Wo lagen Sodom und Gomorra?
Für Sodom und Gomorra (Sodom ve Gomora) gibt es keinen archäologisch bestätigten Standort. Die beiden Städte erscheinen im Buch Genesis als Orte, die Gott zerstörte. Die Suche nach ihren Überresten konzentriert sich auf das Becken des Toten Meeres (Ölü Deniz). Bab edh-Dhra und Numeira gehören zu den vorgeschlagenen Fundorten. Die archäologischen Belege erlauben jedoch keine eindeutige Identifizierung.
Wenn du die Debatte auf einer Karte nachvollziehen möchtest, beginne beim Toten Meer. Östlich davon liegt Jordanien (Ürdün), westlich das Westjordanland (Batı Şeria) und südwestlich Israel (İsrail). Die hier besprochenen Kandidaten liegen in diesem Becken.
Die biblische Geografie nennt Sodom und Gomorra zusammen mit Adma, Zebojim und Zoar. Gemeinsam bilden sie die fünf Städte der Ebene. Diese Gruppierung gehört zur Textüberlieferung. Welchen ausgegrabenen Siedlungen diese Namen entsprechen, bleibt umstritten.
Sodom und Gomorra heute: Welche Standorte werden vorgeschlagen?
Bab edh-Dhra liegt in der Ebene südöstlich des Toten Meeres, im heutigen Jordanien. Es handelt sich um eine frühbronzezeitliche Siedlung. Auch Numeira wird als möglicher Standort der biblischen Städte genannt. Keine der beiden Zuordnungen ist abschließend belegt.
Tall el-Hammam liegt nordöstlich des Toten Meeres im jordanischen Jordantal. Dort begannen die Ausgrabungen 2005. Eine Universitätsbroschüre zum Ausgrabungsprojekt setzt den Fundort mit Sodom gleich. Das ist eine vorgeschlagene Identifizierung, kein gesichertes archäologisches Ergebnis.
Ein weiterer Vorschlag verortet die Städte unter dem südlichen Teil des Toten Meeres. Einige Forschende haben vermutet, dass steigendes Wasser sie überflutete. Auch das bleibt eine Theorie über ihre Lage. Sie liefert für keine der beiden Städte einen bestätigten Standort.
Was zeigen die archäologischen Funde aus Bab edh-Dhra?
Der Grabungsbericht zur Siedlung Bab edh-Dhra behandelt Gemeinschaften vom letzten Viertel des 4. Jahrtausends v. Chr. bis zum Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. Damit lässt sich die archäologische Geschichte der Siedlung über einen beträchtlichen Zeitraum verfolgen. Welcher biblische Name ihr möglicherweise zuzuordnen ist, bleibt eine eigene Frage.
Walter Rast und R. Thomas Schaub veröffentlichten den Grabungsbericht 2003. Er stellt die Befunde der Grabungskampagnen von 1975, 1977, 1979 und 1981 vor. Der Bericht dokumentiert eine ausgegrabene Siedlung. Ihre Existenz und Besiedlung allein belegen jedoch nicht, dass sie Sodom oder Gomorra war.
Auch menschliche Überreste aus dem Gräberfeld von Bab edh-Dhra geben Aufschluss über die Gemeinschaft. An der University of Notre Dame untersuchten Forschende die Überreste von 230 Menschen. Ihre Arbeit befasste sich mit Ernährung, Krankheiten, Arbeitsbedingungen und Spuren von Gewalt.
Denk an den alltäglichen Zusammenhang zwischen dem, was du isst, und deiner Gesundheit. Ernährung und Krankheiten gehörten zu den Fragen, die anhand dieser Überreste untersucht wurden. Diese Forschung betrifft das Leben der Menschen, die in Bab edh-Dhra bestattet wurden. Die vorgeschlagene Verbindung des Gräberfelds mit den biblischen Städten bleibt umstritten.
