Geschichte von Sivas: eine Stadt an wichtigen Handelswegen
Sivas liegt im Osten Zentralanatoliens, im oberen Einzugsgebiet des Kızılırmak. Die Stadt hat eine lange Geschichte. Ihre Provinz liegt an den Routen der antiken Königsstraße und der Seidenstraße.
Diese Lage erklärt vieles. Straßen bringen Händler in eine Stadt. Auf ihnen kommen aber auch Heere. Sivas erlebte beides. Die Spuren davon kannst du an seinen Steinbauten ablesen.
Dieser Überblick folgt der Geschichte der Stadt in zeitlicher Reihenfolge. Zuerst geht es um den Namen und die frühesten Siedlungen. Danach folgen die seldschukischen Baudenkmäler, die verheerenden Angriffe der Mongolen und Timuriden, die osmanischen Badehäuser und der Kongress von 1919.
Woher kommt der Name Sivas?
Die gängige Erklärung führt in die Römerzeit. Damals hieß die Stadt Sebasteia. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Name über Formen wie Sebastos und Sevaste/Sivaste weiter. Im Türkischen wurde daraus schließlich Sivas.
Zur Entstehung des Namens Sebasteia gibt es eine örtliche Überlieferung. Die Kultur- und Tourismusdirektion der Provinz Sivas gibt die Theorie wieder, dass Pythodoris, die Frau Polemons, die Stadt Sebasteia nannte. Damit wollte sie ihre Treue zu Augustus zeigen.
Daneben gibt es eine andere Erzählung. Sie verbindet den Namen mit „Sipas“ und drei Wasserquellen in der Stadt. Verstehe sie als Überlieferung. Sie wird nicht als gesicherter urkundlicher Beleg für die Stadtgründung dargestellt.
Am sichersten lässt es sich so zusammenfassen: Sivas geht auf Sebasteia zurück. Die Geschichte von den drei Quellen ist eine verbreitete alternative Erklärung.
Sivas in der Türkei: Wie alt ist die Siedlung?
Die Stadt ist alt, doch ihr Gründungsdatum ist unbekannt. In der Umgebung wurden Siedlungen aus der Kupferzeit gefunden. Sie stammen ungefähr aus der Zeit von 5000–3000 v. Chr. Das genaue Gründungsdatum der heutigen Stadt lässt sich daraus jedoch nicht bestimmen.
Ein zweiter Fundort liefert konkretere Zeitangaben. Ausgrabungen am Maltepe Höyüğü belegen dort eine durchgehende Besiedlung von etwa 2600 v. Chr. bis 2000 v. Chr. Das sind sechs Jahrhunderte ohne Unterbrechung.
Wenn du einen Besuch planst, bedenke: Solche frühen Siedlungsschichten findest du in Siedlungshügeln und Grabungsberichten. Auf dem alten Stadtplatz begegnet dir dagegen die mittelalterliche Stadt.
Seldschukisches Sivas: Moscheen, ein Krankenhaus und vier berühmte Schulen
Das älteste bedeutende Baudenkmal im Stadtzentrum ist die Große Moschee von Sivas (Sivas Ulu Camii). Kızılarslan bin İbrahim ließ sie 1196–1197 für Kul Ahi errichten. Im Gebetssaal stehen 50 gemauerte Pfeiler in Reihen über 11 Joche verteilt. Spitzbögen verbinden sie miteinander.
Das nächste markante Bauwerk ist ein Krankenhaus. Die Şifaiye Medresesi im Viertel Eskikale am historischen Stadtplatz entstand 1217 als seldschukisches Krankenhaus. Auftraggeber war Kai Kaus I.. Der Bau misst etwa 48 × 68 Meter und hat 30 Räume.
Denk an das Krankenhaus, in das du bei einer Erkrankung gehen würdest. Sivas besaß schon vor mehr als acht Jahrhunderten ein großes Krankenhaus. Es wurde als bedeutender öffentlicher Bau errichtet.
