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Wo liegt Kaunos? Felsengräber und antiker Hafen bei Dalyan

Kaunos liegt gegenüber von Dalyan im Ort Çandır, der zum Landkreis Köyceğiz in Muğla gehört, etwa acht Kilometer vom Meer entfernt im Landesinneren. Die Felsengräber aus dem vierten Jahrhundert v. Chr. und die beiden ehemaligen Häfen erzählen von einem eigenständigen antiken Staat, dessen Uferlandschaft sich durch Sedimentablagerungen veränderte.

8 Min. Lesezeit4 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Wo liegt Kaunos? Felsengräber und antiker Hafen bei Dalyan
DALYAN-KAUNOS – panoramio.jpg

Wo liegt die antike Stadt Kaunos?

Kaunos liegt gegenüber von Dalyan am westlichen Ufer des Dalyan-Flusses (Dalyan Çayı). Die Ausgrabungsstätte befindet sich im Ort Çandır im Landkreis Köyceğiz der Provinz Muğla. Der Fluss verbindet den Köyceğiz-See (Köyceğiz Gölü) mit dem Mittelmeer. Die antike Stadt liegt damit an einer Wasserstraße. Ihre ehemaligen Häfen liegen heute jedoch nicht mehr an der Küste.

Wenn du von Dalyan aus hinüberblickst, siehst du die Felsengräber von Kaunos. Sie sind die bekanntesten Denkmäler der Stadt, bilden aber nur einen Teil der Ausgrabungsstätte. Erhalten sind auch ein Theater, eine Akropolis, eine römische Badeanlage, Tempelreste und eine Kirche in Form einer Basilika.

Der türkische Name lautet Kaunos Antik Kenti. Der karische Name war Kbid, die lateinische Form Caunus. Diese Namen bezeichnen die antike Stadt, auf deren Gebiet heute die Ruinen und ehemaligen Hafenbecken liegen. Kaunos war außerdem ein souveräner antiker Staat, der Münzen unter eigenem Namen prägte.

Kaunos in der Türkei: Wie weit reicht die Geschichte zurück?

Die Kultur- und Tourismusdirektion der Provinz Muğla führt die archäologische Vergangenheit von Kaunos bis ins zehnte Jahrhundert v. Chr. zurück. Das UNESCO-Nominierungsdossier nennt einen konkreten frühen Fund: den Hals einer protogeometrischen Amphore, datiert ins neunte Jahrhundert v. Chr. oder früher. Der weiter gefasste historische Zeithorizont und die Datierung dieses erhaltenen Objekts beruhen auf unterschiedlichen Arten von Belegen.

Die Einwohner erklärten ihre Herkunft anders als Herodot. Die Kaunier betrachteten sich als Nachfahren von Menschen aus Kreta. Herodot hielt sie dagegen für eine einheimische Bevölkerung Anatoliens. Ihre eigene Herkunftserzählung ist deshalb als antike Überlieferung zu verstehen. Sie ist keine allgemein anerkannte Darstellung einer Einwanderung.

Die Münzprägung ergänzt die Geschichte von Kaunos um einen weiteren Aspekt. Die Stadt gab als souveräner Staat Geld unter ihrem eigenen Namen aus. Ihre historische Identität reicht damit über die von Dalyan aus sichtbaren Gräber hinaus. Der Name stand auch für ein politisches Gemeinwesen mit eigener Währung.

Die Felsengräber von Kaunos: Was siehst du dort?

Die monumentalen Gräber wurden in die Südflanke des Balıklar Dağı geschlagen. Die von Dalyan aus sichtbaren Anlagen stammen aus dem vierten Jahrhundert v. Chr. Sie wurden während der römischen Zeit weiter genutzt. Ihr Baudatum markiert daher nicht das Ende ihrer Nutzung als Grabstätten.

Wenn du die aufwendig gestalteten Fronten betrachtest, achte auf zwei ionische Säulen, einen Dreiecksgiebel und palmettenförmige Zierelemente, sogenannte Akroterien. Diese Details lassen die Fassaden wie Tempelfronten wirken. Die Architektur ist ein prägendes Merkmal der Denkmäler von Kaunos.

Die Gräber mit Tempelfassaden unterscheiden sich architektonisch von urartäischen, phrygischen und lykischen Grabtypen. Ihre Gestaltung greift griechische Tempelfassaden auf. Der Vergleich betrifft die Architektur der Grabfronten, nicht allein ihre Lage in einer Felswand.

Das gesamte Gräberareal ist größer als die bekannte monumentale Gruppe. Das Inventar der Provinz Muğla beschreibt 167 Felsengräber in sieben Bereichen. Mit dieser Zahl kannst du die auffälligen Fassaden in eine größere Gräberlandschaft einordnen. Die bekanntesten Denkmäler bilden also nicht den gesamten Friedhof.

Die Königsgräber von Kaunos: Waren hier Könige bestattet?