Feifa zeigt, warum die Art eines archäologischen Fundorts wichtig ist. Der Ort wurde unter den Kandidaten genannt, die mit Sodom und Gomorra in Verbindung gebracht werden. Untersuchungen legten dort ein frühbronzezeitliches Gräberfeld und spätere Mauern frei, aber keine bronzezeitliche Stadt. Diese Ergebnisse verändern den Beitrag, den der Fundort zu einer möglichen Identifizierung leisten kann.
Wurde Tall el-Hammam durch eine kosmische Explosion in der Atmosphäre zerstört?
Ein am 20. September 2021 veröffentlichter Fachartikel von Ted Bunch und Kollegen schlug vor, dass eine kosmische Explosion in der Atmosphäre Tall el-Hammam um 1650 v. Chr. zerstört habe. Scientific Reports zog diesen Artikel später zurück. Das vorgeschlagene Datum muss deshalb stets im Zusammenhang mit dieser umstrittenen These genannt werden. Es ist kein bestätigtes Datum für die Zerstörung Sodoms.
Steven Jaret und R. Scott Harris widersprachen dieser Deutung 2022. In ihrer wissenschaftlichen Kritik argumentierten sie, dass in Tall el-Hammam mineralogische oder geochemische Belege für einen kosmischen Einschlag fehlten. Ihr Einwand bezog sich auf die materiellen Befunde, mit denen das vorgeschlagene Ereignis begründet wurde.
Mark Boslough und Andy Bruno veröffentlichten am 22. April 2025 eine weitere Kritik. Sie argumentierten, dass eine mit dem Tunguska-Ereignis vergleichbare Explosion in der Atmosphäre die für Tall el-Hammam behauptete Luftströmung nicht erzeugen könne. Zu den umstrittenen Bedingungen gehörten Temperaturen über 1.000 °C und Geschwindigkeiten über 3 Kilometer pro Sekunde.
Am 24. April 2025 zog Scientific Reports den Artikel von 2021 zurück. Die Redaktion erklärte, die Daten stützten dessen Schlussfolgerung nicht ausreichend, dass eine kosmische Explosion in der Atmosphäre Tall el-Hammam zerstört habe. Wenn dir diese Erklärung als bewiesene Entdeckung begegnet, gehört die Rücknahme des Artikels unbedingt zum Kontext.
Die Explosionsthese und die Gleichsetzung mit Sodom sind zudem zwei eigenständige Behauptungen. Die Broschüre des Ausgrabungsprojekts wirbt für die biblische Identifizierung. Der zurückgezogene Artikel schlug einen Mechanismus für die Zerstörung vor. Beides liefert keine eindeutige archäologische Identifizierung der Siedlung als Sodom.
Sodom und Gomorra in der Bibel: Wo steht die Geschichte?
Genesis 18 enthält Abrahams (İbrahim) Fürbitte für Sodom. Er bittet Gott, die Stadt zu verschonen, falls sich dort Gerechte finden lassen. Im Verlauf des Gesprächs sinkt ihre Zahl von 50 auf 10. Diese Episode steht vor dem Bericht über die Zerstörung in Genesis 19.
In Genesis 19 kommen zwei Engel nach Sodom und werden in Lots (Lût) Haus gastlich aufgenommen. Eine Menschenmenge umringt das Haus. Die Engel schlagen die Menge mit Blindheit. Dies sind Ereignisse innerhalb der biblischen Erzählung, keine Schlussfolgerungen aus einer Ausgrabung.
Genesis 19,24–26 beschreibt, wie Schwefel und Feuer auf Sodom und Gomorra fallen. Die Passage erzählt auch, dass Lots Frau zurückblickt und zu einer Salzsäule wird. Im biblischen Bericht überleben Lot und seine beiden Töchter. Zoar, wo sie Zuflucht suchen, wird verschont.
Was bedeuten die Namen Sodom und Gomorra?
Die Herkunft der Namen Sodom und Gomorra ist ungewiss. Über ihre Etymologie besteht in der Forschung keine Einigkeit. Eine vorgeschlagene Namensbedeutung sollte deshalb von den moralischen Themen unterschieden werden, die religiöse Texte mit den Städten verbinden.
