Wurzeln der Städte

Geschichte von Kırşehir: Herkunft des Stadtnamens

Kırşehirs Name geht auf einen türkischen Ausdruck für eine Siedlung in der Steppe zurück, während Kaman-Kalehöyük die bronzezeitliche Vergangenheit der Region belegt. Mittelalterliche Bauwerke und neuzeitliche Verwaltungsänderungen erzählen eine Geschichte, zu der auch umstrittene Gleichsetzungen, Nutzungen und Baudaten gehören.

9 Min. Lesezeit16 QuellenVeröffentlicht: 29 Oktober 2026Zuletzt geprüft: 29 Oktober 2026
Redaktion von Köküne Kadar TVUnsere Quellengrundsätze
Geschichte von Kırşehir: Herkunft des Stadtnamens
Cacabey Medresesi 2.jpg

Woher kommt der Name Kırşehir?

Der Name Kırşehir beschreibt zunächst die Lage des Ortes. Die Türken nannten die Siedlung „Kır şehri“, also Stadt in der Steppe. Mit der Zeit verschmolzen die Wörter. Diese Erklärung verbindet den heutigen Namen mit der Landschaft rund um die Siedlung. Sie gibt dir auch einen guten Einstieg in eine Geschichte, die sich in archäologischen Schichten, mittelalterlichen Bauwerken und späteren Verwaltungsänderungen zeigt.

Die Schreibweise änderte sich im Lauf der Epochen. Kırşehri ist seit der Seldschukenzeit belegt. Die Form erscheint auch in ilkhanidischen und osmanischen Quellen. In der Zeit der Republik setzte sich Kırşehir durch. Wenn du den Namen in einer Adresse liest oder in deine Reiseplanung einträgst, verwendest du diese später verbreitete Form. So begegnet dir die historische Namensgeschichte der Stadt im Alltag.

Ein weiterer Name lautete Gülşehri. Elvan Çelebi brachte ihn mit der Ankunft seines Vaters Âşık Paşa in Verbindung. Seiner Erklärung zufolge verwandelte diese Ankunft die Stadt sinnbildlich in einen Rosengarten. Kır şehri beschreibt eine Landschaft. Elvan Çelebis Deutung von Gülşehri verbindet die Identität der Stadt dagegen mit einer Person und einem literarischen Bild. [1][2]

Wie weit reicht die Geschichte zurück?

Kaman-Kalehöyük belegt die frühe Besiedlung der Region. Der Siedlungshügel liegt beim Dorf Çağırkan in Kaman. Er misst ungefähr 280 Meter im Durchmesser und ist 16 Meter hoch. Seine Schicht IV stammt aus der zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends v. Chr. Schicht III gehört zur mittleren und späten Bronzezeit, vom 20. bis zum 12. Jahrhundert v. Chr.

Diese Schichten belegen eine frühe Besiedlung von Kaman-Kalehöyük. Daraus lassen sich jedoch keine unmittelbaren Aussagen über die Anfänge von Kırşehir selbst ableiten. İlhan Şahin betont diese Unterscheidung in der TDV İslâm Ansiklopedisi: Antike Siedlungsspuren in der Region belegen nicht, wann die heutige Stadt entstand. Der Hügel und die Stadt beantworten daher unterschiedliche historische Fragen.

Auch die Gleichsetzung mit einem antiken Ort muss ihrer Quelle zugeordnet werden. Die türkische Wikipedia setzt Kırşehir mit Makissos gleich. Sie berichtet, dass die Siedlung unter Justinian I. (I. Justinianus) zwischen 527 und 568 wiederaufgebaut wurde und den Namen Justinianopolis erhielt. Şahins vorsichtigere Darstellung verhindert, dass diese Gleichsetzung als unbestrittenes Anfangsdatum der heutigen Stadt gilt. Du kannst diese antike Zuordnung nachvollziehen und dabei ihren Aussagewert im Blick behalten. [1][2][3]

Wie prägte die seldschukische Herrschaft Kırşehir?

1173 kam Kırşehir erneut unter die Herrschaft der anatolischen Seldschuken. Dem war die Eingliederung des danischmendidischen Gebiets durch Kılıç Arslan II. vorausgegangen. 1228 übertrug Kai Kobad I. (Alâeddin Keykubad I.) Kırşehir als Dirlik an Muzafferüddin Muhammed bin Behram Şah aus der Dynastie der Mengücekiden. Diese datierten politischen Veränderungen bieten einen festeren Rahmen für die mittelalterliche Stadtgeschichte als die umstrittene Gleichsetzung mit einem antiken Ort.