Dann folgt das große Baujahr 1271. Aus diesem Jahr stammen drei Medresen, also islamische Lehranstalten:
- Buruciye Medresesi: erbaut von Muzaffer Burucerdi.
- Gök Medrese: erbaut vom seldschukischen Wesir Sahip Ata Fahreddin Ali. Der Architekt war Kaluyan el-Konevi.
- Çifte Minareli Medrese: laut ihrer Inschrift vom ilkhanidischen Wesir Şemsettin Muhammed Cüveyni erbaut. Nur ihre Vorderfassade ist erhalten.
Achte auf die unterschiedlichen Auftraggeber. Einer war ein seldschukischer Wesir, ein anderer ein ilkhanidischer Wesir. Das passt zu den damaligen Verhältnissen. Der nächste Abschnitt erklärt, warum.
Mongolen, Kadı Burhâneddin und Timur
1243 verloren die Seldschuken die Schlacht am Kösedağ. Danach nahm Baycu Noyan Sivas ein. Die Stadt wurde drei Tage lang geplündert.
Der nächste Wendepunkt kam 1398. Kadı Burhâneddin starb. Die führenden Männer von Sivas übergaben die Stadt daraufhin dem osmanischen Herrscher Bayezid I.
Der Frieden hielt nicht lange. Timur eroberte Sivas im Jahr 1400. Die Mauern und bedeutende Gebäude wurden beschädigt. Die Stadt erlitt schwere wirtschaftliche Verluste und verlor viele Einwohner.
Mit diesem Wissen kannst du die Stadt besser verstehen. Wenn dir bei einer Führung erklärt wird, dass nur eine Fassade erhalten blieb oder eine Mauer verschwunden ist, denke an die Ereignisse von 1243 und 1400.
Osmanische Badehäuser und ein Bau aus der späten Osmanenzeit
Nach den Erschütterungen der früheren Jahrhunderte wurde in der Stadt weitergebaut. Zwei Badehäuser zeigen das.
Der Meydan Hamamı steht gegenüber der Meydan-Moschee (Meydan Camisi). Er stammt aus dem Jahr 1564. In der Mitte seines Heißraums liegt ein achteckiger Zentralstein.
Den Kurşunlu Hamam ließ Behram Paşa 1576 errichten. Es handelt sich um ein Doppelbad mit getrennten Bereichen für Frauen und Männer.
Für viele Menschen gehört der Besuch im Hamam bis heute zum Alltag. Wenn du auf einer Reise schon einmal ein Dampfbad besucht hast, verstehst du, warum eine Stadt Geld in solche Gebäude investierte.
Das historische Gendarmeriegebäude am Stadtplatz entstand später. Es wurde 1908 während der Amtszeit des Gouverneurs Reşit Akif Paşa erbaut. Sein Grundriss ist L-förmig.
Der Kongress von Sivas 1919
Mit diesem Ereignis verbinden die meisten türkischen Schülerinnen und Schüler die Stadt. Der Kongress von Sivas (Sivas Kongresi) tagte vom 4. bis 11. September 1919. Er nahm seine Arbeit am Donnerstag, dem 4. September, um 14.00 Uhr im Gymnasium von Sivas (Sivas Lise) auf.
Sein bekanntestes Ergebnis betraf die Organisation. Die nationalen Gesellschaften wurden unter dem Namen Gesellschaft zur Verteidigung der Rechte Anatoliens und Rumeliens vereinigt. Aus verstreuten örtlichen Gruppen wurde eine gemeinsame Organisation.
Deshalb ist Sivas für den nationalen Unabhängigkeitskampf bedeutsam. Die Stadt war eine Station auf dem Weg und ein Ort, an dem sich die Bewegung organisierte.
Zeittafel
- 5000–3000 v. Chr.: kupferzeitliche Siedlungen in der Region Sivas.