Ezechiel 16,49–50 nennt Hochmut, ein Leben im Überfluss und unterlassene Hilfe für Arme unter Sodoms Verfehlungen. Diese Passage bietet dir neben Genesis eine weitere biblische Fundstelle. Ihr Schwerpunkt liegt auch darauf, wie Menschen mit Bedürftigen umgehen.
Auch Behauptungen über antike schriftlich überlieferte Namen sind umstritten. Giovanni Pettinato brachte 1976 Namen auf den Ebla-Tafeln mit Sodom und Gomorra in Verbindung. Alfonso Archi argumentierte dagegen, die betreffenden Namen bezeichneten Orte in Nordsyrien und Emar. Die vorgeschlagene Verbindung zu den Tafeln ist daher umstritten.
Sodom und Gomorra im Islam
Der Koran berichtet in der Sure Hud 11,81–83, dass Lot angewiesen wird, nachts mit seiner Familie aufzubrechen. Seine Frau teilt die Strafe der Zurückbleibenden. Die Passage beschreibt außerdem, wie Steine aus gebranntem Lehm auf die Siedlung niedergehen.
Die Darstellung von Lots Frau unterscheidet sich von der Salzsäulenepisode in Genesis 19,24–26. Die angeführte Koranpassage zählt sie zu den Bestraften. Genesis beschreibt, wie sie zurückblickt und zu Salz wird. Wenn du die Berichte auseinanderhältst, bleiben die Einzelheiten beider Texte erhalten.
Weitere historische und archäologische Einzelheiten
Eine Salzformation südwestlich des Toten Meeres wird traditionell mit Lots Frau verbunden. Die TDV İslâm Ansiklopedisi dokumentiert eine 15 Meter hohe Säule auf dem Hügel Usdum, die ihr zugeschrieben wird. Diese Verbindung ist eine Überlieferung zu einer natürlichen Geländeformation, keine archäologische Identifizierung einer Person.
Paul Lapps Ausgrabungen von 1965 veränderten das Verständnis von Bab edh-Dhra. Zuvor hatte der Fundort als besonderer Zeremonialbereich gegolten. Seine Arbeit zeigte, dass es sich um eine frühbronzezeitliche Siedlung handelte. Damit änderte sich die Deutung des Fundorts selbst ganz konkret.
Zum Material aus dem Gräberfeld gehört auch ein unerwartetes modernes Detail. Nach Angaben der University of Notre Dame kamen menschliche Knochen aus Bab edh-Dhra in 600 Bierkisten und Kopierpapierkartons zur Untersuchung an. Die Sammlung ermöglichte Forschungen zur Gesundheit und zum Leben der antiken Gemeinschaft.
Zeitleiste
- Letztes Viertel des 4. Jahrtausends v. Chr. bis Ende des 3. Jahrtausends v. Chr.: Besiedlungszeitraum, den der Grabungsbericht zur Siedlung Bab edh-Dhra behandelt.
- Um 1650 v. Chr.: Im zurückgezogenen Artikel von 2021 vorgeschlagenes Zerstörungsdatum für Tall el-Hammam; kein bestätigtes Datum für Sodoms Zerstörung.
- 1965: Paul Lapps Ausgrabungen weisen Bab edh-Dhra als frühbronzezeitliche Siedlung nach.
- 1975, 1977, 1979 und 1981: Grabungskampagnen in der Siedlung Bab edh-Dhra, die der veröffentlichte Bericht behandelt.
- 2003: Walter Rast und R. Thomas Schaub veröffentlichen diesen Bericht.
- 2005: Die Ausgrabungen in Tall el-Hammam beginnen.
- 20. September 2021: Scientific Reports veröffentlicht den Artikel über eine kosmische Explosion in der Atmosphäre über Tall el-Hammam.
- 2022: Jaret und Harris stellen die mineralogischen und geochemischen Belege infrage.
- 22. April 2025: Boslough und Bruno veröffentlichen ihre Kritik am Vergleich mit dem Tunguska-Ereignis.
- 24. April 2025: Scientific Reports zieht den Artikel von 2021 zurück.
FAQ
Wo liegen Sodom und Gomorra heute?