Die Provinzverwaltung datiert den ersten Bau der Alaeddin-Moschee (Alâeddin Camii) auf dem Kalehöyük auf 1230, in die Regierungszeit Kai Kobads I. Sie verzeichnet außerdem einen Wiederaufbau durch den Mutasarrıf Arif Bey im Jahr 1893. Beide Daten sind wichtig, wenn du das Bauwerk betrachtest. Seine seldschukische Gründung und der spätere Wiederaufbau gehören zu unterschiedlichen Phasen der Geschichte desselben Denkmals. [2][8]

Ein weiteres datiertes Bauwerk ist das Fatma-Hatun-Mausoleum (Fatma Hatun Kümbeti). Hoca Aka Matır gab es 1266 in Auftrag. Über einem quadratischen Sockel erhebt sich ein achteckiger Baukörper. Innen besitzt das Grabmal eine Kuppel, außen ein achteckiges Kegeldach. An diesen konkreten Merkmalen kannst du das mittelalterliche Baudatum mit der Architektur verbinden. Das Grabmal bleibt damit mehr als ein Name auf einer Liste von Sehenswürdigkeiten. [7]

War die Cacabey-Medrese eine Sternwarte?

Die Cacabey-Medrese (Cacabey Medresesi) besitzt eine Bauinschrift, die ihren Bauherrn und ihre Entstehungszeit nennt. Demnach ließ Nûreddin Cebrâil bin Caca sie 1272–1273 unter Kai Chosrau III. (Keyhusrev III.) errichten. Diese Inschrift bildet den festen Bezugspunkt für die Datierung. Umstritten ist die Funktion des Gebäudes, besonders die Deutung des Schachts in seiner Mitte.

Die Direktion für Kultur und Tourismus der Provinz Kırşehir stellt die Medrese als Zentrum für Mathematik, Naturwissenschaften und Astronomie dar. Den zentralen Brunnen deutet sie als Beobachtungsbrunnen. Semavi Eyice vertritt eine andere Lesart. Er weist darauf hin, dass weder die Stiftungsurkunde noch die Inschrift eine Sternwarte erwähnen. Er versteht den Schacht als Wasserbrunnen. In einer Medrese mit überdachtem Innenhof nehme dieser den Platz eines Springbrunnens ein. [4][5]

Heute dient das Gebäude als Moschee. Die Generaldirektion für Stiftungen schloss seine Restaurierung 2023 ab. Nach ihren Angaben sank der Salzgehalt der Wände, der stellenweise 100 Prozent erreicht hatte, auf etwa 3 Prozent. Die Restaurierung fügt der Geschichte des Bauwerks ein neues Kapitel hinzu. Seine mittelalterliche Funktion wird weiterhin unterschiedlich gedeutet. [5][6]

Was erzählen die Grabmäler und die Kesikköprü?

Die Provinzverwaltung datiert das Grabmal von Âşık Paşa auf 1333. Sie hebt die asymmetrische, vollständig aus Marmor gefertigte Fassade hervor. Für den Ahi-Evran-Komplex verzeichnet die Kulturverwaltung der Provinz mehrere Bauphasen: 1450 entstand ein Gebäude über dem Grab, 1481 folgte eine Erweiterung und 1561 kam eine kleine Moschee hinzu. Diese Denkmäler stehen für unterschiedliche Baugeschichten innerhalb des Kulturerbes von Kırşehir. [8][9]

Das Grabmal von Ahi Evran wurde am 15. April 2014 als Kandidat für das Weltkulturerbe für die UNESCO-Tentativliste eingereicht. Diese Einreichung ist ein eigenes Ereignis neben den Bauphasen des Komplexes. Wenn du die Daten auseinanderhältst, kannst du die Baugeschichte von der späteren Geschichte seiner Anerkennung als Kulturerbe unterscheiden. [10]

Die Kesikköprü liegt ungefähr 20 Kilometer südlich von Kırşehir und überspannt den Kızılırmak. Die seldschukische Brücke besitzt 13 Spitzbögen. Sie ist 400 Meter lang und 6 Meter breit. Ihre Datierung ist weniger eindeutig. Die Besucherseite des Kulturportals nennt 1248, unter Kai Kaus II. (Keykavus II.), und führt Atabeg İzzüddin Muhammed als Bauherrn an. Die Inventarseite verzeichnet dagegen 1251 und Gıyasettin Keyhüsrev. Beide Angaben gehören in eine Darstellung der Brückengeschichte. [11][12]