Der türkische Ausdruck „Kaunos kral mezarları“ bedeutet „Königsgräber von Kaunos“. Die Kultur- und Tourismusdirektion der Provinz beschreibt die Monumente jedoch als Gräber für die Adligen der Stadt. Die geläufige Bezeichnung und die offizielle Erklärung müssen deshalb sorgfältig eingeordnet werden.

Die aufwendigen Fassaden gehören zu diesen Adelsgräbern. Zwei ionische Säulen und ein Dreiecksgiebel sind Architekturmerkmale, die du erkennen kannst. Die Bezeichnung als Königsgräber belegt für sich genommen nicht, dass die Bestatteten Könige waren. Die offizielle Beschreibung ordnet sie der städtischen Aristokratie zu.

Wo lag der antike Hafen von Kaunos?

Kaunos besaß zwei Häfen auf unterschiedlichen Seiten von Küçük Kale. Der Südhafen lag südöstlich davon. Der innere Hafen befand sich nordwestlich davon. Für das Verständnis der damaligen Uferlandschaft sind beide Becken entscheidend. Die maritime Geschichte der Stadt hing nicht von einem einzigen Hafen ab.

Das antike innere Hafenbecken heißt heute Sülüklü Göl. Der Südhafen blieb ungefähr bis zum Ende der hellenistischen Zeit in Gebrauch. Danach trocknete er aus und wurde unzugänglich. Diese Veränderungen wandelten das Verhältnis zwischen der Stadt und den Gewässern, die sie zuvor genutzt hatte.

Seit etwa 200 v. Chr. trugen die Ablagerung von Schwemmmaterial und die Küstenbildung im Golf von Dalyan zur Verlandung der Hafenlandschaft bei. Kaunos liegt heute etwa acht Kilometer vom Meer entfernt im Landesinneren. Wenn du dir den antiken Hafen an der heutigen Küstenlinie vorstellst, lässt sich die erhaltene Landschaft angesichts dieser Entfernung nur schwer verstehen.

Der Niedergang des Hafens zeigt sich auch in Inschriften aus der Regierungszeit Hadrians. Sie dokumentieren Steuererleichterungen für Kaufleute und Schiffseigner. Diese sollten Handel in den zunehmend flachen Hafen locken. Die Stadt reagierte auf die geografische Veränderung somit auch wirtschaftlich: Sie senkte Abgaben, während der Zugang zum Hafen schwieriger wurde.

Die Ruinen von Kaunos: Was ist außer den Gräbern erhalten?

Die Akropolis liegt auf einem 152 Meter hohen Hügel. Das Theater hat einen Durchmesser von ungefähr 75 Metern und bot etwa 5.000 Zuschauern Platz. Diese Maße vermitteln dir eine Vorstellung von der Größe der Siedlung jenseits ihrer in den Fels geschlagenen Grabmonumente.

Westlich des Theaters stehen die Reste einer Kirche in Form einer Basilika. Zum Ausgrabungsgelände gehören außerdem eine römische Badeanlage und Tempelreste. Zusammen mit der fortgesetzten Nutzung der Gräber in römischer Zeit zeigen diese Bauten, dass die erhaltene Stätte Zeugnisse aus verschiedenen Epochen der Stadtgeschichte umfasst.

Die zum Hafen ausgerichtete Stoa ergänzt dieses Bild um einen weiteren großen Bau. Baki Öğün gab ihre Länge in seinem ersten Grabungsbericht mit 94 Metern an. Die lichte Innenbreite betrug 6,30 Meter. Ihre dokumentierte Ausrichtung zum Hafen verbindet ein erhaltenes Bauwerk unmittelbar mit der ehemaligen Uferzone.

Kaunos-Ausflug ab Dalyan: So verstehst du die Lage

Bei einem Besuch von Kaunos und Dalyan lohnt sich zuerst ein Blick auf das Verhältnis zwischen Flussufer und Ruinen. Dalyan liegt der Ausgrabungsstätte auf der anderen Flussseite gegenüber. Die Denkmäler gehören zu Kaunos im Ort Çandır. Der Fluss selbst verbindet den Köyceğiz-See mit dem Mittelmeer.

Du kannst die antike Landschaft anhand von drei Bereichen erschließen: den Gräbern am Balıklar Dağı, der Akropolis mit den übrigen Stadtresten und den beiden ehemaligen Häfen. So bleiben die Grabmonumente des vierten Jahrhunderts v. Chr. mit der Siedlung und ihrem veränderten Zugang zum Meer verbunden.

Details, die du nicht in Reiseführern findest

Das Salz von Kaunos wurde medizinisch genutzt. Salz aus den Gewinnungsbecken bei İztuzu war eine gefragte Zutat für antike Augensalben.

Die Steuervergünstigungen unter Hadrian zeigen einen konkreten Versuch, den Hafenhandel zu stützen. Kaufleute und Schiffseigner erhielten Erleichterungen, während der Hafen flacher wurde. Die Inschriften ergänzen die Geschichte der Sedimentablagerungen um eine greifbare Verwaltungsmaßnahme.