Ihre genauen Standorte sind weiterhin unbestätigt. Zu den vorgeschlagenen Fundorten gehören Bab edh-Dhra und Numeira rund um das Tote Meer. Tall el-Hammam ist ein weiterer umstrittener Kandidat.
Welche Bibelverse beschreiben ihre Zerstörung?
Genesis 19,24–26 beschreibt, wie Schwefel und Feuer auf die Städte fallen. Dieselbe Passage berichtet, dass Lots Frau zu einer Salzsäule wird. Abrahams vorausgehende Fürbitte steht in Genesis 18.
Wurde Sodom in Tall el-Hammam identifiziert?
Das Ausgrabungsprojekt vertritt diese Identifizierung, doch sie bleibt umstritten. Der Artikel von 2021, der eine Zerstörung durch eine kosmische Explosion in der Atmosphäre vorschlug, wurde im April 2025 zurückgezogen.
Ist die Salzsäule von Lots Frau eine archäologische Identifizierung?
Die 15 Meter hohe Säule auf dem Hügel Usdum wird traditionell mit Lots Frau verbunden. Die TDV İslâm Ansiklopedisi dokumentiert diese Überlieferung. Damit ist die Säule nicht als menschlicher Überrest identifiziert.
Quellen
- Vikipedi — Sodom und Gomorra tr.wikipedia.org
- Wikipedia — Sodom und Gomorra en.wikipedia.org
- TDV İslâm Ansiklopedisi — Lot islamansiklopedisi.org.tr
- Wikipedia — Totes Meer en.wikipedia.org
- ASOR — Burton MacDonald, Östlich des Jordan bu.edu
- Harvard University — Bâb edh-Dhrâ‘: Ausgrabungen im Siedlungsbereich whitelevy.fas.harvard.edu
- University of Notre Dame — Skelettsammlung liefert Hinweise auf eine antike Zivilisation news.nd.edu
- East Carolina University — Biblischer Brand news.ecu.edu
- Veritas International University — Broschüre zum Ausgrabungsprojekt Tall el-Hammam ves.edu
- Scientific Reports — Zurückgezogener Artikel zu Tall el-Hammam nature.com
- Scientific Reports — Keine mineralogischen oder geochemischen Belege für einen Einschlag in Tall el-Hammam nature.com
- Scientific Reports — Missverständnisse über das Tunguska-Ereignis nature.com
- Scientific Reports — Rücknahmeerklärung zu Tall el-Hammam nature.com
FAQ
Wo lagen Sodom und Gomorra?
Ihre genauen Standorte sind weiterhin unbestätigt. Zu den vorgeschlagenen Fundorten rund um das Tote Meer gehören Bab edh-Dhra und Numeira. Auch die Gleichsetzung mit Tall el-Hammam ist umstritten.
Wo werden Sodom und Gomorra in der Bibel erwähnt?
Genesis 18 enthält Abrahams Fürbitte für Sodom. Genesis 19 schildert die Besucher in Lots Haus und die Zerstörung. Genesis 19,24–26 berichtet von Schwefel und Feuer sowie davon, dass Lots Frau zu einer Salzsäule wird.
Hat die Archäologie bewiesen, dass Tall el-Hammam Sodom war?
Eine eindeutige Identifizierung liegt nicht vor. Den Fachartikel von 2021, der eine Zerstörung durch die Explosion eines kosmischen Körpers in der Atmosphäre vorschlug, zog Scientific Reports am 24. April 2025 zurück.
Wo steht die Salzsäule, die mit Lots Frau verbunden wird?
Die TDV İslâm Ansiklopedisi dokumentiert eine traditionelle Zuordnung zu einer 15 Meter hohen Salzsäule auf dem Hügel Usdum südwestlich des Toten Meeres. Diese Zuschreibung beruht auf einer Überlieferung.
Image: Sodom and Gomorrah afire, by Jacob Jacobsz. de Wet d. J., probably Köln, c. 1680, oil on canvas – Hessisches Landesmuseum Darmstadt – Darmstadt, Germany – DSC01149.jpg — Daderot, Public domain

