Ein Baukomplex am Hang in Sivas
Die Große Moschee und das Hospital von Divriği (Divriği Ulu Camii ve Darüşşifası) liegen im Landkreis Divriği in der Provinz Sivas. Der Komplex steht am Hang unterhalb der Burg. Zu ihm gehören eine Moschee, ein Hospital und ein Grabbau.
Die Stadtverwaltung von Sivas nennt folgende Adresse: Kemenkeş Mahallesi, Ulu Cami Caddesi, 58300 Divriği/Sivas.
Der türkische Name besteht aus zwei Teilen. Ulu Camii bedeutet Große Moschee. Darüşşifa bezeichnet ein Haus der Heilung, also ein Hospital. Die beiden Gebäude stehen nebeneinander. Das Hospital schließt südlich an die Moschee an.
Wer den Komplex erbauen ließ – und wann
Das Ministerium für Kultur und Tourismus stützt seine Darstellung auf die Inschriften. Demnach ließ der Mengücekiden-Herrscher Ahmed Şah die Moschee errichten. Turan Melek, die Tochter von Fahreddin Behramşah, ließ das Hospital bauen. Beide stammen aus den Jahren 1228–1229.
Die Stiftungsinschrift befindet sich am Nordportal der Moschee. Sie nennt Ahmed Şah bin Süleyman als Bauherrn. Als Datum steht dort das Jahr 626 des islamischen Kalenders. Das entspricht 1228–1229 im gregorianischen Kalender.
Auch der Baumeister wird in den Inschriften genannt: Hürrem Şah, Sohn des Muğis, aus Ahlat.
Unterschiedliche Angaben zur Bauzeit
Die Quellen stimmen bei den Jahreszahlen nicht vollständig überein. Die UNESCO datiert die Gründung auf 1228–1229. Nach Angaben des Gouverneursamts von Sivas begann der Bau 1228 und wurde 1243 abgeschlossen. Wenn du beide Angaben liest, liegt also kein Versehen vor. Die Quellen machen unterschiedliche Angaben.
Eine lediglich behauptete Ehe
Die türkischsprachige Wikipedia und die Veröffentlichung des Ministeriums stellen Turan Melek als Ehefrau von Ahmed Şah vor. Die englischsprachige Wikipedia widerspricht. Sie verweist auf Oya Pancaroğlus Forschung von 2009. Demnach bestätigen weder eine Inschrift noch andere Belege die Ehe. Verstehe diese Verbindung deshalb als verbreitete Behauptung, nicht als gesicherte Tatsache.
Spitze aus Stein
Die Moschee wurde aus behauenen Steinen errichtet. Sie besitzt drei getrennte Portale an der Nord-, West- und Ostseite. Das Hospital hat ein viertes Portal an seiner Westseite.
Die UNESCO führt die Vielfalt der Steinmetzarbeiten an diesen Portalen auf verschiedene Meistergruppen zurück. Die Ornamente sind dreidimensional gearbeitet. Geometrische Muster verbinden sich mit pflanzlichen Formen.
Die UNESCO benennt auch den Kontrast, der den Bau prägt. Die Portale sind dicht mit plastischem Schmuck bedeckt. Die Innenwände bleiben schlicht. Hinzu kommt eine hochentwickelte Technik beim Bau der Steingewölbe.
Stell dir zu Hause eine schlichte Wand vor. Über der Tür hängt ein einziges aufwendig besticktes Tuch. Dein Blick fällt sofort darauf. Hier besteht dieses „Tuch“ aus Stein. Und es begegnet dir gleich viermal.
Die Stadtverwaltung von Sivas nennt zwei Beinamen für diese Arbeit: das „Wunder von Divriği“ und die „Alhambra Anatoliens“. Das sind Bezeichnungen, keine Messgrößen. Den Beleg liefern die Portale selbst.
Das Westportal
Die türkischsprachige Wikipedia zählt Doppeladler und Falken zu den Darstellungen am Westportal. Halte nach ihnen Ausschau, wenn du davorstehst.
Im Inneren der Moschee
Der Gebetssaal hat fünf Schiffe. Sie verlaufen senkrecht zum Mihrab, der Nische, die die Gebetsrichtung anzeigt. Das mittlere Schiff ist breiter als die übrigen.