Selbst die Beschreibung eines durch eine Kette verschlossenen Hafens wirft eine Frage zur örtlichen Situation auf. Bei der Bewertung von Strabons Bericht argumentierte Baki Öğün, dieser müsse sich auf das Becken des Sülüklü Göl beziehen. Zugleich stellte er fest, dass die Öffnung zwischen den Mauerenden für eine Kette zu breit erschien.

Das früheste im UNESCO-Dossier benannte Fundstück ist ein Amphorenhals aus dem neunten Jahrhundert v. Chr. oder früher. Seine bescheidene Größe steht im Gegensatz zu den monumentalen Gräbern. Dennoch belegt dieses Fragment eine frühere Phase der Geschichte von Kaunos als die von Dalyan aus sichtbaren Fassaden des vierten Jahrhunderts v. Chr.

Zeitleiste

  • Zehntes Jahrhundert v. Chr.: Beginn des archäologischen Zeithorizonts von Kaunos nach Angaben der Kultur- und Tourismusdirektion der Provinz Muğla.
  • Neuntes Jahrhundert v. Chr. oder früher: Datierung des protogeometrischen Amphorenhalses, der im UNESCO-Dossier verzeichnet ist.
  • Viertes Jahrhundert v. Chr.: Bau der von Dalyan aus sichtbaren Felsengräber.
  • Ab etwa 200 v. Chr.: Ablagerungen von Schwemmmaterial tragen zur Veränderung der Hafenlandschaft bei.
  • Ende der hellenistischen Zeit: Ungefähres Ende der Nutzung des Südhafens.
  • Römische Zeit: Weitere Nutzung der Felsengräber.
  • Regierungszeit Hadrians: Steuervergünstigungen unterstützen den Hafenhandel.
  • Fünfzehntes Jahrhundert: Vollständige Aufgabe der Stadt. Das UNESCO-Dossier bringt sie mit der türkischen Herrschaft über Karien (Karya) und einem schweren Malariaausbruch in Verbindung.
  • Oktober 1966: Baki Öğün leitet die ersten systematischen Sondierungsgrabungen für die Fakultät für Sprache, Geschichte und Geografie der Universität Ankara. Die Arbeiten dauern drei Wochen.
  • 15. April 2014: Kaunos wird für die türkische UNESCO-Welterbe-Vorschlagsliste eingereicht.

Häufige Fragen

Ist Kaunos Antik Kenti derselbe Ort wie die antike Stadt Kaunos?

Ja. Kaunos Antik Kenti ist der türkische Name der Ausgrabungsstätte gegenüber von Dalyan. Sie liegt im Ort Çandır im Landkreis Köyceğiz der Provinz Muğla.

Wie alt sind die Gräber von Kaunos?

Die von Dalyan aus sichtbaren Felsengräber wurden im vierten Jahrhundert v. Chr. angelegt. Sie wurden auch während der römischen Zeit weiter genutzt.

Hat der Sülüklü Göl etwas mit dem antiken Hafen zu tun?

Ja. Der Sülüklü Göl nimmt das ehemalige innere Hafenbecken ein. Der andere Hafen der Stadt lag südöstlich von Küçük Kale.

Gehört Kaunos zum UNESCO-Welterbe?

Kaunos wurde am 15. April 2014 für die türkische UNESCO-Welterbe-Vorschlagsliste eingereicht. Der hier dokumentierte Status ist ein Eintrag auf dieser Vorschlagsliste.

Quellen

  1. Generaldirektion für Kulturerbe und Museen — Antike Stadt Kaunos kvmgm.ktb.gov.tr
  2. Kultur- und Tourismusdirektion der Provinz Muğla — Kaunos mugla.ktb.gov.tr
  3. UNESCO-Welterbezentrum — Antike Stadt Kaunos whc.unesco.org
  4. Baki Öğün — Sondierungen in Kaunos im Jahr 1966, Belleten belleten.gov.tr

FAQ

Wo liegt die antike Stadt Kaunos?

Kaunos liegt im Ort Çandır im Landkreis Köyceğiz der Provinz Muğla. Die antike Stadt befindet sich gegenüber von Dalyan am westlichen Ufer des Dalyan-Flusses.

Wie alt sind die Felsengräber von Kaunos?

Die von Dalyan aus sichtbaren Felsengräber stammen aus dem vierten Jahrhundert v. Chr. Sie wurden auch in der römischen Zeit weiter genutzt.

Wurden die Gräber von Kaunos für Könige gebaut?

Sie werden häufig als Königsgräber bezeichnet. Die Kultur- und Tourismusdirektion der Provinz Muğla beschreibt sie jedoch als Gräber für die Adligen der Stadt.

Wo liegt heute der antike Hafen von Kaunos?

Das ehemalige innere Hafenbecken heißt heute Sülüklü Göl. Kaunos besaß außerdem einen Südhafen südöstlich von Küçük Kale.

Image: DALYAN-KAUNOS – panoramio.jpg — HALUK COMERTEL, CC BY 3.0

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