Koine-Griechisch (Koini Grekçesi) war die gemeinsame Form des Griechischen, die sich nach den Eroberungen Alexanders des Großen (Büyük İskender) im 4. Jahrhundert v. Chr. in weiten Teilen des Mittelmeerraums (Akdeniz) und des Nahen Ostens (Orta Doğu) verbreitete. Sie beruhte hauptsächlich auf dem attischen Griechisch. Als Verständigungssprache verband sie griechische Muttersprachler mit Menschen, die Griechisch als zusätzliche Sprache erlernten.
Wie konnte die Sprache der königlichen Verwaltung zugleich die wütende Beschwerde eines Kindes ausdrücken? Griechische Papyri bewahren sowohl Amtsgeschäfte als auch Familienstreitigkeiten. Wenn du der Koine von Alexanders Heeren in ägyptische Siedlungen, Bibelübersetzungen und persönliche Briefe folgst, zeigt sich ihre Verbreitung als Geschichte von Institutionen und alltäglicher Verständigung.
Was bedeutet Koine, und welche Dialekte prägten sie?
Der Name stammt von ἡ κοινὴ διάλεκτος. Das bedeutet „die gemeinsame Sprache“ oder „der gemeinsame Dialekt“. „Gemeinsam“ bezeichnet hier ein übergreifendes Verständigungsmittel. In hellenistischer Zeit nutzten Menschen dieses Griechisch auch außerhalb Griechenlands (Yunanistan). Dazu gehörten Menschen mit einer anderen Muttersprache.
Das Attische bildete die wichtigste Grundlage. Das Ionische prägte besonders den Wortschatz. Aus dem Dorischen kamen weniger Elemente hinzu. Der äolische Einfluss blieb sehr gering. Die Koine schöpfte somit aus mehreren griechischen Dialekten, deren Beiträge jedoch unterschiedlich groß waren.
Der Begriff umfasst außerdem verschiedene Ausdrucksebenen. Zur Koine gehörten die Literatursprache von Polybios und Plutarch ebenso wie gesprochene Alltagsformen. Wenn dir der Begriff begegnet, kann er ausgefeilte Texte oder gewöhnliche Verständigung bezeichnen. Er steht nicht für einen einzigen Stil, den alle Sprecher gleichermaßen verwendeten.
Wie verbreiteten Alexanders Eroberungen das Griechische?
In Alexanders Heeren kamen Sprecher verschiedener griechischer Sprachformen miteinander in Kontakt. Diese Begegnungen waren eines der Umfelder, in denen ein gemeinsamer Dialekt entstand. Seine Eroberungen im 4. Jahrhundert v. Chr. vergrößerten dann das Gebiet, in dem Griechisch verbreitet war. So wurde es in weiten Teilen des Mittelmeerraums und des Nahen Ostens zur gemeinsamen Sprache.
Nach Alexander reichte das Verbreitungsgebiet des gemeinsamen Griechisch vom Ptolemäerreich (Batlamyus Krallığı) in Ägypten (Mısır) bis zum Seleukidenreich (Selefkös İmparatorluğu) in Mesopotamien (Mezopotamya).
Ägypten zeigt, warum Eroberung allein die Entwicklung nicht vollständig erklärt. Griechisch wurde dort bereits verwendet, bevor Alexander das Land 332 v. Chr. eroberte. Nach seiner Eroberung etablierte sich eine griechischsprachige Herrschaftselite. Bestehende Sprachkontakte wurden dadurch enger mit politischer Macht verbunden.
Unter den Ptolemäern war Griechisch die Sprache des Hofes und der höheren Verwaltung. Angehörige der ägyptischen Elite mussten es deshalb lernen, wenn sie in die Führungsschicht aufsteigen wollten. Der Zugang zu hohen Ämtern verlieh dem Griechischen einen praktischen Wert, der über die Verständigung zwischen bereits Griechischsprachigen hinausging.