Details, die du nicht im Reiseführer findest

Cacabeys Stiftungsurkunde trägt das Datum 10. Mai 1272. Neben dem arabischen Dokument sind auch mongolische Zusammenfassungen in uigurischer Schrift erhalten. Ein weiteres Detail betrifft den alltäglichen Sprachgebrauch: Wegen der türkisfarbenen Fliesen am Minarett heißt das Gebäude im Volksmund Cıncıklı Cami. Die offizielle Inschrift, die mehrsprachigen Dokumente und der örtliche Beiname bewahren unterschiedliche Arten historischer Zeugnisse. [4][5]

Die Grabungsgeschichte von Kaman-Kalehöyük hat ebenfalls einen persönlichen Bezug. Voruntersuchungen fanden 1985 statt, die Ausgrabungen begannen 1986. Der japanische Prinz Takahito Mikasa führte den ersten Spatenstich aus. Der Mikasanomiya-Gedenkgarten (Mikasanomiya Anı Bahçesi) erinnert an seine Rolle beim Beginn der Arbeiten. Er umfasst 21.620 Quadratmeter und wurde im September 1993 fertiggestellt. [3][15]

Auch Schicht IId des Hügels ist für die Deutung der Zeit nach dem Hethiterreich wichtig. Die dort belegte Siedlungsabfolge half, eine ältere Sichtweise infrage zu stellen. Diese hatte das 12. bis 8. Jahrhundert v. Chr. als kulturell leere „Dunkle Zeit“ behandelt. Entscheidend ist die ausgegrabene Siedlungsabfolge selbst: Sie lieferte Belege gegen diese pauschale Charakterisierung der Epoche. [3]

Wie veränderten moderne Verwaltung und Archäologie das Bild?

Ein am 30. Juni 1954 verabschiedetes Gesetz hob die rechtliche Eigenständigkeit Kırşehirs als Provinz auf. Das Gebiet wurde auf Nevşehir, Ankara und Yozgat aufgeteilt. Am 1. Juli 1957 erhielt Kırşehir seinen Provinzstatus zurück. Diese Änderungen bilden ein eigenes Kapitel der neueren Geschichte neben den seldschukischen Bauwerken der Stadt und den wesentlich älteren archäologischen Stätten der Region. [16]

Die zweigeschossige unterirdische Stadt von Mucur (Mucur Yeraltı Şehri) wurde in vulkanischen Tuff gehauen. Mit Beschluss 457 vom 22. Juli 1989 wurde sie als archäologische Stätte ersten Grades eingetragen. In Kaman fand am 11. Juli 2010 die Eröffnungsfeier des Archäologischen Museums statt. Das fertiggestellte Museumsprojekt hatte einen japanischen Kulturzuschuss von 436 Millionen Yen erhalten. Denkmalschutz und Museumsentwicklung fügten der archäologischen Geschichte der Region damit weitere datierte Ereignisse hinzu. [13][14]

Zeitleiste

  • Zweite Hälfte des dritten Jahrtausends v. Chr.: Besiedlung von Kaman-Kalehöyük, belegt durch Schicht IV.
  • 1173: Kırşehir kommt erneut unter die Herrschaft der anatolischen Seldschuken.
  • 1228: Die Stadt wird Muzafferüddin Muhammed bin Behram Şah als Dirlik übertragen.
  • 1230: Erster Bau der Alaeddin-Moschee nach Angaben der Provinzverwaltung.
  • 1248 / 1251: Widersprüchliche Baudaten für die Kesikköprü.
  • 1266: Das Fatma-Hatun-Mausoleum wird in Auftrag gegeben.
  • 1272–1273: Bau der Cacabey-Medrese laut ihrer Inschrift.
  • 1333: Datierung des Grabmals von Âşık Paşa.
  • 1450–1561: Verzeichnete Bau- und Erweiterungsphasen am Ahi-Evran-Komplex.
  • 1893: Wiederaufbau der Alaeddin-Moschee.
  • 1954 / 1957: Aufhebung und Wiederherstellung des Provinzstatus.
  • 1986: Beginn der Ausgrabungen in Kaman-Kalehöyük.
  • 1989: Die unterirdische Stadt von Mucur wird unter archäologischen Schutz gestellt.
  • 1993: Fertigstellung des Mikasanomiya-Gedenkgartens.
  • 2010: Eröffnung des Archäologischen Museums Kaman-Kalehöyük (Kaman Kalehöyük Arkeoloji Müzesi).
  • 2014: Das Grabmal von Ahi Evran wird für die UNESCO-Tentativliste eingereicht.
  • 2023: Abschluss der Restaurierung der Cacabey-Moschee (Cacabey Camii).

FAQ

Was bedeutet Kırşehir?