Das schlichte Innere gehört zum gestalterischen Kontrast. Nach den Portalen geben die ruhigen Wandflächen deinen Augen eine Pause.
Das Hospital
Das Ministerium beschreibt das Hospital als Gebäude mit überdachtem Innenhof und drei Iwanen. Das sind gewölbte Hallen, die an einer Seite offen sind. Der Westflügel hat zwei Geschosse.
Die Überdachung umfasst zahlreiche Gewölbeformen: Tonnen-, Spitz-, Spiegel-, Diagonal-, Kreuz- und Sterngewölbe. Wenn du nach oben schaust, siehst du, auf wie viele Arten sich eine steinerne Decke schließen lässt.
Im Grabbau innerhalb des Hospitals stehen 16 Sarkophage. Die Veröffentlichung des Ministeriums schreibt zwei davon Turan Melek und Ahmed Şah zu. Beide sind türkisfarben verkleidet.
Heilen mit Klängen
Das Gouverneursamt von Sivas schildert die frühere Behandlung an diesem Ort. Demnach wurden das Wassergeräusch des zentralen Beckens, Koranrezitation und Sufi-Musik eingesetzt, um Menschen mit psychischen Erkrankungen und Nervenleiden zu behandeln. Das ist die Darstellung des Gouverneursamts. Lies sie deshalb als überlieferte Erzählung, nicht als Krankenakte.
Bedri Selim Benek und seine Mitautoren veröffentlichten 2015 einen Aufsatz in Acta Medica Anatolia. Sein Titel lautet „An example for the application of music therapy in the medical history: Divrigi Darüssifa“. Er behandelt das Gebäude als historisches Beispiel für die Behandlung mit Musik.
Zeittafel
- 1228–1229: Nach den Stiftungsinschriften wurden die Moschee von Ahmed Şah und das Hospital von Turan Melek errichtet.
- 1243: Das Gouverneursamt von Sivas nennt dieses Jahr als Abschluss der Bauarbeiten am Komplex. Die UNESCO datiert die Gründung auf 1228–1229.
- 18. Jahrhundert: Das Hospital wurde als Medrese, als religiöse Schule, genutzt.
- 1985: Moschee und Hospital wurden in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
- 2015: Eine umfangreiche Restaurierung begann. Sie dauerte neun Jahre.
- 6. Mai 2024: Der Komplex wurde wieder für Gottesdienste und Besichtigungen geöffnet.
Details, die du in Reiseführern nicht findest
Elf Inschriften. Der Komplex besitzt 11 Inschriften. Fünf nennen den Bauherrn und ein Datum. Sechs nennen die Namen von Meistern.
Zwei namentlich bekannte Handwerker. Über der Tür der alten Herrscherempore an der Ostfassade steht der Name Ahmed, eines Dekorationskünstlers aus Ahlat. Im Versband an der Südwand steht der Name Ahmed, Sohn des Mehmed.
Ein Hospital wird zur Schule. Das Gebäude wurde als Hospital errichtet. Im 18. Jahrhundert diente es als Medrese.
Schnitzereien in Ankara. Einige geschnitzte Tafeln, die zur hölzernen Herrscherempore im Inneren der Moschee gehört haben sollen, werden im Museum für Stiftungswerke in Ankara (Vakıf Eserleri Müzesi) gezeigt. Deshalb findest du sie nicht in Divriği.
Ein Schatten am Eingang. Die türkischsprachige Wikipedia berichtet, dass in der Nachmittagssonne am Eingang ein menschenförmiger Schatten entsteht. Menschen erkennen darin jemanden, der den Koran liest oder betet. Das Gouverneursamt von Sivas geht weiter: Es erklärt, der Schatten sei bewusst berechnet worden. Wikipedia gibt lediglich die Deutung wieder. Die beiden Darstellungen bieten daher nicht dieselben Belege für eine bewusste Gestaltung. Lass die Geschichte auf dich wirken und behalte diesen Unterschied im Kopf.
Fotos, Bewertungen und worauf du achten solltest
Fotos der Großen Moschee und des Hospitals von Divriği zeigen fast immer die Portale. Das hat einen guten Grund. Die kunstvoll bearbeiteten Eingänge sind der Teil, der sich am besten fotografieren lässt.
