Wer war Sütçü İmam?
Sütçü İmam wurde 1871 in Maraş geboren. Er starb am 25. November 1922 in derselben Stadt. Er stammte aus dem Viertel Bektutiye, dem heutigen Viertel Fevzi Paşa.
Er war weder Soldat noch Beamter. Er sammelte Milch aus den Dörfern und verkaufte sie in seinem Laden in der Uzunoluk-Straße. Dieser Beruf brachte ihm den Namen „Sütçü“ ein. Das bedeutet Milchhändler. Stell dir einen kleinen Milchladen an der Ecke vor, wie du ihn an jeder türkischen Straße finden könntest. Das war sein Arbeitsalltag.
Wenn du also nach „Wer war Sütçü İmam?“ suchst, lautet die kurze Antwort: ein gewöhnlicher Ladenbesitzer, der zum Symbol des Widerstands einer Stadt wurde.
Maraş vor dem ersten Schuss
Nach dem Waffenstillstand von Moudros besetzten britische Truppen am 22. Februar 1919 Maraş. Nach den Briten rückten am 30. Oktober 1919 französische Truppen in die Stadt ein. Am folgenden Tag, dem 31. Oktober 1919, ereignete sich der Vorfall, an den Maraş als Beginn seines Widerstands erinnert.
Dieser Widerstand gehört zur Südfront des Türkischen Befreiungskriegs. Die Verteidigung von Maraş und Sütçü İmams Beteiligung daran sind Teil dieser Front. Falls du dich fragst, an welcher Front er kämpfte, findest du hier die Antwort.
Der Uzunoluk-Vorfall vom 31. Oktober 1919
Der Vorfall ereignete sich in der Uzunoluk-Straße, in der sein Laden stand. Die Berichte unterscheiden sich in den Einzelheiten. Deshalb lohnt es sich, sie nebeneinander zu lesen.
Laut der türkischsprachigen Wikipedia begann alles damit, dass drei türkische Frauen ein Badehaus verließen. Armenische Legionäre der französischen Armee versuchten, ihre Schleier anzuheben.
Die Atatürk-Enzyklopädie schildert einen ähnlichen Ablauf. Ein Mann namens Çakmakçı Sait wandte sich gegen die Übergriffe auf die Frauen. Soldaten eröffneten das Feuer. Er wurde schwer verwundet und starb später. Nach dieser Darstellung erschoss Sütçü İmam einen der Soldaten.
Eine abweichende Darstellung steht in der englischsprachigen Wikipedia, die sich auf Stanley E. Kerr beruft. Sie wurde Jahre später nach den Angaben eines armenischen Mitarbeiters der Legion aufgezeichnet. Darin reißt ein betrunkener Legionär einer Frau den Schleier herunter. Der Angreifer, dessen Identität ungeklärt ist und bei dem es sich wahrscheinlich um Sütçü İmam handelte, tötete nicht den Mann, der die Frau belästigt hatte.
Die Grundzüge stimmen also überein. Die Einzelheiten dagegen nicht: Wer begann den Vorfall, und wen traf der Schuss? Wenn du die Berichte sorgfältig liest, behältst du beide Versionen im Blick.
Nach dem Schuss: Die Verteidigung wird organisiert
Nach dem Vorfall ging Sütçü İmam in das Dorf Ağabeyli. Dort beteiligte er sich an den Vorbereitungen der Einheit von Hauptmann Muharrem Beyazıt in der Region Bertiz.
In der Stadt überschlugen sich die Ereignisse:
- 28. November 1919, der Flaggenvorfall. Nach einem Aufruf von Rıdvan Hoca in der Großen Moschee (Ulu Cami) hissten die Menschen von Maraş erneut die türkische Flagge auf der Zitadelle.
- 29. November 1919. Die Vereinigung zur Verteidigung der Rechte von Maraş wurde gegründet, um den Widerstand zu organisieren.