Siedlungen schufen weitere Kontaktmöglichkeiten. Im Fayum (Feyyum) entstanden Gemeinden wie Philadelphia (Filadelfiya) auf und um Land, das griechischen und makedonischen Soldaten zugeteilt worden war. In diesen Siedlungen lebten Griechen und Ägypter zusammen. Dennoch sprach und schrieb der größte Teil der ägyptischen Bevölkerung weiterhin Ägyptisch. Griechisch nahm zugleich eine einflussreiche Stellung in der Verwaltung ein.
Zeitleiste
- 4. Jahrhundert v. Chr.: Alexanders Eroberungen und die Kontakte zwischen Griechischsprachigen in seinen Heeren beschleunigten die Verbreitung des gemeinsamen Griechisch.
- 332 v. Chr.: Alexander eroberte Ägypten. Anschließend gewann dort eine griechischsprachige Herrschaftselite an Gewicht.
- 323 v. Chr.: Alexander starb. Dieses Datum gilt traditionell als Beginn der nachklassischen Epoche des Griechischen.
- 3.–2. Jahrhundert v. Chr.: Die jüdische Gemeinde in Alexandria (İskenderiye) übersetzte hebräische heilige Schriften ins Griechische.
- 261–256 v. Chr.: Zenon führte die Handelsgeschäfte des Apollonios innerhalb und außerhalb Ägyptens.
- Vor dem 27. April 257 v. Chr.: Alexandros schrieb aus Philadelphia einen griechischen Brief an Zenon.
- 104 n. Chr.: Theonas schrieb auf Griechisch an Apion. Dabei verband er alltägliche Mitteilungen mit einem Hinweis auf eine amtliche Bekanntmachung.
- 2.–3. Jahrhundert n. Chr.: Der Junge Theon schrieb einen griechischen Brief, in dem er seinem Vater vorwarf, ihn zurückgelassen zu haben.
Wie unterscheidet sich die Koine vom klassischen Attisch?
Die Koine behielt ihre attische Grundlage, veränderte aber grammatische Gewohnheiten. Das klassische Attisch besaß Dualformen, die sich ausdrücklich auf zwei Personen oder Dinge bezogen. Diese Formen verschwanden in der Koine. Damit entfiel eine grammatische Unterscheidung, die frühere attische Sprecher durch Beugungsformen ausdrücken konnten.
Auch der Optativ wurde seltener. Einige seiner Funktionen gingen auf den Konjunktiv und das Futur über. Grammatische Aufgaben verteilten sich damit neu: Bedeutungen, die zuvor bestimmte Formen ausgedrückt hatten, konnten nun andere Formen übernehmen.
Die Schreibung veränderte sich ebenfalls. Wo das Attische häufig die Buchstabenfolge ττ verwendete, stand in der Koine meist σσ. Darauf kannst du beim Vergleich der beiden Sprachformen konkret achten. Dieser Unterschied steht neben Veränderungen in Grammatik und Satzbau.
Die Sätze der Koine wurden im Allgemeinen kürzer. Schreibende reihten Teilsätze häufiger aneinander. Gleichzeitig gewannen Präpositionen an Bedeutung. Satzgefüge mit untergeordneten Sätzen dominierten weniger stark. Diese Tendenzen erklären Unterschiede zwischen klassischem Attisch und hellenistischem Griechisch. Sie machen jedoch nicht jeden Koine-Text stilistisch gleich.
Auch die Aussprache veränderte sich während der Koine-Zeit. Der Akzent verlagerte sich von Tonhöhenunterschieden zur Betonung durch stärkeren Nachdruck auf einer Silbe. Die Entwicklung der Koine betraf somit die Laute ebenso wie den geschriebenen Wortschatz, grammatische Endungen und die Anordnung von Teilsätzen.
Welche Sprachformen zeigen Septuaginta, Neues Testament und Alltagspapyri?
Die Septuaginta besteht aus griechischen Übersetzungen der hebräischen Bibel. Die jüdische Gemeinde Alexandrias fertigte sie im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. an. Die Übersetzer arbeiteten auf Griechisch und versuchten zugleich, formale Merkmale ihrer hebräischen Ausgangstexte zu bewahren. Dadurch erhielten Teile der Übersetzung Eigenschaften, die vom üblichen hellenistischen Sprachgebrauch abwichen.