Der Name wird mit „Kır şehri“ erklärt, einem türkischen Ausdruck für eine Stadt oder Siedlung in der Steppe. Die Wörter verschmolzen allmählich. Kırşehri erscheint in seldschukischen, ilkhanidischen und osmanischen Quellen. Kırşehir setzte sich in der Zeit der Republik durch. [1][2]

War die Cacabey-Medrese eine Sternwarte?

Die Deutung ist umstritten. Die Kulturverwaltung der Provinz beschreibt Astronomieunterricht und einen Beobachtungsbrunnen. Semavi Eyice deutet den zentralen Schacht als Wasserbrunnen. Er weist darauf hin, dass die Inschrift und die Stiftungsurkunde keine Sternwarte erwähnen. [4][5]

Wann wurde die Kesikköprü gebaut?

Das Kulturportal veröffentlicht zwei Daten. Seine Besucherseite nennt 1248, sein Kulturinventar dagegen 1251. Die beiden Seiten nennen außerdem unterschiedliche Bauherren. Eine einzige, als unbestritten dargestellte Baugeschichte würde diesen Widerspruch verdecken. [11][12]

Wann erhielt Kırşehir seinen Provinzstatus zurück?

Kırşehir wurde am 1. Juli 1957 wieder eine Provinz. Die rechtliche Eigenständigkeit als Provinz war durch ein am 30. Juni 1954 verabschiedetes Gesetz aufgehoben worden. Dabei wurde das Gebiet auf Nevşehir, Ankara und Yozgat aufgeteilt. [16]

Quellen

  1. Vikipedi — Kırşehir tr.wikipedia.org
  2. TDV-Enzyklopädie des Islam — Kırşehir islamansiklopedisi.org.tr
  3. Japanisches Institut für Anatolische Archäologie — Kaman-Kalehöyük old.jiaa-kaman.org
  4. TDV-Enzyklopädie des Islam — Caca-Bey-Medrese islamansiklopedisi.org.tr
  5. Direktion für Kultur und Tourismus der Provinz Kırşehir — Cacabey und die Astronomie-Medrese kirsehir.ktb.gov.tr
  6. Generaldirektion für Stiftungen — Restaurierung der Cacabey-Moschee vgm.gov.tr
  7. Kulturportal — Fatma-Hatun-Grabmal kulturportali.gov.tr
  8. Provinzverwaltung Kırşehir — Geschichte und Tourismus kirsehir.gov.tr
  9. Direktion für Kultur und Tourismus der Provinz Kırşehir — Ahi Evran-ı Veli kirsehir.ktb.gov.tr
  10. UNESCO-Welterbezentrum — Grabmal von Ahi Evran whc.unesco.org
  11. Kulturportal — Kesikköprü: Besucherseite kulturportali.gov.tr
  12. Kulturportal — Kesik Köprü: Kulturinventar kulturportali.gov.tr
  13. Ministerium für Kultur und Tourismus, DÖSİMM — Kırşehir dosim.ktb.gov.tr
  14. Japanische Botschaft — Archäologisches Museum Kaman-Kalehöyük tr.emb-japan.go.jp
  15. Bezirksverwaltung Kaman — Japanischer Garten kaman.gov.tr
  16. Wikipedia — Provinz Kırşehir en.wikipedia.org

FAQ

Was bedeutet der Name Kırşehir?

Der Name wird mit dem türkischen Ausdruck „Kır şehri“ erklärt. Er bezeichnet eine Stadt oder Siedlung in der Steppe. Die beiden Wörter verschmolzen allmählich zu Kırşehir.

War die Cacabey-Medrese eine Sternwarte?

Ihre Funktion ist umstritten. Die Kulturverwaltung der Provinz beschreibt sie als Zentrum für Mathematik, Naturwissenschaften und Astronomie. Semavi Eyice deutet den zentralen Schacht als Wasserbrunnen. Er betont, dass weder die Inschrift noch die Stiftungsurkunde eine Sternwarte erwähnen.

Wann wurde die Kesikköprü gebaut?

Zwei Seiten des Kulturportals nennen unterschiedliche Baudaten. Die Besucherseite gibt 1248 an, das Kulturinventar dagegen 1251.

Wann erhielt Kırşehir seinen Provinzstatus zurück?

Kırşehir erhielt am 1. Juli 1957 seinen Provinzstatus zurück. Die rechtliche Eigenständigkeit als Provinz war durch ein am 30. Juni 1954 verabschiedetes Gesetz aufgehoben worden.

Image: Cacabey Medresesi 2.jpg — Kharkil, CC BY-SA 4.0

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