Verteidigung von Paris spielte. Verstärkungen kamen durch anhaltende Eisenbahntransporte ebenso wie durch die berühmte Taxifahrt.
Vor der Schlacht war Klucks 1. Armee 140 Kilometer über den Endpunkt ihrer Versorgung per Eisenbahn hinaus vorgerückt. Diese Entfernung zeigt eine weitere Seite des deutschen Vormarschs. Die Armee, die sich Paris näherte, operierte weit entfernt von dem Bahnendpunkt, über den sie Nachschub erhielt.
Eine am 8. September in Signy-Signets aufgenommene Fotografie zeigt Soldaten des 1. Bataillons der Cameronians neben britischen 18-Pfünder-Geschützen. Sie bietet einen konkreten Einblick in den Einsatz britischer Truppen und Artillerie während der Schlacht. Damit ergänzt sie die bekannteren Bilder der Pariser Taxis.
Warum beendete der deutsche Rückzug den Krieg nicht?
Die Marneschlacht durchkreuzte Deutschlands (Almanya) Strategie, Frankreich schnell aus dem Krieg zu drängen. Deutschland musste weiterhin an zwei Fronten gegen Frankreich und Russland kämpfen. Das war ein bedeutendes strategisches Ergebnis, auch wenn die Schlacht die deutschen Armeen nicht vernichtete.
Diese Armeen hielten weiterhin ausgedehnte Gebiete Nordfrankreichs und große Teile Belgiens (Belçika) besetzt. Nach ihrem Rückzug blieben somit erhebliche deutsche Streitkräfte und umfangreiche besetzte Gebiete bestehen. Der gestoppte Vormarsch auf Paris nahm Deutschland nicht die Fähigkeit, weiterzukämpfen.
Historiker bewerteten das Ausmaß des Sieges unterschiedlich. John Terraine betrachtete die Marneschlacht als die entscheidende Schlacht des Krieges. Robert A. Doughty vertrat dagegen die Auffassung, eine Gelegenheit zu einem entscheidenden Schlag gegen die deutschen Armeen sei verpasst worden. Ihre Deutungen gewichten die strategische Wende und das Fortbestehen der deutschen Streitkräfte unterschiedlich.
Wie wurde aus dem Bewegungskrieg nach der Marneschlacht ein Stellungskrieg?
Bis zum 14. September hatten die deutschen Armeen ihren Rückzug auf den Höhen am Nordufer der Aisne beendet. Sie begannen, Schützengräben auszuheben. Der Rückzug von der Marne führte damit in eine neue Verteidigungsstellung, von der aus die Deutschen weiteren Angriffen widerstehen konnten.
Französische Frontalangriffe gegen die Aisne-Stellungen wurden am 15.–16. September abgewehrt. Joffre versuchte daraufhin, die deutsche Nordflanke zu umgehen. Um wieder Bewegung in die Front zu bringen, sollten die Truppen nun über die verteidigten Stellungen des Gegners hinausgelangen.
Im Wettlauf zum Meer versuchten beide Seiten, den nördlichen Flügel des Gegners zu umgehen. Diese Versuche brachten keine Entscheidung. Der Bewegungskrieg an der Westfront (Batı Cephesi) ging zunehmend in feste Stellungen über.
Ab Herbst 1914 erstreckte sich ein dichtes Schützengrabensystem von der Ärmelkanalküste bis zur Schweizer Grenze. Wenn du verstehen willst, warum die Marneschlacht keinen Frieden brachte, folge dieser Abfolge: Die deutschen Armeen zogen sich zurück, hielten die Aisne-Höhen und überstanden die anschließenden Versuche, ihre Flanke zu umgehen.
FAQ
Wann war die Erste Schlacht an der Marne?
Das National Army Museum datiert sie auf den 5.–12. September 1914. Joffres allgemeine Gegenoffensive begann am 6. September.
Wie nahe kamen deutsche Truppen an Paris heran?
Deutsche Kavallerie wurde am 2. September vor Meaux gesichtet. Damit befand sie sich ungefähr 25 Meilen oder 40 Kilometer nordöstlich von Paris.
Haben die Pariser Taxis die Schlacht gewonnen?
Die Taxis brachten Verstärkung zur französischen 6. Armee. Ihr Beitrag zur gesamten Schlacht blieb begrenzt. Die meisten Truppen kamen mit der Eisenbahn. Die Taxis symbolisierten Frankreichs Entschlossenheit, den deutschen Vormarsch zu stoppen.
Warum beendete der Sieg an der Marne den Krieg nicht?
Die deutschen Armeen wurden nicht vernichtet und hielten weiterhin ausgedehnte Gebiete besetzt. Sie gruben sich nördlich der Aisne ein. Spätere Versuche, die gegnerischen Streitkräfte zu umgehen, brachten keine Entscheidung.
Quellen
- National Army Museum — Erste Schlacht an der Marne ww1.nam.ac.uk
- Deutsches Historisches Museum — Die Schlacht an der Marne 1914 dhm.de
- HISTORY — Die Erste Schlacht an der Marne history.com
- Royal Hampshire Regiment Museum — Das 1. Bataillon des Hampshire-Regiments an der Marne und der Aisne royalhampshireregiment.org
- Musée de l’Armée — Taxi von der Marne musee-armee.fr
- Wikipedia — Erste Schlacht an der Marne en.wikipedia.org
- History SA — Erste Schlacht an der Marne southaustraliaswar.history.sa.gov.au
FAQ
Wann war die Erste Schlacht an der Marne?
Das National Army Museum datiert die Schlacht auf den 5.–12. September 1914. Die ersten Kämpfe begannen am 5. September in Richtung Ourcq. Joffres allgemeine Gegenoffensive begann am 6. September.
Wie nahe kamen deutsche Truppen an Paris heran?
Am 2. September 1914 wurde deutsche Kavallerie vor Meaux gesichtet, ungefähr 25 Meilen oder 40 Kilometer nordöstlich von Paris.
Haben die Pariser Taxis die Schlacht gewonnen?
Die Taxis brachten Verstärkung zur französischen 6. Armee. Gemessen am Umfang der gesamten Schlacht blieb ihr Beitrag jedoch begrenzt. Die meisten Soldaten erreichten die Front mit der Eisenbahn. Die Taxis wurden zu einem Symbol der französischen Entschlossenheit.
Warum beendete der Sieg an der Marne den Krieg nicht?
Die deutschen Armeen blieben bestehen und hielten weiterhin ausgedehnte Gebiete besetzt. Sie errichteten Verteidigungsstellungen nördlich der Aisne. Die anschließenden Versuche, die gegnerischen Armeen zu umgehen, brachten keinen entscheidenden Durchbruch.
Image: Battle of the Marne, east flank 1914b.jpg — Whitton, F. E., Public domain