Jan Joosten bestimmt die sprachliche Grundlage des Pentateuchs der Septuaginta als jenes Griechisch, das im frühhellenistischen Mittelmeerraum gesprochen und geschrieben wurde. Diese Einschätzung ordnet den Text in die gemeinsame Sprache seiner Zeit ein. Seine übersetzungsbedingten Merkmale gehören in diesen größeren sprachlichen Zusammenhang.
Die Schriften des Neuen Testaments wurden dagegen von Anfang an auf Griechisch verfasst. In der gesamten griechischen Bibel haben manche Wörter und Wendungen eine griechische Form, tragen aber hebräische Bedeutungen. Ein großer Teil ihres Fachwortschatzes betrifft Religion und Theologie. Die griechische Erscheinungsform eines Wortes verrät deshalb nicht immer den vollständigen Hintergrund seiner Bedeutung.
Die Offenbarung des Johannes veranschaulicht eine Debatte über ungewöhnliche Konstruktionen. Steven Thompson erklärte ihre ungewöhnlichen Verbformen und Satzstrukturen durch semitische Syntax, besonders durch das biblische Hebräisch. Max Wilcox argumentierte, dass auch der Einfluss der Septuaginta oder die bewusste Nachahmung ihrer Sprache berücksichtigt werden müsse. Diese Erklärungen setzen dieselben Merkmale in unterschiedliche Beziehungen zu früheren Texten.
Alltagspapyri zeigen Griechisch im Dienst geschäftlicher und persönlicher Anliegen. Zwischen 261 und 256 v. Chr. führte Zenon innerhalb und außerhalb Ägyptens Geschäfte für Apollonios, den Finanzverwalter Ptolemaios’ II. Sein Archiv verbindet die gemeinsame Sprache mit der praktischen Abwicklung von Handelsgeschäften.
Einen Einblick in den Alltag erhältst du durch Theons Beschwerde an seinen Vater. Der Junge drohte, nicht mehr mit ihm zu sprechen und weder zu essen noch zu trinken. Sein Vater hatte ihn bei einer Reise nach Alexandria zurückgelassen. Der griechische Brief P.Oxy. 1.119 stammt aus dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr.
Details, die du in keinem Reiseführer findest
Das Zenon-Archiv aus Philadelphia enthält mehr als 2.000 Papyri. Die meisten sind griechisch. Einige sind zweisprachig auf Griechisch und Demotisch verfasst. Eine kleinere Gruppe ist vollständig demotisch. Die Dokumente bewahren das Nebeneinander von Sprachen in einer Gemeinde, in der Griechisch große praktische Bedeutung hatte.
Ein erhaltener Brief macht diese Verständigung greifbar. Alexandros schrieb seinen griechischen Brief an Zenon vor dem 27. April 257 v. Chr. in Philadelphia. Der Papyrus misst 14 × 25,5 Zentimeter. In diesem kleinen, datierten Gegenstand ist ein Ausschnitt aus der weitreichenden Geschichte der Sprachkontakte erhalten.
Ein anderer Brief verbindet persönliche Korrespondenz mit Verwaltung. In P.Oxy. 1155 aus dem Jahr 104 n. Chr. schreibt Theonas aus Alexandria an Apion, einen Bediensteten des Isis-Tempels. In alltäglichem Griechisch teilt er mit, dass er auch die Bekanntmachung des Statthalters mitschickt.
Der Wortschatz konnte sich ebenso auffällig verändern wie die Grammatik. Das Wort βάσανος entwickelte Bedeutungen von „Prüfstein“ über „Prüfung“ und „Folter“ bis zu „Krankheit“. Sein verändertes Bedeutungsspektrum zeigt: Um Koine zu verstehen, musst du neben erkennbaren griechischen Formen auch die Bedeutung beachten.
FAQ
Was bedeutet Koine?
Der Begriff bedeutet „gemeinsame Sprache“ oder „gemeinsamer Dialekt“ und stammt von ἡ κοινὴ διάλεκτος. Die Grundlage bildete das Attische. Das Ionische trug besonders zum Wortschatz bei.