Geh um das Gebäude herum, bevor du die Kamera hebst. Es gibt vier Portale: drei an der Moschee und eines am Hospital. Vergleiche sie. Die UNESCO führt ihre Unterschiede auf verschiedene Meistergruppen zurück. Du kannst diese Unterschiede mit eigenen Augen erkennen.
Für deine eigene Bewertung des Ortes hilft eine kurze Liste:
- Zähle die Portale und vergleiche ihre Muster.
- Suche am Westportal nach Adlern und Falken.
- Betritt den schlichten Innenraum und achte auf den Kontrast.
- Schau im Hospital nach oben und zähle die Gewölbeformen.
- Geh am Nachmittag zum Eingang und prüfe, ob der Schatten erscheint.
Schutz und Restaurierung
Die UNESCO nennt mehrere Gefährdungen des Bauwerks. Bei den Steinmetzarbeiten sind es Witterungseinflüsse, Feuchtigkeit und Salz. Für den gesamten Bau nennt sie Probleme mit der Entwässerung.
Das Gouverneursamt von Sivas teilte am 2. Mai 2024 mit, dass die 2015 begonnene Restaurierung neun Jahre gedauert hatte. Das Wasserbecken im Hospital wurde wieder in Betrieb genommen. Die Stadtverwaltung von Sivas berichtet, dass der Komplex am 6. Mai 2024 wieder für Gottesdienste und Besichtigungen geöffnet wurde.
Du kannst heute also sowohl die Moschee als auch das Hospital betreten. Denk daran, dass die Moschee für Gottesdienste genutzt wird. Kleide und verhalte dich entsprechend, wie in jedem Gotteshaus.
Warum der Komplex bedeutend ist
Die UNESCO nahm die Anlage 1985 nach den Kriterien (i) und (iv) in die Welterbeliste auf. Einfach gesagt würdigte sie den Bau als Meisterwerk menschlicher Kreativität und als herausragendes Beispiel eines Gebäudetyps.
Hinter dieser Aufnahme stehen konkrete Fakten: 11 Inschriften, vier skulptierte Portale und eine Überdachung mit sechs Gewölbeformen. Ein namentlich bekannter Architekt aus Ahlat und namentlich bekannte Handwerker hinterließen ihre Namen im Stein. Genau das siehst du, wenn du unterhalb der Burg in Divriği stehst.
FAQ
Wer ließ den Komplex erbauen?
Ahmed Şah ließ die Moschee und Turan Melek das Hospital 1228–1229 errichten. Baumeister war Hürrem Şah aus Ahlat.
Ist das die Alhambra Anatoliens?
Diesen Beinamen führt die Stadtverwaltung von Sivas an. Er bezieht sich auf die Steinmetzkunst.
Kann ich den Komplex besichtigen?
Ja. Nach neun Jahren Restaurierung wurde er am 6. Mai 2024 wieder geöffnet.
Quellen
- UNESCO-Welterbezentrum, Große Moschee und Hospital von Divriği whc.unesco.org
- Ministerium für Kultur und Tourismus, Sivas-Divriği Ulu Camii ve Darüşşifası ekitap.ktb.gov.tr
- Ministerium für Kultur und Tourismus, Darüşşifa ekitap.ktb.gov.tr
- Englischsprachige Wikipedia, Große Moschee und Hospital von Divriği en.wikipedia.org
- Türkischsprachige Wikipedia, Divriği Ulu Camii ve Darüşşifası tr.wikipedia.org
- Stadtverwaltung von Sivas, Divriği Ulu Camii sivas.bel.tr
- Stadtverwaltung von Sivas, Große Moschee und Hospital von Divriği für Gottesdienste geöffnet sivas.bel.tr
- Gouverneursamt von Sivas, Divriği Ulu Camii ve Darüşşifası sivas.gov.tr
- Gouverneursamt von Sivas, Große Moschee und Hospital von Divriği werden geöffnet sivas.gov.tr
- TR Dizin, Eintrag zum Aufsatz in Acta Medica Anatolia search.trdizin.gov.tr
Image: Divriği Great Mosque and Hospital.jpg — Dosseman, CC BY-SA 4.0