Die Vereinigung hatte eine klare Führung. Arslan Toğuz Bey war Vorsitzender. Hasan Refet Efendi war zweiter Vorsitzender. Kırmacı Hacı Efendi war Generalsekretär.
Hilfe kam auch von außerhalb. Mustafa Kemal Pascha entsandte Kılıç Ali Bey und Yörük Selim Bey unter dem Decknamen „Asaf“. Beide beteiligten sich an der Organisation der Verteidigung.
Die 22-tägige Schlacht im Januar und Februar 1920
Der französische Befehlshaber General Quérette ließ einige Mitglieder der Verhandlungsdelegation von Maraş verhaften. Daraufhin verkündete Arslan Bey in einem Aufruf, dass der Krieg begonnen habe.
Der Häuserkampf begann am 21. Januar 1920 und dauerte 22 Tage. Er endete, als General Quérette Arslan Bey in einem Brief mitteilte, dass er die Stadt verlasse. Die Atatürk-Enzyklopädie datiert diesen Sieg auf den 11. Februar 1920.
Maraş begeht seinen Befreiungs- und Siegestag in Erinnerung an den 12. Februar 1920. In den Quellen wirst du beiden Daten begegnen.
Wie die Stadt den Ehrentitel „heldenhaft“ erhielt
Die Anerkennung erfolgte in zwei Schritten.
Zunächst verlieh die Große Nationalversammlung Maraş am 5. April 1925 die Unabhängigkeitsmedaille. Der Grund war der Widerstand der Stadt im Türkischen Befreiungskrieg.
Anschließend änderte das Gesetz Nr. 1657 vom 7. Februar 1973 den Stadtnamen von Maraş in Kahramanmaraş. „Kahraman“ bedeutet Held. Der heutige Name bewahrt die Erinnerung an diesen Widerstand.
Was geschah mit Sütçü İmam nach dem Krieg?
Nach dem Krieg erhielt er eine Stelle als Hausmeister bei der Stadtverwaltung von Maraş. Später wurde ihm die Aufgabe übertragen, die Kanone auf der Zitadelle abzufeuern.
Diese Aufgabe führte zu seinem Tod. Bei einem Salut mit 101 Schüssen zur Bekanntgabe des Kalifats von Abdülmecit Efendi schlug die Kanone zurück. Er wurde verletzt und starb am 25. November 1922. Das beantwortet die Frage „Wie starb Sütçü İmam?“.
Er wurde auf dem Friedhof der Çınarlı-Moschee in Maraş beigesetzt. Sie wird auch Bektutiye-Moschee genannt.
Zeittafel
- 1871 Sütçü İmam wird in Maraş geboren.
- 22. Februar 1919 Britische Truppen besetzen Maraş.
- 30. Oktober 1919 Französische Truppen rücken in die Stadt ein.
- 31. Oktober 1919 Der Uzunoluk-Vorfall ereignet sich. Er gilt als Symbol für den Beginn des Widerstands.
- 28. November 1919 Der Flaggenvorfall.
- 29. November 1919 Die Vereinigung zur Verteidigung der Rechte von Maraş wird gegründet.
- 21. Januar 1920 Der 22-tägige Häuserkampf beginnt.
- 11. Februar 1920 Laut der Atatürk-Enzyklopädie endet die Verteidigung nach dem Abzug der Franzosen mit einem Sieg.
- 12. Februar 1920 Das Datum, an das Maraş mit seinem Befreiungstag erinnert.
- 25. November 1922 Sütçü İmam stirbt nach dem Kanonenunfall.
- 5. April 1925 Maraş erhält die Unabhängigkeitsmedaille.
- 1934 Seine Kinder erhalten den Nachnamen Türkkorur.
- 1936 Am Ort des Uzunoluk-Vorfalls wird ein monumentaler Brunnen errichtet.
- 7. Februar 1973 Maraş wird per Gesetz in Kahramanmaraş umbenannt.
- 1977 Auf dem Kıbrıs-Platz wird das Sütçü-İmam-Denkmal errichtet.