- 2600–2000 v. Chr.: durchgehende Besiedlung am Maltepe Höyüğü.
- Römerzeit: Die Stadt ist als Sebasteia bekannt. Darauf geht der Name Sivas zurück.
- 1196–1197: Die Große Moschee von Sivas wird erbaut.
- 1217: Kai Kaus I. lässt das Şifaiye-Krankenhaus errichten.
- 1243: Nach der Schlacht am Kösedağ nimmt Baycu Noyan Sivas ein.
- 1271: Die Buruciye Medresesi, die Gök Medrese und die Çifte Minareli Medrese werden erbaut.
- 1398: Die Stadt wird Bayezid I. übergeben.
- 1400: Timur erobert Sivas. Die Stadt wird schwer beschädigt.
- 1564: Der Meydan Hamamı wird erbaut.
- 1576: Der Kurşunlu Hamam wird erbaut.
- 1908: Das historische Gendarmeriegebäude wird errichtet.
- 4.–11. September 1919: Der Kongress von Sivas tagt.
- 1985: Die Große Moschee und das Krankenhaus von Divriği werden in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
- 2014: Drei Medresen von Sivas erscheinen auf der UNESCO-Tentativliste.
Details, die du nicht im Reiseführer findest
Eine Tontafel verrät den Namen einer verschollenen Stadt. Kayalıpınar in Yıldızeli wurde dank einer 2014 gefundenen Keilschrifttafel als das antike Samuha identifiziert.
Ein Krankenhaus mit wechselnder Nutzung. Das Şifaiye-Krankenhaus wurde 1768 zu einer Medrese. Im Ersten Weltkrieg diente es als Lagerhaus.
Warum die Datierung der Großen Moschee gesichert ist. Ihre Bau- und Reparaturinschriften wurden bei der umfassenden Instandsetzung von 1955 gefunden. Die Bauinschrift ist im Museum von Sivas unter der Inventarnummer 1120 registriert.
Eine Brücke mit einem Knick. Die Eğri Köprü heißt auch Bağdat Köprüsü. Die Steinbrücke über den Kızılırmak ist 179 Meter lang und hat 18 Bögen. Nach dem 12. Bogen knickt sie in einem Winkel von 130 Grad nach links ab. Es gibt eine Reparaturinschrift von 1802. Das genaue Baudatum ist jedoch unbekannt.
Blei in den Mauern. Der Name Kurşunlu Hamam geht auf Blei zurück. Beim Bau wurde es über eiserne Befestigungen in den Mauern gegossen.
Schmuggel in der Gegenwart. Die Polizeidirektion der Provinz Sivas berichtete über einen Einsatz im Stadtzentrum am 30. April 2025. Dabei wurden 25 Münzen, 7 Metallgegenstände und 2 Detektoren sichergestellt. Den Fundstücken wurde historischer Wert zugeschrieben. Geschichte wird hier weiterhin geschützt.
UNESCO und Sivas
Zwei Verbindungen zur UNESCO solltest du kennen. Sie haben einen unterschiedlichen Status.
Die erste betrifft die Große Moschee und das Krankenhaus von Divriği (Divriği Ulu Camii ve Darüşşifası). Die Anlage liegt im Landkreis Divriği in der Provinz Sivas. Sie stammt aus den Jahren 1228–1229 und wurde 1985 in die Welterbeliste aufgenommen.
Die zweite betrifft die Tentativliste. Die Buruciye Medresesi, die Gök Medrese und die Çifte Minareli Medrese gehören zum Vorschlag „Medresen der anatolischen Seldschuken“, der am 15. April 2014 eingereicht wurde. Ein Eintrag auf der Tentativliste ist ein erster Schritt. Die Aufnahme in die Welterbeliste ist damit noch nicht erfolgt.