Wie trug Alexander zur Verbreitung der Koine bei?
Seine Eroberungen verstärkten die Kontakte zwischen Griechischsprachigen und vergrößerten das Gebiet, in dem Griechisch verbreitet war. Nach Alexander wurde das gemeinsame Griechisch vom Ptolemäerreich in Ägypten bis zum Seleukidenreich in Mesopotamien verwendet.
Verdrängte Griechisch das Ägyptische im Ptolemäerreich?
Die meisten Menschen sprachen und schrieben weiterhin Ägyptisch. Griechisch dominierte am Hof und in der höheren Verwaltung. Das Zenon-Archiv belegt den Gebrauch des Griechischen und des Demotischen.
Entstanden die Septuaginta und das Neue Testament auf dieselbe Weise?
Die Septuaginta übersetzte hebräische heilige Schriften ins Griechische. Die Schriften des Neuen Testaments wurden von Anfang an auf Griechisch verfasst. Sie durchliefen diesen Übersetzungsprozess daher nicht.
Quellen
- B. H. McLean, Neutestamentliches Griechisch: Eine Einführung, Cambridge-Leseprobe assets.cambridge.org
- Wikipedia, „Koini Grekçesi“ tr.wikipedia.org
- Koptische Enzyklopädie Claremont, „Griechische Sprache“ ccdl.claremont.edu
- Wikipedia, „Koine-Griechisch“ en.wikipedia.org
- Jay C. Treat, „Unterschiede zwischen klassischem und hellenistischem Griechisch“, Universität von Pennsylvania ccat.sas.upenn.edu
- B. H. McLean, Neutestamentliches Griechisch: Eine Einführung, alternative Cambridge-Leseprobe assets.cambridge.org
- Jan Joosten, „Varietäten des Griechischen in der Septuaginta und im Neuen Testament“, Cambridge cambridge.org
- Bibliothek der Universität Michigan, „Das Zenon-Archiv“ apps.lib.umich.edu
- New York University, ISAW, „Brief von Alexandros an Zenon“ isaw.nyu.edu
- Universität Michigan, Arbeit und familiäre Trennung im römischen Ägypten deepblue.lib.umich.edu
- Universitätsbibliothek Yale, Die Oxyrhynchos-Papyri, 1155, „Brief des Theonas“ divinity-adhoc.library.yale.edu
- Daryl D. Schmidt, „Semitismen und Septuagintalismen in der Offenbarung des Johannes“, Cambridge cambridge.org
FAQ
Was bedeutet Koine?
Koine kommt vom griechischen Ausdruck ἡ κοινὴ διάλεκτος. Er bedeutet „die gemeinsame Sprache“ oder „der gemeinsame Dialekt“. Ihre wichtigste Grundlage war das attische Griechisch. Einflüsse kamen besonders aus dem Ionischen.
Wie trug Alexander zur Verbreitung der Koine bei?
Alexanders Eroberungen im 4. Jahrhundert v. Chr. verstärkten die Kontakte zwischen Griechischsprachigen und verbreiteten das Griechische über ein größeres Gebiet. Die nachfolgenden Königreiche förderten seinen Gebrauch durch Verwaltung, Siedlungen und Handel.
Verdrängte Griechisch das Ägyptische im Ptolemäerreich?
Griechisch war die Sprache des Hofes und der höheren Verwaltung. Die meisten Menschen sprachen und schrieben aber weiterhin Ägyptisch. Das Zenon-Archiv enthält griechische, zweisprachig griechisch-demotische und demotische Dokumente.
Entstanden die Septuaginta und das Neue Testament auf dieselbe Weise?
Die Septuaginta übersetzte hebräische heilige Schriften ins Griechische. Dabei bewahrte sie teilweise Merkmale der Ausgangssprache. Die Schriften des Neuen Testaments wurden von Anfang an auf Griechisch verfasst.
Image: Greek Script from Rosetta Stone (36140196440).jpg — Gary Todd from Xinzheng, China, CC0