Einzelheiten, die du nicht in Reiseführern findest
- Er war auch Muezzin. Sütçü İmam rezitierte gelegentlich den Koran und diente als Muezzin in der Bektutiye-Moschee. Sie stand gegenüber seinem Laden.
- Ein Nachname auf Atatürks Wunsch. 1934 erhielten seine Kinder den Nachnamen Türkkorur anstelle von Kireçci. Laut der Atatürk-Enzyklopädie geschah dies auf Atatürks Wunsch.
- Der Brunnen. 1936 wurde genau an der Stelle des Uzunoluk-Vorfalls ein monumentaler Brunnen errichtet.
- Ein beruflicher Neuanfang mit einfachen Aufgaben. Nach dem Krieg arbeitete er zunächst als städtischer Hausmeister. Erst danach übernahm er das Abfeuern der Kanone auf der Zitadelle.
Wo du in Maraş Spuren seiner Erinnerung findest
Wenn du Maraş besuchst, solltest du dir drei Orte merken.
Der erste ist der Brunnen von 1936. Er kennzeichnet den Schauplatz des Uzunoluk-Vorfalls.
Der zweite ist das Sütçü-İmam-Denkmal. Es wurde 1977 auf dem Kıbrıs-Platz errichtet. Es stellt den Uzunoluk-Vorfall dar.
Der dritte ist der Friedhof der Çınarlı- oder Bektutiye-Moschee, auf dem er begraben liegt.
Sein Name begegnet dir auch an der Universität der Stadt. Die Kahramanmaraş Sütçü İmam Üniversitesi trägt ihn. Die Universität hat Gedenkveranstaltungen zu seinen Ehren abgehalten.
FAQ
Wer war Sütçü İmam?
Er war ein Milchhändler aus Maraş und wurde 1871 geboren. Der Uzunoluk-Vorfall vom 31. Oktober 1919 machte ihn zum Symbol des Widerstands der Stadt.
An welcher Front kämpfte er?
Die Verteidigung von Maraş gehört zur Südfront des Türkischen Befreiungskriegs.
Wie starb er?
Er wurde durch den Rückstoß einer Kanone verletzt. Sie wurde bei einem Salut mit 101 Schüssen für das Kalifat von Abdülmecit Efendi abgefeuert. Er starb am 25. November 1922.
Ist die Universität nach ihm benannt?
Ja. Die Kahramanmaraş Sütçü İmam Üniversitesi trägt seinen Namen.
Warum „Kahramanmaraş“?
Die Stadt erhielt 1925 die Unabhängigkeitsmedaille. Ein Gesetz änderte 1973 ihren Namen.
Quellen
- Türkischsprachige Wikipedia — Sütçü İmam tr.wikipedia.org
- Atatürk-Enzyklopädie — Sütçü İmam ataturkansiklopedisi.gov.tr
- Atatürk-Enzyklopädie — Aslan (Toğuz) Bey ataturkansiklopedisi.gov.tr
- Atatürk-Forschungszentrum — Geschichte der Republik Türkei I, Südfront atam.gov.tr
- Provinzdirektion für Kultur und Tourismus Kahramanmaraş — Allgemeine Informationen kahramanmaras.ktb.gov.tr
- Kahramanmaraş Sütçü İmam Üniversitesi — 31. Oktober 1919: Der erste Schuss ksu.edu.tr
- Kahramanmaraş Sütçü İmam Üniversitesi — KSÜ gedachte mit Gebeten ihres Namensgebers und Vorfahren Sütçü İmam ksu.edu.tr
- Gouverneursamt Kahramanmaraş — Historische Herrenhäuser und religiöses Kulturerbe kahramanmaras.gov.tr
- DHMİ Flughafen Kahramanmaraş — Stadtgeschichte dhmi.gov.tr
- TBMM — Rede zum Befreiungstag von Kahramanmaraş am 12. Februar www5.tbmm.gov.tr
- Englischsprachige Wikipedia — Sütçü-İmam-Vorfall en.wikipedia.org