So erkundest du die Geschichte bei deinem Besuch
Beginne am historischen Stadtplatz. Die Şifaiye Medresesi, die Buruciye Medresesi, die Gök Medrese und die Çifte Minareli Medrese liegen alle dort. So kannst du die Bauten von 1217 und 1271 auf einem Rundgang sehen. Ergänze die Große Moschee von Sivas als älteren Bau von 1196–1197.
Achte anschließend auf die Schäden. Schau genau hin, welche Teile fehlen. Von der Çifte Minareli Medrese steht nur noch die Vorderfassade. Sie macht die schwierigen Jahrhunderte der Stadt sichtbar.
Besuche zum Abschluss die osmanischen Bäder. Wenn du Zeit hast, gehört auch die Eğri Köprü über den Kızılırmak dazu.
FAQ
Woher kommt der Name Sivas?
Nach der gängigen Erklärung wurde aus dem römischen Sebasteia zunächst Sebastos, dann Sevaste/Sivaste und schließlich Sivas. Daneben kursiert eine Erzählung über drei Wasserquellen und einen Namen wie Sipas. Sie ist eine Überlieferung, kein gesicherter Beleg.
Wie alt ist Sivas?
In der Region wurden kupferzeitliche Siedlungen aus der Zeit von ungefähr 5000–3000 v. Chr. gefunden. Das genaue Gründungsdatum der heutigen Stadt ist unbekannt.
Was geschah beim Kongress von Sivas?
Er tagte vom 4. bis 11. September 1919. Er vereinigte die nationalen Gesellschaften zur Gesellschaft zur Verteidigung der Rechte Anatoliens und Rumeliens.
Welche Stätten in Sivas stehen auf UNESCO-Listen?
Die Große Moschee und das Krankenhaus von Divriği gehören seit 1985 zum Welterbe. Drei Medresen der Stadt stehen auf der Tentativliste.
Wann eroberte Timur Sivas?
Im Jahr 1400. Die Mauern und bedeutende Gebäude wurden beschädigt. Die Stadt erlitt schwere Verluste.
Quellen
- TDV-Enzyklopädie des Islam — Sivas islamansiklopedisi.org.tr
- Kultur- und Tourismusdirektion der Provinz Sivas — Geschichte sivas.ktb.gov.tr
- Wikipedia — Sivas tr.wikipedia.org
- Hitit-Universität — Zusammenfassungen der Beiträge zum XI. Internationalen Kongress für Hethitologie cdn.hitit.edu.tr
- Wikipedia — Provinz Sivas en.wikipedia.org
- Kulturportal der Türkei — Şifaiye Medresesi kulturportali.gov.tr
- Kulturportal der Türkei — Buruciye Medresesi kulturportali.gov.tr
- Kulturportal der Türkei — Allgemeine Informationen zu Sivas kulturportali.gov.tr
- Kulturportal der Türkei — Çifte Minareli Medrese kulturportali.gov.tr
- UNESCO — Medresen der anatolischen Seldschuken whc.unesco.org
- Kulturportal der Türkei — Kulturinventar der Großen Moschee kulturportali.gov.tr
- Kulturportal der Türkei — Große Moschee von Sivas kulturportali.gov.tr
- Kulturportal der Türkei — Eğri Köprü kulturportali.gov.tr
- Kulturportal der Türkei — Kurşunlu Hamam kulturportali.gov.tr
- Kulturportal der Türkei — Meydan Hamamı kulturportali.gov.tr
- Kulturportal der Türkei — Gendarmeriegebäude kulturportali.gov.tr
- Atatürk-Forschungszentrum — 101. Jahrestag des Kongresses von Sivas atam.gov.tr
- Atatürk-Forschungszentrum — Geschichte der Republik Türkei I atam.gov.tr
- UNESCO — Große Moschee und Krankenhaus von Divriği whc.unesco.org
Image: Collage of Sivas Province.jpg — Maurice Flesier, CC BY-SA 4.0
